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ETH Zürich: Elite-Uni untersucht Mobbingvorwürfe gegen Professorin
REUTERS

Sie soll ihre Doktoranden gedemütigt und ihnen ein absurdes Arbeitspensum abverlangt haben: Gegen eine Professorin an der ETH Zürich leitet die Uni nun eine Untersuchung ein.

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McFly_Climate 25.10.2017, 19:02
10. Es gibt immer zwei Seiten!

Es ist leider bedauerlich wenn jetzt pauschal auf ProfessorenInnen "eingedroschen" wird. Dieser Vorfall an der ETH-Zürich ist nicht zu entschuldigen, ebenso das Verhalten der Unileitung.

ABER, man muss sich als Professor (bin einer) ebenfalls viel von den DoktorandenInnen gefallen lassen! Termine werden nicht eingehalten, Experimente werden schlampig durchgeführt und viele können einfach keine wissenschaftlichen Arbeiten schreiben. Motivation, Hingabe und Fleiss sind wichtige Vorraussetzungen für eine Doktorarbeit, leider haben diese Fähigkeiten immer weniger DoktorandenInnen und Studenten. Es ist manchmal extrem frustrierend mitzuerleben wie ein DoktorandIn ein tolles Projekt regelrecht "an die Wand fährt", vor allen Dingen wenn man als Doktorvater viel Zeit und Geld investiert hat.

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brunellot 25.10.2017, 19:05
11. Gut geschützt durch strukturierte Promotionsprogramme!

Zitat von Publius Aelius Hadrianus
Mittlerweile kann man Professoren kaum mehr ernstnehmen. Die Berufungsverfahren sind dubios, ziehen sich über Jahre und anschließend können sich die verbeamteten Professoren im Mantel der "Freiheit von Forschung und Lehre" suhlen, ohne auch nur ansatzweise kontrolliert zu werden. Man lässt die Doktoranden für sich ackern, platziert am Ende den Namen auf den Papern, da "man ja sehr gut betreut hat" und lässt man dann noch ein paar Jahre vergehen, tauchen ganze Veröffentlichung, die der oder die Professor/in nie gelesen hat, auf deren endlosen Publikationslisten auf. Nebenbei schanzt man sich gegenseitig Preise zu, die außer im Dunstkreis der Universität niemand kennt und auch niemanden interessieren. Eine Hand "peer reviewed" die andere Hand. Fachliche Kritik öffentlich zu äußern gleicht akademischem Selbstmord, zumindest im deutschsprachigen Raum. Den einzigen Schutz den Doktoranden vor Willkür seitens der Professorenschaft haben, ist das Glück zu haben einen Professor zu erwischen, der eine ethisch-moralische Integrität besitzt. Da es keine oder kaum repräsentativen Statistiken zu Doktoranden gibt, da die Universitäten teilweise selbst nicht wissen, wie viele Doktoranden sie haben, kann man nichtmal objektive Aussagen darüber treffen, wie verkorkst das System eigentlich ist.
Also Sie sind ja ein Schwarzmaler. Ich kann Ihre Einschätzung so nicht wirklich bestätigen. Ja es gibt schwarze Schafe, aber ein Großteil der Professoren leistet gute Betreuungsarbeit und setzt sich für seine Promovierenden ein. Zumindest bei uns am Life Science Campus in München ist das so.
Übrigens: Einen guten Schutz vor Willkür und Ausbeutung bieten strukturierte Promotionsprogramme, in denen Promovierende durch sogenannte Thesis Advisory Committees betreut werden. Es gibt inzwischen zahlreiche dieser Programme, die von Max-Planck Instituten, der Helmholtz Gemeinschaft oder von Universitäten (z.B. im Rahmen der Exzellenz Initiative) organisiert werden. Es hat sich viel getan im letzten Jahrzehnt. Sie scheinen das leider noch nicht bemerkt zu haben...

