Forum: Leben und Lernen
Doku über überforderte Eltern: Anna schlägt, kratzt und beißt ihre Mutter
Zorro Film/ if ...Productions

Es gibt Familien, die erleben einen Alptraum miteinander - wenn das Kind sich blutig kratzt, nicht isst. Die Kino-Dokumentation "Elternschule" zeigt einen Ort, wo den Familien geholfen werden kann - wenn Mütter und Väter mitziehen.

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maschroedi 04.10.2018, 13:49
30.

Ein grenzorientierte Erziehung ist von Anfang an maßgebend. Eine Erziehung braucht Struktur, an die sich das Kind orientieren kann. Wenn man dies aber verpasst hat, wird es schwierig. Man sollte sich immer bewusst machen, dass Kinder vieles nicht begreifen und somit in gewissen Situationen impulsiv reagieren. Hier hilft, wie so oft die kindsgerechte Kommunikation. Reden ist das A und O.

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madameping 04.10.2018, 15:19
31. Antiautoritäre Erziehung wird oft mit Nicht-Erziehung verwechselt

Man sieht es an den Eltern, die meinen, ihre Kinder dürften sich einfach alles erlauben, während der Rest der Menschheit gefälligst alles toll zu finden hat. Wehe, wenn nicht. Dann wird die Moral-Keule geschwungen.
Da lässt man Kinder über Tische und Bänke springen, laut brüllend durch Restaurants oder Arztpraxen, Krankenhäuser, über Friedhöfe, durch Museen pesen, man lässt sie andere Kinder ins Schienbein treten, sie schlagen mit Stöcken nach Hunden, sie rennen gehbehinderten Leuten in die Beine.
Ach, wie schön.
Sorry, aber Kinder sind keine unfehlbaren Heiligen und nicht einmal der Papst dürfte auf meinem Sofa herumspringen.

Diese Seltbstentaltungsfanatiker-Eltern kennen nur zwei Pole: autoritär = körperliche und seelische Gewalt und schwachsinnige Verbote oder den Gegenpol: antiautoritär = darf alles, kriegt nix auf den Weg mitgegeben, seelisches Laisser-Faire total.
Purer Extremismus.

Diese Eltern denken entweder nicht nach, welche Verantwortung sie haben (die Politik pennt auf diesem Gebiet) oder ihre Aufgabe ist ihnen schnuppe. Diesen Eltern rate ich dennoch, sich ein einziges Mal in die Leute zu versetzen, die sich genervt nach ihren krakeelenden Kindern umsehen. Warum? Weil auch andere Leute Rechte haben. Erwachsene zum Beispiel. Und wer glaubt, dass diese Leute vielleicht kinderfeindlich sind - dass moralisch so vernichtend wie ebenso entlarvende Wort, - der sollte sich vielleicht einmal dem Gedanken öffnen, dass nicht Kinder das Problem sind, sondern Eltern, die meinen, nur Rechte zu besitzen, und andere Bitteschön die Pflicht, diese Rechte zu ertragen.
So funktioniert keine Gesellschaft.

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linda84 04.10.2018, 15:40
32. Probleme geben sich meinst von selbst

Als Mutter von 4 Kindern (11, 8, 4 und 3) , kann ich nur sagen, dass alle durch anstrengende Phase gingen. Da gab es Trotzanfälle und Geschrei auch mal in der Öffentlichkeit und man wurde mal schief angeschaut. Hat sich alles von selbst normalisiert und die Ältern sind echte Musterschüler. Viele Eltern haben absolut keine Nerven ( beobachtet man oft beim Einkaufen). Vielen Eltern würde mehr Gelassenheit und Ruhe gut tun. Die Kinder einfach mal in Ruhe lassen und aufs Getrotze nicht eingehen und die lernen selbst ganz ohne Geschrei und Strafen der Eltern, dass man so nicht ans Ziel kommt.

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DianaSimon 04.10.2018, 15:40
33. Erziehung durch Vorleben

Ich wurde in der 68er Zeit sehr dafür kritisiert, daß meine Kinder gute Tischmanieren hatten und niemals das Bedürfnis, den Spinat an die Wand zu schmieren. Dabei hatte ich ihnen diese Manieren gar nicht anerzogen, sie haben einfach das Verhalten der Erwachsenen nachgemacht. Wenn man es einigermaßen schlau anstellt, imitieren Kinder sehr oft das Verhalten der Eltern. Nachteil ist natürlich, daß man sich selber erziehen muß. Wenn Eltern sonntags darüber reden, wann man abends zu Hause sein muß, da man wegen der Arbeit am Montag wieder früh aufstehen muß und deshalb pünktlich zu Bett will, dann akzeptieren Kinder auch, daß es pünktliche Schlafenszeiten gibt, wenn am nächsten Tag Schule ist. Viele Regeln muß man gar nicht aussprechen, sondern nur vorleben. Eine zeit lang hatte ich auch eine sehr unkonventionelle Esserin, allerdings war sie schon größer. Auf ihren Wunsch durfte sie sich ihr Essen selber zubereiten, ich bestand aber darauf, daß die Küche dann auch wieder in Ordnung gebracht wird. Nach recht kurzer Zeit zog die Erkenntnis ein, daß es doch viel bequemer ist, am Familienessen teilzunehmen und vielleicht mal ein bißchen bei der Zubereitung zu helfen.

