Forum: Leben und Lernen
Digitalpakt: Lehrer fühlen sich mit digitalen Medien im Stich gelassen
DPA

Bremsen die Lehrer den digitalen Wandel im Klassenzimmer aus? Nein, sagen vielen von ihnen: Wir würden ja gerne anders unterrichten - wenn wir nur könnten.

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fördeanwohner 01.03.2019, 08:29
20. -

Zitat von iasi
Dabei sollte es darum gehen, den Schülern die Nutzung von Computern, Anwendungssoftware und eben den Inhalten im Internet zu vermitteln. Schon das gezielt suchen nach Informationen im Internet fällt Schülern, die "pro Tag bis zu acht Stunden elektronische Medien nutzen" schwer. Die Inhalte, die die Fachlehrer in ihrem 45-Minuten-Takt vermitteln wollen, sind oberflächlich und oft unnütz. Da das Thema erst in der 10.Klasse behandelt wird, hat ein großer Teil der Schüler keine Ahnung vom Holocaust oder dem Hintergrund unseres Nationalfeiertags. Alles ist auf den 45-Minuten-Takt ausgerichtet, daher fährt auch jeder Lehrer den Rechner zu Beginn der Stunde herauf und am Ende wieder herunter. Dies entspricht dem Denken in unseren Schulen. Trotz Smartboards funktioniert Unterricht noch immer wie vor 40 Jahren. Daran werden auch die Milliarden vom Bund nichts ändern.
? Ich verstehe Ihre Aussage nicht. Wollen Sie uns sagen, dass alle Lehrkräfte nur gut vermitteln müssten, wie man richtig sucht, damit die Kids etwas lernen? Inhalte bräuchten sie dann nicht mehr zu unterrichten und erarbeiten lassen?

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gerchla63 01.03.2019, 08:35
21. Das ist ja ulkig...

Im Text steht: "Die Kosten für die Entwicklung guter Lernsoftware seien für die Verlage aber vielleicht so hoch. Das könnte eine Aufgabe für die öffentliche Hand sein, und das sogar europaweit...". Das ist ja ulkig: In den letzten Jahren wurde der Urheberrechtsschutz bei digitalen Lehrmedien mehrfach gelockert. Wenn dann auch noch sehr wenig für die Verwendung/Ausleihe dieser Digitalmedien gezahlt wird, wundere ich mich nicht, dass es sich für Verlage kaum rechnet, so etwas auf den Markt zu bringen. Und JETZT soll bitteschön die öffentliche Hand her und das finanzieren. Das ist mehr als ulkig: Erst den Urheberschutz permanent lockern und löchern und sich dann wundern, wenn es sich für die Verlage nicht mehr rentiert. :-(

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a.meyer79 01.03.2019, 08:44
22. Korrekt!

Zitat von Apuleius_Madaurensis
Ich gehöre zu den genannten Lehrern, die im Alleingang die Technik ihrer Schule mit rund 80 Kollegen am Laufen halten. Rechner kaputt - kein Problem, bekomme ich hingebogen. Treiberprobleme, weil Intel und HP zu dusselig sind - klar, ich betreibe Fehleranalyse und regele das. Unterstützung von Kollegen - in jeder Pause und auch in meinem Unterricht, gerne. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht. Es gibt so gut wie keine Abminderungsstunden, eine Funktionsstelle schon gar nicht. Gleichzeitig muss ich um jedes Stückchen Technik betteln, damit wir vom Schulträger Brosamen bekommen. Das führt dann teilweise zu Situationen, dass ich einige Beamer beschaffen konnte - bloß installieren kann ich sie nicht, weil der Schulträger über Monate nicht den Techniker beauftragt, der die Stromleitung legt. Ich selbst oder unser Hausmeister dürfen das ja nicht. Und das WLAN-Konzept, das ich schon vor Jahren geschrieben habe? Angeblich steht es für dieses Jahr auf dem Haushaltsplan. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Krug geht solange zu Brunnen, bis er bricht. Wenn die Schulträger und Länder weiter so mit ihren Lehrern umgehen, ist demnächst eine endgültige Belastungsgrenze erreicht. Und das hat nichts mit dem Willen oder Fortschrittlichkeit der Lehrer zu tun.
Das ist ja gerade der Witz. Ich lache jedesmal, wenn ich die Herrschaften Politiker über die 5 Mrd. schwätzen sehe bzw. höre. Ich gehöre auch zu den Dummen, die sich der IT in der Schule annehmen. Der Schulträger ist mit der IT-Fragestellung völlig überfordert. Die Schulträger werden nicht drum herumkommen, eine professionelle IT-Abteilung (meinetwegen für viele Schulen gleichzeitig) aufzubauen, die Lehrer werden den Teufel tun und auch noch die IT warten. Das macht ja in einem vergleichbar großen Unternehmen auch keiner. Und daran wird der ganze digitale Schnick-Schnack auch scheitern. Zuerst müsste massiv in IT-Infrastruktur und Infrastruktur generell (Raumgrößen, Steckdosen etc.) investiert werden, dann in Personal, was die IT wartet und dann in die Fortbildung der Lehrer (m/w/d). Das ist aber nicht vorgesehen. Vorgesehen ist, dass 5 Mrd. mit der Gieskanne ausgeschüttet werden und die Lehrer (m/w/d) das irgendwie selber regeln. Es ist zum Scheitern verurteilt.

