Forum: Leben und Lernen
Doku über überforderte Eltern: Anna schlägt, kratzt und beißt ihre Mutter
Zorro Film/ if ...Productions

Es gibt Familien, die erleben einen Alptraum miteinander - wenn das Kind sich blutig kratzt, nicht isst. Die Kino-Dokumentation "Elternschule" zeigt einen Ort, wo den Familien geholfen werden kann - wenn Mütter und Väter mitziehen.

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freigeistiger 04.10.2018, 09:25
10. Übertreibungen sind immer ein Problem

Antiautoritär ist richtig. Wenn damit dumpfes Befehlen gemeint ist. Keine Grenzen, und auch Bestrafungen bei Fehlverhalten, ist die Übertreibung. Jeder Mensch, auch Kinder müssen Ernst genommen werden. Man muss nicht alles richtig finden. Kinder lernen hauptsächlich durch das Nachmachen was Eltern und Erwachsene ihnen vorleben. Das Verhalten der Erwachsenen untereinander ist viel entscheidender als auf die Kinder einzureden. Die Kinder dürfen am Leben der Erwachsenen teilnehmen.

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sammilch 04.10.2018, 09:27
11.

Zitat von stoffi
Um Gottes Willen, mit Schlägen erreicht man gar nichts, im Gegenteil Eine starke Hand ist was anderes als eine ,,lockere Hand" mit der früher meist erzogen wurde. Eine starke Hand bedeutet Stütze und Hilfe auch in heiklen Situationen. Wer ,,Mist" gebaut hat, muss dafür gerade stehen, darf aber eine starke Hand stets hilfreich an seiner Seite wissen
Ich denke nicht, dass die Foristin "Starke Hand" im Sinne von körperlicher Stärke meint.
Ich lese heraus, dass sie eine rigide Erziehung meint, eine autoritäre Erziehung mit klarem Machtgefälle.

Das mag man gut finden oder auch nicht. Im Grundtenor stimme ich ihr zu, dass Eltern keine Freunde ihrer Kinder sind. Denn dazu müssten sie auf Augenhöhe sein. Das ist in der Kindheit nicht der Fall.

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polza_mancini 04.10.2018, 09:41
12. Anstrengend!

Meiner - durchaus begrenzten - Erfahrung im Bekanntenkreis nach spiegeln derlei "verhaltensoriginelle" Kinder nahezu ausnahmslos Defizite der Eltern wider, sorry.
Medizinische Dispositionen ausdrücklich außen vor, sind die Schwierigkeiten grundsätzlich immer auf die selben Probleme zurückzuführen: Meist wird schlicht der Zeitpunkt verpasst, einen verbindlichen Satz an Regeln aufzustellen und diesen durchzusetzen, durchzuhalten. Es verbleibt bei fast allen "Vergehen" dann bei Wischiwaschi-Ermahnungen ohne direkte, spürbare (natürlich gewaltfreie!!) Konsequenzen. Nichts verunsichert Kinder mehr als Inkonsequenz.

Es ist anstrengend, sich ausdauernd, fordernd und fördernd mit Kindern zu beschäftigen; es ist noch anstrengender (und manchmal herzzerreißend), ihnen zeigen zu müssen, dass man zwar der beste Freund ist, aber es eben nicht die dritte Puppe, den Riesen-Lego-Kasten etc. gibt. Hierzu gehört auch und vor allem, dass sich Eltern nicht gegeneinander ausspielen lassen.

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Mr.Arbogast 04.10.2018, 09:58
13.

Mir wird bei diesem Thema viel zu wenig differenziert. Klar brauchen Kinder Grenzen. Klar muss man Kindern vermitteln, sich an Regeln und Vereinbarungen zu halten. Zur Persönlichkeitsentwicklung gehört aber auch, Regeln und Grenzen mal infrage zu stellen, sich an Autoritäten zu reiben und auszutesten, wie weit man gehen kann. Und das ist eben ein anstrengender Prozess. Wenn man das als Außenstehender zufällig mitbekommt, dann kann man denken: Oha, schlecht erzogenes Kind. Manchmal sind das aber nur winzige Ausschnitte. Auch Erschöpfung und Stress können dazu führen, dass ein Kind in besonderen Situationen auffällig wirkt, es aber eigentlich gar nicht ist. Insofern wäre ich immer vorsichtig mit Verallgemeinerungen, wenn man mal ein Kind erlebt, das sich auffällig benimmt. So etwas gehört eben auch dazu und ist völlig normal, sofern es nicht die Regel ist.

Mindestens ebenso schlimm wie Laissez-faire-Eltern finde ich übrigens diese Möchtegern-Vorzeige-Eltern, die ihre Kinder von Geburt an aufs Funktionieren drillen und dann stolz darauf verweisen, wie brav und selbständig ihre Kinder doch schon im Kleinstkindalter sind. Nie mucken sie, nie stellen sie in Frage - immer vollziehen sie brav die Bedürfnisse der Eltern. Tun sie es nicht, wird ihnen die wenige echte Wertschätzung und Wärme auch noch entzogen.

Wie sollen solche Kinder ein Gefühl für die eigenen Gefühle, die eigenen Bedürfnisse, die eigenen Grenzen entwickeln und sich um ihrer selbst willen gewertschätzt fühlen? Wenn sie das nie lernen, gewöhnen sie sich daran, ihr Verhalten komplett an den Bedürfnissen des Umfelds, der Umwelt, der Gesellschaft auszurichten, ohne diese Orientierung überhaupt mal zu hinterfragen. Und wer so lebt, erkennt das Unglück, in das ihn das Leben hineinmanövriert, oft viel zu spät.

