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Eltern über Missstände in Kitas: "Mein verträumter Sohn geht im Trubel unter"
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Hohe Gebühren, kurze Öffnungszeiten, gestresste Erzieherinnen und Erzieher - oder auch mal gar keine: In vielen Kitas liegt etwas im Argen. Hier berichten Eltern, was bei ihnen schiefläuft.

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topas 01.10.2018, 13:56
100.

Zitat von VormSpiegel
Kindergarten ist eine Bildung, das sollte vom Staat voll finanziert werden, genauso wie Schule. Allein die Tatsache das Eltern für ihre Kinder 600 (!) Euro pro Monat berappen sollen, nur damit sie arbeiten gehen können ist ja wohl ein schlechter Witz und ein geschmeidiger Schlag in die Weichteile.
Nein. Bei der Schule handelt es sich um die SchulPFLICHT - und diese sollte kostenfrei sein (und ist es auch). Kita ist (streng gesehen) eine Wahlveranstaltung - man kann ja auch zu Hause bleiben, Oma/Opa zur Betreuung einspannen.
Richtig wäre, die Beiträge einkommensabhängig zu gestalten. Freibetrag etwas über Hartz4-Niveau, dann geht es los mit Gebühren in Abhäüngigkeit vom Einkommen der Eltern. Bei mehreren Kindern entsprechend gestaffelte Preise (um Eltern zu entlasten, wenn mehr als 1 Kind die Kita besucht). Dann darf jede Gemeinde den Satz selbst festlegen - hat die Haushaltskasse z. B. 3000€/Monat hat man nach den laufenden Kosten in der Obereifel oder McPom etwas mehr übrig als in München.
Klappt hier in Brandenburg ganz gut. Wir verdienen nicht so viel, sind eher im unteren Bereich der Gebühren. Man kann es sich "leisten", nur Teilzeit zu gehen (und muss nicht arbeiten, um die Kita bezahlen zu können), um Zeit mit den Kindern zu haben. Andererseits zeigt man etwas Achtung vor dem Beruf der Erzieher(innen), indem man seinen Beitrag an deren Finanzierung leistet, und wälzt nicht alles auf "den Steuerzahler" ab. Dadurch, dass nicht alle Kitas ausgebucht sind und sie somit "Kundschaft" suchen können/müssen sie auch serviceorientierter agieren... Keine wochenlangen Schließzeiten zu den Ferien, sondern verteilter Urlaub des Personals (somit sind im worst case die Gruppen mal etwas größer, aber die Eltern machen ja auch meist zu der Zeit Urlaub mit den Kindern). Am Bedarf orientierte Öffnungszeiten (nach der Devise "ab drei Kindern wird aufgemacht") - zu den Randzeiten halt mit zusammengelegten Gruppen.

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monro 01.10.2018, 14:30
101.

Zitat von sammilch
Ich glaube eher, der Forist meint, das würde an Betreuung ausreichen. Sehe ich im übrigen auch so. Ich vermute, die meisten Eltern, die nicht den Luxus haben, dass einer von beiden beruflich kürzer treten kann, legen nicht so viel Wert darauf dass ein besonderes Konzept o.ä. verfolgt wird, sondern, ......
Entschuldigung, aber das ist totaler Schwachsinn. Vor allem weil ich als arbeitendes Elternteil weniger Zeit für die Erziehung und Bildung habe, ist es mir wichtig, dass Kinder nach Konzepten, die mit meinen Vorstellungen übereinstimmen, betreut werden. Ich möchte ganz klar die Erziehungsarbeit, die ich zu Hause beginne auch im Kindergarten weitergeführt sehen.
Wenn ich mit meinem Kind Bitte und Danke sagen übe, dann erwarte ich von einer guten Kita, dass dies dort weitergeführt wird.
Gleiches gilt für Dinge wie korrekte Stifthaltung und -führung, Essen mit Löffel, Gabel, Messer, einfache Mathematik (Zahlen von 1-10), Buchstaben etc.

