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Familie: Warum Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen
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Manche Menschen wollen ihre Eltern nie wieder sehen, meist aus guten Gründen. Therapeutin Sandra Konrad erklärt, wie es dazu kommt - und warum die Sehnsucht nach einer heilen Familie häufig trotzdem nicht aufhört.

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Sonia 28.12.2018, 15:48
200. Rührselig

Und sie glaubt das, was ihr erzählt wird? Der Psychologe hört eine Seite u. gibt Tipps? Gut, dafür gibts Kohle und nach 50 Minuten kommt der Nächste u. kotzt sich aus. Mir sind eher Eltern bekannt, die es schafften, sich von der jammernden Y-Generation zu lösen. Eltern glauben, sie müssten noch für ihre Abkömmlinge verantwortlich sein, wenn die schon Jahrzehnte alt sind. Eltern glauben sie hätten die Pflicht, ihr erarbeitetes Vermögen zu teilen, Enkel zu hüten, sich Partnerprobleme von früh bis abends anzuhören, wie doof Chefs sind, wie gemein Kollegen .....lasst sie ziehen, diese Kinder ..erspart euch Psychiater, lebt, geniesst und vor allem, haut euer Erspartes auf den Kopf .....und schaut genau hin, warum es in sozial schwächeren Familien engere Bindungen gibt, Kinder eine gute Elternbeziehung haben, Verantwortung tragen.

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bluebill 28.12.2018, 16:38
201. Ist das nicht normal?

Junge Menschen müssen flügge werden und sich abnabeln. Ausziehen, die Welt erobern, sich selbst entdecken. (Bei vielen Tieren ist das genauso). Das bereitet den Eltern meist Probleme, denn sie wollen ihr Kind am liebsten lebenslang beschützen und kontrollieren. Loslassen ist für sie schmerzhaft, oft begleitet von Vorwürfen gegen sich selbst oder das Kind. (Das können die Tiereltern besser). Für das Kind bleibt oft nur der totale Rückzug. Wenn ein Mensch auch mit 25, 35 oder 45 noch als Kind behandelt, erzogen und gemaßregelt wird, ist es kein Wunder, dass er sich abwendet. Er fühlt sich nicht ernst genommen, nicht verstanden, genervt, eingeschränkt. Allerdings ist häufig in späteren Jahren eine Wiederzusammenführung möglich. Wenn alle Beteiligten gelernt haben, einander als Person zu respektieren.

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bluebill 28.12.2018, 17:11
202. Auch von Ihnen einseitig gesehen.

Zitat von the_tetrarch
Die Generation, die direkt nach dem Krieg sozialisiert wurde, ist zu einem bedeutenden Teil von den eigenen Eltern verkorkst. Die Sprachlosigkeit der Nachkriegszeit, das Ausblenden eigener Beteiligung oder auch nur die zufällige Existenz während der dunkelsten Phase der deutschen Geschichte führte bei deren Elterngeneration zu einer spezifischen Oberflächlichkeit, die sie erfolgreich an ihre Kinder (unsere Eltern) weitergaben. Meine Mutter berichtet hingebungsvoll die sinnlosesten und uninteressantesten Details eines beliebigen Erlebnisses, ohne mit einem einzigen Wort von ihren Empfindungen oder Gedanken zu erzählen. Sie meint das nicht böse, sie kennt es nicht anders von ihren Eltern. Ich finde dieses Kommunikationsverhalten übergriffig (Zeugs zu erzählen, was niemanden interessiert und was vollendet unerheblich ist), habe aber gelernt, einfach die Ohren auf Durchzug zu stellen. Es hat keinen Sinn. Man ändert diese Generation nicht mehr. Es gibt auch keinerlei Einsicht. Letztlich können sie ja auch nichts dafür. Eine andere Qualität haben Geschichten, in denen Gewalt / Bosheit / Kriminalität eine Rolle spielen. Ich würde mit jedem Familienmitglied ohne zu zögern brechen, käme so etwas vor.
In der Zeit vor 1960 waren Emotionen weitgehend tabu. Es gab strenge Vorgaben von "Anstand" und "Ordnung".

Während der Kriegsjahre waren viele Menschen gezwungen, zum Überleben von ihren Moralvorstellungen abzuweichen.

