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Erfolgreiche Klage : Jura-Studentin darf nicht wegen Verspätung durch Prüfung fallen
DPA

Fünf Minuten Verspätung brachten einer Jura-Studentin null Punkte in einer Prüfung. Das ist unverhältnismäßig, urteilte das Bundesverwaltungsgericht - und hob die Urteile der Vorinstanzen auf.

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dachhase 06.03.2019, 07:23
40. Eigentlich

wird doch bewertet, was man bis Ende der Prüfungszeit von sich gegeben hat. Der Eine braucht volle Zeit um nichts zu sagen ( wird dann vermutlich Politiker), der Andere braucht drei Minuten und hat alles korrekt ausgeführt. Nicht desto trotz geht es hier um viel mehr. Wer von der Bahn oder dem Flugzeug Pünktlichkeit erwartet, muß an sich selbst die gleichen Maßstäbe anlegen lassen. Unsere Generation Gleitzeit hat festgelegt, daß fünf Minuten eben nichts mehr wert sind. Ich biete oft Mitfahrgelegenheit an. Ihr glaubt nicht, wie oft Leute wegen fünf Minuten stehen bleiben. Ich gebe klar an, daß ich nicht warte und kann übers Internet verfolgen, ob ich angelogen werde. Ich jedenfalls möchte, daß in diesem Land die Uhrzeit etwas Wert ist.

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dickebank 06.03.2019, 14:38
41. Teilleistung

Zitat von egonv
Ich denke auch, dass es um die Verhältnismäßigkeit geht. Fünf Minuten sind Fünf Minuten und nicht zehn Semester Studium. Man könnte auch andere Lösungen finden in der Situation Fairness durchzusetzen. Hat der Prüfer den Verdacht, dass sie eine Einstiegsfrage umgehen wollte, kann er diese im weiteren Gespräch einbauen. Wenn die Prüfung bzw. der Teil entsprechend lange dauert, sollte es möglich sein auch mit fünf Minuten weniger eine faire Note zu finden, sonst liegt es an der Kompetenz der Prüfer. Ungeachtet davon könnte ein nachvollziehbarer Abzug aufgrund der Verspätung erfolgen. Das wäre u.U. verhältnismäßig. Auch als Lehrer in der Schule ist die Verhältnismäßigkeit immer der entscheidende Maßstab. Einen Ausschluss führt man nur durch, wenn man sich 1000% sicher ist, dass der Prüfling betrogen hat! Nach einer solchen Entscheidung gibt es kaum einen Weg zurück. Dann kann man nicht einfach mal sagen, derjenige darf doch nochmal versuchen. Einige Male kam es schon vor, dass ich einzelne Schüler hätte ausschließen können (es ist zum Glück als Können im Gesetz brschrieben), es aber nicht hat, weil mir klar war, dass sie ohnehin durchfallen werden. Das ist die sauberere Lösung. Wenn ein Prüfer zwecks Formalia oder Täuschungsversuchen ausschließt, ist das immer unsauber, weil nicht der Prüfungsgegenstand Grundlage des Ergebnisses war.
Die mündliche Prüfung besteht aus mehreren Teilen (Aktenvortrag und Prüfungen in mehreren Rechtsgebieten wie Straf-, Zivil- und Staatsorganisationsrecht etc.) Die einzelnen Prüfungsteile werden durch Pausen unterbrochen.

Die Examenskandidatin (Referendarsexamen) ist zu einer der Prüfungen zu spät erschienen. Es reicht aus, sie von diesem Prüfungsteil auszuschließen und diese Teilprüfung mit null Punkten zu bewerten. Sie vom weiteren Prüfungsverlauf komplett auszuschließen ist wirklich nicht verhältnismäßig, da die Gesamtnote ja als Duirchschnittsnote aus den Einzelergebnissen aller mündlichen Prüfungen ermittelt wird. Ergibt sich einschließlich des mit null Punkten gewerteten Prüfungsteiles eine Punktesumme, die geteilt durch die Anzahl der Einzelprüfungen wird, ein Punktzahl von mindestens vier von maximal 18 Punkten, muss die Gesamtprüfung mit der Note "ausreichend" - und somit bestanden - anerkannt werden. Genau zu diesem Urteil ist das Verwaltungsgericht ja schlussendlich auch gekommen. Prinzipienreiterei hilft nicht weiter.

