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Doktortitel: Weiterer FDP-Politiker unter Plagiatsverdacht

Die Plagiatsjäger im Netz graben weiter: Sie wollen in der Doktorarbeit des FDP-Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai Plagiate entdeckt haben. Die Uni Köln prüft die Arbeit, der Parlamentarier weist die Vorwürfe zurück.

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Glasperlenspiel 03.06.2011, 12:31
70. Das Problem ...

Zitat von Moralinsaurer
haben in Biochemie bzw. Physik promoviert. Das dauert Jahre...Das sind echte Doktorarbeiten, Plagiate sind da nur schwer möglich... Promotionen im Bereich Sozialwissenschat, Politik usw...sind eher ein Witz...Da zitieren die einen die anderen,... Auch Doktortitel im Bereich der Medizin sind in der Regel keine wirklich anspruchsvollen Dissertationen. In der Chemie und Biochemie ist ein Diplom ohne Promotion fast nichts wert, komischerweise. In den meisten sonstigen Fällen reine Angeberei
... bei naturwissenschaftlich-technischen Promotionen ist die Datenmanipulation. Das kann man eigentlich nur eindämmen, indem man sich ständig um die Leute kümmert und sie ihre Daten und vorläufigen Ergebnisse - auch extern - immer wieder präsentieren müssen.

"Amateure", die jetzt auf der Suche nach ab- und umgeschriebenen Passagen sind, werden da nichts machen können.

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Glasperlenspiel 03.06.2011, 12:34
71. Ich kenne einen Haufen Arbeiten, ...

Zitat von Rainer Daeschler
Der marxistisch-leninistische Wissenschaftsbezug war Pflichtübung in der Einleitung. Danach widmete man sich wieder der wirklichen Wissenschaft. Für die Pflichtübung gab es kein summa cum laude. Ostwissenschaftler hatten auch Überlebenstaktiken, um in ihrem politischen Umfeld weiter Wissenschaftler bleiben zu können.


... (meine auch), da musste man nicht einmal das machen.

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mxdoc 03.06.2011, 13:06
72. Dr. l.w. (langus weilus)

Zitat von don_politicus
Tja...Doktorarbeit ist eben nicht gleich Doktorarbeit. Selbstverständlich gibt es hier und da Ausnahmen - aber Mediziner stehen nicht gerade im Ruf, äußerst hohe Anforderungen zu stellen... Übrigens: meine Staatsexamensarbeit in Politik hat einen Umfang von rd. 190 Seiten (ohne Verzeichnisse)...Ich finde das nicht weiter tragisch - jeder soll wissen was er kann/nicht kann. Für Personen außerhalb des akademischen Betriebs wird es aber nicht einfacher, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Und was sind SIE jetzt? Spreu oder Weizen? Warum haben sie nicht nochmal 190 Seiten (ohne Verzeichnisse) für eine Doktorarbeit hingekriegt? Wer an den 59 Seiten von Dr. Rösler herummäkelt, zeigt, dass er keine Ahnung hat. Ich habe, wenn ich ein 500-Seiten-Werk auf dem Tisch hatte, erstmal darum gebeten, alles zu entfernen, was aus Lehrbüchern abgeschrieben worden war. Als nächstes kam dann meistens ein 50-Seiten-Exemplar. Mir war immer lieber 50 Seiten zu lesen, in denen etwas drinsteht als 500 Seiten Gelaber, bei denen man nie weiss, worum es eigentlich geht.
Das IST eine hohe Anforderung: Sich kurz zu fassen und auf den Punkt zu kommen.

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wilko0070 03.06.2011, 13:44
73. Dr. Rösler

Zitat von mxdoc
Wer an den 59 Seiten von Dr. Rösler herummäkelt, zeigt, dass er keine Ahnung hat.
Die Hauptprobleme an Röslers Dissertation zum Thema "Einfluss der prophylaktischen Sotalolapplikation auf die Inzidenz des postoperativen Vorhofflimmerns im Rahmen der aortokoronaren Bypassoperation" sind deshalb auch in erster Linie, dass
a) er einfach eine Altuntersuchung zweitverwertet,
b) selber erklärt, dass die Fallzahl zu gering ist, um signifikante Aussagen zu treffen,

und somit die gesamte "Arbeit" keinerlei wissenschaftlichen Wert besitzt!