Nach dem Krieg schlug das in die andere Richtung aus: Die Sitten wurden äußerst prüde. Kleinfamilien zogen sich ins häusliche "Glück" zurück, wobei Frauen und Männer unterschiedliche Rollen hatten. Es galt, nach außen eine Heile-Welt-Fassade aufrecht zu erhalten - alles sauber, ordentlich und konfliktfrei.

Auch innerhalb der Familien ging man emotional distanziert miteinander um. Körperkontakt war unüblich, außer mit Kleinkindern. Über Gefühle und Bedürfnisse sprach "man" nicht, abgesehen von Filmen und Schlagermusik.

Vor diesem Hintergrund ist es nur natürlich, dass sich der menschliche Geist auf andere Dinge konzentrierte. Eben auf Details, die Ihnen heute unerheblich erscheinen. Das war die einzige gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit, in Gesprächen überhaupt auf irgendetwas näher einzugehen. - Dass Sie das nicht verstehen, ist wohl normal, Sie haben damals ja nicht gelebt. Aber Grund für den völligen Kontaktabbruch? Das halte ich dann doch für etwas übertrieben. Da kommen sicher andere Gründe hinzu.

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unaufgeregter 28.12.2018, 21:36
203. Schlechte Familienverhältnisse

Meine Frau lehnt jeden Kontakt zu ihrem Vater ab. Anfangs habe ich das nicht verstanden, weil ich meine Eltern oft und gerne besuche. Sie musste in ihrer Jugend körperliche Gewalt ertragen. Mutter und Vater haben gerne mal zugeschlagen. Ihre Mutter hat sich vor vielen Jahren das Leben genommen. Ich gehe davon aus, dass sie schon länger an Depressionen gelitten hat. Ihr Vater hatte nie ein Interesse an seinen Kindern. Wenn wir ihre Eltern mal besuchen waren, ist er sogleich in die Werkstatt verschwunden und hat sich nicht mehr sehen lassen. In den letzten Jahren hat er zu oft versucht, meine Frau und ihre Geschwister gegeneinander auszuspielen. Ein Narzisst, der es nicht ertragen kann, wenn "seine" Kinder (für die er sich eigentlich nie interessierte) einen Lebensweg einschlagen, der ihm nicht gefällt. Heute verstehe ich sie und bin der Meinung, dass sie sich vor diesem Menschen schützen muss.

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unaufgeregter 28.12.2018, 21:42
204. Wie wäre es mit Gleichberechtigung?

Zitat von bettina.riba68
Meiner Ansicht nach hängt es auch viel mit der politischen Gesinnung unserer Gesellschaft zusammen. Man will alles haben: eine große Wohnung/Haus, für jeden ein Auto, 2 x im Jahr auf Urlaub fahren/fliegen, Designerklamotten usw. Das alles kostet viel Geld. Zudem haben Frauen eine gute Schulausbildung/Studium und wollen sich auch nach den Kindern beruflich verwirklichen. Die Politik und der gesellschaftliche Druck drängt die Mütter/Väter nach der Geburt des Kindes regelrecht in die Arbeitswelt - in Österreich können - soweit ich weiß - Babys bereits ab dem 3. Monat (!) in die Krabbelstube geben. Sie lernen dort wie man sich sozial verhält; später sind sie in der Nachmittagsbetreuung und ab der Mittelschule meistens Schlüsselkinder. Die Reibungsflächen zwischen Mutter/Vater und Kind beim Hausübung machen, Müll runterbringen, Mithilfe im Haushalt etc. werden somit umgangen. Das führt dazu, dass man dann einen jungen Teenager vor sich hat, der nicht weiß, wie er mit seinen Eltern umzugehen hat. Und die Eltern wissen nicht, wie sie zu den Teenager durchdringen können. Sie haben ihren Kindern aus Zeitgründen alles Mögliche gekauft - instinktiv möchte man das eigene schlechte Gewissen beruhigen. Doch Kinder brauchen nicht nur Wärme vom Ofen sondern auch fürs Herz, Sättigung nicht nur im Magen, sondern auch für ihr Gehirn. Sie brauchen viel Zeit von einer oder zwei Bezugspersonen und nicht von einigen, fremden "Tanten". Und vor allem brauchen sie nicht so viel Spielzeug, das Krach macht. Wenn in der Kindheit (damit meine ich bis etwa zum 15. Lebensjahr) eine gesunde Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind aufgebaut wird, werden die Kinder immer wieder einen Weg zu den Eltern und umgekehrt finden, auch wenn sie räumlich voneinander getrennt sind. Mein Resümee: Gebt den Kindern die Mütter zurück, die aufgrund der Biologie eine ganz anderen Bezug zu ihnen hat. Denn noch sind es die Frauen, die sie auf diese Welt bringen. Noch, ........
Wieso sind die Mütter in der Pflicht? Wenn überhaupt, dann haben diese Pflicht die Väter zu 50 %. Dies Fixierung auf die Mutter kenne ich nur in Deutschland. Andere Länder sind da schon erheblich weiter.

