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Familie: Warum Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen
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Manche Menschen wollen ihre Eltern nie wieder sehen, meist aus guten Gründen. Therapeutin Sandra Konrad erklärt, wie es dazu kommt - und warum die Sehnsucht nach einer heilen Familie häufig trotzdem nicht aufhört.

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Putenbuch 26.12.2018, 16:04
180. Behauptung im luftleeren Raum, oder?

Zitat von konterspieler
Meine Frage war: was die interviewte Frau Konrad zu einem solchen Fall zu sagen hätte. Von einer "gerichtlichen Instanz" war dagegen in meinem Beitrag nicht die Rede, sehr wohl aber von einem Aufklärungsrecht der Eltern, wenn der Kontakt durch ein Kind ohne jede Begründung abgebrochen wird. Ihre indirekt dastehende Behauptung, jeder Kontaktabbruch müsse automatisch "triftige Gründe" auf Seiten des Kindes zur Grundlage haben, ist pure Fiktion, die allein darauf gründet das Sie sich solche Fälle nicht vorstellen können. Das ist aber nur ihre persönliche Fiktion, die Wirklichkeit - welche sich nicht nach unseren Fiktionen richtet - sieht leider anders aus. Meine Frage an die interviewte Frau Konrad bleibt deshalb wie gestellt bestehen.
Haben Sie sowas erlebt? "Triftig" ist ja meist relativ und ein missbrauchender Elternteil - oder Teilnehmer einer Beziehung - wird die Gründe des sich Trennenden niemals als "triftig" anerkennen.
Sonst würde er sich ja nicht verhalten, wie er es tut.

Außer Sie haben es mit einem Sozio- oder Psychopathen zu tun. Dann können Sie allerdings froh sein, ihn/sie loszusein :p

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helisara 26.12.2018, 20:40
181.

Zitat von konterspieler
Meine Frage war: was die interviewte Frau Konrad zu einem solchen Fall zu sagen hätte. Von einer "gerichtlichen Instanz" war dagegen in meinem Beitrag nicht die Rede, sehr wohl aber von einem Aufklärungsrecht der Eltern, wenn der Kontakt durch ein Kind ohne jede Begründung abgebrochen wird. Ihre indirekt dastehende Behauptung, jeder Kontaktabbruch müsse automatisch "triftige Gründe" auf Seiten des Kindes zur Grundlage haben, ist pure Fiktion, die allein darauf gründet das Sie sich solche Fälle nicht vorstellen können. Das ist aber nur ihre persönliche Fiktion, die Wirklichkeit - welche sich nicht nach unseren Fiktionen richtet - sieht leider anders aus. Meine Frage an die interviewte Frau Konrad bleibt deshalb wie gestellt bestehen.
Wie soll dieses "Aufklärungsrecht" in der Praxis aussehen? Welche Gründe sehen Sie als "triftig" an? Ich habe meinem Erzeuger seinerzeit einen Brief geschrieben, in dem ich ihm meine Gründe für den Abbruch darlegte. Ich weiß nicht, ob er es verstanden hat, aber meine Entscheidung habe ich aus gutem Grund getroffen, danach ging es mir wirklich besser. Ich habe es bis heute nicht bereut. Nein, es waren keine körperliche, eher seelische Mißhandlungen. Leider verstehen viele der Eltern nicht, warum die Kinder gehen, auch wenn diese ihnen die Begründung liefern.

Hier noch ein recht guter Artikel

https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2018-12/familienstreit-eltern-kinder-kontaktabbruch-liebe

Der eine Vater stalkt seine Tochter, eine Mutter begreift nicht, daß ihre Tochter sich seelisch mißbraucht fühlte, weil sie im Alter von sechs Jahren quasi Verantwortung für die Mutter übernehmen mußte.

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helisara 26.12.2018, 20:46
182.

Zitat von NauMax
Ich bin der Ansicht, dass hier eine Härtefallregelung hermuss, die zumindest Kinder, deren Eltern ihnen gegenüber gewalttätig wurden, sie erwiesenermaßen jahrelang systematischen Psychoterror ausgesetzt und/oder sie sogar sexuell missbraucht haben von ihrer Unterhaltspflicht entbindet - schlicht es (zumindest aus meiner Sicht) den Opfern dieser Eltern nicht zuzumuten ist, finanziell für ihre Peiniger einzustehen. Diese Entbindung sollte natürlich nur dann möglich sein, wenn entsprechende Fälle aktenkundig sind, aber dann auch angewendet werden. Die erwartete Anzahl derartiger Fälle dürfte sich in einem Bereich bewegen, in dem die Pflegeversicherung den Mehrbedarf an Finanzmitteln noch abfangen kann.
Theoretisch gibt es diese Härtefallregelung. Allerdings greift die in der Praxis oftmals nicht.

