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Erzieher-Krise: So kommen Kitas an mehr Personal
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Erzieher ist ein klassischer Frauenberuf - mit den üblichen Nachteilen wie schlechter Bezahlung, mangelndem Status, geringen Karrierechancen. Die OECD empfiehlt nun acht Maßnahmen, um gegenzusteuern.

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ondrana 14.06.2019, 17:58
30.

Zitat von Athene II
Der Status und gleichzeitig die Bezahlung kann dadurch erhöht werden, indem man wie z.B. in Polen, das Grundschullehramtsstudium dahingehend verändert, das dieses Kinder ab 4 Jahren mit einschließt. Da man nun nicht alle Kitas in ihrer jetzigen Form auflösen bzw. umstrukturieren kann und Kinder ab 4 oder 5 Jahren in Vorschulklassen innerhalb der Schulen betreuen und unterrichten kann, kann man wenigstens eine studierte Grundschullehrerin pro Kindergartengruppe als gesetzlichen Standard verankern, die dasselbe Gehalt erhält, wie ihre Kolleginnen die in Schulen arbeiten und optional auch verbeamtet ist.
Ich finde, das ist eine großartige Idee. Vor allem könnte man viel flexibler einsetzen, je nach dem, wo Kräfte fehlen - in der GS oder in der Kita.
Das Problem wäre dann noch, dass Schule Landesaufgabe ist und Kitas Aufgaben der Kommune. Aber auch da sollten sich Lösungen finden lassen.

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Athene II 14.06.2019, 18:49
31.

@nelfou
Leider gibt es solche Kitagruppen überall und es nur sekundär was damit zu tun, dass ihr Gatte, als Mann nur schwer in diesen Mikrokosmos hineinfand. Ich habe schon soviel Zickenkriege erlebt, dass reicht für drei Berufsleben… Daneben kann ich ihnen nur beipflichten mit ihren Satz:
„Neues Wissen interessierte fast nie, Hauptsache immer so weiter wie "das haben wir aber schon immer so gemacht"“
Auch das habe ich leider sehr oft erlebt, am grenzwertigsten fand ich es wenn Kolleginnen 1 zu 1 die gleichen Angebote (z.B. basteln) die sie Jahr für Jahr mit den Kindergartenkindern durchführte, für Krippenkinder anboten. Das bedeutet vor allem basteln (Erzieher lieben es), nur leider können 1 Jährige noch so schlecht mit Schere und Kleber umgehen (also schnippelte und klebte man fürs Kind, statt altersentsprechende Beschäftigungen anzubieten)… Ein Teil des Problems ist dabei, dass es vor dem gesetzlichen Anspruch bzw. den Kita-Ausbau kaum Krippengruppen gab und deshalb die Altersgruppe der unter Dreijährigen und ihre Bedürfnisse auch nie Teil des Lehrplans waren, außerdem „das haben wir aber schon immer so gemacht“.

@ondrana
Nun das ist kein Revolutionärer Vorschlag, sondern einer der in vielen Ländern Europas so schon seit Jahrzenten praktiziert wird. Damit kann man zwei Probleme lösen: Es wird mehr Pädagogik im Grundschullehramtsstudium vermittelt, was den Kindern zu Gute kommt und zweitens wird der Erzieherberuf aufgewertet.

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Athene II 14.06.2019, 18:51
32.