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mantrid 01.03.2019, 08:47
23. Fetisch Digitalisierung

Ein eingescanntes Schulbuch macht noch lange keinen digitalen Unterricht. Die Chance der Digitalisierung besteht darin, komplexe Sachverhalte zu Visualisiern und sich an das individuelle Lerntempo eines Schülers anzupassen. "Wir lesen jetzt gemeinsam vom Tablet" reicht eben nicht. Und der moderne Hausmeister muss nicht nur Stühle leimen können, sondern auch ein IT-System administrieren. Lebenslanges Lernen gilt übrigens auch für Lehrer. Von den Schülern wird das selbnständige Erarbeiten von Lehrinhalten verlangt, warum dann nicht das selbständige Erarbeiten von IT-Kenntnissen bei Lehrern?

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DJ Doena 01.03.2019, 08:53
24.

Ich bin Informatiker, ich hatte meine erste EDV-Klasse in der 8. (1991-1992 - Sachen eintippen in Word für DOS) und dann Informatik ab der 11. Klasse. Ich hab 1995 angefangen, via AOL ins Internet zu gehen und war vorher schon ein paar Jahre in Berliner Mailbox-BBSen unterwegs. Ich bin seit 2001 vollberuflicher Software-Entwickler.

Und ich sehe nicht, wo iPads und Notebooks das Lernen in den jüngeren Klassen gravierend verbessern könnten. Schon gar nicht, wenn diese Rechner Internetzugang haben.

Ich hatte ja schon als Volljähriger (wenn auch nicht ganz erwachsen ;-)) Probleme damit, mich auf Vorlesungen zu konzentrieren, wenn ich dabei vor einem PC saß. Und das war 1999, wo im Internet ja nun noch nicht ganz so viel los war.

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debahn 01.03.2019, 08:55
25.

Eigentlich wurde ja schon alles gesagt und die Lehrer-Basher halten sich dieses Mal angenehm zurück, man lese und staune!
Nur noch eine kleine Anmerkung: Diese 5 Mrd klingen natürlich erstmal ganz toll, aaaaaber wer glaubt daran, dass dahinter ein schlüssiges Konzept steht? Was dringend gebraucht wird, an vielen Schulen schon jetzt, ist einen absoluten Fachmann für die Technik einzustellen! Wir Lehrer sollen das alles so "nebenbei" lösen, haben aber weder die Zeit noch die Ausbildung dafür. Wenn von 15 Rechnern im PC-Raum (bei 22 Schülern ....) nur einer ausfällt, ist die Hölle los und man merkt, wie schnell 45 Minuten vorbei sein können. Die Schüler haben nichts gelernt und der überforderte Lehrer ist nervlich extrem strapaziert.
Das ist eben BRD: am Personal wird gespart bis zum "Gehtnichtmehr" und diese 5 Mrd fließen zuallererst den Herstellern der Geräte und Software zu!