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wintergreen 04.10.2018, 16:55
34. Die hier beschriebenen Fälle

sind schon ziemlich krass, so dass ich mich frage, ob sie in erster Linie auf Erziehungsfehler zurückzuführen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein erst zweijähriges Kind, das Milch trinkt und sie gleich darauf erbricht, schlecht erzogen ist. Leider steht zumindest im Artikel nichts darüber, ob diese Kinder an irgendwelchen Pathologien leiden (Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeit, angeborene Stoffwechselstörungen, u.ä.), obwohl ich annehme, dass dies in der Klinik abgeklärt wurde. Einmal mehr wünschte man sich weniger Gerede über die Emotionen der Betroffen und mehr Informationen über den medizinisch/psychologischen Hintergrund.

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ansv 04.10.2018, 18:28
35.

Zitat von DianaSimon
Ich wurde in der 68er Zeit sehr dafür kritisiert, daß meine Kinder gute Tischmanieren hatten und niemals das Bedürfnis, den Spinat an die Wand zu schmieren. Dabei hatte ich ihnen diese Manieren gar nicht anerzogen, sie haben einfach das Verhalten der Erwachsenen nachgemacht. Wenn man es einigermaßen schlau anstellt, imitieren Kinder sehr oft das Verhalten der Eltern. Nachteil ist natürlich, daß man sich selber erziehen muß. Wenn Eltern sonntags darüber reden, wann man abends zu Hause sein muß, da man wegen der Arbeit am Montag wieder früh aufstehen muß und deshalb pünktlich zu Bett will, dann akzeptieren Kinder auch, daß es pünktliche Schlafenszeiten gibt, wenn am nächsten Tag Schule ist. Viele Regeln muß man gar nicht aussprechen, sondern nur vorleben. Eine zeit lang hatte ich auch eine sehr unkonventionelle Esserin, allerdings war sie schon größer. Auf ihren Wunsch durfte sie sich ihr Essen selber zubereiten, ich bestand aber darauf, daß die Küche dann auch wieder in Ordnung gebracht wird. Nach recht kurzer Zeit zog die Erkenntnis ein, daß es doch viel bequemer ist, am Familienessen teilzunehmen und vielleicht mal ein bißchen bei der Zubereitung zu helfen.
Ein Wort möchte ich ergänzen: Konsequentes Vorleben. Wenn die Regel lautet "kein Smartphone am Tisch" dann muss diese Regel für alle gelten.

Und manchmal ein "Aha-Erlebnis". Eine Schulfreundin, die ich immer um ihre Freiheit beneidete (langes Ausgehen, niemand fragte nach Hausaufgaben, keine Diskussionen über Tischmanieren), sagte mir beim Klassentreffen, sie hätte mich immer darum beneidet, dass meine Mutter sich für mein Leben interessiert hätte. Ihrer sei immer alles egal gewesen. Und sie hatte zwischenzeitlich wirklich Geld für einen "Kniggekurs" ausgegeben, um richtig Tischmanieren zu lernen...

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Fontanus0411 04.10.2018, 20:39
36. Traumatologie

Was nicht berücksichtigt wird, auch im Programm der Klinik, ist die Traumatologie. Ein wichtiger Ansatz aber um beispielsweise die pränatale Bindung zwischen Mutter und Kind besser durchleuchten zu können.
Es ist inzwischen mittels zahlreicher Fallstudien erwiesen, dass die meisten, auch frühkindlichen Störungen, auch im Zusammenhang symbiotischer Verstrickungen stehen können. Das bedeutet, das Trauma der Mutter wird dem im Mutterleib heranwachsenden Kind bereits gespiegelt.
Hat sich ein Trauma dieser Art bereits vor dem 18. Monat manifestiert, ist es praktisch vorprogrammiert, dass sich weitere Traumatas darüberlegen. Beispielsweise wenn die überforderten Eltern die (jetzt erst recht) notwendige vor allem emotionale Bedürfnisbefriedigung des Kindes vernachlässigen oder sogar verweigern....

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stoffi 05.10.2018, 07:39
37.

