Forum: Leben und Lernen
Digitalpakt: Lehrer fühlen sich mit digitalen Medien im Stich gelassen
DPA

Bremsen die Lehrer den digitalen Wandel im Klassenzimmer aus? Nein, sagen vielen von ihnen: Wir würden ja gerne anders unterrichten - wenn wir nur könnten.

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browserhead 01.03.2019, 08:07
10. Forumsrecherche?

Also bitte, Herr Himmelrath. Da hat man ihre dürftigst recherchierte Digitalmedien-Geschichte mit der völlig irreführenden und reißerischen Skandalüberschrift "Wie Lehrer sich der Zukunft verweigern" mit rund 200 (!) empörten Leserbriefen (und ein paar von Stammtischbildungspolitikern, die zum Beispiel Zwangsfortbildung in den Osterferien für die "faulen Säcke" verlangten) um die Ohren gehauen und jetzt kommen Sie mit einer verschämten Richtigstellung. Deren Rechercheaufwand bestand dann auch nur in zwei drei zitierten Lehrern. Das rückt die Sache fadenscheinig wieder grade. Aber, wie wäre es denn mal mit einer richtig recherchierten Geschichte über den sehr komplexen Gesamtkomplex Schule und Medien und das ständige Hineinregieren mit halbgaren Bildungskonzepten (die grandiose G8-Idee in NRW, die die Schulen jahrelang beschäftigt hat um dann kurzerhand wieder einkassiert zu werden, das völlig irrsinnige "Qualitätsanalyse"-Projekt, dessen Ergebnisse nach jahrelangem Konzept-Terror dann sang- und klanglos in der Schublade verschwinden, dazu Inklusion und Seiteneinsteiger auf Sparflamme, ständig neue Prüfungsvorgaben und -formate etc., die die Digitalisierung nur zum Nebenschauplatz machen... usw usf.). Das wäre mal eine richtige Geschichte! Zu aufwendig? Das ist die Lage der Lehrer, die angesichts wegen all dieser Hemmschuhe nur das Beste draus machen können ... und dafür ls Bremser bezeichnet werden. Danke!

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neogener 01.03.2019, 08:07
11. Digitalisierungshype

Die Digitalisierung der Klassenzimmer ist ein Hype, der vor allem von der IT-Industrie und entsprechenden Lobbyverbänden gepuscht wird und von den meisten Bildungspolitikern dann unreflektiert nachgeplappert wird. Der Einsatz digitaler Medien im Schulunterricht macht in wenigen Ausnahmefällen Sinn. Oftmals ist es aber geradezu kontraproduktiv. Die Schulen sollten erst einmal funktionierende Toiletten und schimmelfreie Klassenzimmer erhalten. Meinetwegen noch einen schnellen, funktionierenden Netzzugang sowie einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich um die wenige, aber dann hoffentlich funktionierende IT-Infrastruktur und die IT-Sicherheit kümmert. Whiteboards und Tablets flächendeckend in allen Fächern einsetzen zu wollen ist Schnee von gestern und verschwindet hoffentlich schnell wieder in der Schublade. Genauso verhält es sich mit einem Großteil der medienpädagogischen Angebote für den digitalen Schulunterricht.

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Lady2Luck 01.03.2019, 08:08
12. Das Schultablet: Fenster zur Welt und zur Erkenntnis (eine Vision)

An meiner Schule mit ca. 1500 Schülerinnen und Schülern sowie ca. 150 Lehrerinnen und Lehrern arbeiten die meisten Kolleginnen und Kollegen mit digitalen Medien, und zwar auf Konferenzen, bei Koordinationen, bei der Unterrichtsvorbereitung und allem was so außerhalb von Unterricht stattfindet. Die dafür notwendige Hardware (Surface, iPad o. ä.) und Software ist selbstverständlich — wie in meinem Berufsstand üblich — privat finanziert. Eine angemessene technische Ausstattung in den Unterrichtsräumen gibt es ebenso wenig wie z. B. Tabletts für unsere Schülerinnen und Schüler. Wartung schulischer IT? Kaum gegeben. Flächendeckendes WIFI in der Schule? Fehlanzeige.

