Forum: Leben und Lernen
Erkenntnisse einer Lehrerin: Nett sein bringt nichts
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"Seid doch bitte mal kurz ruhig." Wer so mit seinen Schülern spricht, hat schon verloren, sagt Frau Freitag. Die Lehrerin hat gelernt: Nur wer Regeln durchsetzt, wird respektiert.

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ronomi47 12.04.2016, 10:24
50. Menschenbild wurde aufoktruiert!

Die Detaildiskussionen hier bringen wenig. Periodisch wird doch das Thema Erziehung in allen Medien stets mit den selben Problematiken neu aufgetischt. Aber keiner will an der Hauptursache rütteln: Das veränderte, aufoktruierte Menschenbild!

Der Mensch ist von Natur aus nicht gut und auch nicht schlecht. Er ist ein intelligentes Säugetier und verhält sich so, wie es ihm kurzfristige Vorteile verschafft.

Erreicht er seine Ziele ohne Anstrengung, so geht er diesen Weg. Autoritäten akzeptiert er, wenn er durch deren (kluge) Führung- in der Schule langfristig gesehen - einen Gewinn erblicken kann. Sei dies fachlich oder persönlich in Bezug auf seine Entwicklung.

Seit den 70-er Jahren hat man praktisch alle "alten" Grundregeln über Bord gekippt. Das Rousseau'sche Prinzip des Menschen, der "von Natur aus gut sei" wurde als 1. Axiom als neues Leitprinzip auf den Sockel gehoben.

Nun leiden sie, die "guten Menschen". Sie erfahren gerade, wie das Pendel langsam, aber sicher in die Gegenrichtung zurückschwingt...

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elizar 12.04.2016, 10:26
51.

Zitat von Alfred Ahrens
Das hatte auch damit zu tun, dass es ein sehr geachteter Beruf war und nicht jeder Lehrer (mit all den Privilegien die der Beruf mit sich brachte) werden konnte. Heute ist das Ziel doch nur die Verbeamtung und dann raus aus dem Job per burn-out oder wie auch immer. Viele Lehrer geben offen zu, sie machen den "job" nur wegen der Vorteile (Geld, Arbeitszeiten, viel Freizeit etc.). Wenn dann mal ein Lehrer sich ganz normal, bemüht und Kompetenz zeigt, wird er/sie schon in den Himmel gelobt. Die Ursache für die katastrophalen Leistungen vieler Hauptschüler liegt in dem Unterricht, den sie geboten bekommen und der mangelhaften Leistungen vieler, aber nicht aller Lehrer.
1. Früher war auch die Erziehung eine andere. Und damit meine ich auch u.v.a. die Erziehung im Elternhaus.
2. Auch heute können viele Leute nicht Lehrer werden. Die Anforderungen sind nunmal da und nicht jeder erfüllt diese.
3. Auch heute ist die Verbeamtung ein Ziel, das stimmt. Es darauf zu reduzieren ist Blödsinn. Nur weil bei manchen das stimmen mag (Überraschung! Es gibt überall solche und solche!) heißt das noch lange nicht, dass das jeder Lehrer so sieht.
4. Viele Lehrer haben sicherlich nichts dagegen, wenn ihr Job entsprechend vergütet wird. Als ob Sie jetzt freiwillig und ohne Grund auf einen Teil Ihres Gehalts verzichten würden. Wer´s glaubt wird selig, mehr aber auch nicht.
5. Viele Lehrer geben sich Mühe und zeigen Kompetenzen. Normal ist aber eher, dass er/sie nicht dafür gelobt wird, sondern jede Kleinigkeit, die misslingt, gleich zu einem Riesenproblem hochstilisiert wird.
6. Sie glauben die Ursachen zu wissen, woran Hauptschüler scheitern? Das halte ich für ein Gerücht. Das Problem ist viel komplexer als Ihr einer Satz. Stichpunkte: Dreigliedriges Schulsystem, zuviele Problemfälle auf einem Haufen, die sich gegenseitig auch noch in ihrem Fehlverhalten verstärken. Ja sogar die Schulpflicht trägt an dieser Stelle dazu bei. Mangelnde Erziehung der Eltern, zuviele alleinerziehende Eltern, die schon prinzipiell weniger Zeit für ihre Kinder haben, da sie meistens auch arbeiten müssen, usw.
6. Ist ja nett von Ihnen, dass zumindest wenige Lehrer bei Ihnen nicht den Stempel "mangelhaft" bekommen.

