Forum: Leben und Lernen
Digitalpakt Schule: Endlich raus aus dem Schlafmodus
DPA

Bund und Länder haben sich doch noch geeinigt: Bald werden 5,5 Milliarden Euro in die technische Ausstattung von Schulen fließen. Doch mit ihrer Aufplusterei haben Politiker das Vertrauen der Bürger verspielt.

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ondrana 21.02.2019, 20:13
30. Unterricht Teil 1

Zitat von wealthofnations
... mir hat auch noch niemand erklären können, was in der Schule jetzt dadurch plötzlich besser werden soll. M.E. nach alles "nice to have", aber kann man all das Geld nicht sinnvoller verwenden ? Bin selber Naturwissenschaftler und hatte mein ganzes Leben lang mit IT zu tun, aber dieser von Politikern angezettelte "Digitale Schule - Hype" macht mich mehr als skeptisch. Meine kids sind gerade mit der Schule fertig, da waren sicherlich einige Dinge verbesserungswürdig, aber mit IT hatte das meist nichts zu tun ...
Ganz normale Unterrichtsstunde Englisch 10. Klasse, Realschule, wenn man denn alles zur Verfügung hat:
Warm up:
Doppeltes Kugellager. Schülerinnen stehen in einem Innenkreis und einem Außenkreis, jede/r hat eine kleine Fragekarte, die kurze Gespräche iniitieren soll.
Lehrkraft klickt und es ertönt: "Im walking" von Fats Domino. Schüler/innen bewegen sich im Kreis, wenn die Musik stoppt, haben sie einen Partner, mit dem tauschen sie sich kurz auf Englisch über die Fragekarten aus. Musik ab. Schüler/innen swingen locker mit der Musik. Obwohl es morgens 8.05 ist. Das Ganze 4-5 Mal. Natürlich könnte die Lehrkraft auch einen alten Plattenspieler in die Klasse schleppen. ist aber nicht so prickelnd. Und es kostet wertvolle Zeit.

Einführung:
Kurze Powerpoint über einen geplanten Aufenthalt in einem Hotel. Fotos zeigen die geschönten Bilder des Hotels. Aber dann: die Fotos, die die Person selbst gemacht hat: Zerrissene Bettwäsche, schimmeliges Badezimmer, kaputter Fernsehbildschirm. Dabei führt man gleich die Vokabeln "cracked", "torn" und"moldy" ein. Man muss sie nicht übersetzen im Sinne des einsprachigen Unterrichtes, die Bilder reichen. Man hätte die Schüler/inne natürlich auch zutexten können, sagen, sie sollen die Vokabeln im Wörterbuch nachschlagen. Aber auch das nicht so prickelnd. Und es kostet Zeit.

Erarbeitung:
Jetzt sollen Die Schüler/innen einen Beschwerdebrief schreiben. Die Teile eines Beschwerdebriefes sind bereits auf dem Smartboard zu sehen: Erklären, wann und wo es passiert ist, was das mit einem gemacht hat, welche Lösungen man vorschlagen möchte, welche Konsequenzen das hat, wenn das Hotel nicht reagiert. alternativ schreiben die Schpler/innen das ins Heft und man projeziert das mit einer Dokumentenkamera auf das Smartboard.
Könnte man natürlich auch an die Tafel schreiben. Kostet aber Zeit.
Schüler/innen dürfen die Vokabel-App nutzen, um den Beschwerdebrief zu schreiben. Auf dem Tablet oder Laptop.

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ondrana 21.02.2019, 20:14
31. Unterricht Teil 2

Zitat von wealthofnations
... mir hat auch noch niemand erklären können, was in der Schule jetzt dadurch plötzlich besser werden soll. M.E. nach alles "nice to have", aber kann man all das Geld nicht sinnvoller verwenden ? Bin selber Naturwissenschaftler und hatte mein ganzes Leben lang mit IT zu tun, aber dieser von Politikern angezettelte "Digitale Schule - Hype" macht mich mehr als skeptisch. Meine kids sind gerade mit der Schule fertig, da waren sicherlich einige Dinge verbesserungswürdig, aber mit IT hatte das meist nichts zu tun ...
Ergebnissicherung:
Einzelne Schüler/innen schicken ihren Beschwerdebrief auf das Smartboard, gemeinsam schaut man an, was gut ist und was verbesserungswürdig. Korrigiert wird in Echtzeit.
Man könnte natürlich die Schüler das auch vorlesen lassen, wo dann die Hälfte nicht zuhört und Orthografiefehler gar nicht zur Sprache kommen.