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VormSpiegel 01.10.2018, 14:31
102. @topas

Da haben wirs doch.
Warum verkomplizieren und sonder Regeln und alle verlangen Geld für Kita Plätze wie sie lustig sind.
Es ist so fundamental wichtig das es Kita Plätze gibt das gehört nicht in die Privat-Wirtschaft diese Plätze zu stellen. Es ist eine Bildungseinrichtung für Kinder, gute Kitas leisten eine Bildungsaufgabe, es sind nicht nur Abstellräume für Kinder.

Der Bund nimmt ohnehin Geld ein, da kann man sich auch ERNSTHAFT damit beschäftigen wirklich großflächig aktiv zu werden und das besser früher als zu spät, den die nächsten Katastrophen steht uns ohnehin bevor, braucht man sich morgen nicht wundern wenn Krisen nicht nur in Syrien laufen, dann brennt es in anderen Ländern und wir bekommen noch weit mehr Flüchtlinge, auf all das muss man sich vorbereiten und schon gestern aktiv werden, die Politik verschläft das komplett und die Perversion des Ganzen ist das Thema Kita wird einfach auf die Städte abgeschoben, damit der Bund schön sagen kann das ist ja nicht unsere Aufgabe. Ja, SOLLTE es aber sein !
Kindergarten "Pflicht" ? muss es nicht geben, wirklich schlecht wäre es aber nicht (den ein guter Kita schadet absolut nicht, die Tatsache das so viele Kitas rein kirchlich sind ist auch ein Unding, aber so kulturell festgefahren).
Erzieher / Kitaplätze , genauso wie Schule bis zum Volljährigkeitsalter muss einfach ein Thema für den Bund sein, um gerade zu vermeiden das jede Stadt und jedes Bundesland tut und macht was es will und mit der Finanzierung ohnehin kläglich verloren ist ; den das Ergebnis davon ist nur das man schlechte, unterfinanzierte und schlichtweg zu wenig Kita Plätze hat, also ein komplettes Systemversagen.

Anstatt sich über private Finanzierungspläne zu streiten, die am Ende unter Garantie niemals die Leute entlasten die es bitter nötig hätten, muss hier viel grundlegender angepackt werden, den der lächerliche Kita Ausbau für den sich die Politik feiern lassen will ist schon eine Lachnummer an sich ; besser als gar nichts alle mal, aber doch so weit hinter dem was man einfach erwarten MÜSSTE.
Kurzum, Kinder müssen vom Bund gefördert werden und Eltern dürfen unter keinen Umständen finanziell dafür BESTRAFT werden das sie Kinder haben. Passiert aktuell aber und das ist alles, nur nicht Sozial.

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gott777 01.10.2018, 14:33
103. Überfüllte Gruppen

- KiTa/KiGa in Dresden
- private Trägerschaft, städtische KiGa meist ausgebucht
- Faire Gebühren
- engangierte Erzieher/innen, nette Atmosphäre

ABER: 20+ (2,5 - 6 Jahre) Kinder mit 2 Erziehern +1 monatlich wechselnder Praktikant. Kind muss um punkt 8:00 (und besser nicht früher, da Frühgruppe nur Notfall sein soll) oder 8:30 abgegeben werden. Bis 9 ist eine Erzieherin alleine und da würden kommende Kinder beim Frühstücken der anderen stören. Ein Problem bei uns, da wegen Straßenbahnzeiten nur eine Zwischenzeit möglich ist. Die letzte Stunde bis 16:00 (Spätdienst bis 17:00 soll auch nur Notfall sein) ist auch einer alleine für 20+ Kinder. Einer von uns muss daher Teilzeit arbeiten nur um die Kinder abholen zu können, Geld bräuchten wir eigentlich von zwei Vollzeitstellen (Ich beneide meine Eltern so, dass "damals" das Geld von einem meist gereicht hat). Der Betreuungsschlüssel wird wohl nur irgendwo auf dem statistischem Papier erreicht. Folge: Erzieher/innen können nicht auf alle Kinder Rücksicht nehmen. Unser Kind, das etwas mehr Kontrolle als andere braucht hat auch daher Probleme mit anderen Kindern und seiner Entwicklung, was man dann wiederum beim Elterngespräch vorgehalten bekommt.
Im Sommer zu den teuersten Reisezeiten zwei Wochen komplett geschlossen, keine Alternativangebote, ohne Oma/Opa müssen wir daher dann immer Zwangsurlaub nehmen.

