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Einser-Abschlüsse: Warum immer mehr Abiturienten sehr gute Noten haben
Bernd Wüstneck/ DPA

Jeder vierte Abiturient hatte vergangenes Jahr eine Eins vor dem Komma, 2008 war es noch jeder fünfte. Sind die Schüler heute klüger - oder die Prüfungen einfacher?

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carlitom 17.09.2019, 19:48
1.

Super. Was bringt der Pool, wenn die Aufgabenbedingungen unterschiedlich sind. Wie war das damals? Bremen und Baden-Württemberg gleich Englischaufgabe. Bremen eine Stunde mehr Zeit zur Verfügung, dazu ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch. BW eine Stunde weniger und ein Englisch-Englisch-Wörterbuch. Überraschung: BW-Ergebnisse schlechter. Wie kommt's bloß?

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Tom77 17.09.2019, 20:04
2. Beschweren und klagen

Ich glaube, die meisten Schulen und Lehrer haben einfach keine Lust, dass ständig Eltern rumnölen und mit Anwälten drohen. Und die Schüler haben ja heute die Einstellung, dass ihnen mit wenig Arbeit generell schon eine Top-Note zusteht. Andernfalls wird protestiert, bis nachgebessert wird. Es wird nicht etwa überlegt, was man selbst falsch gemacht hat und wo man noch mehr hätte lernen müssen. Nein, wenn heute in der Schule versagt wird, dann sind die Lehrer Schuld, die Schule und generell das Bildungssystem. Die Generationen, die aktuell heranwachsen, sind alles Generationen, deren Eltern noch nicht einmal mehr Krieg, Entbehrung und harte Arbeit kennengelernt haben und die ihre Kinder wie kleine egoistische Prinzen und Prinzessinnen erziehen und schon allein aus Statussucht wollen, dass aus ihren Sprösslingen mal was Besonderes wird - geht ja schließlich nicht, wenn der Nachbarssohn studiert und das eigene Kind nicht. Wer schon mal einen Praktikanten eingestellt hat oder einen Berufsanfänger im Büro um die Ohren hatte, der um die 20 ist, weiß wovon ich rede. Die jungen Leute heutzutage denken, sie wissen alles und vor allem alles besser und lassen sich auch nichts von Leuten sagen, die den Job schon 15-20 Jahren machen. Zudem erwarten die jungen Leute heute, nicht zu viel Arbeit auf den Tisch zu bekommen und das, was sie tun, wird auch eher oberflächlich erledigt. Bei den meisten ist überhaupt kein Ansporn vorhanden, sich selbst zu beweisen und durch Arbeit und Leistung im Beruf aufzusteigen. Da wird eher erwartet, dass man gleich als Einsteiger schon Senior Manager sein muss und generell ist es sowieso ein Unding für die jungen Leute, viel zu arbeiten und auch noch im Büro. Work-Life-Balance ist einfach wichtiger. Die jungen Leute, die heute heranwachsen, überschätzen sich vielfach maßlos.

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m82arcel 17.09.2019, 20:11
3.

Vermutlich gibt es viele Gründe, die alle einen Teil zu diesem Trend beitragen. Ich möchte als weitere Möglichkeit noch Plattformen wie YouTube ins Spiel bringen. Wenn ich früher ein Verständnisproblem (zB in Mathe) hatte, war ich auf den Lehrer/die Lehrerin angewiesen. Heute gibt es zu jedem (Schul-) Thema dutzende gute Videos, welche Schülerinnen und Schüler sich wann und so oft sie wollen anschauen können. Ergänzend Erklärungen auf diversen Seiten, Foren, etc.
Ich denke, dass man den Einfluss der Technologie nicht unterschätzen sollte. So können Schülerinnen und Schüler auch bessere Noten bekommen, ohne intelligenter zu sein und ohne, dass Prüfungen leichter sind - die Möglichkeiten zur Vorbereitung sind einfach vielfältiger und erreichen damit möglicherweise auch jene besser, die im Klassenverband, mit Frontalunterricht oder schlicht durch den einzelnen Lehrer/Lehrerin früher nicht erreicht wurden.

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TS_Alien 17.09.2019, 20:24
4.

Die Prüfungen im schriftlichen Abitur und die Klausuren in der Oberstufe sind leichter geworden. Woher ich das weiß? Ich erstelle seit 20 Jahren welche. Die schwierigen Aufgaben von früher kann ich heute nicht mehr stellen. Außer, ich möchte 90 % der heutigen Schüler bei diesen Aufgaben an irgendeiner Stelle scheitern sehen.