Ich halte einen Mittelweg für richtig: Vermittlung eines Bewusstseins für die Notwendigkeit von Regeln und Rücksichtnahme, von Empathie und Verlässlichkeit, gleichzeitig aber auch den nötigen Freiraum zur Selbstentfaltung, Entwicklung von Kreativität und die Ausbildung eigener Wünsche und Bedürfnisse, die dann eben auch mal im Kontrast zu denen der Eltern usw. stehen können und auch stehen dürfen. Zum Kind-Sein gehört eben auch, mal nicht "funktionieren" zu müssen, ohne dafür gleich pathologisiert zu werden. Dies sollte jenen vorbehalten bleiben, die wirklich Probleme haben, wie oben im Artikel beschrieben.

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muttis_liebling_13 04.10.2018, 10:01
14. Erziehungsstile

Um etwas Klarheit in wichtige Begrifflichkeiten der Erziehung zu bekommen. Erziehung ausschließlich in autoritäre Erziehung und antiautoritäre Erziehung zu unterteilen ist sehr beschränkendes Schwarz-Weiß Denken. Zwischen diesen zwei Extremen befindet sich immens viel Raum für andere Erziehungsstile. Ein Autoritärer Erziehungsstil ist, wie auch das Gegenteil der Laisser-faire-Erziehungsstil (Antiautoritärer Erziehungsstil), nachweislich nicht förderlich für die kindliche Entwicklung.

Wer sich etwas ernsthafter mit Erziehung beschäftigen möchte, sollte folgende Begriffe recherchieren oder googeln: Erziehungsstil(e), Autoritative Erziehung, Demokratischer Erziehungsstil.
Die aktuelle Pädagogik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen demokratischem- und autoritativem Erziehungsstil.

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strixaluco 04.10.2018, 10:10
15. Schwierige Kinder gab es schon immer

... nur die Lösungsstrategien haben sich geändert. Ich komme aus einer Lehrerfamilie, und wenn man älteren Lehrern zuhört, kann man sich anhören, was für Früchtchen es früher auch schon gab. Früher haben überforderte Eltern ihre Kinder grün und blau geprügelt, heute trauen sie sich manchmal noch nicht einmal, deutlich Nein zu sagen. Beides funktioniert nicht. Der Ansatz der Klinik ist sehr gut. Vorwürfe würde ich den Eltern keine machen. Kinder haben von ihrem ersten Tag an Charakter, und wenn da jemand in eine ungünstige Verhaltensweisen aus wie auch immer gut gemeinten Gründen versehentlich befördert, kann man sich durchaus in eine Konfliktspirale steigern, die ohne Hilfe kaum aufzulösen ist. Im kleinen passiert das vielen, Kinder, die ihre Eltern nachts wach halten oder sehr wählerisch essen, gibt es reichlich.
Insofern bin ich extrem dankbar, dass unsere Kinder fast alles essen, nachts freiwillig schlafen und irgendwie normalfrech sind. Ein wenig die Grenzen zu testen gehört zum Aufwachsen dazu, man sollte es als Elternteil dabei aber ertragen können, dass man öfter mal die Spassbremse ist...

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three-horses 04.10.2018, 10:18
16. Manchmal ist alles einfach.

Zitat von hisch88
"Kinder brauchen also Grenzen, ...." "Weil sie (Eltern) den autoritären Erziehungsstil vergangener Jahrzehnte ablehnen." Aus diesem Grund, ......er.
"Weil sie (Eltern) den autoritären Erziehungsstil vergangener Jahrzehnte ablehnen." Und genau das hatte das Kind mitbekommen.

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three-horses 04.10.2018, 10:31
17. Die Symptome halt.

Zitat von napoleonwilson
Wir haben selbst zwei geosse Kinder. Aber was derzeit bei manchen Eltern abgeht, das macht sprachlos. Da fliegen coole Instagram Poser mit einem Säugling long distance nach Australien. Sehr zur Freude der anderen Fluggäste. Aber die Bedürfnisse des Säuglings müssen hinten anstehen. Als wir in einem eher exclusiven Speiselokal waren, hat ein Helikopter Daddy das gesamte Restaurant .....
Ach, Psychologen haben viele Schubladen wo sie einem einordnen koennen. Nur meistens ziehen die eine falsche auf. Und die Ursache kriegen die meistens nicht heraus. Trotzdem ist die Trefferquote hoch.
Weill es nur wenige Ursachen gibt. Ein Gehirnschaden aufgrund von Sauerstoffmangel bekommen die nicht angezeigt und tappen daneben. Die Symptome halt. Oder die Tube.

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bushrat1 04.10.2018, 10:34
18. starke Hand

"Wer ,,Mist" gebaut hat, muss dafür gerade stehen, darf aber eine starke Hand stets hilfreich an seiner Seite wissen" ( Stoffi )
Das ist es.
Ich bin froh, dass es bei mir so war in meiner Sturm- und Drangzeit und hoffe, dass ich meinen Kindern das gleiche geben kann.

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bj68 04.10.2018, 10:36
19. Einfach mal lesen:

"Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung: Das Beispiel
Summerhill" von A. S. Neill sich aber da nicht vom Wort "antiautoritär" abschrecken lassen, denn der Begriff wurde da recht unglücklich gewählt....vgl. http://www.in-formations.net/ad7-neill-antiautoritaer-schule.php
Wer das Buch gelesen hat merkt, dass "antiautoritäre Erziehung" nicht unbedingt mit "Tue alles was Du willst und es gibt keine Grenzen" verwechselt werden sollte.....

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