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Doktorarbeit - wie viel Mogeln ist erlaubt?

Die Doktorwürde als akademischer Grad ist ins Gerede gekommen, da immer mehr prominente Doktoren beim Schummeln mit Zitaten, Ergebnissen und der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten ertappt wurden. Nun ist im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von Daten und Fakten im Internet manche Grauzone entstanden. Müssen nun die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten erneuert werden? Provokant gefragt: Wie viel Mogeln ist erlaubt?

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c-hackenbarth 07.02.2013, 22:24
30. Was ist denn eigentlich mogeln?

Zitat von sysop
Wie viel Mogeln ist erlaubt?
Dafür müsst man jetzt erstmal definieren was mogeln überhaupt ist. Ist mogeln etwas anderes als betrügen. Ist es etwas anderes als stehlen (von geistigem Eigentum)? Für mich ist das alles das gleiche von daher die klare Antwort: Keines davon ist erlaubt und darf auch nicht geduldet werden!

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mikkey1962 13.02.2013, 07:50
31.

Zitat von sysop
Wie viel Mogeln ist erlaubt?
Ist die Frage ernst gemeint?
Mogeln hat einen Schwellenwert? Stellt sich diese Frage auch bei Diebstahl? Ich war stets der Meinung, daß ein Verstoß gegen allgemeingültige Konventionen, zumal in Regelnwerke oder Gesetze gegossen, stets intolerierbar sei.
Aber ich danke natürlich für die Anregung und werde beim nächsten Verstoss gegen die STVO, mit Verweis auf den Spiegel, mehr Toleranz einfordern.

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Berg 14.03.2013, 09:25
32.

Zitat von mikkey1962
Ist die Frage ernst gemeint? Mogeln hat einen Schwellenwert? Stellt sich diese Frage auch bei Diebstahl? Ich war stets der Meinung, daß ein Verstoß gegen allgemeingültige Konventionen, zumal in Regelnwerke oder Gesetze gegossen, stets intolerierbar sei. Aber ich danke natürlich für die Anregung und werde beim nächsten Verstoss gegen die STVO, mit Verweis auf den Spiegel, mehr Toleranz einfordern.
Mit Vergleichen kommt man der Sache nicht näher, abgesehen davon, dass wohl nirgends so viel "gemogelt" wird, wie im Straßenverkehr (Parken, Überholen, Telefonieren u.v.m.).

In wissenschaftlichen Abhandlungen muss immer am Anfang der bisherige Stand zusammengefasst werden. Dort muss zitiert werden, entweder wörtlich mit Quellenangabe, oder zusammenfassend formuliert - auch mit Quellenangabe. Wenn dann aber anschließend der neue eigene Gedanke dargestellt wird, dürften gar keine Zitate und dementsprechend keine Fußnoten-Quellen notwendig sein. Wer allerdings auch dort klaut und nur umformuliert (beliebt: Hauptsatz und Nebensatz vertauschen), der mogelt, und zwar so viel, dass das nicht als Dissertation angenommen werden darf.
Falls dieser Beitrag angenommen wird, bin ich in dieser Rubrik in 8 Themen vorne. Wo bleiben die anderen Mitdiskutierer?

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gazettenberg 14.03.2013, 09:37
33.

Zitat von maikalex
Die in der Öffentlichkeit aufgefallenen ermogelten prominenten Doktorarbeiten waren aber keine "normalen" Doktorarbeiten über ein Promotionsstudium. Die Herrschaften (oder deren Eltern) kannten einen Lehrstuhlinhaber, der als Doktorvater dienen konnte. Die Arbeit wurde außeruniversitär geschrieben (oder schreiben lassen), zu Hause, in irgendwelchen Bibliotheken, ohne permanente Kontrolle durch Mitdoktoranden oder durch den Doktorvater.
In vielen ärmeren Wissenschaften ist die externe Promotion mittlerweile üblich.

Weder hat die Fakultät die Kapazitäten, ihre Doktoranden wöchentlich zu betreuen, noch hat der Doktorand eine bezahlte Teilzeitstelle, er muss also tagsüber arbeiten und nebenher die Promotion verfassen. Hier generelles Täuschungspotenzial zu unterstellen ist unredlich.

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Berg 15.03.2013, 19:49
34.

