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Drei Lehrer zur Pisa-Studie: "Ich habe ganz andere Sorgen"
Ulrike Schmitt-Hartmann/ Getty Images

Die neue Pisa-Studie steht kurz bevor, da ist der alte Schock noch unvergessen: 2001 sorgte Deutschlands schlechtes Abschneiden für Entsetzen. Drei Lehrer erzählen, was das bei ihnen auslöste - und wie es Schule veränderte.

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anna.kronismus 02.12.2019, 18:51
1. Sturm im Wasserglas

Alles eher mehr wie weniger Pillepalle. All die Ergebnisse aus neuerer Hirnforschung : wo werden sie beachtet ? In einigen wenigen Leuchtturmschulen. Spielend lernen ? Nein -- nach wie vor neumodisches Gewurstel und Stress. Musische Fächer ? Da lässt uns der Lehrplan keine Zeit. Spielerisch Interesse für Mint fördern? Wo sind die Lehrer , die das können -- wenn sie es nicht einmal in der Ausbildung lernen und trainieren können ?

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dasfred 02.12.2019, 18:59
2. Ich musste beim Vincent Lübeck Gymnasium lachen

Das war bis Ende der Siebziger eine reine Mädchenschule. Daneben gab es noch das Athenaeum, als reine Jungsschule. Ich bin nach der zehnten Klasse Realschule zum Athe gewechselt, ein Mitschüler zur VLS. Wir sind beide im letzten Jahrgang gelandet, der noch nicht gemischt war. Hauptunterschied: Die Jungs haben Hausaufgaben nur als Empfehlung gesehen und sie wurden somit auch nicht in die Benotung aufgenommen. Unsere Kolleginnen waren da gewohnt, mehrseitige Aufgaben täglich Zuhause zu bearbeiten. Als dann einige Damen wegen des Physik Leistungskurses zu uns wechselten sind sie sofort auf den veränderten Unterricht eingestiegen. Damals, in der Übergangsphase konnten die Lehrer besonders stark spüren, welche Vor und Nachteile der Unterricht bei gemischten Klassen gerade in der Pubertät mit sich bringt.

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han1610 02.12.2019, 19:04
3. Nur Positives..?

Sehr einseitig. Mancherorts wurde auch ein kontraproduktiver und völlig unnötiger Druck ausgelöst, zum Beispiel der Bildungsauftrag für einjährige Kitakinder. Dann hört man, die damaligen Pisa Ergebnisse seien gar nicht mit denen anderer Länder vergleichbar, da Deutschland „zu ehrlich“ tiefgestapelt habe und andere Länder nur bestimmte (gute) Ergebnisse weitergegeben hätten. Lehrer aus meinem Umfeld jammern über den blinden Aktionismus, der durch Pisa in Gang gesetzt wurde. Und dann solche einseitigen Kommentare...

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StefanWickbold 02.12.2019, 19:09
4. irgendwie klar

Lehrer können nur mit dem Wasser kochen, das sie zur Verfügung haben.
Experimente auf dem Rücken der Kinder sind stets schief gelaufen. Wenn man wie in Bremen auf Idden kommt, die Haupt-und Realschule zu einer "Oberschule" zu machen, ist es klar, dass sich das Niveau in Richtung Hauptschule einpendelt, das kann gar nicht anders sein. Andernfalls würden viele ohne Abschluss abgehen müssen. Ähnlich verhält sich das mit Inklusion, funktioniert nur, wenn man richtig Geld in die Hand nimmt. In der Praxis sinkt wieder das Niveau. Das will keiner hören, ist aber so.
Lasst endlich die Experimente, schafft den unsinnigen Förderalismus in der Bildung ab!
Über Jahrzehnte kann man beobachten, was schiefläuft, und was tut man? Man benennt Systeme um, macht sie schlechter, es ändert sich nur zum Schlechten. Wer ist da ernsthaft überrascht?

