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Elite-Unis - Wege aus der Bildungsmisere?

Wieder streiten deutsche Hochschulen um den begehrten Titel Elite-Uni. Wie gut sind die deutschen Universitäten? Wie wettbewerbsfähig sind sie im internationalen Vergleich?

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marrrrtin 19.10.2007, 17:49
100.

Zitat von Cadarr
Deutschland hat in ganz Europa die wenigsten Profs pro Student und die wenigsten Studenten pro 1000 Einwohner. -> Es werden Stellen gestrichen und den Zugang zur Uni für grosse Teile der Bevölkerung durch Studiengebühren erschwert. Es mangelt an Fachkräften in technischen Fächern. -> Es werden einige wenige Unis unterstützt, statt flächendeckend mehr Studenten in diese Fächer zu bringen.
Das mit dem Ingenieurmangel ist vollkommen richtig. Die Studiengebühren erwähnen Sie aber zu Unrecht an dieser Stelle. Gewiss, sie sind der Tropfen, der das Fass in vielen Fällen zum Überlaufen bringt und leider das völlig falsche Signal aussenden. Aber solange sie wirklich bei 500 EUR im Semester sind, machen sie nur ~ 10% der Kosten eines Studiums aus. Wer, wie es aktuell passiert, das Problem auf Studiengebühren verengt, ignoriert zudem die wahren Probleme im deutschen System. Das Hauptproblem sind die unteren 70 % (!!) der Bevölkerung, die wegen eines schlechten Schulsystems erst gar nicht an die Unis können, weil ihnen die Voraussetzungen erst nicht gegeben wurden.

Zitat von Cadarr
Stipendien und BaFög erlauben es elternumabhängig zu studieren. -> BaFög wird nicht erhöht. Vor wie nach der Einführung der Studiengebühren haben nur 1-2% aller Studenten in Deutschland ein Stipendium.
Richtig. Aber es tut sich nichts. Man könnte verzweifeln.


Zitat von Cadarr
In einem Interview mit einem amerikanischen Prof sagte dieser, dass die Deutschen es nicht verstanden hätten, was gut an den amerikanischen Unis wäre. Sie kopierten nur die Dinge, die schlecht an diesen sind.
Diesen traurigen Umstand hatte ich weiter oben auch schon erwähnt. Leider ist er vollkommen wahr, wird aber im Jubel um Nobelpreise, die gute Arbeit in den 70er und 80er Jahre loben, sowie den neuen Exzellenzien nicht wahrgenommen.

Zitat von Cadarr
Unis in Amerika machen das Volk gleich. In Amerika kann jeder der gute Leistungen hat studieren. Er sagt, man darf nicht nur die Eliteunis in Amerika sehen. Die sind eh nur zum vorzeigen da. Die Akademiker kommen aus den normalen Provinzuniversitäten.
Ganz genau so ist es. Aber Deutschland ist Bildung einfach nicht wichtig. Noch dazu diskutiert man zu viel über Ideologie oder wegen Ideologie und ist viel zu wenig pragmatisch. Und Mut zu Neuem haben auch zu wenige Leute, oder, falls sie ihn haben, dann werden sie mundtot gemacht.

Noch ein Satz, den ich weiter oben schon anfügte (auch der stammt von einem Ami): Deutschland ist die Bildung zwar extrem wichtig. Aber leider haben wir dafür kein Geld.

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Stahlengel77 19.10.2007, 17:52
101.

Zitat von kurz&knapp
Was nützen Elite-Unis, wenn durch die neue Studiengebühr die dringend benötigten Ingenieure immer weniger werden. Denn die kommen meist aus einfachen Verhältnissen und können sich das nicht leisten. Bitte bloß kein asoziales US-Stipendiensystem: Wer am höchsten springt bekommt Almosen. Bildung muss für alle in der Breite gefördert werden.
Na dann hoffe ich mal, das Sie bei der nächsten Landtagswahl bei sich das Kreuz an der richtigen Stelle machen...