Zitat von gazettenberg
In vielen ärmeren Wissenschaften ist die externe Promotion mittlerweile üblich. Weder hat die Fakultät die Kapazitäten, ihre Doktoranden wöchentlich zu betreuen, noch hat der Doktorand eine bezahlte Teilzeitstelle, er muss also tagsüber arbeiten und nebenher die Promotion verfassen.
Wöchentliche Betreuung ist nicht nötig und würde schon als Unvermögen gelten. - Aber eine erste Konsultation beim Doktorvater am Anfang, wo die Themenstellung zusammen herausgearbeitet wird, und dann noch eine zweite, wo der Doktorant die Gliederung und die wichtigsten Grundgedanken vorstellt. Dann hat der Externe nahezu unbegrenzt Zeit, selbständig an der wissenschaftlichen Darstellung zu arbeiten - egal ob "tagsüber", nachts oder im Weekend.

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Hamberliner 15.03.2013, 21:52
35. Re: außeruniversitär

Zitat von maikalex
Im Normalfall absolvieren Doktoranden nach ihrem Hauptstudium ein Promotionsstudium;
In den MINT-Fächern ist das nicht so. Ich vermute, nicht nur da. Man promoviert als Teil des Berufs, hat einen Arbeitsvertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter und löst drittmittelfinanziert ein Problem, im Rahmen eines FuE-Vorhabens. Ausländische Gastwissenschaftler finanzieren sich oft auch über ein Stipendium, das ist praktisch dasselbe, sie rennen auch nicht in Vorlesungen und studieren nicht, sondern sie arbeiten.

Zitat von
sie sind in eine Arbeitsgruppe bei ihrem Doktorvater integriert. Wöchentliche Doktorandenseminare, Vorträge und Diskussionen vor versammelter Mannschaft sorgen dafür, dass eine Doktorarbeit "weitergeht" und auch Ergebnisse liefert. Viele Augen würden sofort bemerken, wenn jemand nur abschreibt und nichts selbst beiträgt.
Dazu kann der Chef auch die Kolleginnen und Kollegen verdonnern, die einen Arbeitsvertrag haben. Dazu muss man nicht als Student immatrikuliert sein und/oder Vorlesungen besuchen.

Zitat von
Die Herrschaften (oder deren Eltern) kannten einen Lehrstuhlinhaber, der als Doktorvater dienen konnte. Die Arbeit wurde außeruniversitär geschrieben (oder schreiben lassen), zu Hause, in irgendwelchen Bibliotheken, ohne permanente Kontrolle durch Mitdoktoranden oder durch den Doktorvater. Bei solchen Konstellationen sind Mogeleien natürlich Tür und Tor geöffnet, besonders wenn Doktorvater, Koreferent und Promotionskommission wegen der Prominenz des Kandidaten nicht genau hinschauen. Würde man solche außeruniversitären Promotionsmöglichkeiten abschaffen, wäre das Mogelproblem größtenteils gelöst.
Im Prinzip stimme ich dem zu, aber ich würde den Kreis der Einrichtungen, an denen man berufsbegleitend an seiner Promotion arbeiten kann, nicht auf Universitäten beschränken. Es gibt auch die Fraunhofer-Institute, die DLR, MPG, Alfred-Wegener-Institut, IFM Geomar und viele andere Forschungsunternehmen und Großforschungseinrichtungen, wo ich mir keine Sorgen mache, sofern Doktoranden ihre Arbeitszeit zum überwiegenden Teil in FuE-Vorhaben stecken.

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mikkey1962 20.03.2013, 10:47
36.

Zitat von Berg
Mit Vergleichen kommt man der Sache nicht näher, abgesehen davon, dass wohl nirgends so viel "gemogelt" wird, wie im Straßenverkehr (Parken, Überholen, Telefonieren u.v.m.). In wissenschaftlichen Abhandlungen muss immer am Anfang der bisherige Stand zusammengefasst werden. Dort muss zitiert werden, entweder wörtlich mit Quellenangabe, oder zusammenfassend formuliert - auch mit Quellenangabe. Wenn dann aber anschließend der neue eigene Gedanke dargestellt wird, dürften gar keine Zitate und dementsprechend keine Fußnoten-Quellen notwendig sein. Wer allerdings auch dort klaut und nur umformuliert (beliebt: Hauptsatz und Nebensatz vertauschen), der mogelt, und zwar so viel, dass das nicht als Dissertation angenommen werden darf. Falls dieser Beitrag angenommen wird, bin ich in dieser Rubrik in 8 Themen vorne. Wo bleiben die anderen Mitdiskutierer?
Sorry, Sie haben mich gänzlich missverstanden.
Es gibt kein "Mogeln" - keine relativierende Begrifflichkeit die einen Verstoss gegen bestehende Regeln erlauben könnte oder würde. Letztlich hat dies nichts mit dem gemachten Vergleich zu tun, sollte lediglich aufzeigen, daß hier - im Strassenverkehr - keinerlei Relativierung möglich ist oder einfacher gesagt - es gibt keinen kleinen Verstoss, welcher ohne Ahndung bleiben könnte.