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don_politicus 03.06.2011, 14:06
74. Leider

Zitat von mxdoc
Und was sind SIE jetzt? Spreu oder Weizen? Warum haben sie nicht nochmal 190 Seiten (ohne Verzeichnisse) für eine Doktorarbeit hingekriegt? Wer an den 59 Seiten von Dr. Rösler herummäkelt, zeigt, dass er keine Ahnung hat. Ich habe, wenn ich ein 500-Seiten-Werk auf dem Tisch hatte, erstmal darum gebeten, alles zu entfernen, was aus Lehrbüchern abgeschrieben worden war. Als nächstes kam dann meistens ein 50-Seiten-Exemplar. Mir war immer lieber 50 Seiten zu lesen, in denen etwas drinsteht als 500 Seiten Gelaber, bei denen man nie weiss, worum es eigentlich geht. Das IST eine hohe Anforderung: Sich kurz zu fassen und auf den Punkt zu kommen.
konnte ich noch nix dranhängen - die mündlichen Prüfungen zum Examen laufen noch. Ihre Methode erscheint mir etwas zweifelhaft - Zusammenhänge, Interpretationen und Schlussfolgerungen ohne belastbare Grundlage in den Raum zu stellen erscheint mir der Leimweg. Übrigens liegt es am Prüfling, nicht 500 Seiten "Gelaber" zu liefern, sondern für einen roten Faden zu sorgen, eine inhaltliche Linie, die erkennbar sein kann (nicht: muss). Wenn es eine solche Linie gibt, die nicht erkannt wurde, müsste die kognitive Kapazität des jeweiligen Prüfers in Anspruch genommen werden. Es erscheint mir dennoch abwegig, 59 Seiten als Promotion anerkennen zu wollen; ein etwas länger gewordener Zeitschriftenaufsatz - mehr nicht.
Übrigens gibt es weitere Anforderungen als diejenige, sich prägnant auszudrücken. Vollumfänglichkeit beispielsweise eines historischen Hintergrundes, Relevanz, beispielsweise anhand vergleichbarer Fälle, Forschungsdesign, u.U. Fallauswahl, ... an allen Stellen kann gezeigt werden, dass der Durch- und Einblick in relevante Literatur gegeben ist - eben anhand von (in)direkten Zitaten oder pauschalen Verweisen.
Zugegeben: auch mein Thema habe ich "eingedampft". Ich würde den Rahmen vollends sprengen, wenn alle relevanten Aspekte behandelt würden. Dies ist dann in der Tat eine Anforderung in der Promotion (die ich übrigens gewillt bin durchzuführen - zum gleichen Thema, nur in ausführlicher Darlegung). Wenn ich mir das bei meiner Thematik darstelle und neben meinem angestrebten Beruf und Familie die Diss. schreibe, würde ich überschlagen mit 400 bis 500 Seiten rechnen wollen - die Zeitplanung beläuft sich auf minimum 5 Jahre. Selbstverständlich kann jeder Umfang "eingedampft" werden. Beispielsweise habe ich eine Zusammenfassung von 200 Zeichen zzgl. der relevanten Schlüsselbegriffe abliefern müssen. Sie werden sicherlich einsehen, dass ein solches Vorgehen bei jeder Arbeit möglich ist - die Komplexiät und Vollständigkeit wird sicherlich darunter leiden, lediglich einen Auszug des Gesamtwerkes zur Kenntnis nehmen zu können.

Übrigens: ich bin - wie Sie sicherlich bereits anhand des vorangestellten Textes entnehmen können - weder Spreu noch Weizen in intendiertem Sinne. "Phipsi" Rösler, "Chatzi" Chatzimarkakis, "Barbie" Koch-Mehrin und "Gutti the shootie" Guttenberg (um die bundes- und europapolitisch relevanten Personen zu bezeichnen) sind bestenfalls "Spreu".

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hjm 03.06.2011, 14:46
75. .

Zitat von Tsardian
Denn wie soll man sonst den momentanen Stand der Wissenschaft wiedergeben, ohne zu "zitieren"?
Echten Wissenschaftlern gelingt dies ohne weiteres, indem sie den Stand der Wissenschaft in eigene Worte fassen und diejenigen, die das, was sie sagen, nachprüfen wollen, auf die Quellen verweisen.

