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Erziehungsberater zum "Gap Year": "Sitzen Jugendliche einfach daheim, entwickeln sie
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Das Kind ist mit der Schule fertig, hat seinen Abschluss - und macht nichts. Hängt einfach ab. Es gebe Eltern, die dann einen großen Fehler machten, sagt der Erziehungsberater Jürgen Wolf.

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verliebtinbayern 08.04.2019, 18:07
10. Schule und Eltern lassen die Kinder auflaufen

Zur Aussage, dass man sein Kind während des Abiturs nicht mit Fragen nerven soll, was es danach vorhat. Schön und gut, das mag vielleicht kein idealer Zeitpunkt sein, zumal es dann für Vieles auch schon zu spät ist. Die Bewerbungsfristen für Lehrberufe sind häufig schon abgelaufen und Auslandsaufenthalte haben einen sehr langen Vorlauf, wenn sie denn gut vorbereitet sein sollen. Das Problem ist die häufig generelle Orientierungslosigkeit von Abiturienten und der Eltern. Außer Arzt, Lehrer, Psychologe, Jurist oder Wirtschaftler fällt den meisten kein Studienberuf ein, am Handwerk z.B. besteht kaum Interesse. Man wartet, bis es zu spät ist und der Notendurchschnitt auf den Boden der Tatsachen führt. Dann folgt nach dem Abi die große Leere und die als sinnvoll deklarierte Warteschleife, genannt Gap-Year, infolge der erkannten Perspektivlosigkeit im sogenannten "Traumberuf". Dabei gibt es unzählige spannende Berufe, die nur keiner kennt. Spätestens ab der 10. Klasse müsste hier knallhart in der Schule informiert und notfalls desillusioniert werden.

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Nonvaio01 08.04.2019, 18:39
11. warum?

Zitat von verliebtinbayern
Zur Aussage, dass man sein Kind während des Abiturs nicht mit Fragen nerven soll, was es danach vorhat. Schön und gut, das mag vielleicht kein idealer Zeitpunkt sein, zumal es dann für Vieles auch schon zu spät ist. Die Bewerbungsfristen für Lehrberufe sind häufig schon abgelaufen und Auslandsaufenthalte haben einen sehr langen Vorlauf, wenn sie denn gut vorbereitet sein sollen. Das Problem ist die häufig generelle Orientierungslosigkeit von Abiturienten und der Eltern. Außer Arzt, Lehrer, Psychologe, Jurist oder Wirtschaftler fällt den meisten kein Studienberuf ein, am Handwerk z.B. besteht kaum Interesse. Man wartet, bis es zu spät ist und der Notendurchschnitt auf den Boden der Tatsachen führt. Dann folgt nach dem Abi die große Leere und die als sinnvoll deklarierte Warteschleife, genannt Gap-Year, infolge der erkannten Perspektivlosigkeit im sogenannten "Traumberuf". Dabei gibt es unzählige spannende Berufe, die nur keiner kennt. Spätestens ab der 10. Klasse müsste hier knallhart in der Schule informiert und notfalls desillusioniert werden.
"Auslandsaufenthalte haben einen sehr langen Vorlauf, wenn sie denn gut vorbereitet sein sollen"

man beantragt ein Visum, meist kann man das im Flieger wenn es nicht zu exotisch ist. man bucht ein Ticket und packt eine tasche.

Was braucht man sonst noch? Den rest organsiert man dann im Land selber wenn man weiter reisen will. Ich nach Thailand, hin und rueckflug gebucht, dazu noch 3 tage in BK, als gepaeck hatte ich nen kleinen rucksack, das land ist so billig da kauft man sich die paar klamotten die man braucht.

was genau meien Sie mit langer vorlaufzeit?

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remedias.cortes 08.04.2019, 20:20
12. Rauswerfen?

Das ist so typisch deutsch , dass hier den jungen Leutn am liebsten schon mit 18 die Koffer vor die Tür gestellt werden. Das schafft nur Neurosen und später Suche nach Therapeuten. In Südamerika leben die Kinder im Haus, bis sie ihre eigene Familie gründen. Man freut sich an ihnen. Ich denke, dass hierzulande die Eltern später nicht besucht werden, sich einsam fühlen und der Kontakt abgebrochen wird, das liegt an dem "Rauswerfen " in der Jugend. Die jungen Leute werden hart dadurch, das ist richtig - hart gegen sich selbst, aber auch hart gegen andere.

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jujo 08.04.2019, 22:24
13. ....

Zitat von remedias.cortes
Das ist so typisch deutsch , dass hier den jungen Leutn am liebsten schon mit 18 die Koffer vor die Tür gestellt werden. Das schafft nur Neurosen und später Suche nach Therapeuten. In Südamerika leben die Kinder im Haus, bis sie ihre eigene Familie gründen. Man freut sich an ihnen. Ich denke, dass hierzulande die Eltern später nicht besucht werden, sich einsam fühlen und der Kontakt abgebrochen wird, das liegt an dem "Rauswerfen " in der Jugend. Die jungen Leute werden hart dadurch, das ist richtig - hart gegen sich selbst, aber auch hart gegen andere.
Rauswerfen kann nicht die Alternative sein. Die Kinder aber auf ein Leben "draussen" vorzubereiten ist "alternativlos". So können sie wann immer gehen. der eine früher, der andere eben später. Ich bin nicht hinausgeworfen worden, ich bin gegangen, ich fühlte mich "erwachsen" genug mit 18, seinerzeit wurde man erst mit 21 volljährig.

