Forum: Leben und Lernen
Eltern über Missstände in Kitas: "Mein verträumter Sohn geht im Trubel unter"
Getty Images/ iStockphoto

Hohe Gebühren, kurze Öffnungszeiten, gestresste Erzieherinnen und Erzieher - oder auch mal gar keine: In vielen Kitas liegt etwas im Argen. Hier berichten Eltern, was bei ihnen schiefläuft.

Seite 6 von 11
Pango 01.10.2018, 10:25
50. Elternarroganz

Unsäglich, was manche Eltern hier ablassen ... "Nur" zehn Minuten Mehrarbeit pro Tag? Also 50 Minuten die Woche? Mindestens 200 Minuten im Monat? Circa 40 Stunden im Jahr? Ist der feine Herr Vater etwa bereit auf eine volle Urlaubswoche zu verzichten? Und dann kommt der nächste, verlangt 15 Minuten mehr, 20 ... Kinder = Verantwortung! Guess what ... Der eierlegende Wollmilch-Kindergarten wurde noch nicht erfunden.

Beitrag melden
MisterD 01.10.2018, 10:35
51. Das hat wenig mit Arroganz zu tun...

Zitat von Pango
Unsäglich, was manche Eltern hier ablassen ... "Nur" zehn Minuten Mehrarbeit pro Tag? Also 50 Minuten die Woche? Mindestens 200 Minuten im Monat? Circa 40 Stunden im Jahr? Ist der feine Herr Vater etwa bereit auf eine volle Urlaubswoche zu verzichten? Und dann kommt der nächste, verlangt 15 Minuten mehr, 20 ... Kinder = Verantwortung! Guess what ... Der eierlegende Wollmilch-Kindergarten wurde noch nicht erfunden.
klar, Kindergärtnerinnen wollen auch mal nach Hause und nicht unbezahlt schuften...

Auf der anderen Seite:
Viele Arbeitnehmer haben keine flexiblen Arbeitszeiten. Die können nicht, wie Sie und ich, um 7h schon kommen, um dann um 15h zu gehen. Die müssen um 8h da sein und dann bis 16h bleiben.
Da stellt sich dann schon die Frage, ob wir nicht flexiblere Kinderbetreuung brauchen
Denn eins ist sicher... die Flexibilisierung der Arbeitszeit wird zunehmen. Daher muss auch die Kinderbetreuung flexibler werden...
Oder, das ist die Alternative:
Die Leute, die eigentlich Kinder bekommen sollen, also diejenigen, die gut verdienen, gut gebildet sind, einen guten Job haben... die bekommen keine Kinder mehr, weil es für sie ein enormes Abstiegsrisiko bedeutet...

Das ist das eigentlich Traurige an der Geschichte:
Kinder sind heutzutage ein ganz erhebliches Risiko, aus der Mittelschicht in die Armut abzustürzen... für Alleinerziehende, aber auch für immer mehr Familien...

Beitrag melden
Jülzin Ömür 01.10.2018, 10:37
52. Inklusion

Gerade hier sind öffentliche Schulen mit einer bunten und Toleranten Einstellung gegenüber Privatschulen im Vorteil. Gerade in bunten Bezirken wird jeder mitgenommen, der sozial weniger kompetent ist oder sich gar sozial von den anderen Kindern trennen will.

Beitrag melden
dasdingausdemsumpf 01.10.2018, 10:37
53. Zum "Vater aus Bayern"

Hier beklagt sich einer, dass die Erzieherinnen mit Funkuhr kontrollieren, ob die Eltern pünktlich sind. Genau hier wird deutlich, wie die Leute über Erzieherinnen denken: Das sind für Lakaien, die bereit zu stehen haben, wenn man sie braucht. Dass die Erzieherinnen möglicherweise selbst Zeit- und Termindruck und ein Familienleben haben, kommt so jemandem gar nicht in den Sinn. Der Mann kann keine Minute früher losfahren um sein Kind abzuholen, erwartet jedoch, dass Erzieherinnen zeitlich flexibel sind, wenn er sich mal verspätet. Wie stellt er sich das vor? Bei 10 Min. ein Auge zudrücken? Beim nächsten mal bei 15 Min.? Selbstverständlich muss der zuständige Pfarrer seine Mitarbeiterinnen vor solchen Leuten schützen, deren Zeit 100 mal kostbarerer ist, als die aller anderen!