Wenn es in einer „Wissenschaft“ üblich ist, andere Wissenschaftler stets wörtlich zu zitieren, so liegt der Verdacht nahe, dass es entweder außer den Wörtern gar nichts gibt, es sich also im leere Hülsen handelt, oder der Zitierende den Sinn hinter den Wörtern nicht erkannt hat und ihn daher auch nicht in eigene Worte fassen konnte.

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hjm 03.06.2011, 14:49
76. .

Zitat von mats123
Die Arbeit von Nils Schmid wurde noch gar nicht untersucht, sie steht auch noch gar nicht zur Verfügung. Ist auch logisch, da sich die Plagiatejäger auf Doktorarbeiten von FDP- und Unionspolitikern beschränken. So weit zu den Fakten.
Sie meinen, es gibt Lieferengpässe in der Bundesdoktorarbeitsdruckerei, die zurzeit wegen der großen Nachfrage nur FDP/CDU-Politikerarbeiten drucken kann? Und deshalb müssen diejenigen, die SPD/Grüne/Linke-Arbeiten prüfen wollen, erstmal warten?

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hjm 03.06.2011, 14:54
77. .

Zitat von don_politicus
59 Seiten sind da keine Seltenheit ....
Oh je! Meine hat nur 57 Seiten. Hätte ich damals gewusst, was das bedeutet, hätte ich auf A5 gedruckt und \baselinestretch=3 gesetzt. Kann ich meinen Dr. jetzt noch retten?

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don_politicus 03.06.2011, 15:10
78. Ich

Zitat von hjm
Oh je! Meine hat nur 57 Seiten. Hätte ich damals gewusst, was das bedeutet, hätte ich auf A5 gedruckt und \baselinestretch=3 gesetzt. Kann ich meinen Dr. jetzt noch retten?
geh mal von einem "Dr. med." aus. Dann erfüllen Sie den dortigen Standard.

Zitat (nicht in Zusammenhang mit Ihrer Diss.):

"Nun handelt es sich zwar um den Doktor med., der bekanntlich billiger zu haben ist als der Dr. jur oder der Dr. phil."

(http://www.sueddeutsche.de/karriere/...nden-1.1104584)

Übliche Begründung für den Umfang auf Seminarebene: die Diss. wird im Rahmen des Studiums angefertigt neben den sonstigen Belastungen. Das mag bei bildungspolitischen Glanzstücken wie Bachelor oder Master nicht mehr so sein, das hier teilweise ganze Semester dem Verfassen dieser Arbeit gewidmet sind, allerdings werden Staatsexamina i.d.R. auch neben dem sonstigem Klamauck an der Uni gefertigt; bei Dipl. hab ich keinen Schimmer.

Umfang ist nicht alles, da sollte keiner mehr Haare spalten als nötig - für mich hat er eine Indizfunktion. Ich würde gern jemanden sehen, der beispielsweise Auswirkungen auf die Urteilsfindung anhand der Verankerung von Verfassungsrichtern in der jeweiligen Verfassung und den einschlägigen Begleitgesetzen in den Ländern der EU auf knapp 60 Seiten hinkriegt. Das kann maximal für einen Gerichtshof gemacht werden; und da sieht man wie der Hase läuft: es wird eben ausgedünnt und perspektivisch verengt. Dann klappts auch nachhaltig - mit wenig Verbrauch natürlicher Ressourcen (Strom, Papier,...).
Für eine Promotion wär das Thema aber zu billig - aber wohl (leider) nicht überall.

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mats123 03.06.2011, 15:42
79. Für Sie noch einmal

Zitat von hjm
Sie meinen, es gibt Lieferengpässe in der Bundesdoktorarbeitsdruckerei, die zurzeit wegen der großen Nachfrage nur FDP/CDU-Politikerarbeiten drucken kann? Und müssen diejenigen, die SPD/Grüne/Linke-Arbeiten prüfen wollen, erstmal warten?
Da Sie es offensichtlich nicht verstanden haben: Herr Schmid hat seine Doktorarbeit nicht online zur Verfügung gestellt, weshalb sie auch nicht überprüft werden kann.

Interessant ist, dass sich die Plag-Leute nur bei Dissertationen von Unions- und FDP-Politikern die Mühe machen, die Arbeiten zu digitalisieren und zu checken. Bei dem Schmid machen die es nicht. Lässt tief blicken.

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