@Janmichael und MatthiasPetersbach
Glauben Sie mir auch Privatkitas haben Probleme Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Die Zeiten in der eine private Kita eine „Lizenz zum Gelddrucken“ war sind schon länger vorbei (vor dem Kitaausbau traf das für manch Kita zu). In den paar Städten Deutschlands, in der man das Klientel für solche teuren Privatkitas (bis zu 1300 Euro zahlt man z.B. in München für einen Platz) finden kann, gibt es einen hartumkämpften Markt, also einige Mitbewerber. Da die privaten Träger natürlich soviel Gewinn/Rendite wie möglich machen wollen, sparen sie insbesondere an dem Teuersten, dem Gehalt ihrer Mitarbeiter. Da es keine Tarifbindung gibt, wird um jeden Euro Gehalt verhandelt und da wir Frauen in der Regel (nachgewiesener Weise) solche Verhandlungen sowieso sehr ungern und mit zu niedrigen Gehaltsvorstellungen führen, drücken die Träger so die Gehälter weit unter den des öffentlichen Dienstes. So habe ich weniger verdient als meine Kolleginnen, die bei der Stadt angestellt waren, wir hatten aber eine besseren Betreuungsschlüssel, weil es einige unbelegte Betreuungsplätze in jeder Gruppe gab. Leider gab es aber so viel anderes wirklich negatives, dass ich trotzdem nicht blieb.
Die Stadt wiederum konnte mit einem transparenten Tariflohn + 350 Euro extra Aufschlag (wegen des Fachkräftemangels), guten und kostenlosen Weiterbildungsmöglichkeiten (die jeder erhielt und um die man nicht betteln musste) und günstigeren Mietwohnungen aufwarten. In einer Stadt wie München, in der ein 1-Zimmerapartment ca. 700-800 Euro kostet und man nur schwer überhaupt eine Mietwohnung findet, ist das Gold wert.
Am Ende kamen 80% meiner Kolleginnen aus dem Ausland (überwiegend Osteuropa), zwar sehr gut ausgebildet (Studium), aber mit kaum vorhandenen Deutschkenntnissen, was die Sprachförderung bei den Kindern ad absurdum führte. Zudem, erhielten, sie bis zu 50% weniger Gehalt als ihre deutschen Kolleginnen in vergleichbarer Position, weil sie sich natürlich noch weniger mit dem deutschen Tariflohn auskannten. Mit 1000-1200 Euro netto für eine Vollzeitstelle, kann man in München aber kaum auskommen, ohne einen gutverdienenden Partner. Nachdem ich meine Kolleginnen aufklärte, dass sie viel zu wenig Gehalt erhielten, wurde mir nicht nur von meiner damaligen Chefin gesetzeswidrig verboten über das Gehalt zu sprechen, sondern ich wurde zudem strafversetzt, hat aber nichts genützt, die Hälfte aller Beschäftigten kündigten mit mir und fanden eine neue Stelle bei der Stadt.
Es gab übrigens eine Zeit vor dem Kitaausbau (bis ca. 2011), da bewarben sich auf ein "normales" Stellenanbebot bis zu 300 Bewerber, selbst so erlebt. 2007 eine Stelle zu finden war somit sehr schwer und selbst heutzutage ist es im ländlichen Bereich schwer eine Wohnortnahe Stelle zu finden (für die man nicht Hin und zurück mehr als 100 km fahren muss). Mal abgesehen davon, dass ich seit einem halben Jahr keinen Betreuungsplatz für meinen 1 1/2 Jahre alten Sohn erhalte (selbst schuld wenn man vom Ausland wieder zurück zieht nach Deutschland, diesmal aber leider aufs tiefste Land, na wenigstens hat er hier Oma und Opa).

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Arpegator 14.06.2019, 20:25
33. 1.800,- Euro netto zu wenig?

Der Einstiegsgehalt einer Erzieherin eines Erziehers liegt bei 3.000,- Euro Brutto bzw. knapp 1.800,- Euro netto bei einer Lohnsteuerklasse I. Die Eingruppierung ist nach TVöD SuE bei der Eingruppierung 8a und nach dem Anerkennungsjahr der Ausbildung bei Stufe 2. (siehe beispielsweise www.oeffentlicher-dienst.info). Während der Ausbildung erhalten angehende Erzieherinnen zwischenzeitlich elternunabhängiges BAföG, welches nach den Regelungen des Aufstiegs-BAföG (vormals Meister-BAföG) nicht zurück gezahlt werden muss. In der Jugendarbeit oder in der Sonderpädagogik werden noch höhere Löhne entrichtet. Wer als Erzieherin oder Erzieherin weniger verdient, ist entweder als Zweitkraft eingruppiert oder arbeitet in Teilzeit bei einer schlechten Steuerklasse. Wer hier klagt, hat das Tarif- und/oder Steuersystem nicht verstanden. Dem- oder Derjenigen kann man vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels nur eine Neuverhandlung nahe legen. Wer mit einer Kündigung droht, erhält hier schnell eine angemessene Eingruppierung.