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Also ... ööö 17.09.2019, 20:42
5. AufnahmePrüfungen für die weitere Ausbildung (FH, TH, TU, UNI, ...)

Die sogenannte Allgemeine Hochschulreife ist - wie allgemein beklagt - nicht mehr ausreichend um ein Studium an einer Universität erfolgreich abzuschliessen. Eindeutig zu beobachten an der hohen Anzahl Abbrecher. Von "allgemein" - was wohl die Breite der schulischen (Aus)Bildung reflektieren soll - ist sowieso nichts mehr zu sehen. Das Basiswissen in den MatNat Fächern ist geradezu fatal niedrig. Daher plädiere ich für Aufnahmeprüfungen der Universitäten, wobei deren genauer Ablauf jeder Uni freigestellt sein sollte. In künstlerischen Fächern, z.B. einem Musikstudium, ist das schon immer Standard: Spielt der Kandidat gut genug Geige um an der Musikhochschule X zu studieren? Ein Vorspie lentscheidet - eine fachspezifische Aufnahmeprüfung. Warum führt man diese Art der konkurrierenden Auswahl von Studenten nicht für die Universitäten ein? Jede Uni sucht sich dann ihre Studenten nach ihren eigenen Ansprüchen aus. Und wenn dann aus dem Bundesland X kein Abiturient die Aufnahmeprüfung z.B. an der LMU München schafft, dann wird sich das Bundesland überlegen (müssen) was zu tun wäre ...

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Dr.T 17.09.2019, 20:42
6. Die Antwort ist ganz einfach:

Der Akademisierungsgrad steigt immer weiter an. Während ich noch Arbeiterkind war, hab ich Abitur, Studium und Promotion hinter mir. Bei allen Themen, wo es in meiner Familie niemanden gab, den ich um Rat hätte fragen können (Lateinunterricht! Sowas nutzloses!!), kenne ich jetzt die ganzen (Selbstrekrutierungs-)Regeln, die in der Gesellschaft gelten. Und kann meinen Kindern von Anfang an mitgeben, was mir noch verwehrt war. Warum sollten die also ein schlechtes Abi machen, wenn sie nicht ganz auf den Kopf gefallen sind? Und so geht es fast allen Kindern in meinem Bekanntenkreis. Nebenbei: den NC könnt ihr gerne abschaffen! Der sagt dann nichts mehr über die Menschen aus, sondern nur noch etwas über statistisches Rauschen!

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Phil2302 17.09.2019, 20:44
7. Lehrpläne vergleichen

Man nehme die, die in NRW vor dem Zebtralabitur existierten, man nehme die, die Ende der 80er existierten, und man nehme die aktuellen. Zumindest für Mathematik kenne ich alle drei. Es ist sehr viel herausgefallen. Was außerdem bei den Vergleichen nicht vergessen werden darf: Nicht nur sind die Noten heute besser, sondern es machen auch viel mehr Schüler das Abitur. Also ist es doch wirklich nicht schwer, zu erkennen, dass die Prüfungen leichter geworden sind. Recherchieren Sie das doch einfach mal anstatt immer drumherum zu reden.

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hagebut 17.09.2019, 20:46
8. Andere Meinung

Zitat von TS_Alien
Die Prüfungen im schriftlichen Abitur und die Klausuren in der Oberstufe sind leichter geworden. Woher ich das weiß? Ich erstelle seit 20 Jahren welche. Die schwierigen Aufgaben von früher kann ich heute nicht mehr stellen. Außer, ich möchte 90 % der heutigen Schüler bei diesen Aufgaben an irgendeiner Stelle scheitern sehen.
Ich habe mein Abi vor rund 40 Jahren gemacht und muss sagen, dass ich mit dem Wissen von damals die heutigen Mathematikaufgaben nicht lösen könnte. Da fehlt mir jeder Ansatz.

Aber: Mir kommt es vor als ob die heutigen Aufgaben (bezüglich Mathematik) praxisrelevanter wären.

Wo der Unterschied zwischen den Deutsch- und Englischprüfungen von heute und vor Jahrzehnten gewesen sein soll, müssten Sie genau erklären.

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er58 17.09.2019, 20:58
9. Weniger lernen - mehr verstehen

Schüler müssen heute ein Mehrfaches an Komplexität erfassen. Die Prüfungsvorgaben der Ministerien gehen darauf ein, sie liefern Materiallastige Klausuren, die zum komplexen Verknüpfen, Analysieren und Bewerten führt. Nicht mehr Inhalte abfragen, sondern die Welt in ihrer unüberschaubaren Faktenfülle zu erfassen, das ist heute Bildung. Und das spricht auch kluge Köpfe an.

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