Die meisten meiner Neffen und Nichten wurden übrigens recht früh nach der Geburt in einem Hort untergebracht. Ihre Eltern waren/sind in der Regel sehr erfolgreich und haben viel Freude an ihrem Beruf.

Warum muss Vater/Mutter daheim beim Windelwechseln verblöden, wenn es für solche Tätigkeiten gute Fachkräfte gibt?

Ich kann kaum glauben, dass im Jahr 2018 noch jemand einen Kommentar wie den Ihrigen abgeben kann.

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lonelyplanet67 29.12.2018, 09:55
205.

Zitat von aequidens_pulcher
Ich verstehe sehr gut, warum mein ältester Sohn den Kontakt abgebrochen hat, er hat sich von mir nicht angenommen gefühlt. Ich hatte jahrelang versucht, den Kontaktabbruch zu verhindern. Alle Gesprächsangebote an meinen Sohn, meine aufrichtige Entschuldigung, er konnte alles nicht annehmen. Wenn es ihm besser geht ohne mich, ist das für mich in Ordnung. Die Psychologin vergisst aber auch, dass Kinder möglicherweise die Schuldgefühle ihrer Eltern gegen diese verwenden. Irgendwann verwischen die Grenzen nämlich, wer was wem angetan hat! Ich würde von der Psychologin gerne erfahren, was sie Kindern sagt, wenn die Eltern ihnen immer wieder Gesprächsangebote machen, gerne auch mit psychologischer Hilfe, wenn die Eltern sich ernsthaft entschuldigen, , wie das Kind, das den Kontakt abgebrochen hat, ihrer Meinung nach reagieren soll.
Ja, das ist halt so eine Sache... vermutlich glauben meine Eltern auch, sie würden mir Gesprächsangebote machen. Meine Mutter fragt mich immer wieder: "Nun sage mir doch, was habe ich Dir getan!? Warum verhälst Du Dich so zu mir?!" Dumm ist nur, dass alles, was ich dann sage, "nicht stimmt". ICH habe SIE verletzt - sie mich selbstverständlich nie. Mit anderen Worten: sie will nur scheinbar wissen, warum ich den Kontakt - nach 30 Jahren! - abgebrochen habe. Im Grunde habe ich ihr das alles gesagt, aber es führt zu nichts - es liegt alles an mir, sie hat einfach keine Fehler gemacht. Dabei ist mir natürlich völlig klar, dass ich mich, aus den verschiedensten Gründen, auch oft falsch verhalten habe, sie verletzt habe. Aber diese Bereitschaft, die Möglichkeit, den anderen unwissentlich und unbeabsichtigt verletzt zu haben, oder ihn und sein Verhalten missverstanden zu haben, muss eben auf beiden Seiten da sein, sonst wiederholen sich die Konflikte immer und immer wieder - wie bei uns.
Hinzu kommt, dass mir erst mit 50 klar geworden sind, das meine Eltern Menschen sind, die mir einfach unsympathisch sind, die ich von ihrer Art her nicht mag. Würden sie mir auf der Straße, im Job, im Urlaub begegnen, würde ich recht bald von ihnen Abstand nehmen. Als Kind macht man das natürlich nicht, und ich hätte es auch nicht gemacht, wenn die Konflikte eben nicht so groß geworden wären, dass ich irgendwann davon krank wurde. Aus Selbstschutz musste ich den Kontakt abbrechen - nicht ganz, ich schreibe immer noch gelegentlich, aber ein Besuch halte ich für sinnlos.
Ich würde mich über einen Gedankenaustausch mit Ihnen freuen, wenn Sie mir eine Mail schreiben wollen - ich bin ja auch schon Vater, und sehe durchaus beide Seiten.