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fördeanwohner 01.03.2019, 08:59
26. -

Zitat von mantrid
Ein eingescanntes Schulbuch macht noch lange keinen digitalen Unterricht. Die Chance der Digitalisierung besteht darin, komplexe Sachverhalte zu Visualisiern und sich an das individuelle Lerntempo eines Schülers anzupassen. "Wir lesen jetzt gemeinsam vom Tablet" reicht eben nicht. Und der moderne Hausmeister muss nicht nur Stühle leimen können, sondern auch ein IT-System administrieren. Lebenslanges Lernen gilt übrigens auch für Lehrer. Von den Schülern wird das selbnständige Erarbeiten von Lehrinhalten verlangt, warum dann nicht das selbständige Erarbeiten von IT-Kenntnissen bei Lehrern?
? Ach so, ja, die Kids gehen gar nicht in die Schule, sondern erarbeiten sich alles selbstständig zuhause. Stimmt! Und daher sollten Lehrkräfte das natürlich auch tun. Und das ist ja auch gar kein Problem, da die SuS ja zuhause sind und alles selbstständig erarbeiten. So haben Lehrkräfte genügend Zeit dafür, nur für sich alles selbstständig zu erarbeiten ...
Ja, wenn man das so sieht, ... Wie gesagt "so sieht". Nichts für ungut, aber das mag in einem Paralleluniversum so sein, hier auf diesem ist es doch etwas anders.

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benmartin70 01.03.2019, 09:03
27.

Zitat von engelsgaard
Bei mir lenkt jemand der in der ersten Reihe spielt die gesamt Klasse ab (zumindest diejenigen die nicht spielen).
Finde den Fehler......

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Broko 01.03.2019, 09:03
28.

Ein Beispeil aus der Praxis: An unserer Schule sind von fünf Active Boards zwei nicht mehr zu gebrauchen, die drei anderen alle paar Wochen defekt, bis zur Reparatur dauert es ein, zwei Wochen, bis sich überhaupt mal jemand von der Stadt, die die Wartung übernimmt, in die Schule bequemt!
Ähnlich sieht es bei den PCs aus - hinzukommt, dass die Stadt volle Kontrolle über Betriebssystem- und Software-Einstellungen und Installationen an sich gerissen hat: Ein sinnvolles Arbeiten ist so nicht mehr möglich - als Lehrer kommt man sich nur noch als Bittsteller, eher als Querulant vor, dessen Flehen nach wochenlangem Warten bestenfalls rudimentär - eher gar nicht - bearbeitet wird. Dass sich Windows alle paar Wochen großzügig selbst updatet und die Rechnerräume in dieser Zeit komplett lahmlegt, ist eines der vielen Probleme - unsere Bitte an die Stadt, dies zu unterbinden, wird bis heute ignoriert ...

Ich bin komplett wieder auf Kreide und Buch umgestiegen - alles andere ist Schilda ...

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markus_wienken 01.03.2019, 09:03
29.

Zitat von mantrid
Ein eingescanntes Schulbuch macht noch lange keinen digitalen Unterricht. Die Chance der Digitalisierung besteht darin, komplexe Sachverhalte zu Visualisiern und sich an das individuelle Lerntempo eines Schülers anzupassen. "Wir lesen jetzt gemeinsam vom Tablet" reicht eben nicht. Und der moderne Hausmeister muss nicht nur Stühle leimen können, sondern auch ein IT-System administrieren. Lebenslanges Lernen gilt übrigens auch für Lehrer. Von den Schülern wird das selbnständige Erarbeiten von Lehrinhalten verlangt, warum dann nicht das selbständige Erarbeiten von IT-Kenntnissen bei Lehrern?
Quatsch, kein Hausmeister (Handwerker) wartet noch nebenbei IT-Systeme.
Und auch von Lehrern kann man das nicht erwarten. Ein Netzwerk an einer Schule zu planen, aufzubauen und zu betreiben ist eine gänzlich andere Hausnummer als ein Kleinnetzwerk welches manche "Nerds" (wie ich) sich zuhause aufbauen.
Hierzu bedarf es professionellen Personals.

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