Forum: Leben und Lernen
Erziehung - sollten Eltern und Lehrer strenger sein?

Auch bei der Erziehung wird wieder verstärkt über traditionelle Richtlinien debattiert. Die konsequente Werte-Vermittlung steht wieder obenan, die Durchsetzung von Erziehungszielen darf auch wieder mit Strenge erfolgen. Verspricht diese neue/alte Ausrichtung verbesserte Ergebnisse und mehr Bildung?

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Telzo 25.01.2011, 20:28
290. ...h

Zitat von nordschaf
Ich muss leider sagen, als Dozentin ähnliche Erfahrungen mit chinesischen Studierenden gemacht zu haben. Also entweder waren die alle unzureichend vorgebildet (Mathe, Physik, Elektrotechnik) oder ich habe ausschliesslich mit besonders schwachen chinesischen Studierenden zu tun gehabt. Sicherlich muss man hier mit dem Verallgemeinern mal wieder vorsichtig sein und darf auch Sprachprobleme nicht ausblenden. Allerdings sollte z.B. die Mathematik universell verständlich sein und Beweise sollten ohne Sprachprobleme ausgearbeitet werden können.
Das Problem bei den bisherigen Aussagen über chinesische/chinesischstämmige Studenten/Wissenschaftler ist dass nicht gefragt wird warum diese Gruppe so wahrgenommen wird. Denn einfach so sein wird sie nicht.
Eigene Erfahrung und ein interessantes Gespräch mit einem Mitarbeiter des Internationale Office einer großen deutschen Uni lassen darauf schließen dass chinesische Student_innen sich leicht vom (noch) sehr guten Ruf deutscher Universitäten, besonders in den MINT-Fächern, blenden lassen. Sie studieren im Ausland (vll. nicht nur dort) nicht das was Sie gerne möchten, was nicht nur aus meiner Sicht ein wirklicher Vorteil fürs Studium ist, sondern was Familie, Gesellschaft und der Geldbeutel vorschreiben. Da sie aber kaum an einer sinnvollen Studienberatung teilnehmen können, auch nicht die Wahl der Uni wirklich beeinflussen können, haben sie es deutlich schwieriger als Bildungsinländer und allgemeiner gesagt womöglich Menschen in deren Erziehung nicht solch ein Wert auf quantitatives Wissen (ist noch eher der Standard in Asien) statt auf Verständnis (ist nicht der Standard in Westeuropa, aber es bessert sich denke ich).
Chinesische Studenten sind somit mehreren Strukturen ausgesetzt, die ihrer eigenen Entwicklung entgegenstehen könne, mehr jedenfalls als bei uns. Die Folgen für das einzelne Individuum vage ich jedoch nicht abzuschätzen.

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Mathe-Freak 25.01.2011, 20:31
291. ...

Zitat von naabaya
Wie man heutzutage Dozent oder Professor werden kann---tz--tz..tz.. Amerika läßt grüßen. Dort beherrscht auch nur ein geringer Teil der Professoren den Umgang mit der eigenen Sprache. Aber in Amerika werden sie dann auch nicht so gut bezahlt, wenn sie nicht an einer Eliteuniversität beschäftigt sind, und sie dürfen auch bis 70 arbeiten.

Hat ja auch viel mit der restlichen Qualifikation zu tun: Sag mir wie du im Forum schreibst und ich sage dir was für ein Mensch du bist.

Mir ist ein Profi in seinen Fach lieber, als so ein Klugscheißer. Um meinen Professor für Thermodynamik zu zitieren:
"Diese Westratten, paar bunte Bildchen zeigen aber keine Ahnung von der Materie"


Wo wir schon mal von Amerika reden, bis jetzt hat mich noch keiner dumm von der Seite angemacht das mein Englisch schlecht sei (dabei ist es grauenvoll). Andere Länder andere Sitten halt.

