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Familie: Warum Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen
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Manche Menschen wollen ihre Eltern nie wieder sehen, meist aus guten Gründen. Therapeutin Sandra Konrad erklärt, wie es dazu kommt - und warum die Sehnsucht nach einer heilen Familie häufig trotzdem nicht aufhört.

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auserfahrung 23.12.2018, 08:23
1. Und umgekehrt?

Was fühlen Eltern, die sich von ihren erwachsenen Kindern trennen müssen weil sie selbst sonst daran zerbrechen? Kann sich die Autorin auch nur annähernd vorstellen wie schwer, wie schmerzhaft und wie langwierig dieser Prozess ist? Wie lange glaubt man, dass alles wieder gut wird, dass sich alles wieder einrenkt, dass man als Eltern sich einfach nicht von einem Kind trennen kann? Eine Trennung, die sein muss zum Eigenschutz, ohne dass das erwachsene Kind gewalttätig ist oder z.b.kriminell? Es dauert Jahre bis der Schmerz aufhört und er kommt wieder sobald behutsam Kontakt aufgenommen wird und das erwachsene Kind das erneut entgegen gebrachte Vertrauen wieder und wieder missbraucht. Wir können Kinder verstehen,die sich von ihren Eltern trennen aus den im Artikel genannten Gründen . Aber bitte auch die Sicht der Eltern betrachten, die , um nicht zu zerbrechen, sich von einem erwachsenen Kind trennen müssen. Und die diesen Trennungsschmerz nicht nur zu Weihnachten oder zu Geburtstagen erleben, die in eine Ecke der Vorwürfe gestellt werden: wie könnt ihr nur euer eigenes Kind verstoßen?!? Und die nie alle Gründe Verwandten, Freunden, Bekannten, ja sogar Arbeitskollegen sagen, weil sie dem erwachsenen Kind nicht schaden wollen und auch weil der Schmerz dann mit aller Macht über sie hereinbricht.

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ainoha888 23.12.2018, 08:26
2. Gut geschrieben...

mir geht es auch so, dass ich die Eltern erst mal richtig auf Diszanz setzen musste.
Bin auch nachdenklicher als in der restlichen Jahreszeit, weil ich mittlerweile gelernt habe, dass ich manche Vorfälle gar nicht verzeihen muss, sondern sie'abgeben' kann. D.h. für mich, dass ich im Lot bleiben kann und ich mich damit nicht mehr belaste. Mein Tochter kommt damit mittlerweile besser klar, einfach, weil sie erwachsen ist. Es ist aber trotz allem Gelerntem und Gelebtem, nicht einfach in mancher Stunde, aber die Wucht, die so eine Entscheidung mit sich bringt (hin und wieder) lässt nach, desto klarer die Entscheidung gefallen ist. Ich wünsche allen eine gute Zeit.

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nomadas 23.12.2018, 08:26
3. Für immer und ewig

Wer das Buch von Arno Gruen "Wider den Gehorsam" kennt, weiss, dass alle Eltern per se "Täter" sind. Erziehung oder primäre Sozialisation macht aus uns was wir geworden sind, nicht wer wir wirklich sind. Diese Entfremdung von unserem ureigenen Wesen ist die "böse Tat." Doch, es muss auch gelten:Denn sie wissen nicht was sie tun! Im best case sind wir ein "Wunschkind", im worst case ein"Bastard." Dazwischen 1000 Optionen für unser Dasein. Meist, in der Lebensmitte, bei genug Reflexion, Hinterfragen und infragestellen kommt es zum "Aha-Erlebnis", mit Wut. Menschlich verständlich. Eine versöhnende Kommunikation meist Wunschdenken. Die Fronten sind klar. Hier die Opfer, da die Täter. Und kein Retter in Sicht. Scheiß Dramadreieck! Es ist unsere verdammte Aufgabe, den mühsamen Weg der Individuation zu gehen, bitte nicht im Alleingang, sondern mit Hilfe von aussen. Dabei ist der Weg schon das Ziel. Wir können nur bei uns was verwandeln, was ändern, niemals beim anderen. Bitter, aber wahr. Nach einem solchen "Langen Marsch", sprich nach Jahren, ist die Chance groß, Verhaltensneuland zu betreten. Doch Achtung, dieser Weg wird kein leichter sein. Es heisst auch loslassen, Abschied nehmen, Verantwortung für sein Leben übernehmen, in allem und für immer. Der "Dreisprung", ganz im Sinne von Sartre: Durchschauen-loslassen-frei werden. Möglicherweise kann man dann seine "Erzeuger" mit ganz anderen Augen sehen. Meist wollten sie ja nur unser Bestes, taten aber dabei das Schlimmste. Sie kannten nicht den Zusammenhang zwischen Absicht+Wirkung. Nicht jede gute Absicht löst automatisch auch eine gute Wirkung aus. Sie sind eben auch nur Menschen. Sie haben eben auch ihre Geschichte. Systhemisch ist es leider zuoft immer noch das Nachfolgeprogramm Eltern-Kind. Doch, Achtung, das ist kein Schicksal! Klar? Es ist alles self made! cogito ergo sum