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svenlubu 29.12.2018, 10:53
206.

ich habe 30 Jahre gebraucht um mich von meinem Elternhaus zu lösen-als Kind vom Vater(Alkoholiker)oft geschlagen worden-das ging soweit, als ich 13Jahre alt war meine Mutter verteidigen mußte weil mein Vater sie im Suff verprügelte-mit 15 jahren mußten mich 3 polizisten von meinem besoffenen Vater herunterziehen und mitnehmen , da ich ihn sonst erschlagen hätte. Mit 18 so schnell wie möglich Lehre fertig gemacht und ab zum Bund-meine Mutter hatte nie den Mumm sich von meinem Vater zu trennen"wo sollen wir den hin-wie machen wir das denn finanziell" waren die Ausreden.
nach dem Tod meines Vaters wurde er von meiner Mutter immer heiliger verklärt. dann kamen die Vorwürfe, das er nur wegen uns getrunken hätte-Irgendwann hatte ich die Nase voll mir diese Tatsachenverdrehung weiter anzuhören und habe mit meiner Mutter gebrochen, erst danach führte ich mit meiner eigenen Familie ein unbeschwerteres Leben -dieses Jahr ist meine Mutter mit 84 Jahren gestorben, ich war nicht auf ihrer Beerdigung, ich kann noch nicht einmal Trauer oder Schmerz empfinden.

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kosaptes 29.12.2018, 13:29
207. Grausame Wahrheit

Ich habe den Tod meiner Mutter als Ende eines Alptraums empfunden weil sie in meinen Augen ein Mensch war der noch am ehesten mit einem Klumpen radioaktiven Materials vergleichbar war.
Das größte Problem war dabei, dass ich durch nichts auf diese Einschätzung und die damit verbunden Gefühle vorbereitet war. Nichts in meinem Leben war ein derartig unbekanntes Land, dass ich da betrat. Die allgemeine Einschätzung, dass ein seelisch gesunder Mensch, seine Eltern liebte, war eine perfekte Falle die sich gegen den Geschädigten, also in diesem Fall mich wandte.
Es hat lange Zeit gedauert bis ich zu meiner Einschätzung kam und mir ihrer sicher war. Gegen alle Beschwichtigungsversuche und Schuldzuweisungen meiner Umwelt, die nicht glaubte dass meine Gefühle berechtigt sein könnten. Gegen alle Selbstzweifel die meine Haltung immer wieder in Frage stellten, die immer wieder für möglich hielt, dass ich hier das Problem wäre.
Erst als eine Freundin bei einer Begegnung bestätigte, dass meine Einschätzung zuträfen verblassten die Zweifel langsam.
Nun ist es vorbei, die Zeit in der ich Kind war ist eine langsam verblassende Erinnerung. Gut so!
Ich wünschte ich hätte diesen Artikel früher gelesen.

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Rechtschreibprüfer_der 30.12.2018, 11:51
208.

Zitat von clarissa_mclen_bourgh
Und wenn Kinder sich trennen-obwohl es keine Gewalt, keinen Missbrauch gab? Keine großen Streits, kein Abbruch der Beziehungen bisher.Nichts von alledem. Wenn Eltern zurück bleiben, die nicht wissen, warum die KInder den Kontakt abgebrochen haben, wenn einfach gar nicht mehr geredet wird? Einfach alles weg ist? Keine Möglichkeit besteht, irgend etwas zu klären? Und das WARUM? eine nie geschlossenen Wunde ist. Wie soll man sich denn auseinander setzen, wenn man soweit möglich, für die Kinder getan hat, was man konnte, genug Unterstützung da war, Freiheiten zur Genüge und immer zusammen gehalten wurde. Und dann wirklich!!! von jetzt auf gleich alles abgebrochen wird? Wir haben uns, so gut es geht, arrangiert. Ich lüge nicht, wenn Nachbarn oder Famiilienangehörige fragen. Ich sage, dass kein Kontakt besteht, und das wir nicht wissen, warum. Wir bleiben auch nach 2 Jahren zurück- ratlos, fassungslos und stellen uns selbst täglich komplett in Frage.
Eltern können die erwachsenen Kinder auch langweilen. Die ewiggleichen Telefonate (wie gehts dir, was machst du, wieso meldest dich so selten), ewiggleiche Gespräche, Dialoge, Feiern, ect. Nur weil diese Menschen Eltern sind, müssen sie nicht automatisch auch die erstbesten und interessantesten Bezugspersonen sein.