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OompaLoompaOfScience 25.10.2017, 19:33
12. @alfredjosef

Nur vergessen Sie, dass ein Dr. üblicherweise die Voraussetzung dafür ist, für die interessanten Forschungsstellen in der Industrie überhaupt in Frage zu kommen. Dass es Negativbeispiele unter den Betreuern gibt, ist unbestritten. Häufig ist es aber auch anders. Ich beispielsweise hatte kaum inhaltliche Betreuung von meinem Doktorvater, aber dafür hat er sich mehr als fair und integer verhalten, mir viele Türen geöffnet und mir Unmengen an Konferenzreisen und Besuchen anderer Wissenschaftler ermöglicht. Meinen heutigen Job hätte ich ohne Dr. in der speziellen Fachrichtung und die Kontakte, die er mir ermöglicht hat, nie bekommen, insofern würde ich aufgrund der eigenen positiven Erfahrungen immer wieder promovieren.

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zvmbgqgu 25.10.2017, 19:40
13. Halbgötterstatus der Professoren

Schließe mich den vorherigen Foristen an: es gibt absurde Professor(inn)en und Instanzen, welche diese (auch in Deutschland) favorisieren. Dies ist leider nicht der wissenschaftlichen Innovation und ökonomischen Vielfalt zuträglich, so dass, gekoppelt mit bürokratischen Hürden in Konsequenz auch keine marktreifen Produkte geliefert werden können.

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jorinde1968 25.10.2017, 20:01
14. Und ich dachte, die Sklaverei sei abgeschafft...

Zitat von ArmeOhren
"D.h. viele wissen auch gar nicht, wie man mit Untergebenen umgeht..."
"Untergebene"???

Wie sagt der Duden so hübsch: Synonyme zu "Untergebene":
Lakai, Lakaiin, Leute, Sklave, Sklavin (Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Untergebene)

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w50 25.10.2017, 20:01
15. Also wenn Arbeit bis Mitternacht

Bei einer Promotion als Übermenschlich bezeichnet, der hat wirklich keine Ahnung von der Arbeitsbelastung bei einer Dissertationserstellung.

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Lord Menial 25.10.2017, 20:05
16. Augen auf beim Vorstellungsgespräch

Zitat von McFly_Climate
......... ABER, man muss sich als Professor (bin einer) ebenfalls viel von den DoktorandenInnen gefallen lassen! Termine werden nicht eingehalten, Experimente werden schlampig durchgeführt und viele können einfach keine wissenschaftlichen Arbeiten schreiben. Motivation, Hingabe und Fleiss sind wichtige Vorraussetzungen für eine Doktorarbeit, leider haben diese Fähigkeiten immer weniger DoktorandenInnen und Studenten. Es ist manchmal extrem frustrierend mitzuerleben wie ein DoktorandIn ein tolles Projekt regelrecht "an die Wand fährt", vor allen Dingen wenn man als Doktorvater viel Zeit und Geld investiert hat.
Was für ein bizarres Lamento!
Wenn Experimente von einem Doktoranden schlampig durchgeführt werden, liegt augenscheinlich schlampige Betreuung vor! Außerdem hat ein Doktorand bereits eine Diplom- oder Magisterarbeit verfasst. Wenn ein Professor ungenügend qualifizierte Doktoranden hat, muss er sich fragen, wer die ausgesucht und eingestellt hat! Dort ist die Ursache des Problems zu suchen.
Viele können einfach keine wissenschaftlichen Arbeiten schreiben? Ein Doktorand hat bereits eine Diplom- oder Magisterarbeit verfasst. Ein Professor sollte diese erste Examensarbeit durchlesen; dann kann er leicht sehen, ob ein Aspirant eine wissenschaftliche Arbeit schreiben kann oder nicht.
Wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, muss man den Kandidaten ablehnen.
Aber die Versuchung, durch Maximierung der Anzahl unvergleichlich billiger "Mitarbeiter" die Reputation steigern zu wollen (der Platzhirsch hat die größte Herde!), ist wohl unwiderstehlich.
Dabei ist es so einfach: Masse ist nicht gleich Klasse.