Beitrag melden
monro 01.10.2018, 10:38
54.

Zitat von tim_taylor
Werden Zuhause betreut. Meine Frau ist bei den Kindern, ich gehe arbeiten. So war es schon zu meiner Kindheit und so sollte es auch sein. Wenn ich sehe, dass Eltern ihre kleinen Kinder in die Kita bringen, frage ich mich, warum die Kinder bekommen haben. Es gibt Wichtigeres als Arbeit und Geld. Die Ganztagsbetreuung gehört abgeschafft. Und Kinder sollten ein Jahr vor der Schule in den Kindergarten kommen. Mehr nicht.
Nicht jede Mutter möchte Hausfrau sein und nicht jeder Vater ist bereit seine Karriere für die Kinderbetreuung aufzugeben. Was nun?

Beitrag melden
annoo 01.10.2018, 10:41
55.

Zitat von tim_taylor
Unsere Kinder werden Zuhause betreut. Meine Frau ist bei den Kindern, ich gehe arbeiten. So war es schon zu meiner Kindheit und so sollte es auch sein. Wenn ich sehe, dass Eltern ihre kleinen Kinder in die Kita bringen, frage ich mich, warum die Kinder bekommen haben. Es gibt Wichtigeres als Arbeit und Geld. Die Ganztagsbetreuung gehört abgeschafft. Und Kinder sollten ein Jahr vor der Schule in den Kindergarten kommen. Mehr nicht.
Sie schreiben, dass Arbeit und Geld für Sie und Ihre Frau nicht so wichtig sei. Ich bin gespannt, ob ihre Frau, sollte Ihre Ehe irgendwann mal in die Brüche gehen (was ich Ihnen natürlich nicht wünsche) immer noch so überzeugtist, dass Geld nicht wichtig ist, wenn Sie plötzlich auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist und jeden Cent rumdrehen muss. (Googlen Sie mal nach "Neue Armutsgruppe Alleinerziehende Frauen"). Abgesehen davon - wer zahlt Ihr antiquiertes "Traditionsmodell" im Scheidungsfall? Richtig. Die Solidargemeinschaft. Wir alle. Denn ich bin sicher, Sie als Mann finden dann viele Wege, dafür zu sorgen, dass Ihre Frau möglichst wenig von Ihrem Geld abbekommt. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche. Und sollte es nicht zu einer Scheidung kommen, leidet die Solidargemeinschaft ebenso durch weniger erwirtschaftete Renten. Es ist also ein relativ unsoziales Modell bei dem im Zweifelsfall nur einer profitiiert: Tim_Taylor.

Abgesehen davon, dass es ja auch Frauen geben soll, die sich beruflich mit interessanten Themen auseinander setzen und Kinder und Beruf miteinander vereinbaren wollen und daher auch können.
(Übrigens ist das Modell "Mutter zu Hause, Vater arbeitet" nur ein kurzzeitiges Phänomen in unserer Geschichte und gar nicht so tradtionell wie Sie glauben. Schon die Generation vor uns lebte anders: Kinder einfacherer Familien wurden im Familienverband aufgezogen (gar nicht so viel anders wie in Kitas), weil auch die Mütter häufig auf dem Feld arbeiteten, Kinder aus reichen Familien wurden von Bediensteten betreut. Aber das nur nebenbei).
Was wir also brauchen ist nicht weniger Betreuung von Kindern sondern mehr. Und besser.