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Isegrim1949 12.04.2016, 10:27
52. Nein

Zitat von richandpoor
Wer so mit seinen Schülern redet, hat schon verloren. Der Lehrer hat eine Respektsperson zu sein, was ein kumpelhaftiges Verhalten nicht ausschließt.
Ein Lehrer kann Vertrauensperson und übergeordneter Freund sein, ein Minimum an Distanz und eine quasi unüberwindbare Grenze zur Kumpelhaftigkeit ist notwendig damit die Führungsrolle des Pädagogen nicht beschädigt wird. Der Lehrer lehrt und der Schüler HAT ZU LERNEN auch wenn er gerade keine Lust hat.

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hschmitter 12.04.2016, 10:27
53.

Zitat von john923
Ich stelle immer wieder fest, mit Kindern ist es wie mit Hunden. Das werden vermutlich die "Nicht-Hundemenschen" und Eltern heftigst abstreiten, aber wenn ich den Artikel hier lesse ist es 1:1 das was man jungen Hunden beibringt oder beibringen sollte. Grenzen, Regeln und die Konsequenz diese einzuhalten. Und tut man es nicht, passiert genau das gleiche, der Hund macht nämlich was er will oder ihm gerade in einer Sekunden in den Sinn kommt, weil es ihm eben nicht in den Sinn kommt es könnte falsch sein. Weil es ihm auch keiner gesagt/beigebracht hat was erwartet wird und was falsch ist. Und Konsequenz ist in beiden Fällen das A und O. Natürlich entwickelt sich ein Kind und in den meisten Fällen entwickeln Kinder beim "erwachsen werden" dann ein eigenes Gespür für Recht und Unrecht bzw. werden eben erwachsen etc, eine Entwicklung die so beim Hund nicht stattfindet, da dieser immer Zeit seines Lebens eher wie "ein kleines Kind" sein wird. Aber zumindest die ersten Lebensjahre ist das absolut vergleichbar.
Bei vielen wäre auch nach Eintritt ins Erwachsenenalter eine Hundeschule noch sinnvoll.

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mansiehtnurmitdemherzengu 12.04.2016, 10:30
54. Peinliche Lehrer!

Allgemeine Verhaltensregeln an der Schule sind ja sinnvoll und leuchten auch den Schülern ein. Wenn aber jede Lehrkraft zusätzlich noch ihre eigenen Regeln aufstellt, ist mir verständlich, warum die Schülerschaft keinen Respekt mehr hat. Sich jede Stunde auf die jeweils anderen Marotten eines "Pädagogen" einstellen zu müssen, hat nichts mit Wissensvermittlung zu tun. Da lernen die jungen Menschen wie sie sich verstellen, anpassen und buckeln müssen, nur damit die Autoritätsperson am Pult keinen Rappel kriegt.

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Pela1961 12.04.2016, 10:35
55. Konsequenz

ist das Wichtigste. Ich bin zwar kein Lehrer, aber im Rahmen der Suchtprophylaxe war ich einige Male an Schulen - von der Hauptschule bis zum Gymnasium - in den Klassen 7 und 8 unterwegs. Ich habe Schüler, die ersichtlich nichts anderes wollten als die ganze Stunde ins Lächerliche zu ziehen und dabei noch beifallheischend in die Runde guckten, schlicht und einfach vor die Tür gesetzt. Einer meinte, Lehrer dürften das gar nicht. Meine Anwort war, ich sei ja auch keiner und er möge sich bitte mit dem Direktor darüber auseinander setzen. Danach war Ruhe. Und noch etwas ist mir aufgefallen - die Schüler aller Klassen, in denen ich war, schrieen geradezu nach Regeln und nach Konsequenzen beim Überschreiten derselben. Wer da sagt "Verbote nützen nix", macht sich im Grunde nur lächerlich. Selbstverständlich nützen Verbote und Regeln sowie Konsequenzen bei Nichteinhaltung. Wir leben ja ständig damit, in jeder Lebenslage. Wer irgendwann mal auf die Idee kam, dass Kinder und Jugendliche das nicht können, ist mir schleierhaft.

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romeov 12.04.2016, 10:40
56. Tolle Erkenntnis

...der derzeitige Zustand hat doch Ursachen, wie die Hardcore Antiautoritären oder diese Hirschgeweih-Eltern, die nicht einmal ihren Kindern zutrauen, dass die einen Schulweg von 10 Minuten selbst meistern können.