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ArmeOhren 25.10.2017, 20:18
17. Schritt in die richtige Richtung

Zitat von brunellot
Also Sie sind ja ein Schwarzmaler. Ich kann Ihre Einschätzung so nicht wirklich bestätigen. Ja es gibt schwarze Schafe, aber ein Großteil der Professoren leistet gute Betreuungsarbeit und setzt sich für seine Promovierenden ein. Zumindest bei uns am Life Science Campus in München ist das so. Übrigens: Einen guten Schutz vor Willkür und Ausbeutung bieten strukturierte Promotionsprogramme, in denen Promovierende durch sogenannte Thesis Advisory Committees betreut werden. Es gibt inzwischen zahlreiche dieser Programme, die von Max-Planck Instituten, der Helmholtz Gemeinschaft oder von Universitäten (z.B. im Rahmen der Exzellenz Initiative) organisiert werden. Es hat sich viel getan im letzten Jahrzehnt. Sie scheinen das leider noch nicht bemerkt zu haben...
Die Promotionsprogramme, die sie beschreiben, sind definitiv eine Verbesserung und ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die von Ihrem Vorredner beschriebenen Missstaende existieren trotzdem weiter, auch wenn er das vielleicht ein bisschen scharf formuliert hat. Es muss mehr formale Systeme, Transparenz, Standards und objektive Massstaebe geben, um zu verhindern, dass Willkuer herrscht. Denn das ist im Moment der Status Quo - der Professor sitzt immer am laengeren Hebel: Er kann unheimlich nett, fair und unterstuetzend sein, aber er kann es auch lassen und dabei schlimmstenfalls ganze Existenzen zerstoeren. Auch das andere Extrem kommt vor: Professoren koennen ihre Guenstlinge ueber Gebuhr pushen, indem sie sie auf Publikation "mit drauf setzen", sie in kuerzester Zeit promovieren lassen oder sie an ein gutes Institut weiterkluengeln. Es gibt auch kaum belastbare allgemeine Massstaebe, wie die Leistung und Qualitaet einer Doktorarbeit zu beurteilen ist. Das gaengigste Verfahren ist immer noch: Primaergutachter ist der eigene Prof, Zweitgutachter ist ein Freund oder Kollege vom Prof (Vorschlagsrecht). Einen dritten, neutral berufenen gibt es nur bei Extremnoten oder Dissenz zwischen den ersten. D.h. manche koennen nach zwei Jahren sagen alles toll, viel Erfolg, andere sagen vielleicht, nicht ohne Nature Paper, mein Freund... Komplett im Ermessen des Profs.
Da muss sich einfach noch mehr tun, und es muss mehr externe Ansprechpartner geben (uebrigens nicht nur auf Seiten der Uni, auch die DFG und andere Foerderer sollten hier aktiver sein), die sich der Macht des Professors entziehen. Das ist allein emotional schon wichtig, um dem Gefuehl des Ausgeliefertseins entgegenzutreten, unter dem viele Doktoranden leiden.

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suane 25.10.2017, 20:21
18. Führungsschwäche

@McFly_Climate: Dann sollten Sie lernen im Fall unzuverlässiger Studenten/Doktoranden endlich konsequent zu handeln. Derart Menschen wissen wem Sie auf der Nase rumtanzen können und wem nicht. Ein fauler Student muss nicht mit einer 1 benotet werden und ein unzuverlässiger Doktorand kann abgemahnt bzw. entlassen werden... Man/Prof muss eben nur mal Ruckgrat zeigen und das haben leider die wenigsten. Das gilt scheinbar auch für Sie, wenn sie über ihre Angestellten jammern statt Konsequenzen zu ziehen. Ein Verhalten, dass ich oft miterlebt habe und fleißige Angestellte wirklich wütend macht, ...die mangelde Führungsstärke ihrer Chefs/Profs.

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divStar 25.10.2017, 20:31
19. Wäre es ei. Mann gewesen,...

Gäbe es einen #aufschrei. Aber ne Frau? Na - kann doch mal passieren! Und überhaupt wo ist das Problem!

Und eine Frau darf andere Frauen - offensichtlich ohne #aufschrei - schwache Wesen nennen. Gnade dem Mann, der das über Männer (oder auch Frauen) behauptet; der erlebt den Rest seiner Lebens nicht mehr weil er sofort als Sexist gelten würde.

Das nenne ich mal eine faire, ja geradezu fantastische und sehr lebenswerte Welt, in der nur Toleranz herrscht... Natürlich war der Satz schwärzester Sarkasmus, denn unsere Welt könnte kaum unfairer zu Menschen sein.

Statt gemeinsam Dinge zu erreichen, zu erleben und/oder zu genießen, macht sich diese Spezies selbst untereinander das Leben schwer, nur damit sich ein Individuum auf egal wessen Kosten kurzfristig besser fühlt. Einfach nur hirnbefreit.

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