Das mit dem Almosensystem haben wir doch jetzt. Ist doch prima ! Von der Landestreuhand bekommt man einen Kredit und wenn man dann fertig ist, hat man gleich mal 20.000€ Schulden und - was viel wahrscheinlicher ist - man muss nach einer vergeigten Prüfung dann aufhören zu studieren, weil man die Studiengebühren nicht aufbringen kann - hat aber dann immer noch 20.000€ Schulden.
Diese Überlegung schreckt dann noch mehr Abiturienten vom Studieren ab. Diejenigen, die sich das Geld nebenher verdienen müssen, können sich schon darauf einstellen, die höheren "Strafgebühren" zu zahlen.

Also alles in allem ideale Vorraussetzungen für den Eintritt ins Berufsleben - dank Studiengebühren ! Aber warum jammern ? Die dringend benötigten Ingenieure wirbt man ja in Osteuropa an. Der deutsche Ingenieur ist längst ein obsoleter Faktor der Profitgleichung und wird herausgekürzt.

Wie wäre folgender Vorschlag : Der Staat verteilt mit dem Abiturzeugnis gleich eine Zyankali-Kapsel. Da haben die jungen Leute aus ärmeren Verhältnissen wenigstens die Wahl, ob sie als hochverschuldete Arbeitsdrohne an einer sogenannten Elite-Uni studiert haben wollen oder den sozialen Aufstieg gleich mit sich selbst begraben wollen. Das wäre doch nur fair, denn dann bleiben die Reichen ja auch weiter gewissermaßen unter sich !

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marrrrtin 19.10.2007, 17:59
102.

Zitat von bipolar84
... oder man sieht, dass \int x/(1+x^2) der form 1/2 f'/f entspricht, dann ist das Integral davon sowieso 1/2 * ln(f). Viele Wege führen nach Rom. Aber genau dieses Denken konnte ich bisher in meinem Studium gut gebrauchen (zum Beispiel bei elektromagnetische Felder = theor. Elektrotechnik)
Man sieht meine Wissenslücken! :-) Sie haben Recht, hier sind solche Sachen in der Tat fundamental.


Zitat von bipolar84
... denen man nicht immer trauen sollte. Klar sind Statistiken wichtig, aber Statistik ist eben auch nur ein Aspekt der Mathematik.
Man könnte Statistiken aber viel mehr trauen, wenn die Journalisten etc. Ahnung von der Mathematik, die dahinter liegt, hätten. Es fängt ja bei Trivialitäten wie Umfragen an, wo man 6 Leute befragt und dann Pseudo-Genauigkeit von 83,3333 Prozent Zustimmug vermittelt. Konfidenzintervalle, also wo bestimmte Schätzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen (z.B. vom Wirtschaftswachstum, das 0,3% +/- 0,3, also zw. 0,0 und 0,6 % liegt)...
Dass Statistik nur ein Aspekt von vielen ist, stimmt natürlich vollkommen. Ich meine nur, dass dieser zu kurz kommt.

Zitat von bipolar84
Vielleicht macht es mehr Spaß, wenn es nicht mehr chick ist als z.B. TV-Moderator damit anzugeben, wie schlecht man doch in Mathe war (*Publikum klatsch an der Stelle*).
Vollkommen richtig.

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ChristianBW 19.10.2007, 17:59
103.

Zitat von Stahlengel77
Richtig. Prima, da wissen wir wo die Reise hingeht ! Meine Güte, allein wegen diesem Sch*** möchte man am liebsten seine Koffer packen und auswandern. Wir hatten ein System, das hervorragende Ingenieure und Wissenschaftler hervorbrachte und genau das lassen wir uns von außen kaputt machen, weil sich ja alle Welt nach den USA ausrichten muss und nicht nach europäischen Standards wie Frankreich und Deutschland (beide mit Diplom). ......... Aber es wird ja nicht nach Qualität gefragt, sondern nach der besten Selbstdarstellung und nach den besten Fürsprechern. Die Auswahl allein ist schon der absolute Witz, als ob man einen Eliteruf von oben aufdrücken könnte. Den muss sich eine Uni erarbeiten und den Ruf, gewissermaßen führend zu sein, hatten einige Unis bisher doch schon. Dieses per Gesetz/Verordnung/Beschluss aufgedrückte "Prädikat" ist doch genauso trügerisch wie so manches Marketingversprechen von Zahnpasta : Wir machen Ihre Zähne viel viel weißer... Aber Hauptsache wir haben eine Elite...
Kann den meisten Punkten zustimmen. Es ist wohl ein Trend
sich int. Standards (besonders denen aus USA) anzupassen oder nachzuahmen. Ist viel Augenwischerei dabei und oft wird das Niveau dabei gesenkt und nicht gehoben.