Erstens ist es nicht immer so einfach, die Mißhandlungen Jahrzehnte später nachzuweisen. Es gibt eventuell noch Akten des Jugendamts oder Arztberichte mit denen sich körperliche Mißhandlungen noch nachweisen lassen. Bei Psychoterror sieht es schon schlimmer aus, wenn man keine Zeugen aufweist (und das ist oftmals schwierig, denn in der Regel wollen sich die Familienangehörigen, nicht daran erinnern) entscheidet das Gericht zu Ungunsten des Kindes.

Selbst wenn es Beweise gibt und die Mißhandlungen nachzuweisen sind, wenn der betroffene Elternteil zu diesem Zeitpunkt nachweislich psychisch krank und somit unzurechnungsfähig gewesen ist.

http://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/bgh-entscheidung-kinder-muessen-elternunterhalt-auch-bei-streit-zahlen-thread-20873-3.html

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ohneeltern 27.12.2018, 10:06
183.

Auch ich habe den Kontakt zu meinen Eltern vor ein paar Jahren abgebrochen, und es war die beste Entscheidung meines Lebens.
Manchmal habe ich Redebedarf - so 100%-ig versteht das nur jemand, der das selbst durchgemacht hat. Somit die Frage: gibt es irgendwo in Deutschland eine Selbsthilfegruppe o.ä. zu dem Thema? Ich habe viel recherchiert, aber nur eine einzige (inzwischen wieder aufgelöste) Gruppe gefunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass es keinen richtigen Namen gibt... ich sehe mich als "Wahl-Waise" oder so ähnlich, das trifft es aber noch am Ehesten.

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cobaea 27.12.2018, 12:20
184.

Zitat von NauMax
Ich bin der Ansicht, dass hier eine Härtefallregelung hermuss, die zumindest Kinder, deren Eltern ihnen gegenüber gewalttätig wurden, sie erwiesenermaßen jahrelang systematischen Psychoterror ausgesetzt und/oder sie sogar sexuell missbraucht haben von ihrer Unterhaltspflicht entbindet - schlicht es (zumindest aus meiner Sicht) den Opfern dieser Eltern nicht zuzumuten ist, finanziell für ihre Peiniger einzustehen. Diese Entbindung sollte natürlich nur dann möglich sein, wenn entsprechende Fälle aktenkundig sind, aber dann auch angewendet werden. Die erwartete Anzahl derartiger Fälle dürfte sich in einem Bereich bewegen, in dem die Pflegeversicherung den Mehrbedarf an Finanzmitteln noch abfangen kann.
Diese Härtefallregelung existiert bereits. Wenn der Missbrauch nachgewiesen werden kann oder nachgewiesen werden kann, dass sich die Eltern nicht um ihr Kind gekümmert haben (obwohl sie das gekonnt hätten), besteht keine Unterhaltspflicht von Kindern gegenüber Eltern. Aber eben: es muss beweisbar sein.

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cobaea 27.12.2018, 12:29
185.

Zitat von konterspieler
mag dann gerechtfertigt sein, wenn massive körperliche oder seelische Misshandlung der Eltern gegen die Kinder im Kindesalter vorliegt - was aber ist, wenn ein Kind den Kontakt zu den Eltern oder einem Elternteil ohne jeden nachvollziehbaren triftigen Grund und ohne jegliche Begründung im Erwachsenenalter abbricht? Was sagt Frau Konrad dann dazu? Ist das dann nicht.....
Wer entscheidet denn, was ein "triftiger Grund" ist? Es kann ja sein, dass die Eltern keinen "triftigen Grund" erkennen, ihr Kind aber sehr wohl. Es gibt Fälle, in denen es Kindern im Erwachsenenalter so schlecht geht, dass sie eine ausgiebige Therapie brauchen, um mit Erlebnissen in der Kindheit fertig zu werden, und die Eltern überhaupt nicht begreifen, welches Problem ihr Kind da hat. So wenig, wie es für Kinder ein Recht gegenüber den Eltern gibt, bestimmte Erziehungsmassnahmen erklärt zu bekommen, so wenig gibt es für Eltern ein Recht, Handlungen ihrer Kinder erklärt zu bekommen. Beide stehen nicht vor Gericht.