Nun die Vision: Alle an der Schule Beschäftigten erhalten vom Dienstherrn (Staat) ein Tablet und die Zugänge zu den notwendigen Schulbüchern und darüber hinausgehenden digitalen Inhalten (Videos, interaktive Tests, „Spiele“ usw. — also solche Inhalte, die vor allem auch einen Mehrwert gegenüber einem gedruckten Buch vorweisen). Die gesamte schulische IT wird außerdem ständig aktuell gehalten und gewartet. Ersatzgeräte stehen in ausreichender (unbegrenzter) Anzahl zur Verfügung, um sicherzustellen, dass auch bei Defekt oder Verlust niemand ohne Arbeitsmaterial dasteht. Das wäre super!
Halt, es fehlt noch etwas.
Neben dem technischen Support für die Hardware gibt es natürlich noch einen User-Help-Desk (für mehrere Schulen gemeinsam), der von den Usern (Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer) 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche an 365 (366) Tagen pro Jahr kontaktiert werden kann, um bei Problemen („Hilfe, morgen schreibe ich eine Arbeit und Schulbuch xxx lässt sich online nicht öffnen. Was soll ich jetzt machen?“ o. ä.) schnell Abhilfe schaffen kann und wird.
Ebenfalls öffnen lassen sich diese medialen Inhalte wie digitale Schulbücher (gibt es i. d. R. nur online), Videos usw. auch bei den Nutzern zu Hause. Die benötigen ein heimisches WIFI. Nun, da dies hier eine Vision ist, richten die Behörden/der Staat das natürlich auf Kosten der Steuerzahler ein. Ebenso funktioniert auch das z. Z. aktuelle 4G-Netz in Deutschland flächendeckend ohne die geringste Unterbrechung. Es soll nämlich Menschen geben, die ihren Arbeitsweg (z. B. bei längeren Bahnfahrten) nutzen, um zu arbeiten. Hausaufgaben machen, für Arbeiten lernen usw. Und damit das auch funktioniert, gibt es nicht nur eine lückenlose, flächendeckende Versorgung mit 4G und/oder WIFI, sondern die Geräte (Surface, iPad etc.) besitzen alle einen SIM-Karten-Slot und sind natürlich mit einer solchen Karte bestückt, die ein entsprechendes Datenvolumen auf Kosten des Steuerzahlers zur Verfügung stellt.

Ach — ich freue mich auf die kommenden 5 Mrd. Euro, die all das und noch viel mehr realisieren werden; natürlich dauerhaft. Meine Schülerinnen und Schüler werden nie wieder schwere Bücher schleppen müssen. Alles ist in einem kleinem Tablet vorhanden. Das Schultablet: Fenster zur Welt und zur Erkenntnis.

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thevicar 01.03.2019, 08:10
13. Der falsche Ansatz

Es war und ist, wie immer, der deutsche Ansatz, der falsche Ansatz.
Hier gehen die Briten als leuchtendes Beispiel mit ihrem Raspberry Pi voran. Ein Einplatinen-Rechner wurde entwickelt, der kostenmäßig von jedem Schüler zu schultern ist (je nach Ausbaustufe ca. 40,00 Euro).

Digitales Wissen vermitteln hardwarebezogen, softwarebezogen, aber nicht laptopmässig vorgekaut sondern zum Mitdenken und modular ausbaufähig. Fertig auf dem Markt für die Kosten eines Schulbuches.

Aber, wie gesagt: Zum Mitdenken für Schüler und Lehrer.

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netterscheff 01.03.2019, 08:12
14.

Einen Vokabeltrainer ohne Google & Co und unabhängig von den großen Verlagen ist eine prima Idee. Aber: Wir zahlen das dann von den Steuern. Wenn es dann prima funktioniert, kommt einer von den Verlagen und klagt auf Wettbewerb und wird gewinnen. Dann zahlen wir es zweimal.

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fluxus08 01.03.2019, 08:17
15. Schuld sind immer die anderen.......

"Die 33-Jährige hat Zweifel, dass der Digitalpakt daran etwas ändert, "denn das wurde ja extra von den Ländern so verhandelt, dass das Bundesgeld nicht für zusätzliches Personal eingesetzt werden darf".

Einen Satz zuvor hatte die Dame noch dem mangelhaften, kaum vorhandenen Material die Schuld gegeben, welches angeblich in der "Freizeit" repariert werden würde und etwas später glaubt sie also, dass sich nichts ändern würde, läge am zu geringen Personal.

