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Essen aus Supermarktmüll: Studentinnen wegen Containerns verurteilt
DPA

Zwei Studentinnen brachen im bayerischen Olching den Müllcontainer eines Supermarkts auf und nahmen mit, was sie für essbar hielten. Laut Gericht ist das gemeinsam begangener Diebstahl.

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emil7685 31.01.2019, 23:26
410.

Zitat von carlitom
Ganz ehrlich? Ich finds auch wirklich widerlich. Schon allein wegen der Hygiene, dem Schimmel, der fehlenden Kühlung usw. Eine normale Form der Ernährung ist das natürlich nicht.
Sie wissen offensichtlich nicht, was, wie und wann man containert.
Wenn in einem großen Supermarkt eine Palette mit Konservendosen vom Stapler fällt dann wandert die komplette Palette in den Müll.
Den Dosen fehlt absolut nichts ausser ein paar Dellen.
Einer versiegelten Ketchup-Flasche deren MHD vor einem Tag abgelaufen ist, der fehlt auch nichts.
Um mal zwei Beispiele von Waren zu nennen, die man so "containert".
Niemand "containert" unverpacktes Fleisch oder schimmliges Brot.
Man "containert" auch nicht, um nicht zu verhungern.
Man "containert" weil es grandios ist, eine ganze Palette Fertigpizzen vor der Müllverbrennung zu retten und einen Heidenspaß damit zu haben, sich bis zur Halskrause damit vollzustopfen.

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markus_wienken 01.02.2019, 01:23
411.

Zitat von widower+2
Es kann für mich aber moralisch geboten sein, ein Gesetz nicht nur infrage zu stellen, sondern auch zu brechen, wenn ich morgens noch in den Spiegel schauen möchte. Mit den rechtlichen Konsequenzen muss ich dann eben leben. Es würde hier zu weit führen, diverse Beispiele anzubieten, aber können Sie sich wirklich nicht vorstellen, dass es Situationen geben könnte, in denen Sie bestehende Gesetze bewusst und trotzdem mit gutem Gewissen brechen würden?
Artikel 20 GG wäre so ein Fall, ja.
Ansonsten fällt mir nichts ein.

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markus_wienken 01.02.2019, 01:27
412.

Zitat von derHamlet
Guten Abend markus-wienken, was Sie mir vorwerfen, läuft ins Leere: Sie sind doch derjenige, der uneingeschränkt Recht und Gesetze der staatlichen Autorität als oberste Instanz legitimiert, gleich ob sie sinnvoll oder vernünftig sind, ergo brauche ich keinen Strohmann. Mit dieser Sicht kann jede Obrigkeit jedes Gesetz verabschieden, nennt sich Rechtspositivismus. Schauen Sie in die großen Kollektive im letzten Jahrhundert.
Thema ist hier die Demokratie der BRD und wir reden nicht von Diktaturen.
Artikel 20 GG hatte ich bereits erwähnt.
Also nichts mit: Die (ominöse) Obrigkeit kann Gesetze nach Belieben aufstellen.
Sie stellen erneut Strohmänner auf, argumentiere am Thema vorbei und lenken ab.

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dragondeal 01.02.2019, 04:36
413.

Dann mal los:

Erstens, "vor ein paar Dekaden" ist ein sagen wir suboptimaler Einstieg für eine Gegenargumentation, wenn das "Argument" von Entwicklung spricht. Die impliziert, dass es vor ein paar Dekaden anders war.

Zweitens, ja hab ich und ja, kann ich nachweisen. Nennt sich Pass, ist ziemlich fälschungssicher und kann ich sogar zurückgeben, wenn's mir nicht mehr paßt ;)

Damit denke ich dann drittens nicht, dass Sie ein Recht haben, über mein Tun und Handeln zu bestimmen, aber Sie haben ein Recht, an dem Konsens mitzuarbeiten, der aller Tun und Handeln in möglichst für alle erträgliche Bahnen lenkt. Und ich gestehe dieses Recht sogar Leuten zu, bei denen mir weder Nase noch Meinung paßt.

Ihr nächster Absatz, viertens, ist schwer nachzuvollziehen, weil der Sprung von "Regierung-gegen-Bürger" zu "Macht-den-logischen-Grundsatz-vergessen" paradox anmutet. Ich versuch's mal mit der Antwort: Die Meinung vieler stimmt weit genug darin überein (ob aus Überzeugung, Faulheit, Ignoranz, Dummheit etc ist erstmal egal), dass es praktisch, richtig, egal ist, das Zusammenleben aller in die Hände weniger zu geben. Da wir im Laufe der Weltgeschichte gelernt haben, dass 0-3 zuwenig sind und immer die gleichen auch nicht funktioniert, haben wir uns was anderes ausgedacht, mit Wahlen und so. Ist zwar auch suboptimal, für den einen besser, für den anderen weniger gut, aber für keinen so ganz das, was er eigentlich will. Funktioniert trotzdem mMn bisher ganz brauchbar und ist zumindest scheinbar momentan bis auf Detailfragen Konsens. So ganz willkürlich kann das ganze also dann doch nicht sein.

