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Faktencheck: Bekommen Schüler wirklich immer bessere Noten?
DPA

Ein Abi mit 1,0 war nie so leicht wie heute zu erreichen, sagt der Präsident des Lehrerverbandes - und fordert ein Ende der "Inflation" guter Schulnoten. Aber gibt es tatsächlich eine Einser-Flut? Der Faktencheck.

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Spring Frosch 05.03.2018, 11:02
70. nicht erfasst

Zitat von kassadra
"11. Ich brauche nur einen Absatz, um den Artikel zu erfassen."??? Zitat: "...In Berlin schnitt 2016 kein Abiturient schlechter ab als mit 3,6 - und der Anteil der Schüler mit einem Dreier-Abi verringerte sich von knapp 26 auf 16 Prozent...". Das bedeutet, daß kein Abiturient durchgefallen ist.
Hmm,
OK, kein Abiturient schlechter als 3,6. Duchfallerquote ist nicht genannt, dazu steht da nichts.
Die indirekte Schlussfolgerung "keiner durchgefallen" muss man sich herbeiwünschen (um dann noch ganz andere Schlüsse zu ziehen, bzw. eigene Lieblingstheorien zu bestätigen?).
So wird das nix...

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wahrscheinlichwahr3 05.03.2018, 11:04
71. Die Abiturprüfung an sich

ist in den letzten 20 Jahren zumindest in Baden Württemberg nicht leichter geworden, wenn man jetzt die Aufgaben der Fächer Mathematik oder Physik vergleicht. Trotzdem scheint es mir, als ob man heute weniger aus der Schule mitnimmt als früher, so vom Gefühl her. Vielleicht liegt es an G8?

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yogi65 05.03.2018, 11:10
72. Traurige Wahrheit

Zitat von holgerpache77
Nein es ist nicht gut so wenn heute jeder Hinz und Kunz studiert, das führt zu einer Abwertung des akademischen Grades und einer Abwertung des Könnens eines jeden Uniabsolventen. Fragen Sie doch mal einen Personaler, lesen Sie sich doch mal Einstellungstestergebnisse durch. Unser Betrieb legt auf Noten überhaupt keinen Wert mehr, da nicht aussagekräftig, eingestellt wird auf Grund des Gesamtbildes von Auftreten, Einstellungstests Fachgespräch und allgemeinen Eindruck. Wir hatten schon zahlreicher 1.x Abiturienten die einen gnadenlos schlechte Eindruck hinterlassen haben, während wir auch schon Realschüler mit einem 2.5 Schnitt hatten die eingestellt wurden. Im Allgemeinen ist laut unserer Personalabteilung das Niveau der Bewerber vor allem in den letzten 10 Jahren drastisch gesunken obwohl die Noten mit denen man sich bewirbt stark nach oben gegangen sind. Nie gab es soviele Bewerber mit einem 1.x Schnitt und noch nie wurden soviele Bewerber mit einem 1.x Schnitt abgelehnt.
Das ist wohl so wie beschrieben. Leider macht die allgemeine Niveauabsenkung auch insbesondere vor den Personalabteilungen nicht halt. Hier werden teilweise ganz dünne Bretter gebohrt. Und gleich zu gleich gesellt sich gerne. Entscheidungen über die fachliche und menschliche Qualifikation sollten vorwiegend in der Fachabteilung getroffen werden. Die Personaler können sich dann gerne um die Formalien kümmern...

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hesseinfranken 05.03.2018, 11:32
73. Eigentor

Eigentlich hat der Herr Lehrerpräsident ein Eigentor geschossen. Er wirft seinen KollegInnen vor, zu gute Noten zu verteilen.
Er hätte aber auch anders argumentieren können. Es kann ja auch sein, dass der Unterricht immer besser wurde, durch neue Methoden, neue Materialien und neue Technologie.
Oder aber, dass SchülerInnen immer angepasster, d.h. pflegeleichter werden.
Er macht halt den typischen Lehrerfehler, Noten für Wahrheiten zu halten.

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hesseinfranken 05.03.2018, 11:35
74. Ganz sicher?

Zitat von karljosef
Haupt- und Realschule waren der Normalfall. Das Gymnasium war die Ausnahme. Aus der Sonderschule ist die Hauptschule geworden? Heute ist die Hochschulreife normal? Das Ergebnis muss sich doch an den Hochschulen zeigen, oder? Die Voraussetzungen, einen Wissenschaftler auszubilden, müssen doch schlechter als vor 50 Jahren sein.
Sind Sie wirklich ganz sicher, dass es vor 50 Jahren besser war?
Ich erinnere mich an meine Gymnasialzeit (Abi 1969). Wir wurden vielfach von kaputten, kriegsgeschädigten Lehrern unterrichtet.
Ich kann sagen, wir haben trotz des Unterrichtes Abitur gemacht.