Solange die Presse und Gesellschaft weiterhin die alte Mär nährt, dass man von einem Erziehereinkommen nicht leben könne, werden wohl weiterhin zu wenig junge Menschen Freude an diesem Beruf bekommen und sich für diesen entscheiden. Die Konsequenzen haben leider sodann wiederum die Gesellschaft und Familien zu tragen.

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nelfou 14.06.2019, 21:10
34.

@Athene ll: ich bin so Geschichten als Krankenschwester ja durchaus auch gewöhnt. Meiner persönlichen Erfahrung nach waren die Inkompetenz und persönlichen Kleinkriege (geht ja meist Hand in Hand) in durchmischten Männer-Frauen-Teams am geringsten und am ausgeprägtesten dort, wo die Teams am wenigsten Kontakt “nach außen“ hatten. Die Kitas, die ich so kenne, sind aber alle mehr oder weniger auf sich allein reduziert, selbst, wenn ein Träger mehrere Einrichtungen unter einem Dach hat, ist doch trotzdem kaum Kontakt der Einrichtungen untereinander da. Mein Mann konnte übrigens den Bereich Kleinkindpädagogik im zweiten Schuljahr als Wahlfach belegen. Hat er auch gemacht und sein Anerkennungsjahr im Krippenbereich absolviert.

@Arpegator: keine Ahnung, wie Sie zu Ihren Einsichten gelangt sind, aber das stimmt so einfach nicht bzw es ist deutlich komplexer. Meister-Bafög muss natürlich zurückgezahlt werden! Aufschub gibt es nur, wenn man weniger als 75% arbeitet und mindestens ein Kind unter 12 im Haushalt hat. Wer also Familie hat, für den lohnt es sich in diesem speziellen Fall nicht, Vollzeit zu arbeiten, denn raus kommt am Ende das selbe. Die Bezahlung erfolgt in aller Regel nicht nach Tarif, es sei denn, man hat Glück und kommt in eine der wenigen noch verbliebenen kommunalen Kitas. Die katholische Kirche zahlt wenigstens angelehnt an den öffentlichen Dienst. Mittlerweile ist aber eine steigende Anzahl vor allem von Krippen in privater Hand bzw. Eltern-Inis, und die bezahlen sehr (!) viel weniger. Überlegt man nun noch, wo hauptsächlicher Mangel an ErzieherInnen herrscht (in den großen Städten) und wo die Mieten am höchsten sind (muss mal überlegen...), dann wird klar, warum die Lage hier bei uns im ländlichen Raum nicht ganz so verheerend ist und ergo die Kitas absolut nicht genötigt sind, mal an Qualität, Fortbildung u.s.w. etwas zu machen, und warum andererseits die hier überzähligen ErzieherInnen wohl sicherlich kaum dorthin wechseln werden, wo sie gebraucht werden.

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wookie13 14.06.2019, 21:42
35. Tariflohn, Männer, ...

Wenigstens einige hier haben es ja bereits erwähnt, Tariflohn ist im sozialen Bereich nicht unbedingt selbstverständlich. Klar, ein bisschen sind die Beschäftigten selbst Schuld, der Organisationsgrad und die Bereitschaft den Laden - für Streik oder auch wegen Überlastung - einfach mal zu zu machen ist sehr gering, klar da hängen ja auch Menschen dran.
Ich bin selbst Erzieher und Betriebsrat, ich weiß wie zäh das ist.