Wenn Sie in 8 Threads führen un die Diskutanten fehlen, dann muss ich für meinen Teil feststellen, daß dieses Forum .... naja..... suboptimal ist. Die Themen sind Gurke, ewiges Warten auf Freigabe usw. Es gibt bessere Foren.

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Berg 20.03.2013, 16:43
37.

Zitat von mikkey1962
....oder einfacher gesagt - es gibt keinen kleinen Verstoss, welcher ohne Ahndung bleiben könnte.
Allerdings nur dann, wenn man dabei erwischt wird. Aber ich schätze mal: auf einen erwischten Geschwindigkeitsübertreter kommen 1000, die nicht erwischt werden.

Und bei Doktorarbeiten komme ich immer wieder auf die Frage Themenstellung zurück. Wenn Doktorant/in und Doktorvater zusammen ein Thema formuliert haben, wo noch wissenschaftliche Bearbeitung notwendig ist, weil es weitgehend unerforscht ist, dann kann sich Mogeln kaum einstellen.

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mikkey1962 21.03.2013, 08:06
38.

Zitat von Berg
Allerdings nur dann, wenn man dabei erwischt wird. Aber ich schätze mal: auf einen erwischten Geschwindigkeitsübertreter kommen 1000, die nicht erwischt werden.
Natürlich nur wenn man erwischt wird, wobei dies nichts an der eigentlichen "Mogelei" ändert.


Zitat von Berg
Und bei Doktorarbeiten komme ich immer wieder auf die Frage Themenstellung zurück. Wenn Doktorant/in und Doktorvater zusammen ein Thema formuliert haben, wo noch wissenschaftliche Bearbeitung notwendig ist, weil es weitgehend unerforscht ist, dann kann sich Mogeln kaum einstellen.
Wenn natürlich niemand bisher Vorarbeit leistete auf welche aufgebaut werden könnte, ist betrügen erschwert.
Letztlich geht dieser Aspekt aber doch vollkommen am Thema vorbei. Zitierfehler sind keine Mogelei und solche Betrügereien geschehen wissentlich sind Zitierregeln doch Thema des Studiums.
Sollte jemand aus Unwissenheit fehlerhaft zitieren, so ist er nicht in der Lage wissenschaftlich zu arbeiten, was er aber mit seiner Doktorarbeit belegen wollte. Ergo.......

Ich bleibe bei meiner Aussage. Es gibt keine Grenze für Mogeleien und verwehre micht überhaupt gegen den verniedlichenden Begriff "Mogeln".

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Berg 21.03.2013, 10:17
39.

Zitat von mikkey1962
Natürlich nur wenn man erwischt wird, wobei dies nichts an der eigentlichen "Mogelei" ändert. Wenn natürlich niemand bisher Vorarbeit leistete auf welche aufgebaut werden könnte, ist betrügen erschwert. Letztlich geht dieser Aspekt aber doch vollkommen am Thema vorbei. Zitierfehler sind keine Mogelei und solche Betrügereien geschehen wissentlich sind Zitierregeln doch Thema des Studiums. Sollte jemand aus Unwissenheit fehlerhaft zitieren, so ist er nicht in der Lage wissenschaftlich zu arbeiten, was er aber mit seiner Doktorarbeit belegen wollte. Ergo....... Ich bleibe bei meiner Aussage. Es gibt keine Grenze für Mogeleien und verwehre micht überhaupt gegen den verniedlichenden Begriff "Mogeln".
Naja, Sie können sich gerne die Existenzberechtigung eines urdeutschen Wortes verwahren. Vor dem großen Betrug steht immer noch die kleine Mogelei. Und so hatte ich eben die Eingangsfrage verstanden. Die Zahl der deutschen Worte ist nunmal begrenzt, und Wiederholungen sind gar nicht auszuschließen. Aber ein vergessenes Zitat ist wohl gemogelt, 100 unterlassene Zitat-Fußnoten sind Betrug.

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