Schade, aber alles was so intenational klingt und daher kommt ist bei uns in "Mode". Dabei ist die sprichwörtliche deutsche Ingenieurskunst (und für mich synoym die bisherige Diplom- Ausbildung) das zentrale Fundamend für die deutsche Wirtschaft.

Viel Schaumschlägerei - aber was solls....

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yogibimbi 19.10.2007, 18:21
104.

Soso, aus Bayern sind also auch Unis dabei. Sicherlich nicht Geografie studiert, der Autor des Artikels, oder? Aachen, Heidelberg, Konstanz, Freiburg, Berlin und Göttingen, das sieht eher nach einem 3:3 Norden:Süden aus.

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Iceflyer 19.10.2007, 18:24
105.

Naja, also ich glaube das der Ingenieurmangel nicht durch die Studiengebühren besonders verschlimmert wird. Es ist halt einfach nicht "in" das zu studieren. Wenn man sich mal anschaut wie viele Anfänger es dagegen in den Fächern der Wirtschaftswissenschaften gibt... Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften setzen nun mal etwas voraus und viele haben schlichtweg Angst sowas zu studieren, was an der schlechten Ausbildung im Gymnasien liegt. Ich hatte damals sehr große Probleme in Höhere Mathematik I-III, trotz Leistungskurs Mathematik. Die heutige Entscheidung war eine Weichspülung des ganzen Elitezirkus. In ein paar Jahren ist wahrscheinlich fast jede Universität eine Eliteuni.

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marrrrtin 19.10.2007, 18:36
106.

Zitat von yogibimbi
Soso, aus Bayern sind also auch Unis dabei. Sicherlich nicht Geografie studiert, der Autor des Artikels, oder? Aachen, Heidelberg, Konstanz, Freiburg, Berlin und Göttingen, das sieht eher nach einem 3:3 Norden:Süden aus.
In Runde 1 vor einem Jahr kamen die LMU München, die TU München und die TH Karlsruhe dazu. Das meint der Autor.

Und damit steht es übrigens 6:3 für den Süden, obwohl hier nur 23 Millionen Menschen wohnen (BY + BW), gegenüber 59 im Rest der Republik.

Aber leider sind die beiden südlichen Länder die einzigen, die ein halbwegs sinnvolles Bildungssystem (konkurrenzfähig!) haben, Thüringen und Sachsen sind wohl auf dem Weg dorthin. Besonders NRW ist in Bildungsfragen eine riesen Enttäuschung. Und die Forschung und Entwicklung in Deutschland kann sich international auch nur deshalb im Mittelfeld halten (2,49% FuE-Ausgaben am BIP), weil der Süden bzw. die dortigen Unternehmen den Schnitt nach oben treiben (BW: 4,2%, BY: 2,9%). Allerdings kann ich selbst den Süden nicht loben - die sind bestenfalls Einäugige unter Blinden.

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Iggy Rock 19.10.2007, 19:13
107.