Didaktische Reserve:
Lehrer zeigt einen kurzen Clip, indem ein Walisischer Hotelier mit fettem Akzent erzählt, welche furchtbaren Hotelgäste er manchmal hat. vorher gibt es zwei kurze Beobachtungsaufträge, die man als Lehrkraft vorformuliert hat und die nach dem Clip wieder auf dem Smartboard erscheinen.
Alternativ hätte man auch ein langweiliges Arbeitsblatt mit dem Dialog rausgeben können.

Für kranke Schülerinnen oder diejenigen, die sich noch einmal für eine Klassenarbeit vorbereiten wollen, werden alle Dateien auf dem schuleigenen Server abgelegt.

SO geht Digital.

Alternativ kann man die Arbeitsblätter auch Willi mitgeben, der dann vergisst, Bärbel die nach Hause zu bringen.

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ditoman 21.02.2019, 22:01
32. Was ist das eigentlich

für eine neue Technik, die die Schüler - zum Glück - verpasst haben? WAS sollen Schüler lernen? Und WIE tun sie das? Warum sollen Schüler auf digitale Geräte abgerichtet werden, die veraltet sind, wenn sie auf den Arbeitsmarkt strömen? WEM nutzt der Digitalpakt? Sicherlich der Industrie. Die Silicon-Valley-Eliten wissen schon, warum sie ihre Zöglinge auf Waldorfschulen schicken: Um sie vor ihrer eigenen digitalen Technik zu schützen, an der sie so kräftig verdienen. Was könnte man nicht alles mit dem Geld machen: Theater AGs im ganzen Land, Lehrer einstellen, kleinere Klassen, Bücher anschaffen. Lassen Sie Götz Eisenberg mal auf SPON schreiben gegen diese Ideologie des Digitalismus...

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pate_jr 21.02.2019, 22:56
33. @31

Ach schön, ganz normale Stunde. Sehr gut im Seminar aufgepasst. Natürlich sind eine digitale Tafel, sowie eine Dokumentenkamera hervorragende Werkzeuge. Doch müssen es denn Laptops und Tablets sein? Das Schreiben mit einem Stift ist für das Lernen äußerst wichtig. Vielleicht mal im Seminar gehört. Vom Copyright und Servern will ich gar nicht anfangen. Und es schreibt sich „mouldy“, wenn man im UK unterwegs ist.

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timm2525 22.02.2019, 06:39
34. Das Geld reicht vorne und hinten nicht

Ich weiß ja nicht, ob Sie sich schon einmal einen Schulraum angesehen haben. Wenn man Glück hat, gibt es da zwei Steckdosen. Für Laptop und Beamer benötigt ein Lehrer also nicht selten eine kabeltrommel, da die Steckdosen orgendwo angebracht sind. Soll nun Digitalisierung stattfinden, benötigt jede Schule bei ca. 40 Klassenräumen und jeweils 30 Schülern 1200 neue Steckdosen. Auf Grund der hieraus resultierenden Folgekosten in den meisten Altbauten ist diese Elektroinstallation mindestens genauso aussichtslos, wie der Bau des Berliner Flughafens. Auch W-Lan wäre wünschenswert, aber ohne Glasfaser und teure Switches kann das hierbei entstehende Datenvolumen wohl kaum gehandelt werden.

Insbesondere über den Passus, dass der Schulträger in Verantwortung für Planung und Ausführung ist, kann ich nur lachen. In 90% aller Fälle handelt es sich dabei ja Wohl um den größten Hort digitaler Inkompetenz der vorstellbar ist...ich fürchte daher, dass das Geld bei irgendwelchen Planungsbüros und Beratern versickert, die dann Kostenvoranschläge einreichen, die die Kommunen nicht bezahlen können und wollen...also reichen die 137.000€ pro Schule bestenfalls für einen überflüssigen Computerraum...obwohl man theoretisch ca 250 ordentliche Laptops pro Schule kaufen könnte. Aber das wird die Lobby aus Elektrikern und Systemberatern sicher zu verhindern wissen.

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ondrana 22.02.2019, 06:48
35.

Zitat von pate_jr
Ach schön, ganz normale Stunde. Sehr gut im Seminar aufgepasst. Natürlich sind eine digitale Tafel, sowie eine Dokumentenkamera hervorragende Werkzeuge. Doch müssen es denn Laptops und Tablets sein? Das Schreiben mit einem Stift ist für das Lernen äußerst wichtig. Vielleicht mal im Seminar gehört. Vom Copyright und Servern will ich gar nicht anfangen. Und es schreibt sich „mouldy“, wenn man im UK unterwegs ist.
Ja. Ganz normale Stunde. Nichts Großartiges, einfach Standardunterricht. Das Schreiben mit dem Stift wird ja nicht abgeschafft. Nur in dieser Stunde wird er nicht gebraucht.
Und ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Ich glaube, Sie müssen mich da nicht belehren.