Fünftens, auch die Bestrafung opferloser Taten ergibt ggf Sinn. Das ist zum einen dann der Fall, wenn ein Schaden eher durch Zufall nicht entstanden ist (mit 200 an der Schule vorbei, Industriesilikon in Brustimplantaten, einem einzelnen Dieselfahrer kann man auch nur sehr begrenzt vorwerfen, andere zu schädigen etc), in manchen Fällen passiert das möglicherweise aber auch, wenn eine Regel so einfach gehalten ist, damit sie allgemein bzw überhaupt funktioniert, aber einen besonderen Spezialfall nicht abdeckt.

Sechstens schießen Sie sich am Ende Ihrer Argumentation selber ins Knie. Warum ist Besitz nach Ihrer Argumentation zu respektieren? Wer hat Ihnen denn das Recht gegeben, etwas als Ihren Besitz zu definieren? Aber wenn wir denn Besitz respektieren und verteidigen wollen, was haben wir dann hier im vorliegenden Fall? Privatgelände (steht dick Edeka dran) und abgeschlossener Container? Sind das nicht ziemlich deutliche Anzeichen dafür, dass es hier um den Besitz eines anderen geht? Und wie stellen Sie sich die Verteidigung hier vor? Also ich kann mich da mit dem aktuellen Gesetz anfreunden. Haben Sie eine bessere Idee? Vielleicht doch Keule? Und dürfen die dann zurückhauen, weil Ihre Keule plötzlich offensiv wird? Fragen über Fragen, auf die Sie immer noch keine Antwort gefunden haben. Oder doch?

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dragondeal 01.02.2019, 04:44
414. Ich lese tatsächlich

Zitat von widower+2
Lesen Sie eigentlich gelegentlich die Artikel, die Sie kommentieren? Zitat aus dem Artikel: "Der Wert der Waren betrug rund 100 Euro, zitiert der BR die Staatsanwaltschaft München II." Sollte diese Aussage stimmen, ging es also nicht um den Streitwert, sondern um den angesetzten Wert der "Diebesbeute". Außerdem spielt der Streitwert im Strafrecht eigentlich gar keine Rolle (außer in einer Sonderform für die Vergütung der Rechtsanwälte).
Und wenn Sie das auch tun, dann würden Ihnen noch andere Unschärfen in dem Bericht auffallen, wie z.B. "Verurteilung wegen Diebstahl". Diebstahl hat eigentlich als Vergehen eine klar definierte Folge, Geld- oder Freiheitsstrafe. Bei dem vorliegenden "Urteil" sind wir aber wohl viel eher bei einer Einstellung des Verfahrens nach §153a (2). Daher halte ich es für legitim anzunehmen, dass der Artikel auch in weiteren Punkten sagen wir mal "kreativ die Wirklichkeit umschreibt".

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dragondeal 01.02.2019, 04:46
415.

Zitat von Stäffelesrutscher
Ich kann Ihnen das sogar erklären. Nehmen wir an, die Möbelhausleitung hätte offiziell erlaubt, dass übrig gebliebene Gickerle mitgenommen werden dürfen. 6 halbe Hähnchen reichen für 6 Reinigungskräfte. Dann kommen aber die Reinigungskräfte 7 bis 10: »Sag' mal, Paule, kannste nicht vier halbe mehr braten, damit mehr übrig bleibt und wir auch was abkriegen?« Das ungefähr ist die Denke der Chefs.
Dazu kommt, dass der Chef den Reinigungskräften die Hähnchen als Geldwerten Vorteil auf die Lohnabrechnung schreiben und dafür entsprechend auch Steuern und Abgaben zu entrichten wären.

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Papazaca 01.02.2019, 07:03
416. Wenn sich viele alte weiße Männer für Müll begeistern

Das vorläufige Resümee von über 80 Seiten Kommentare: Wir wissen jetzt nicht viel mehr über die beiden Studentinnen. Aber die Gesamtheit der Kommentare sagt viel über viele alte weiße Männer aus (obwohl sicher auch einige Frauen dabei sind). Für dieses unfreiwillige Psychogramm stürzen sich unsere Helden auch tief in den Müll, freiwillig.

Auch in das Recht und in so ungefähr alles, was damit zu tun haben könnte. Schön, wenn man soviel tiefgründiges über seine Mitforisten erfährt. Und das alles, weil Sie auf einmal Ihre Begeisterung für den Müll entdeckt haben. Aber natürlich ist der Müll nur eine Metapher für das Leben. Und da können unsere alten weißen Männer viel dazu sagen. Viel Zeit bleibt ja nicht. Also, auf in den Kampf, bis zur letzten Runde!

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