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fuchsi 02.12.2019, 19:15
5. PISA Abnehmer

An den Unis müssen wir die PISA geprüften Abiturienten nehmen und aufholen, was an Basiswissen in der Schule einer "Kompetentorientierung" zum Opfer gefallen ist. Das ist nicht die Schuld der Lehrkräfte, sondern fällt in die Verantwortung der Kultusbürokratie. Sie wollte das Zentral- und damit Einheitsabi. In der Uni aber kommt man mit "Kompetenzen" allein nicht so weit. Da muss man auch tatsächlich viel wissen, zugleich kreativ und flexibel sein. Schul- und Unisystem ( BA / MA Studium) passen nicht mehr gut zusammen. Die Schulen können Talente nicht mehr gezielt fördern, weil alle das gleiche Abi machen müssen, so differenziert der Unterricht in den anderen Klassen auch war, am Schluss gibt es Einheitssoße für alle. Das ist eine PISA Folge, die der abstrakten Vergleichbarkeit dient. Im realen Leben sollten wir uns viel individueller um unsere jungen Talente kümmern und deren Vielfalt anerkennen. Wir müssen unserer Jungend vertrauen, wir haben auch keine andere.

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Nordstadtbewohner 02.12.2019, 19:18
6. Chancenungerechtigkeit vs Chancenungleichheit

"dass es eine große Chancenungerechtigkeit gab. Jedem Lehrer war das klar, und er hat auf seine Art versucht, dem entgegenzuwirken: Kinder etwas mehr zu fördern, die zu Hause wenig Unterstützung bekommen."

Dieses Mehrfördern von Kindern habe ich im Negativen auf der Grundschule erlebt. Meine Eltern unterstützten mich sehr beim Lesen- und Schreibenlernen, weil sie fundierte Deutschkenntnisse für wichtig hielten. Das führte dann dazu, dass die Lehrerin mich und andere Kinder mit engagierten Eltern fast ausblendete, um Kindern aus Elternhäusern, denen Schule nicht wirklich wichtig war, unter die Arme zu greifen. Das bedeutete für mich reines Absitzen des Unterrichts und ist mir heute noch sehr negativ in Erinnerung. Persönliches Gerechtigkeitsempfinden hat bei Lehrern meines Erachtens nichts zu suchen. Jeder Schüler hat das Anrecht auf eine gleiche Behandlung. Auf Grund dessen gehen meine Kinder auf eine Schule in freier Trägerschaft. Dort sind alle Schüler und Lehrer hoch motiviert und stammen aus einem leistungsorientierten Elternhaus. Das kostet zwar Geld, sorgt aber dafür, dass nicht irgendwelche Gerechtigkeitsfanatiker den Unterricht ideologisch überfrachten.

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Affenhirn 02.12.2019, 19:23
7. Drei Funktionäre

Drei Funktionäre, die sich selbst beweihräuchern. Was ist denn wirklich besser geworden. Das Niveau und die Prüfungsanforderungen im Matheabi sinken kontinuierlich.

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marcnu, 02.12.2019, 19:24
8. Die letzte Pisa-Studie enthielt Rechtschreibfehler in den Textaufgaben

Hoffentlich wird dieses Mal die automatische Rechtschreibprüfung eingeschaltet.

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deKok 02.12.2019, 19:24
9. Sondern den richte ich an den Bedürfnissen meiner Schüler aus

https://arstechnica.com/science/2019/11/company-claims-breakthrough-in-concentrating-the-suns-rays/

Wenn ein (Teil) Dld sich nicht nach die Bedürfnissen der modernen Produktionsweise ausrichtet, aber nach Schuelerbedurfnissen werden bald die Kleinbussen nach Ungarn und Polen fahren mussen mit Teilarbeiter. Das heist Abhaengen.
Wie oben mit Sonnenenergie Cement und Stahl produzieren kann und Details des heutigen enorme Drama in Italiens Taranto (ILVA Debakel) studiert, wird verstehen das die Produktion die Billigenergy nachwandert.

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