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cygnus_ 30.12.2018, 13:10
209. Familiensituation / Kontaktabbruch / Elternunterhalt

Die Beitragsreihe im Spiegel Online Forum sollte erweitert und in verschiedene Kategorien aufgeteilt werden: Familiensituationen, Elternunterhalt und Kontaktabbrüche bei Eltern / Kind. Für mich war es eine richtige Befreiung nach langem Kampf endlich den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen. Die jahrelange schwerer Depression / Suizidalität und die wiederkehrenden Vorwürfe / physischen Misshandlungen waren nicht mehr auszuhalten. Es hatte sich bei mir in der Kindheit eine Suggestivwirkung (eine Art Ko-Sucht) eingestellt.

Im Prinzip hat sie jetzt erst die Möglichkeit eine Therapie zu beginnen. Das ich nun Elternunterhalt für ihre Behandlung zahlen soll, kann ich nicht nachvollziehen (ethische, moralische Argumente gab es ja bereits in vorherigen Beiträgen). Das Gerichtsverfahren wirbelt die Kindheit erneut auf und bedeutet für mich einen Rückschritt in der eigenen "Heilung". Die Formulierungen des Sachbearbeiters haben mich schockiert, die Art und Weise des Schriftwechsels sind unter der menschlichen Würde. In den Brief wurde zum Teil massiver Druck auf ausgeübt und ein Gerichtsverfahren bereits zu Beginn in Aussicht gestellt. Der Sachbearbeiter hat sogar nicht vor persönlichen Vorwürfen zurückgeschreckt. Die zugrundeliegenden Berechnungen sind intransparent, unterscheiden sich von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter und die Gesetze sind schwammig formuliert. Außerdem ist der Sparsame ohne Kredite wirklich der Dumme bei der Unterhaltsberechnung. Die Gesetze zum Elternunterhalt basieren auf altertümlichen Großfamilien mit mehreren Kindern und die Kostenübernahme auf mehrere Schultern.

Das Thema Elternunterhalt soll nach Rückfrage per E-Mail bei verschiedenen Politikern (SPD und CDU) im Jahr 2019 auf die Tagesordnung kommen (es steht ja im Koalitionsvertrag). Ein Gesetzesentwurf soll von Bundesminister Heil eingebracht werden. Für mich ist dies ein Tropfen Hoffnung, nicht die Verantwortung für die falsche Lebensplanung meiner Mutter übernehmen zu müssen. Wie der Gesetzesentwurf aussehen wird, bleibt abzuwarten...

Am Ende kann ich nur jedem empfehlen mit den eigenen Eltern frühzeitig über Pflegeversicherung, Testament und Patientenverfügung zu sprechen. Sollten sich die Eltern weigern oder "um den heißen Brei herumreden" sollte man selbst aktiv werden und das Gespräch fordern. Außerdem sollte man bereits rechtzeitig vor Eintreffen des ersten Elternunterhalt Briefs vorgesorgt und mit einem Familienrechtsanwalt gesprochen haben (um das Schlimmste zu verhindern). Es kann wirklich nicht sein, dass durch fehlerhaftes Verständnis zu Pflegeversicherung und Altersvorsorge die eigenen Kinder in ihrer Lebensplanung beinträchtigt werden.

Zum Punkt Familiensituation: Es würde mich schon sehr interessieren, wieviele der in den Medien / Werbung beschriebenen Traumfamilien in der Realtität wirklich existieren (also ohne Kontaktabbrüche, ohne Gerichtsverfahren, ohne Gewalt und ohne schwierige Kindheit)... meine Hypothese: es sind deutlich unter 50 % der Familien in Deutschland.

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