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DocRyder 25.01.2011, 20:32
292. Suppenkoch, bitte präziser lesen: falscher bezug hergestellt

Zitat von Suppenkoch
War ja klar, dass das "Turbokapitalismus"-Totschlagargument herausgeholt wird, auch wenn es hier gar nicht passt. Das hat nämlich überhaupt nichts mit Kapitalismus zu tun, was die Frau mit ihren Kindern anstellt. Diese Art der Erziehung fanden sie auch bei den Kommunisten. Es ist dieses typische "Auswendig-Lernen", was man überall in Asien findet, dieses "hart Arbeiten", damit die Familie stolz auf einen sein kann. Kreativität fördern sie nicht damit, das ist klar. Das hat aber eben nichts mit der Wirtschaftsform zu tun.

hallo suppenkoch!

sie haben natürlich recht damit, daß drillmethoden in der erziehung für den kommunismus sowjetischer oder nordkoreanischer prägung (und ebenso für die hitlerjugend im dritten reich) absolut typisch sind/waren.

meine kritische erwähnung des "turbokapitalismus" bezieht sich hier jedoch auf die in meinen augen widerliche einteilung der menschheit in sieger und verlierer und die darin enthaltene grundeinstellung, daß das leben ein permanenter wettkampf zwischen/unter den menschen sei. und das ist durchaus ein kernelement des "totalen kapitalismus", wie er in den USA seit langem gepredigt und praktiziert wird. eine solche geisteshaltung finde ich inhuman und eklig und in keinster weise erstrebenswert. und frau chua scheint mir gradezu der prototyp der nordamerikanischen sozialdarwinistin zu sein.

das kritisieren bestimmter tendenzen im kapitalismus und die benutzung des zugegebenermaßen etwas abgegriffenen schlagworts "turbokapitalismus" bedeutet keineswegs eine verharmlosung oder propagierung des kommunismus. eigentlich hat das sogar überhaupt nichts damit zu tun. das sie da so drauf einsteigen und sich offenbar angegriffen fühlen, hat mehr mit ihnen zu tun als mit meinem posting, denke ich.

mfg,
DocRyder

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xtrigger 25.01.2011, 20:33
293. .

Zitat von Mathe-Freak
Was hat da heutige China damit zu tun? Das wohl angemerkt mit massiven Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Bevorzugung überhaupt erst zu den geworden ist was es jetzt ist, und die Innovationen kommt auch erst seit kurzen. Woher ich das weiß? Das bringt die Arbeit in der Wissenschaft so mit sich, bis vor kurzen waren die meisten ("chinesischen") Publikationen von amerikanischen Chinesen. Und ja mit Chinesen hab ich genug am Institut zu tun, brr wenn alle so sind dann hulala. Nicht nur das sie dumm sind, vermutlich dürfen sie aufgrund ihres Parteibuches in Deutschland studieren (der normale 0815 Chinese kann es sich wohl kaum leisten, geschweige davon mehr als ein Kind zu haben). Nein unhöflich sind sich auch noch, immer dumm Grinsen und sobald man keine Verwendung für einen hat wird man ignoriert : "Nichts zu danken ich hab dir gerne die Uni gezeigt und die ersten Hausarbeiten übernommen". Meine Persönlichen Erfahrungen mal Beiseite genommen, was genau willst du? Es ging um die (grobe) Geschichte der modernen Welt, das all diejenigen die das ermöglicht haben mehrheitlich keine Asiaten waren. Das all diese Genies nicht von Kindheit an gedrillt wurden, sondern ihren Weg selber Gefunden haben. Sie haben wie man so schön in der Begabtenpsychologie sagt, ihre ausfüllende Nische in der Umwelt gefunden. Das einige nicht in der Lage sind diese Kernaussage von mir zu verstehen ist schon bedenklich. Wie gesagt sobald es nach Rassismus riecht setzt das denken aus.
Sie leben wohl in Ihrer eigenen Welt.

China wächst also nur wirtschaftlich, weil sich der Westen so zuneigungsvoll um China gekümmert hat? Mit Fleiß und Arbeit der Chinesen hat das also nichts zu tun? Wieso wird denn dann Afrika nicht genauso durch diese "massiven Entwicklungshilfen" begünstigt? Fakt ist aber: von Investitionen profitieren vorrangig die Investoren, ohne China hätte auch der Westen nicht die heutige Lebensqualität.