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reachard 27.12.2018, 13:46
186. Verantwortung

Ein wirklich interessantes Thema. Den nötigen Tiefgang liefern die zahlreichen Kommentare - danke den Foristen! Die interviewte Therapeutin gibt sich wertneutral ("Als Therapeutin gebe ich keine Ratschläge"), suggeriert aber an verschiedenen Stellen, dass "trotzdem in Kontakt bleiben" das Ziel sein solle. Formulierungen wie "Täter waren häufig selbst mal Opfer" sind wenig hilfreich, sich einer Beziehung zu nähern, die massiv von asymmetrischen Machtverhältnissen geprägt ist bzw. war. Würde sie auch so sprechen, wenn sie selbst Opfer einer Vergewaltigung (ob als Kind oder Erwachsene) geworden wäre? Diese Frage sei nur zur Verdeutlichung gestellt - nicht "Verantwortung zu übernehmen" hat viele subtile Facetten, von denen manche von Außenstehenden als "normal" gewertet würden. Und welche Verantwortung hat das erwachsene Kind seinen Eltern gegenüber? Ist es seine Aufgabe, den Eltern bei der Nachhreifung zu helfen - oder handelt es sich dabei um eine Fortführung von Parentifizierung?

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oloh 27.12.2018, 14:37
187. beweisbar

Zitat von cobaea
Diese Härtefallregelung existiert bereits. Wenn der Missbrauch nachgewiesen werden kann oder nachgewiesen werden kann, dass sich die Eltern nicht um ihr Kind gekümmert haben (obwohl sie das gekonnt hätten), besteht keine Unterhaltspflicht von Kindern gegenüber Eltern. Aber eben: es muss beweisbar sein.
Nicht unbedingt "beweisbar". In der deutschen Justiz gilt das Prinzip der richterlichen Überzeugung. Wenn es starke Indizien gibt - etwa Zeugenaussagen von Angehörigen des Geschädigten wie z.B. Ehegatte, ehemalige Schulkameraden usw, also Zeugen, die nur mittelbar bezeugen können, hat das auch einen Wert.
Unmittelbare Zeugen wären natürlich unschlagbar: Etwa ein Geschwister oder der nichtschlagende Ehegatte des Schläger-Elternteils.

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gbshaw 27.12.2018, 16:30
188.

Zitat von schorsch_69
Es ist doch ein absolutes Luxus "Problem", wenn hierzulande vollumfänglich vollversorgte "Bratzen" hernach ihre Eltern nicht weiterhin sehen wollen, bestenfalls nur noch auf des potentielle Erbe schielen. Wohl denen, die ein adäquates Testament gemacht haben und solche "Bratzen" vor weiterhin "selbstverständlichen" Erfolg bewahrt haben!
Sind Sie eigentlich Zyniker oder schlicht des Lesens unkundiger Dummschwätzer?

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afsoen 27.12.2018, 16:30
189. Bewundernswert

Zitat von papier777
sich so respektlos gegenueber den Elter zu verhalten ist eine Schande Egal was ist, keiner wurde ermordet oder??? Ich hatte ebenfalls eine sehr traurige Jugend. Aleinerziehende Mutter, keine Liebe, keine Zeit, und Forderungen und ich wurde in den Fehrien in der Wohnung eingesperrt bis meine Mutter wieder von der Arbeit heimkam und das mit 16 Jahren. (schon in der Handelsschule) Aber sie war meie Mutter... In einer Zeit der 60iger Jahre eine Katastrofe. .. Aber ich hatte immer den Respekt meiner Mutter unterstuetzt. Selbst als ich dann in den 25ger(Jahren) war, ich holte sie jeden Sonntag zu mir und hab sie wieder heimgebracht. Ich wusste irgendwie hat sie empfungen, dass sie nicht alleine ist. Heute waere sie 112 Jahre alt. Ich bin 73....und ohe Geschwister... Nie haette ich sie alleinge gelasse oder einfach den Kontakt abgebrochen, wie unnanstaendig und ungezogen das ist... Ich bedauere die Eltern, die sowas erleben mussten..und muessen..
Sie haben meinen Respekt. Ihren Worten entnehme ich, dass Sie mit Sicherheit ebenso in das allgemeine Klagelied ueber Eltern einstimmen koennten. Stattdessen haben Sie getan, was Sie fuer richtig hielten, unabhaengig von den Handlungen Ihrer Mutter. Das ist bewundernswert und zeugt von unglaublicher Staerke und Guete.

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