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Theophanus 08.04.2019, 23:49
14. Sorry....

...was es heute alles gibt? Ein "Gap-Year"...ich bin immer wieder überrascht. Zu meiner Zeit hatten alle meines Jahrgangs schon ihren Studienplatz oder Ausbildungsstelle in der Tasche. Man genoss die paar Wochen bis zum Anfang, dann war es auch gut. Einfach herumzugammeln wäre keinem eingefallen, da hätte man sich als Versager gefühlt.

Mal ganz davon abgesehen wäre ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, meinen beiden, schwerarbeitenden Eltern länger als nötig auf der Tasche zu liegen. Diese haben ihren beiden Söhnen nie Vorschriften gemacht und immer in allem unterstützt was Bildung und Beruf anging. Da war es selbstredend für uns beide, dass man das nicht länger ausnutzte als notwendig.

Aber wir sind heute alte, weiße Männer und nicht mehr auf der höhe der Zeit.

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einszweidreivierfünf 09.04.2019, 01:52
15. Ich bin mit 18 gegangen, aber rüber zur Oma

Die Gute hat zwei Straßen weiter gewohnt. Der Dachboden war frei. 75qm. Minimal modernisiert. Da hatte ich meine Ruhe und konnte sowohl selbständig als auch abhängig sein. Für mich wunderbar. Später dann die Oma gepflegt. Das war anstrengend, erkenntnisreich und irgendwie auch schön und verantwortungsvoll. Nun habe ich ihr Klein-Häuschen. Für mich war es richtig so nah bei der Familie zu bleiben. Die Leute draußen sind nun auch nicht alle so geil, dass man unbedingt und strikt erwachsen werden muss. Alles mit Maß und manche Menschen sind anders.

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eunegin 09.04.2019, 06:13
16. Gap Year 1993

Wegen NVA-Bundeswehr-Größe ausgemustert, Abi bekommen, Rucksack gepackt und ohne viel Planung (ein Reiseführer; Internet gab es ja nicht...) los auf dem Landweg nach Indien und dann etwas weiter. Geht alles und ist weder schwer noch teuer (wenn man etwas vorher gejobbt hat). Hat sich positiv auf die Studienwahl und die Berufswahl ausgewirkt, vor allem aber hat es Spaß gemacht, ich wurde erwachsen und selbständig. Die Erfahrung möchte ich weder missen noch mit einem Jahr elterliche Couch tauschen. Kann jeder machen, wie er/sie denkt. Nur ist ein Jahr gammeln doch nervig für alle, oder?

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Luemgi 09.04.2019, 16:36
17.

Zwischen Abi und Einschreibung fürs Studium noch das verlangte Pflichtpraktikum zu leisten war zeitlich knapp. Nach dem Einschreiben zwei Wochen Urlaub und dann begannen mehrere Wochen vor dem eigentlichen ersten Semester die sogenannten Vorkurse. Die "freie Zeit" des Abiturienten wird doch von anderer Seite schon großzügig verplant durch das Schaffen von Zugangsvoraussetzungen. Für ein "Gap Year" habe ich allerdings auch kein Verständnis. Das ist purer Luxus. Vor allem dann, wenn man nach Studium und Berufseinstieg auch noch irgendwann eine Familie gründen möchte. Wie alt soll man denn dann als Frau sein?

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remedias.cortes 10.04.2019, 16:46
18.

Zitat von Luemgi
. Für ein "Gap Year" habe ich allerdings auch kein Verständnis. Das ist purer Luxus. Vor allem dann, wenn man nach Studium und Berufseinstieg auch noch irgendwann eine Familie gründen möchte. Wie alt soll man denn dann als Frau sein?
Das ist eine Art Abstimmung mit den Füßen gegen G8. Die Abiturienten machen ein gap year und dann stimmt es zeitlich wieder.
Ansonsten brauchen Studierende an der Uni eine Elternunterschrift , um sich ihren Bibliotheksausweis zu holen ....

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TheoV 11.04.2019, 14:07
19. Luxus?

Wer der Meinung ist, dass ein "Gap-Year" Luxus ist, impliziert, dass es zwar sinnvoll, aber Wohlhabendend vorbehalten ist. Der impliziert wahrscheinlich auch, dass der Luxus estrebenswert sei. Diesen Luxus wünsche ich aber keinem. In meinen Augen ist es in dieser Lebensphase eine "Luxusfalle". Eine der ersten Versuchungen des Erwachsenenleben bei der man lernen sollte zu widerstehen. Insb. wenn man es sich leisten könnte. Und wir Eltern haben die verdammte Veranwortung unseren Kindern auch das näherzubringen. Und zwar schon die gesamten 18-19 Jahre vorher, altersgerecht und angemessen. Erm;glichen wir ihnen heute diesen Luxus machen wir uns mitveranwortlich, wenn wir ihnen einen Teil ihrer Möglichkeiten berauben. Ich befürchte jedoch, dass es mit einem Verweis auf die "guten alten Zeiten", und "wie es bei uns so war", leider nicht getan ist.

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