Zitat von marrrrtin
In Runde 1 vor einem Jahr kamen die LMU München, die TU München und die TH Karlsruhe dazu. Das meint der Autor. Und damit steht es übrigens 6:3 für den Süden, obwohl hier nur 23 Millionen Menschen wohnen (BY + BW), gegenüber 59 im Rest der Republik. Aber leider sind die beiden südlichen Länder die einzigen, die ein halbwegs sinnvolles Bildungssystem (konkurrenzfähig!) haben, Thüringen und Sachsen sind wohl auf dem Weg dorthin. Besonders NRW ist in Bildungsfragen eine riesen Enttäuschung. Und die Forschung und Entwicklung in Deutschland kann sich international auch nur deshalb im Mittelfeld halten (2,49% FuE-Ausgaben am BIP), weil der Süden bzw. die dortigen Unternehmen den Schnitt nach oben treiben (BW: 4,2%, BY: 2,9%). Allerdings kann ich selbst den Süden nicht loben - die sind bestenfalls Einäugige unter Blinden.
Verstehe ich nicht, einerseits beklagen sie, dass im Schnitt 70% Ausfallquote mehr Studenten verhindern, andererseits loben sie das bayrische Bildungssystem was knapp über 20% eines Jahrganges überhaupt das Abitur ermöglicht. Konkurrenzfähig sieht anders aus im weltweiten Vergleich. Jenes, inzwischen ja schon zur Routine gewordene, Dauergeblubbere um Eliteunis geht mir ziemlich auf den Senkel, das Konzept hätte durchaus Sinn, wenn es hier, wie in den Staaten, um Privatuniversitäten ginge, hier geht's aber primär um Kleinstaaterei, um Länderfürsten mit anderen Interessen als gute Bildung für alle durchzusetzen. Denselben Ami, bzw. auch chinesischen Quark rührt man mit den Studiengebühren, schaut man sich an wofür Hochschulen diese einsetzen wird einem gleich ganz anders. Wir leben nicht in Amerika und die "Eliteunis" sind nur Geldspritzen für wenige in einem maroden System. Vielleicht sollten sich einige Politiker mal ein Semester an einer überfüllten, weil Studiengebührfreien, deutschen Uni gönnen um zu kapieren wieviel Spass es machen kann mehrere Stunden am Kopierer anzustehen, sich Bücher ständig selbst kaufen zu müssen "weil nicht vorhanden" oder einige Vorlesungen vom Fußboden aus verfolgen zu können. Vielleicht kommen sie dann doch auf den Gedanken ihre Lobbyfreunde aus der Wirtschaft dazu zu bewegen private Eliteunis, nach 100% amerikanischem Vorbild, aufzubauen. Damit die dann auch etwas sozial bleibt, sollten wir wie in Amerika die Bundeswehr Einsätze im Ausland nutzen um potentielle Studenten mit finanziellen Mitteln zu versorgen, wenn sie es denn überleben. Die USA sind schon toll, in meiner Geburtsstadt gibt's schon heute einen "Aldi-Hörsaal". Ein Armutszeugnis für einen verotteten Sozialstaat.

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Stahlengel77 19.10.2007, 19:13
108.

Zitat von ChristianBW
Schade, aber alles was so intenational klingt und daher kommt ist bei uns in "Mode". Dabei ist die sprichwörtliche deutsche Ingenieurskunst (und für mich synoym die bisherige Diplom- Ausbildung) das zentrale Fundamend für die deutsche Wirtschaft.
Sie haben es auf den Punkt gebracht. Nur sieht das von den Schaumschlägern in der Politik und den narzißtischen Konzernvorständen keiner. Und die BWL glaubt nur an die Rendite.

Ich bin froh, noch diese Ingenieurskunst gelernt zu haben. Was ich aber z.B. mit den neuen DIN-Normen sehe, die den Eurocode auf nationaler Ebene durchsetzen, da kann ich echt nur von geistigem Dünnschiss reden. Ich habe neulich 3h gebraucht, um ein paar einfache Windlasten nach neuer Norm zusammenzustellen und Kombinationen zu bilden. Früher war das eine Sache von nicht einmal ganz 10min. Und bei den meisten Normen steht mittlerweile die 3. Berichtigung oder Änderung innerhalb von 2 Jahren ins Haus. Für mich ist das ebenfalls ein Indikator für die abnehmende Qualität, weil man versucht krampfhaft mehrere total unterschiedliche Ingenieursphilosophien in Europa zu verquicken.

Nur : Wenn Leute mit Ahnung den Mund aufmachen, dann glaubt denen niemand. Lieber sitzt der Wähler den berufsmäßigen Unwahrheiten, Halbwahrheiten, Klischees und der Polemik von Selbstdarstellern auf, die aus ihren verqueren Ansichten einen selbstgefälligen Brei zusammenmatschen.

Achso, nochetwas : Herr Roland Koch - Ihr Vater hat in Hessen gegen das Studiengeld (=Studiengebühr) geklagt und 1949 Recht bekommen. Ihr Vater war damals kein besonders reicher Mann und kam auch nicht aus besonders reichen Verhältnissen. Sie dagegen führen mit Ihrem Gesinnungsmittäter Corts eben diese Gebühren in Hessen wieder ein.
1.) Haben Sie vergessen, woher Sie kommen ?
2.) Wie würden Sie das Ihrem Vater erklären, wenn Sie heute vor ihm stehen würden, das Sie zerstört haben, für was er mit seiner ganzen Leidenschaft gekämpft hat ?
3.) Welche Alternativen wollen Sie jungen Menschen bieten, die aus Geldmangel das Studium abbrechen müssen ? Glauben Sie, mit 24 findet man noch eine Lehrstelle ?
Ich kann nur hoffen, das alle Hessen Sie für diesen Frevel im Januar endlich abstrafen und Sie in die Wüste schicken !