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ondrana 22.02.2019, 06:57
36.

Zitat von pate_jr
Ach schön, ganz normale Stunde. Sehr gut im Seminar aufgepasst. Natürlich sind eine digitale Tafel, sowie eine Dokumentenkamera hervorragende Werkzeuge. Doch müssen es denn Laptops und Tablets sein? Das Schreiben mit einem Stift ist für das Lernen äußerst wichtig. Vielleicht mal im Seminar gehört. Vom Copyright und Servern will ich gar nicht anfangen. Und es schreibt sich „mouldy“, wenn man im UK unterwegs ist.
Zudem: Wenn Sie wirklich glauben, dass es im Unterricht immer nur entweder Tablet ODER Stift geben kann, wissen Sie wenig über Unterrichtsrealität an unseren Schulen (zumindest denjenigen, die überhaupt eine Ausstattung haben). Dann sind es eher SIE, der/die eindimensional denkt.
Und der Hinweis auf "moldy /"mouldy" ist ein armseliger Versuch, sich clever und polyglott darstellen zu wollen.
Es ist doch beides richtig. Wo also ist Ihr Problem?

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a.meyer79 22.02.2019, 07:09
37. Wette

Liebe Autorin. Ich wette mit Ihnen, dass der Großteil unserer Schulen in 5 Jahren keine nennenswerten Verbesserungen im digitalen Bereich haben werden. Das scheitert an Kleinigkeiten wie drei Steckdosen auf einer alten Sicherung oder ein fehlender High-Speed-internetzugang (Ich vermeide bewusst Breitband, denn den wird es in D erst recht nicht flächendeckend geben). Und für den Aufbau einer grundsätzliche Infrastruktur (Strom, Internet) reichen die dusseligen 5 Mrd nicht aus.

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bernd0963 22.02.2019, 09:13
38. "Endlich raus aus dem Schlafmodus"

kommt ihnen das nicht selbst lächerlich vor diese Aussage ?
Wem nutzen super tolle Tablets wenn der Netzzugang unterirdisch "gut" ist - eine 16000 Leitung bringt auch mit der tollsten neuen Technik niemanden etwas aber immerhin steht die Politik jetzt nicht mehr ganz so doof da - sie hat was was beschlossen

.....auch wenn es nichts ändern oder gar verbessern wird

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tomlex27 22.02.2019, 10:57
39. Fehlende Basisausstattung

Jetzt sollen fünf Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur der Schulen gesteckt werden! Interessant. Glaubt jemand, dass unsere Schüler dadurch besser Lesen, Schreiben und Rechnen können? Glaubt jemand wirklich, dass man durch Einschaltung der automatischen Rechtschreibprüfung oder lediglich durch Eingabe der Koordinaten eine Kurvendiskussion versteht. Glaubt jemand allen Ernstes, wenn vorne eine Tafel durch ein Whiteboard ersetzt wird, dass die Schüler Grammatik oder Mathe dann besser begreifen? Ich glaube nicht, dass man zu selbstständigen Denken angeregt, wenn die Lösung schon angezeigt wird. Wer bezahlt eigentlich die horrenden Folgekosten der digitalen Infrastruktur, die Updates, die IT- Leute an Schulen, die Wartungsverträge mit den Softwareunternehmen und den Lizenzgebern? Was ist mit der Hardware, die bereits nach einem halben Jahr nicht mehr zu gebrauchen ist? Dieses Programm wird zu einer unnötigen Kostenexplosion führen. In spätestens 10 jahren wird man sehen, dass die Schüler noch weniger können als jetzt und die Kosten ins Unermessliche steigen werden. Es gibt sicherlich Anwendungen, wo eine bestimmtes Mass an digitaler Infrastruktur ok ist, z.B. in der Mathematik für Simulationen, in der Physik und natürlich fürs Programmieren. Den Rest kann man sich schenken. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass in absehbarer Zeit das Projekt gestoppt werden wird. Reiner Menschenverstand genügt. Das wichtigste wird einfach vergessen! Der Mensch und das Gebäude. Statt das Geld zur Kompensation von Unterrichtsausfällen zu nutzen und die völlig maroden Schulräume auf Stand zu bringen, in denen sich dann Lehrer und Schüler wohlfühlen, Toiletten die besser aussehen und gepflegter sind als die Dinger im Knast, steckt man das Geld lieber in Klimbim- Gedöns. Ich frag mich auch wie das eigentlich damit zusammengeht, dass Schulen immer mehr dazu übergehen Smartphones an Schulen zu verbieten, weil die Schüler damit alles machen, nur nicht lernen und durch die Nutzung auch nichts lernen.

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