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PeterAverage 01.03.2019, 08:18
16. Digitale Geräte sind Werkzeuge, kein Selbstzweck

"Letztlich aber, betont Trautmann, sei digitales Lehrmaterial ohnehin keine Garantie für besseren Unterricht: "Der Inhalt muss zum Kind, darum geht es." Das ist für mich der wichtigste Satz in diesem Artikel. Wenn heute oft betont wird, dass Schulen Laptop- oder wie oben beschrieben iPad-Klassen (Glückwunsch, perfekte Markenbindung!) einrichten, klingt das für viele (Eltern) zunächst mal topmodern. Haben denn dieselben Schulen früher damit geworben, Kreidetafel-Klassen eingerichtet zu haben? Digitale Geräte sind und bleiben Werkzeuge, die - didaktisch sinnvoll eingesetzt - Schülern und Lehrern in bestimmten Lernsituationen von Nutzen sein können. Mir ist jedoch keine einzige Studie bekannt, die belegen würde, dass Schülerinnen und Schüler aus "digitalisierten Schulen" besser lernen/bessere Abschlüsse erzielen, als solche aus Schulen, die vielleicht "nur" einen zentralen (aber dafür gut ausgestatteten) Computerraum zur Verfügung haben.

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netterscheff 01.03.2019, 08:21
17. Neue Welt

Beispiel aus dem ersten Bild: Den Aufbau und die Arbeit mit einer Mindmap brauche ich keinen Computer. Tony Buzan hat die Mindmap erfunden, da waren Computer noch was für Einzelne. Zumal das erlernen der Idee der Mindmap durch den Computer eher hinderlich. Wenn es also um modernere Kommunikation in der Anwendung geht, ist machmal sogar eine gute alte Tafel völlig ausreichend. Nur dem Mut und und die Ideen zur Umsetzung von Neuem, den muss der Lehrkörper (oder heißt das jetzt im generischen Femininum die Lehrkörper*in) schon selber mitbringen.

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fördeanwohner 01.03.2019, 08:25
18. -

Zitat von fuchsi
Das Warten auf eine eigene IT Abteilung an jeder Schule kann noch lange dauern. Wie wäre es, cleveren Schülerinnen und Schülern in der Zwischenzeit diese Aufgabe anzuvertrauen, sozusagen in Selbstverwaltung? Es gibt doch auch so schon viele Projektkurse, und das wäre mal ein nützliches.
Sicher, das geht sogar sehr gut. An meiner Schule haben wir so eine Gruppe. Zusätzlich werden jeweils zwei Kids aus jeder Klasse ausgebildet, um andere Kids zu beraten. Es gibt Workshops für S,E und L. Aber hätten wir tatsächlich digitale Geräte für sämtliche SuS würden die SuS, die derzeit hier aktiv sind, keine Zeit mehr für den Unterricht haben. Die begleitenden Lehrkräfte natürlich auch nicht.
So toll dieses Konzept ist, so darf man dabei nicht vergessen, dass man im Prinzip nur deren Gutmütigkeit ausnutzt bzw. sie ab einem gewissen Grad des Engagements sogar ausbeutet.
In der Welt da draußen gibt es dafür Menschen, die bezahlt werden.
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Trymon 01.03.2019, 08:29
19. Überseht nicht den traurigen Nebensatz

Es dürfte sehr nahe an der Realität sein und es ist eine traurige Realität, dass tatsächlich Schulbücher in vielen Haushalten die ersten vorhandenen Bücher sind.
Bücher gehören in jeden Haushalt und sie gehören auch gelesen. Von den Eltern und von den Kindern natürlich auch. Wenn sich keine vernünftige Anzahl an Büchern in einem Haushalt befindet, dann ist das meiner Meinung nach ein intellektuelles Armutszeugnis. Auch kann kein Tablet oder eBook reader das Gefühl eines echten Buches vermitteln. Allerdings sind natürlich auch die vorteile digitaler Bücher nicht von der Hand zu weisen. Sie benötigen wesentlich weniger Platz. So musste auch ich mittlerweile dazu über gehen mir nur noch besonders gute, oder schön aufgemachte, Bücher in Papierform zu kaufen. Alles was dann noch nebenher gelesen wird kommt auf den Tolino aber nach einigen hundert Büchern geht eben irgendwann der Stauraum verloren.

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