Solange wir so Typen vornedran haben, die in der Bildungspolitik wie durchgeknallte Amokläufer auf Speed verhalten, sieht es für die dringend benötigten Ingenieure und Fach- und Führungskräfte wirklich sowas von finster aus...

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integral 19.10.2007, 19:37
109. Vorsicht: In Deutschland grassiert die Elite-Epidemie

Binnen nur eines Jahres ist die deutsche Hochschullandschaft aus vermeintlicher Misere wie Phönix aus der Asche verjüngt zur 9fachen (!) Elite emporgestiegen.

Im europäischen Ranking (http://www.arwu.org/rank/2007/ARWU2007_TopEuro.htm) reihen sich allerdings gleich 5 UK Universitäten, die ETH Zürich, 2 Universitäten in Paris, Univ. Utrecht, Univ. Kopenhagen, Univ. Stockholm noch vor der ersten deutschen Nennung (Elite LMU München) ein. Keine einzige der 9 (!) deutschen Elite-Unis ist im internationalen Vergleich unter den 10 besten europäischen Universitäten zu finden. Wie kommt es dazu? Neben nicht auszuschließenden Unterschieden in der Qualität der Lehre ist ein sehr wahrscheinlicher und gewichtiger Grund, dass in Deutschland hochkarätige Forschung maßgeblich in außeruniversitären Einrichtungen (z.B. FHG, MPG) angesiedelt ist. Dieser gravierende Unterschied zum Ausland bleibt in internationalen Hochschul-Rankings unberücksichtigt, ist aber hinlänglich bekannt.

Dennoch: Wenn internationale Rankings uns Deutsche nicht stets in vorderen Reihen sehen, dann sind wir offenbar irritiert und meinen, uns selbst mit inoffiziellen Elite-Siegeln liften zu müssen. Glauben wir allen Ernstes, dass solch vordergründige Selbstgefälligkeit und dubios kosmetischer Etikettenzirkus dem zweifelsfrei sehr guten Ansehen deutscher Universitäten und Forschung insbesondere auch im Ausland gerecht werden und sie dadurch etwa glaubwürdiger oder qualifizierter machen? Haben Sie schon einmal von einer Elite Univ. Cambridge oder einer Elite ETH Zürich gehört? Wohl kaum! Das typisch deutsche Brimborium der Eitelkeiten und Selbstinszenierungen haben z.B. eine ETH Zürich und andere ausländische Unis in deren Souveränität gar nicht nötig; und renommierte deutsche Universitäten eigentlich auch nicht.
Deutsche „Elite-Universität“ und „Harvard University“; solche Nebeneinanderstellung wirkt befremdlich – aber deutsch.

Das Theater um deutsche Elite-Siegel bleibt ein von der DFG medienwirksam inszeniertes Spektakel mit gravierendem Konzeptproblem: Die mit der Initiative verbundenen Forschungsmittel (zeitlich befristet und verteilt über zahlreiche Elite-Unis) sind ein winziger Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zur Höhe der Ressourcen, welche in Deutschland nicht den Universitäten sondern vorwiegend außeruniversitären Forschungseinrichtungen zufließen. Synergetische Anbindung, Kohärenz sowie gezielt geförderte Spitzen-Fakultäten in Kooperation mit Forschungseinrichtungen sind sehr viel opportuner als das populistische Tamtam um sich epidemisch ausbreitende Elite-Uni Siegel. Solche Vorschusslorbeeren eilen der eigentlichen Umsetzung von Konzepten zu wichtigen Strukturverbesserungen und damit tatsächlichen Erfolgen weit voraus, was der Glaubwürdigkeit der Prädikate noch mehr schadet.

Wem es bei so vielen Elite-Unis nun zu unübersichtlich werden sollte, dem wird bald geholfen: Der deutsche Wissenschaftsrat bereitet schon die Lösung vor: Die „Bundesliga der Spitzenhochschulen“ (sueddeutsche.de).

Ein Deutscher im Ausland.

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