Und klar, alle Chinesen sind dumm und die, die es sich leisten können, im Ausland zu studieren, sind von der Regierung gesponsort. Wenn Sie aber wirklich so mathematisch veranlagt sind, dann würden Sie wissen, dass die wenigen Stichproben, die Sie besitzen, keineswegs valide Aussagen über ein Milliardenvolk zulassen. Genau: Sie sitzen Vorurteilen auf. Sie erkennen kulturelle Missverständnisse nicht und sind stattdessen arrogant und ignorant.

Es sind auch überdurchschnittlich viele Chinesen an US-Eliteuniversitäten, daher noch ein weiterer Vorurteil meinerseits: Ihr Institut ist vermutlich kein besonders renommierter.

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DocRyder 25.01.2011, 20:38
294. verständnisprobleme

hallo dieter huber!

ich bin irgendwie zu blöde, um ihr posting zu verstehen (wurde wohl falsch erzogen?)


sie schreiben:


Zitat von dieter_huber
ich muss Sie enttäuschen... Zitat von DocRyder: ... Ich persönlich glaube an humanistische Ideale, nicht an das Allzeit-leistungsbereit-Mantra des Turbokapitalismus... ... denn genau damit machen Sie Ihre Kinder zu äußerst erfolgreichen Erwachsenen ;-)

ist das jetzt ironisch gemeint? was zeichnet denn in ihren augen einen "äußerst erfolgreichen Erwachsenen" aus?

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Julian Bachert 25.01.2011, 20:39
295. ....

Zitat von nurmeinsenf
Mit äußerster Härte kriegt man die Kinder dazu, wie kleine Maschinchen zu funktionieren und den hohen Erwartungen ihrer Eltern zu entsprechen. Und "glücklich zu sein". Klar. Jeder Erwachsene lügt sich die Realität, in der er lebt, schöner, wenn sie nicht so schön ist. Stichwort kognitive Dissonanz. Das Ego biegt es ihm gerade. Für ein Kind, von dem nichts anderes erwartet wird als Perfektion, vermutlich eine Überlebensstrategie. Wer SO siegt, hat eigentlich schon verloren. Sicher werden die Kinder später mal erfolgreich im Beruf sein. Vielleicht werden sie sogar einen Siegesmarsch durch das Berufsleben hinlegen und es weit bringen. In ihren Sportarten gut sein. Und irgendwann, wenn sie alt sind, feststellen, daß sie zwar toll funktioniert, aber nie gelebt haben. Lieber kein Sieger sein als so ein Sieger. Der Preis ist zu hoch.

Wie so häufig liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte.

Die 68er und Hippie-Generationen waren notwendig und befreiend für die westlichen Gesellschaften.
Dabei sind sie aber auch über die Stränge geschlagen und unsere Gesellschaften sind von einem Extrem ins andere hinein.
Von einer autoritären Gesellschaft in eine mit "everything goes"-Mentalität.
Das spiegelt sich unter anderem in einer zunehmenden Anzahl von Kindern ohne Benimmregeln wieder, deren Eltern auch zunehmend renitent gegenüber Lehrern agieren.
Autorität und strikte Regeln sind nun was für "Spießbürger" und generell uncool.
Das rächt sich dann u.U. im Arbeitsleben, wo der Chef/Vorgesetzte gar nicht von sowas hält.


Ich hoffe darauf, dass hier über kurz oder lang eine Normalisierung einsetzt und sich das Ganze auf einem gesunden Niveau einpendelt.
Dann hätte man mehr Gewinner und weniger Verlierer.

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hochbetagt 25.01.2011, 20:43
296. Zitat

Um am Rande nochmal ein kleines Zitat einzuwerfen und auf Jugend und Erziehung hinzuweisen:

"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."

Jaja, die Jugend von heute...
Von wem stammt das Zitat nur?