Beitrag melden
besmakateb 01.10.2018, 10:51
56. Auch Erzieher haben Familien

ich kann den Pfarrer da völlig verstehen. Viele Eltern meinen dass die Erzieherinnen kein Leben außerhalb der Kita haben.
ich bin selber Erzieherin und habe zwei Grundschulkinder die auch ihre Mama brauchen. Meine Kinder haben am Nachmittag Ballett und Fußball d.h. wenn Eltern ihre Kinder später abholen, kann ich meine Kinder nicht zum Training fahren. Wir Erzieherin haben Familien für die wir kochen, putzen, Hausaufgaben machen, lernen, kuscheln......

und wenn jemand meint er kann
seine Kids jedesmal 10 min später abholen dann soll er doch bitte wie der Pfarrer angeregt hat in eine andere Kita gehen

Beitrag melden
nickleby 01.10.2018, 10:52
57. Wer Kinder liebt....

schluckt auch die Kröten des Kitaalltags. Man will seine Kinder ver-und umsorgt wissen. Darum soll man nicht soviel beckmessern und sich der Tatsache stellen. Die Kindergartenzeit geht vorbei und dann kommt die befreiende Schule, in der die Zöglinge nach Begabung und Bedarf gefördert werden. Unsere Schulen leisten viel. Darum sollte man über die Petitessen der Kitas hinwegsehen. Kitas werden vom Staat finanziell gefördert. Da ist es nur selbstverständlich, dass die Eltern ihren Obolus beitragen. Alles hat seinen Preis.

Beitrag melden
monro 01.10.2018, 10:52
58.

Zitat von js8181
Ich lebe seit einigen Jahren in England. Der Kindergartenplatz kostet meine Frau und mich 1300 Pfund im Monat. Die Kitas sind alle in privater Hand. Manche verlangen auch 2000 Pfund im Monat. Ist die Betreuung besser? Kann ich nicht vergleichen. Es gibt in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes keine Zuschüsse. Im 3. Jahr werden 15 Std pro Woche, im 4 Jahr 30 Std pro Woche bezuschusst. Bleibt aber auch der Kita überlassen ob sie den staatlichen Stundensatz annimmt. Am Ende des Tages zahle ich fast 16000 Pfund (ca. 19000 Euro) pro Jahr für Kinderbetreuung. Ich wäre froh und dankbar ein Angebot wie in Deutschland zu haben.
Dito! Wir bezahlen £1800 im Monat.
Betreut wird im Schlüssel 3:1, wenn durch ungeplante Umstände dieser Schlüssel am Morgen nicht gegeben ist z.B. Zugverspätungen, Verkehrschaos, müssen Eltern ihr Kind betreuen, bis die Erzieherin kommt. Die Kita öffnet 7:30 und schließt 18:30.
Wir sind sehr zufrieden mit der Betreuung. Per App nehmen wir am Kita-Alltag teil, können uns Fotos und Videos ansehen. Beim Abholen erhalten wir eine Übersicht mit Schlafenszeiten, Essensmengen und welche Aktivitäten der Kleine gemocht hat. Alle 6-8 Wochen haben wir Elterngespräch, in dem wir mit der Kita vereinbaren, an welchen Fähigkeiten wir gemeinsam arbeiten und besprechen welche Fähigkeiten sich verbessert haben.

Wir haben uns mit den hohen Kosten arrangiert, weil wir den Vorteil sehen. Die Entwicklung unseres Sohnes gibt uns Recht, das wir eine gute Kita gesucht haben, in der er mehr lernt und unternehmen kann, als wir es ihm zu Hause hätten bieten können. Qualität hat nun mal seinen Preis, den wir gerne bereit sind zu zahlen.

Beitrag melden
_derhenne 01.10.2018, 10:53
59.

Deutschland im Jahr 2018: ohne Worte!

Es wäre genug Kohle da um Eltern, Kindern und Erziehern eine würdevolle Kinderbetreuung zu ermöglichen. Aber Pustekuchen! Eher vergolden wir ein paar Straßen, peppeln die notleidende Autoindustrie mit ein paar Wechselprämien oder überweisen 150 Millionen an Beratungsfirmen.
Wenn wir es nicht bald schaffen soziale Berufe (Erzieher, Pflege etc.) attraktiver zu gestelten, fliegt uns der ganze Haufen um die Ohren.

Beitrag melden
Seite 6 von 11
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!