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StefanXX 05.03.2018, 11:48
75. Klageindustrie

Was in dem Artikel gar nicht berücksichtigt ist, ist das Thema Klagen gegen schlechte Noten. Mittlerweile gibt es ja Anwälte, die extra darauf spezialisiert sind. Ich bin weiß Gott kein Anhänger der "Früher war alles besser"-Denke. Aber wenn man früher schlechte Noten bekam, hieß es zunächst mal "Hättest Du mal mehr gelernt" .. heute dagegen wird immer öfter zunächst mal die Schuld beim Lehrer gesucht. In manchen Fällen ist das zweifelsohne auch gerechtfertigt, aber oftmals macht man es sich damit halt auch zu leicht. Ich habe viele Lehrer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis und die sagen übereinstimmend dass früher das Niveau am Gymnasium höher war. Und wenn ich manche Rechtsanwalt-Geschichten so höre wird mir wirklich schlecht. Nur ein Beispiel: Vor einigen Jahren war es in Mode seinem Kind eine Lese-Rechtschreibschwäche attestieren zu lassen, was zur Folge hatte, dass diese bei der Benotung berücksichtig werden musste und daher die Zensuren für dieses Kind viel besser ausfielen. Kurz vor dem Abschluss der Schule wurde dann teilweise sogar dagegen geklagt diese Lese-Rechtschreibschwäche wieder aus dem Zeugnis rauszunehmen, weil das später natürlich ein Makel im Zeugnis ist. Sprich: Man mogelt sich mit Hilfe der Lese-Rechtschreibschwäche jahrelang durch und dann ganz am Schluss findet auf einmal eine Wunderheilung statt. Es gibt zweifelsohne Kinder, die davon wirklich betroffen sind, aber das ist ein schönes Beispiel wie derartige Dinge systematisch ausgenutzt werden.

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dasfred 05.03.2018, 11:53
76. Die Abi Note hat nur eine begrenzte Aussagekraft

Die 1,x im Abitur Zeugnis bewertet zuerst einmal wie stark der Schüler sich ans Lehrsystem angepasst hat. Oder im Umkehrschluss, wie das Schulsystem an die Leistungsfähigkeit der Schüler angepasst wurde. Im Alltag jedenfalls fällt kein einser Abiturient durch besondere Fähigkeiten auf. Selbst bei klassischen IQ Tests stechen sie nicht auffällig hervor. Diese Bewertungssysteme sind immer stark subjektiv eingefärbt und mangelnde Sympathie auf beiden Seiten kann eine Note bei gleicher Leistung nach unten ziehen. Das deutsche Schulwesen ist auf den Durchschnitt der Schüler konzipiert, wer diesem am besten entspricht, bekommt die beste Zensur.

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Waldschrat22393 05.03.2018, 12:01
77. Augenwischerrei aber kein Faktenscheck

Als Referenzzeitraum taugt nur eine Skala, als es die reformierte Oberstufe gerade gab und als sie endete. Dazu müßte man dann schon wissen, wie sich die Schüler auf die Schulformen verteilten. Das x% ein gutes Abi 2016 machen ergibt keine Rückschluß drauf, wie hoch der Anteil der Einser am Jahrgang ist. Da sich in jedem Jahrgang die Befähigung in einer Gaußschen Normverteilungskurve wiedergibt, wäre es schon gut zu wissen ob 2,5, 5 oder 25% mit einemmal die Befähigung zum Hochschulamt haben und wie sich das über die Zeit verändert hat. Die Tatsache, dass in Mathematik bereits Einschulungstests für Studenten erforderlich sind, zeigt das offenbar das Abiturniveau signifikant gesunken ist und nicht mehr an die Uni anschließt.

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kratzdistel 05.03.2018, 12:02
78. wichtig ist der lernerfolg und nicht die gaußsche Notenverteilung

ein schlechte note kann oft über die Zukunft des schülers entscheiden. jeder sollte sich deshalb auch die frage stellen, ob er sich einer gaußschen notenverteilung unterwirft. wir lernen immer neu hinzu, so ist unser Gehirn mit seinen synaptischenverbindungen nunmal konstruiert. lernen ist ein neurobiologischer vorgang. bei beruflichen fortbildungslehrgängen wird gerade das gegenteil bezweckt, wonach der erfolgreiche prüfungsabschlus aller von einzelnen ausnahmen abgesehen das ideal jedes dozenten ist.die referengten sind oft auch viel besser pädagogisch ausgebildet als Gymnasiallehrer. selbst Grundschullehrer sind besser pädagogisch geschult.

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oxnkyn 05.03.2018, 12:07
79. Früher war alles besser.

Solche Geschichten lassen mich nur noch schmunzeln. Es spricht viel Frust aus vielen Kommentaren.

Ich habe 1985 Abitur gemacht und im gleichen Jahr mit dem Studium begonnen. Das Lamento war damals schon das Gleiche. Die Abiturienten wurden als um Größenordnungen dümmer, unfähiger, unpolitischer und unverschämter als früher beschrieben. Die selbe Geschichte an der Uni. Die Qualität des Erstsemester-Jahrgangs 1985 war unterirdisch und nicht zu vergleichen mit den Jahrgängen 1965 oder auch 1975.
Die Abiturienten und Studenten heute mögen andere Fähigkeiten haben als die vor 10, 20, 30 oder 50 Jahren. Unfähiger sind sie nicht.

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