Um rechtssicher für die zukunft zu sein, müssten die Prüfungsregularien verändert werden. Und zar dahingehend, das kein Prüfungsteil mit null Punkten abgeschlossen werden darf. Dann wäre das Nicht-Bestehen korrekt gewesen.

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Siggi_Paschulke 07.03.2019, 08:22
42. Was bringt jetzt der jungen Dame dieses Urteil?

Darf sie jetzt die Prüfung erneut ablegen? Was hat sie in den letzten Jahren eigentlich gemacht?

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Pickle__Rick 07.03.2019, 12:34
43.

Zitat von TS_Alien
Zu einer Prüfung muss man pünktlich erscheinen. Sonst könnte z.B. jemand bei einer schriftlichen Prüfung auf das WC gehen und dort dem Zuspätkommenden einige Fragen verraten, so dass dieser sich noch vorbereiten kann. Der Zuspätkommende kann anschließend besser vorbereitet den Prüfungsraum betreten. Bei einer mündlichen Prüfung mit mehreren Teilnehmern ist es zwingend erforderlich, dass alle Prüflinge die gesamte Prüfung anwesend sind und nicht zu spät kommen. Sonst könnte man sich z.B. vor bestimmten Eingangsfragen drücken. Die Gerichte urteilen manchmal sehr merkwürdig.
Naja, wenn es zwingend darauf ankommt die Prüflinge nicht während laufender Prüfungen miteinander kommunizieren zu lassen, darf man ihnen keine Pausen gewähren. Das ist hier aber passiert und die betroffene Dame ist lediglich aus einer Unterbrechung bzw. Pause fünf Minuten zu spät gekommen. Die Sanktion halte ich in dieser Form auch für unverhältnismäßig. Wichtig ist vor allem der letzte Absatz. Das Gericht hat sich hier angeschaut was Sinn und Zweck der Vorschriften ist. In dem Fall geht es darum, den unbegründeten Ausstieg aus einer Prüfung zu regeln. Da sie aber offensichtlich nicht aus der Prüfung ausgestiegen ist und dies wohl auch nicht geplant hat, ist die Sanktion zur durchsetzung der Vorschrift nicht angemessen.

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ichotolot 07.03.2019, 13:54
44.

Zitat von dachhase
wird doch bewertet, was man bis Ende der Prüfungszeit von sich gegeben hat. Der Eine braucht volle Zeit um nichts zu sagen ( wird dann vermutlich Politiker), der Andere braucht drei Minuten und hat alles korrekt ausgeführt. Nicht desto trotz geht es hier um viel mehr. Wer von der Bahn oder dem Flugzeug Pünktlichkeit erwartet, muß an sich selbst die gleichen Maßstäbe anlegen lassen. Unsere Generation Gleitzeit hat festgelegt, daß fünf Minuten eben nichts mehr wert sind. Ich biete oft Mitfahrgelegenheit an. Ihr glaubt nicht, wie oft Leute wegen fünf Minuten stehen bleiben. Ich gebe klar an, daß ich nicht warte und kann übers Internet verfolgen, ob ich angelogen werde. Ich jedenfalls möchte, daß in diesem Land die Uhrzeit etwas Wert ist.
Nein, es wird nicht bewertet, "was man von sich gegeben hat", sondern der Inhalt der Prüfung ist gesetzlich vorgegeben und nur dieser führt zur Gesamtnote. Ein allgemeines "wir schauen mal, wie der oder die so ist" und denken uns dann eine Note aus gibt es nicht.

Und warum man der Auffassung ist, einem Menschen, der aus irgendwelchen uns hier nicht bekannten Gründen in einem Fall, sei es auch ein wichtiger, 5 Minuten zu spät kam, für sein gesamtes Leben die Unfähigkeit zu unterstellen, Zeiten einzuhalten, und damit seine Berufsqualifikation vorab zu beeinträchtigen, ist mir völlig unverständlich. Das dann auch noch mit Allgemeinplätzen wie Bahn, Flugzeug (wissen Sie denn, welche Maßstäbe die Kandiatin hier anlegt) oder eigenen Mitfahrgelegenheiten.

Vielleicht sollte man auch jedem Schüler, der mal zu spät aus der Pause kam, die spätere Examensnote vorab herabsetzen, oder jedenfalls bei Verspätung zu irgendeiner Vorlesung. Das ist in etwa genau so schlüssig. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit so mancher hier das Leben anderer massiv beeinträchtigen würde, wenn er nur dürfte.

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