Männer haben es tatsächlich häufig schwer in Kitas, da insbesondere unter älteren Kolleginnen, aber auch unter vielen Eltern sexistische Vorurteile verbreitet sind. Mir wurde, nur als ein Beispiel, von einer Kita-Leitung ins Gesicht gesagt, dass sie niemals einen Mann in ihrem Team aufnehmen würde, da das ja eine Gefahr für die Kinder wäre. Ähnliches hab ich auch von Eltern gehört.
Ich bewundere jede und jeden der diesen Job macht, ich bleibe da lieber, trotz (noch) weniger Geld bei den Jugendlichen.

Apropos Geld. Einige hier sind ja der Meinung, dass ein Ausbildungsberuf nicht mehr Wert ist

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lopinion 14.06.2019, 23:11
36. Quantität statt Qualität

Aufgrund der geltenden Rechtsansprüche auf Krippen- und Kitaplatz ergibt sich (gaanz plötzlich und nicht vorhersehbar - Ironie aus -) eine große Personalnot in diesem Bereich.
Das Kultusministerium (Ba-Wü) hat die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen im Laufe der Jahre entsprechend angepasst, sodass ein Nichtbestehen der Prüfungen inzwischen recht schwierig ist.
Gerade Auszubildende der Praxisintegrierten Ausbildung hat hier im Abschluss ein verhältnismäßig Leichtes, die Staatliche Anerkennung zu erreichen.
Doch dies interessiert das Ministerium, die Kommunen und sonstige Träger nicht - kann auch nicht interessieren - die Not ist zu groß.
Abgesehen davon, dass der Beruf, der ein Großartiger ist, mit Passion ausgefüllt werden muss, bringen Personen, die
- über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen
- ein gewisses Bildungsniveau vorweisen können
- psychisches gesund sind und belastbar sind
ideale Voraussetzungen für die Ausbildung mit.
Dass ungelernte Quereinsteiger hier die besten Händchen haben wollen, erfahren wir leider auch zu oft. Hierfür ist die Pädagogik der Frühen Kindheit mit seinen u.a. entwicklungspsychologischen Elementen doch ein wenig zu komplex.
Und Menschen, die glauben auf Grund "ihres gesunden Menschenverstandes" Kinder professionell erziehen, betreuen und vor allem auch bilden zu können, gibt es leider auch zu hauf.
Die Akzeptanz, dass es sich hierbei um einen komplexen und anspruchsvollen Beruf handelt, wäre ein erster Erkenntnisschritt - adressiert an Politik, Trägerschaft und Gesellschaft!

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plusquam.perfekt 15.06.2019, 08:11
37. @MisterD

Ganz einfach deswegen, weil in den von Ihnen genannten Berufen ein immenser Fachkräftemangel herrscht,; wieso gilt bei den sozialen Berufen nicht das Prinzip Angebot und Nachfrage bestimmt die Preisbildung.

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schneidp 15.06.2019, 08:18
38. Teilweise selbstgemachtes Problem

Die kirchlichen Träger stellen keine geschiedenen, Atheisten etc. ein.

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equigen 15.06.2019, 08:23
39. Vieles haben wir doch schon

Fünf (!) Jahre Berufsausbildung sind doch wohl genug?! Zeitlich entspricht das bereits einem Studium. Praxis ist dabei auch mindestens 50% dabei, wenn nicht mehr. Quereinsteiger mit Abi können bei „richtigem“ Arbeitgeber auch mit 3 Jahren durchkommen. Es gibt Träger (wie den Humanistischen Verband), die schon im ersten Lehrjahr über 800€ dafür bezahlen. Da können andere Auszubildende teils nur davon träumen. Was fehlt ist tatsächlich eine höhere Bezahlung später. Aber den Glauben, dass Männer sich dafür in viel gößerem Maße interessieren werden habe ich nicht. Das ist Genderzeugs... Männer sind nunmal von der Evolution unbestreitbar nicht zum Kinderkriegen eingerichtet, folglich interessiert sich das Gehirn - im Durchschnitt - später auch nicht so sehr für die Kinderbetreuung.

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