Zitat von linda84
Als Mutter von 4 Kindern (11, 8, 4 und 3) , kann ich nur sagen, dass alle durch anstrengende Phase gingen. Da gab es Trotzanfälle und Geschrei auch mal in der Öffentlichkeit und man wurde mal schief angeschaut. Hat sich alles von selbst normalisiert und die Ältern sind echte Musterschüler. Viele Eltern haben absolut keine Nerven ( beobachtet man oft beim Einkaufen). Vielen Eltern würde mehr Gelassenheit und Ruhe gut tun. Die Kinder einfach mal in Ruhe lassen und aufs Getrotze nicht eingehen und die lernen selbst ganz ohne Geschrei und Strafen der Eltern, dass man so nicht ans Ziel kommt.
Das kommt aber ganz drauf an, wie das Kind trotzt. Schreit es wütend und wirft sich auf den Boden, um seinen Willen durchzudetzen, hilft nur Nichtbeachtung, was gibts da zu strafen? ABER, randaliert das Kind um seinen Willen durchzusetzen, tritt und schlägt es , oder wirft Sachen aus den Regalen, ist Nichtbeachtung fehl am Platz

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giseg 05.10.2018, 09:29
38. Selbsterhöhung

zeigrn viele Beiträge hier im Forum. Auf die Menschen wird nicht geschaut. Dafür werden subjektive Theorien verbreitet - aber jeder darf ja bei Erziehung reinreden und seine Überlegenheit darstellen.

Ich selbst habe das große Glück gehabt, sonnige und zufriedene Kinder zu haben. Ja, da spielt auch Erziehung rein. Aber ich habe vor allem viel Glück gehabt mit solchen Kindern und zweitens bin ich finanziell und sozial ziemlich gut gestellt - und letzteres spielt eine sehr erhebliche Rolle bei Erziehung.

Ich verabscheue alle, die es sich so einfach machen und einen Stab über die Eltern schwieriger Kinder brechen ohne zu reflektieren.

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ancoats 05.10.2018, 11:59
39.

Selbst keine Kinder, kann ich mich naturgemäß nur wenig einfühlen, was Kindererziehung im Alltag tatsächlich konkret bedeutet, geschweige denn habe ich die Erfahrung und das Wissen, um Eltern irgendwelche substanziellen Ratschläge zu geben, wie sie in welchen Fällen am besten zu handeln haben. Ich kann jedoch beobachten und Schlüsse ziehen. Und da finde ich in meinem Freundeskreis zwei unterschiedliche, beinahe idealtypische Erziehungs- bzw. Familienmodelle, die das hier bisher Gesagte zu unterstreichen scheinen. In der einen Familie, 3 Kinder (sowie zeitweise plus ein Pflegekind) herrschte stets ein offenes, volles Haus, alle waren grundsätzlich willkommen: Freunde der Eltern, Freunde der Kinder. Der Ton war liebevoll, aber ggf. auch sehr bestimmt, und es gab neben dem grundsätzlich gelebten Miteinander Zonen und Gelegenheiten, die nur entweder den Erwachsenen oder den Kindern vorbehalten waren. Und diese wurden konsequent auch eingefordert: der Satz "ihr verschwindet jetzt hier bitte, das ist hier eine Erwachsenenangelegenheit" (der auch vom Jüngsten grinsend befolgt wurde) ist mir noch in erstaunter Erinnerung. Konflikte wurden im Familenkreis gelöst, etwa als einer der Söhne drohte, zu einem Computerspieljunkie zu werden. Man traf die Vereinbarung, dass jeder auf ein liebgewordenes "Laster" zu verzichten hatte: Papa z.B. auf seine Zigarretten tagsüber. Das hat tatsächlich funktioniert. Alle Kinder sind heute ungewöhnlich offene, liebenswerte Menschen. Die andere Beispielfamilie pflegte hingegen schon früh ihren beiden Söhnen zu erklären, dass sie sich "nichts gefallen lassen müssen" - erklärtermaßen, um sie gegen "Benachteilung, Ungerechtigkeiten und Autorität" (letzteres etwas grundsätzlich Negatives in ihren Augen) zu immunisieren. Die Eltern waren stets und sofort auf den Barrikaden, wenn ihren Kindern vermeintlich Unrecht geschehen war, sei es durch ander Kinder im Sandkasten oder später in der Schule oder Ausbildungsstätte. Der Erziehungsstil schwankte zwischen "Ach, lass sie doch" und folgenlosen, öfters sogar schreiend vorgetragenen Strafandrohungen. Beide Söhne waren schon in der Grundschule sozial auffällig bis offen aggressiv und haben bis heute Schwierigkeiten, ihren eigenen Weg zu finden. Und darin ist aus Sicht der Eltern immer noch im wesentlichen "die Gesellschaft" schuld, die "selbstbewussten, starken" Kinder und jungen Erwachsenen eben das Leben schwer macht, weil sie lieber "Untertanen" will.
Tja.

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