Richtig, Sokrates. ;-)

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bite_me 25.01.2011, 20:48
297. Auf Thema antworten

Zitat von sysop
Verspricht diese neue/alte Ausrichtung verbesserte Ergebnisse und mehr Bildung?
Natürlich nicht, sie produziert Untertanen, keine Persönlichkeiten.
Aber genau das wird ja von der "konservativen" Mischpoke auch
beabsichtigt. Naja, das nächste '68 wird dann hoffentlich gründlicher.

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Mathe-Freak 25.01.2011, 20:49
298. ...

Zitat von xtrigger
Und klar, alle Chinesen sind dumm und die, die es sich leisten können, im Ausland zu studieren, sind von der Regierung gesponsort. Wenn Sie aber wirklich so mathematisch veranlagt sind, dann würden Sie wissen, dass die wenigen Stichproben, die Sie besitzen, keineswegs valide Aussagen über ein Milliardenvolk zulassen. Genau: Sie sitzen Vorurteilen auf. Sie erkennen kulturelle Missverständnisse nicht und sind stattdessen arrogant und ignorant.
Wenige Stichproben reichen sonst auch für ALLES in der Wissenschaft aus. Angefangen bei der Bildungswissenschaft bis hin zur Medizin.

Bin zwar kein China Experte, aber mir reicht es zu wissen das dieses Land so ziemlich an der grenze zur dritten Welt steht. Mit allen Drum und dran, Zensur, korrupte Politiker, Sklavenarbeit und extreme Umweltprobleme.

Das man dass beachtet zeugt eher von Intelligenz, analytischer wenn Sie es so gerne möchten.

Es ist wird wohl jeden klar sein das in China die soziale Selektion enorm ist und nicht mal ansatzweise mit Deutschland zu vergleichen ist. Der Sohn des Reisbauers Cheng wird nie im Leben eine Uni von innen sehen, weil der eine arme Sau ist.

Davon auszugehen das die hiesigen Studenten ein Querschnitt der Chinesischen Bevölkerung darstellen ist mehr als naiv. Davon abgesehen glaube ich gehört zu haben, das die Regierung entscheidet wer Steuerfrei mehrere Kinder haben darf. Ich bin mir sicher die letzte Promotionsstudentin hatte nicht drei Kinder weil sie dafür Berühmt ist das Regime zu kritisieren.

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Searchio 25.01.2011, 20:50
299. Schade

Gelesen habe ich jetzt ca. 40 Beiträge. Alle reden von Bildung, Erziehung oder anderen Haarspalter geschwätz über den Auftrag der Lehrer...

Zu meinem Bedauern ist in keinem Beitrag das Wort Kultur gefallen.
Als wäre Erziehung eine rein intellektuelle Leistung die von weniger gebildeten kaum geleistet werden kann.
All unsere problem mit Erziehung sind Symptome einer kulturellen Degenerierung. Mit Strenge allein wird das von Eltern oder Lehrerseite nicht gelöst werden.

Und zum Artikel über Amy Chua:
Die kann Drillen so viel sie will. Ihre Aussagen über die chinesischen Erziehungsmethoden und die Angst der Dominanz Chinas...
...die Angst der Dominanz betrifft nur einen quantitativen Aspekt. Bis jetzt sind es Chinesen die Inovation nur vom hörensagen kennen. Möglich das der Zustand nicht ewig andauert, aber bis jetzt sind sie nicht dafür bekannt besonders kreativ zu sein. Ich bin in der Technikbranche tätig und seid vielen Jahren haben wir nicht mit besseren sondern billigeren Produkten zu kämpfen... die eine Kopie von unseren sind. (Natürlich machen das nicht nur die Chinesen)
Aber wenn sie irgendwann ein Pflichtfach "Kreativität" einführen wird sich das mit sicherheit auch ändern und mit viel Fleiss werden sie versuchen darin die besten zu sein. Die anzeichen können wir dann in einer Fach vergleichenden Pisastudie sehen.

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