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ansgard 12.04.2016, 10:42
57. re

Aus meiner eigenen Schulzeit habe ich eines mitgenommen: Die "nette" Lehrer waren die, bei denen man kaum etwas gelernt hat. Die "konsequenten" (oder, "harten Hunde") waren die, denen ich viel zu verdanken habe - auch wenn ich das seinerzeit nicht habe schätzen können.

Lehrer sein ist kein einfacher Beruf. Man darf sich nicht von der gegenwärtigen Sympathie der Schülerschaft abhängig machen - man muss seinen Weg gehen, egal, wie nett die Schüler einen finden. Das zahlt sich für die Schüler aus (und um die geht es ja).

Ein ganz anderes Thema sind natürlich die Eltern. Mit denen würde ich auch nichts zu tun haben wollen - deshalb bin ich kein Lehrer, ich habe keine Lust mich mit Besserwissern und Möchtegernpädagogen ständig außeinanderzusetzen.

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Luna-lucia 12.04.2016, 10:45
58. also bei uns war so

wenn in einer bestimmten Unterrichtsstunde echt "gestört" wurde, dann kamen am nächsten Tag gleich mehrere Lehrkräfte in die betreffende Stunde. Die Folge, in anderen Fächern wurden gaaanz schnell schwere Aufgaben abgefragt, und ja, die dann eher weniger Noten waren dann sozusagen die Vergeltung für das Fehlverhalten bei eben dieser Lehrkraft. Bei uns war es im Gymnasium ein Bio-Professor, der echt (ja es war schon oft zum lachen) seltsam gekleidet, zum Unterricht kam. Aber als Lehrkraft war er echt gut! Nur eben sein "modisch komischer Auftritt" war das Problem. Und dann noch seine komische Art, wie er vor der Tafel stand! Er hat sich leider nie geändert! Und so ist er auch als "der Komiker" bekannt geblieben. Schade, Talent hatte er - aber er war eben ein "männlicher Pfau :-)"

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Wayne2000 12.04.2016, 10:52
59. Die ältere Garde

Zitat von kangootom
Man sollte sich an seine eigene Schulzeit erinnern und von dort kopieren. Die ältere Garde bestand darauf, dass die Schüler aufstehen, wenn er den Raum betritt oder verlässt. Klingt zwar seltsam bringt aber Respekt von der Ersten Minute an. (ja auch noch im Jahr 1990!) Andere haben ihren Stoff von der ersten Minute an knallhart durchgezogen und für die nächste Stunde einen Test angekündigt. Da weiss der Schüler auch sofort, dass der Lehrer keinen Spaß versteht. Schüler müssen leider immer wieder darauf hingewiesen werden, wer der Chef ist. Mit Nettsein kommt man weder bei Schülern noch den eigenen Kindern irgendwohin. Lehrer sein bedeutet auch den Kindern Regeln und Schranken zu setzen. Das ist Teil des Lernens. Natürlich gibt es immer wieder Schüler, die keinen Repekt vor irgenwem haben. Wer denkt, dass das ein neues Phänomen ist, der sollte sich folgende Zeilen ansehen: "Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe." Aus einer alten Schrift von ca.2000v.Chr.
tja, da gebe ich ihnen recht. So war auch meine Schulzeit und im Nachinein hatte man nach der Schule gerade die strengen (nicht ungerechten) Lehrer am besten in Erinnerung und man begrüßte sich sehr herzlich wenn man sich zufällig mal traf. Allerdings waren das auch Zeiten wo die Eltern 100% hinter dem Lehrer standen. Wenn sie heute ein strenger Lehrer sind stehen alle Naselang wütende Eltern vor ihnen die ihnen erklären was sie dem Prinz oder der Prinzessin überhaupt nocht vorzuschreiben hätten. Nein, Lehrer möchte ich heute nicht mehr sein. Ich kann gut verstehen dass viele Lehrer einfach resignieren und ihren Stoff runterrattern und fertig. Wenn heutzutage die Lehrerin meines Sohnes ganz kleinlaut vorsichtig anfragt ob sie eine Veränderung im Klassenverband vornehmen dürfte antworte ich, sie sind die Lehrerin, entscheiden sie das bitte. Andere Eltern sehen das anders und wollen sich überall einmischen. In Watte gehülte Kinder fallen damit auf die Nase, spätestens wenn sie in der Ausbildung oder im ersten Job einfach nur Anweisungen ausführen sollen statt alles zu hinterfragen oder abzulehnen. Zu was das führt sieht man ja an den hohen Zahlen von Ausbildungsbbrüchen. Das Leben ist kein Ponyschlecken!

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