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women_1900 23.12.2018, 08:35
4. Täter waren häufig selbst mal Opfer.

meine Freundin, als Kind vom Stiefvater mit Wissen und vielleicht auch Unterstützung der Mutter missbraucht, hat den Kontakt mit ihrer Mutter völlig abgebrochen.
Der Missbrauch begleitet sie ein Leben lang. Es tröstet sie in keiner Weise zu hören oder zu lesen, dass ihre Mutter vielleicht auch mal Opfer war. Diese Aussage hat bei jeder psychologischen Hilfe die Gemütslage meiner Freundin erheblich verschlechtert. Steckt doch eine Entschuldigung für das Fehlverhalten der Täter darin.
Den Bruch mit ihrer Mutter erzählt sie nahezu niemanden, weil dann immer die Platituden kommen: das kann man doch nicht machen, es ist doch die eigene Mutter ...

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aequidens_pulcher 23.12.2018, 09:09
5. Wenn es nur so einfach wäre!

Ich verstehe sehr gut, warum mein ältester Sohn den Kontakt abgebrochen hat, er hat sich von mir nicht angenommen gefühlt. Ich hatte jahrelang versucht, den Kontaktabbruch zu verhindern. Alle Gesprächsangebote an meinen Sohn, meine aufrichtige Entschuldigung, er konnte alles nicht annehmen. Wenn es ihm besser geht ohne mich, ist das für mich in Ordnung. Die Psychologin vergisst aber auch, dass Kinder möglicherweise die Schuldgefühle ihrer Eltern gegen diese verwenden. Irgendwann verwischen die Grenzen nämlich, wer was wem angetan hat! Ich würde von der Psychologin gerne erfahren, was sie Kindern sagt, wenn die Eltern ihnen immer wieder Gesprächsangebote machen, gerne auch mit psychologischer Hilfe, wenn die Eltern sich ernsthaft entschuldigen, , wie das Kind, das den Kontakt abgebrochen hat, ihrer Meinung nach reagieren soll.

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dolledern 23.12.2018, 09:10
6. es gibt aber auch andere gründe

und die sollten auch hier mit angesprochen werden. Wenn Jemand den Kontakt mit allen abbricht. zb wegen eines neuen Partner, der dazu überredet.
Auch gibt es Eltern, die den Kontakt abbrechen.

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Cr4y 23.12.2018, 09:15
7. Hallo Spiegel,

Das ist ein wichtiges Thema. So bewegend der Artikel "Leben ohne Eltern: Anna will nie wieder etwas hören" inhaltlich auch sein mag (einige Verhaltensmuster der Protagonistin erinnern mich an meine Frau), der Stil erinnert frappierend an die netten Lügengeschichten des Herrn Relotius. Damit will ich die Autorin nicht direkt kritisieren und ihr etwas unterstellen. Sehen Sie es als Feedback, wie ich solche Spiegelartikel nach dem Skandal nun wahrnehme: ich kann sie nicht mehr für voll nehmen. Etwas weniger emotionalisierung/storytelling und mehr Sachebene würde ich mir daher wünschen.

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DirkNemitz 23.12.2018, 09:15
8. Elternunterhalt

Leider fehlt ein wichtiger Aspekt: es ist ziemlich egal, wie stark man den Kontakt einschränkt oder welche Kindheit man erdulden musste - spätestens wenn die Eltern zum Pflegefall werden holt einen die Blutlinie wieder ein, und man wird als Kind gerichtlich dazu gezwungen, für diese Menschen auch noch Unterhalt zu zahlen.

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thompopp 23.12.2018, 09:26
9. Danke für diesen Artikel

Ich habe vor 18 Jahren den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen und kenne die im Artikel erwähnten Schuldgefühle gerade weil ich auch schon lange weiß, das es keine Schuld bei den Eltern gibt gerade wenn sie selber unglaublich viel Leid und Traumatisierendes in ihrer eigenen Kindheit durchmachen mußten (Krieg, Armut, Vertreibung, Gewalt, Verbrechen, Flüchtlingsdasein). Leider gab es nach dem Krieg (zumindest in unserer Familie und meinem Umfeld) nicht die notwendige psychische Grundversorgung wie heute (in Ansätzen). Meine Mutter hat mir (und meiner Schwester, die schon 10 Jahre vor mir den Kontakt abgebrochen hatte) bei jedem Kontakt immer und immer wieder vorgehalten warum wir denn Kontakt zu unserem Vater hätten, der sie betrogen und verlassen hat. Sie hat uns immer wieder eingeredet das er ein "Schwein" sei und sich selber in die Opferrolle geredet (was nicht stimmt) und uns massive Schuldgefühle gemacht, weil sie damit nicht zurecht kam. Das habe ich nicht mehr ertragen, das tat mir nicht gut und ich konnte ihr das nicht klarmachen und so blieb nur der Kontaktabbruch.

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