Fazit: Engagement der Erzieher/innen gut, Kindergarten als solcher gut, aber personell komplett überfordert, gesetzlicher Betreuungsschlüssel weit überschritten. Folge: Kinder mit Problemen, die so nicht sein müssten (Prügeleien, eingenässte Hosen, motorische Störungen, etc.)

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practicus 01.10.2018, 14:37
104. ich favorisiere da doch die Lösung

die unsere Niederländischen Nachbarn gewählt haben: Am vierten Geburtstag jedes Kindes beginnt die ganztägige (Vor-)Schulpflicht. Bis dahin gibt es ein großzügiges Elterngeld, so dass die Kleinen die wichtigen ersten Lebensjahre bei ihren Eltern verbringen können.
Als Psychotherapeut sträuben sich mir bei der Fremdbetreuung von Wickelkindern ohnehin die Nackenhaare - soviele Kolleg*innen wird es niemals geben, wie für die Folgen dieser Massenproduktion bindungsgestörter Menschen notwendig werden!
Anstatt seinen Bürgern soviel Geld abzunehmen, dass ein Einkommen + Elterngeld nicht zum Leben reichen und schon Säuglinge in die KiTa müssen, damit beide Eltern arbeiten können, sollten die Bürger genug Netto vom Brutto überbehalten, um auf die Fremdbetreuung der Kleinsten verzichten zu können!

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acitapple 01.10.2018, 14:50
105.

Zitat von practicus
die unsere Niederländischen Nachbarn gewählt haben: Am vierten Geburtstag jedes Kindes beginnt die ganztägige (Vor-)Schulpflicht. Bis dahin gibt es ein großzügiges Elterngeld, so dass die Kleinen die wichtigen ersten Lebensjahre bei ihren Eltern verbringen können. Als Psychotherapeut sträuben sich mir bei der Fremdbetreuung .....
Ich befürchte leider so weit wird es hier nie kommen. Mittlerweile habe ich verstanden wieso Deutschland als kinderfeindlich tituliert wird. Nicht etwa, weil Nachbarn sich am Kindergeschrei stören. Nein, die Gesellschaft ist nicht willens die entsprechenden Kosten zu tragen. Prestigeobjekte a la BER, in denen Mrd versenkt werden, oder geduldete Misswirtschaft bei der Bundeswehr nimmt man lieber in Kauf als eine anständige Kinderbetreuung durch die Eltern. So züchtet man sich dann die nächste Generation empathisch Minderbemittelter heran, die dann ebenfalls keine Notwendigkeit für Kinderbetreuung sehen, weil es bei ihnen ja auch so gut geklappt hat.

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bicyclerepairmen 01.10.2018, 14:51
106. Ich glaube....

Zitat von sammilch
Ich vermute, die meisten Eltern, die nicht den Luxus haben, dass einer von beiden beruflich kürzer treten kann, legen nicht so viel Wert darauf dass ein besonderes Konzept o.ä. verfolgt.......
eher das Gegenteil ist der Fall.

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tim_taylor 01.10.2018, 15:13
107. Ich verstehe viele der Einwände

meinem Kommentar gegenüber. Aber, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke hatten wir und auch unsere Nachbarn, Freunde etc... genug. Ich möchte miterleben, wie meine Kinder, und es sind mittlerweile drei, die ersten Schritte gegen, die ersten Worte sagen usw. Ob jetzt der Vater oder die Mutter bei den Kindern bleibt ist egal. Hauptsache es ist eine Bezugsperson. Vielleicht ist unser Gesellschaftsmodell einfach falsch. In meiner Kindheit konnten es dich die Menschen leisten, dass nur einer arbeiten geht. Dass heute beide Elternteile arbeiten müssen, hat wohl auch was mit immer größer werdender Gier der Industrie und sonstiger Arbeitgeber zu tun. Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass wir uns auf die Dinge im Leben konzentrieren sollten, die wichtig sind. Und da zählt Selbstverwirklichung, Arbeit und auch Geld garantiert nicht dazu. Aber das Lachen meiner Kinder, deren Gesundheit und Wohlbefinden.

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