Forum: Leben und Lernen
Fehlende Schulpsychologen: Mangelverwaltung schulischer Probleme
DPA

Ein Schulpsychologe für knapp 7000 Schüler - das ist der mickrige Schnitt in Deutschland. Eine ausreichende Unterstützung von Kindern, Eltern und Lehrkräfte ist da kaum möglich. Und in einigen Bundesländern ist es noch schlimmer.

Seite 3 von 5
Jimi 16.07.2019, 14:39
20. Pfeiffer mit drei F ...

In der Welt hat sich einiges verändert, in der deutschen Schule wenig. Die deutsche Schule mit ihren vom alten Fritz verabreichten 30 Schülern pro Klasse und dem Nürnberger Trichter, gefüllt von Frontalakteuren, die weder im Austausch mit dem/der Nachbarfachkollegenn/in noch im Gespräch den einzelnen Schüler sein können. Aber ein deutsches „Erfolgsmodell“ entwickelt sich leider langsam. Leider sind die Anforderungen komplexer und der Umgang rauer geworden. Aus Schulämtern kommt statt Beratung und Menschenführung viel Bürokratie an die Adresse von Schulleitungen (wenn man noch welche findet)... Differenzierung, fächerübergreifendes Lernen, Teamteaching, Lehrerteams, kooperatives Lernen, zeitgemäße neue Schulfächer, Medieneinsatz auf der Höhe der Zeit... alles denkbar, aber im Alltag kaum machbar, wenn man als eines der reichsten Länder der Welt ein Faible fürs Separieren und für Hierarchien hat und dazu noch sehr geizig ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kezia_BT 16.07.2019, 14:46
21. Kein Wunder!

Es kann auch niemand erwarten, daß Kinder, die mit knapp einem Jahr in die KITA gesteckt werden, sich normal und stabil entwickeln. Das ganze Geld für Kitas, Schulpsychologen und ähnliche Reparateure eines kaputten Systems ließen sich sparen, würde man drei ganz andere Bereiche fördern:
1. Kostenlose Verhütungsmittel für alle
2. verpflichtende Kurse für alle werdenden Eltern, notfalls eben nur werdende Mütter - im Falle der Verweigerung folgt Jugendamtsaufsicht
3. ein ordentliches Gehalt für einen Elternteil für drei Jahre, für die Erziehung des Kindes (allerdings für nicht mehr als zwei Kinder), geknüpft an den Besuch weiterer Kurse und regelmäßiger ärztlicher Untersuchungen.

Diese drei Maßnahmen würden Milliarden einsparen und unzählige Kinder vor großem Leid bewahren - leider passen sie nur einer Gruppe nicht - den Arbeitgebern, die nicht auf die Mütter verzichten wollen, ebenso wie den durch sie angeheizten Super-Feministen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
blabla55 16.07.2019, 15:04
22.

Zitat von BöwaM
Ich kann mich nicht erinnern, das wir damals Schulpsychologen hatten. Aber wir hatten Eltern. Die haben einen erzogen. Manchmal auch streng. Und zu Leistungen angehalten. Ausreden nicht akzeptiert. Bin ich ihnen auch heute sehr dankbar für. Sonst wäre ich wohl nicht da, wo ich bin. Und wir waren 36 Mann in der Klasse. Allerdings homogen. Da brauchten wir nicht jeden Tag das Zusammenleben neu aushandeln.
Es hilft alles nichts,früher war alles besser.Wir müssen uns den heutigen Problemen stellen.Sollte schon bei der Ausbildung der Pädagoden beginnen,den heutigen Anforderung entsprechend mit neuen Lernfächern.Natürlich beginnt das Drama im Elternhaus aber im diesen Bereich fehlt es ja auch am Personal und Geld.Überall im Sozialbereich Mängelverwaltung und das nicht erst seit heute.!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Streifenhörnchen15 16.07.2019, 15:15
23.

@Nummer 21, kezia_BT
Meinen Sie nicht, dass Sie sich in einem totalitären System besser aufgehoben fühlen würden? Wo der Staat noch so richtig schön Regeln aufstellt, wer sich fortpflanzen darf und wer nicht?
Das Gefühl stellt sich hier bei einigen Kommentaren ein, dass noch nicht alle in der Nach-Prügelstrafen-Zeit angekommen sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
egonv 16.07.2019, 15:51
24.

Eine dichtere Betreuung durch Psychologen wäre wünschenswert und könnte das ein oder andere Problem frühzeitig abwenden. Ich möchte nur auf Gruppenvergewaltigungen durch 12 Jährige verweisen.
Sicher ist mehr Personal kein Allheilnittel, aber notwendiges Kriterium für eine Verbesserung.
Man kann immer sagen "früher war das so und so", Fakt ist aber: Die Welt war eine andere als heute, vieles war einfacher und weniger komplex, viele Probleme wurden nicht erkannt und bearbeitet. Um nur ein Beispiel zu nennen: Missbrauch in der Kirche, Familie etc. gab es auch in den 60ern, nur hat es keinen interessiert.
Außerdem muss auf Seiten der Elternhäuser etwas getan werden, denn viele psychische Probleme haben hier ihre Heimat und eben nicht im Pflichtbesuch der Schule. Das sollten sich insbesondere Eltern zu Herzen nehmen, die an die böse Schule und die heile Welt zuhause glauben, die Wahrscheinlichkeit damit falsch zu liegen ist aufgrund einer einseitigen Perspektive doch sehr hoch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rainer-rau 16.07.2019, 17:32
25. Wir hatten aber

Zitat von BöwaM
Ich kann mich nicht erinnern, das wir damals Schulpsychologen hatten. Aber wir hatten Eltern. Die haben einen erzogen. Manchmal auch streng. Und zu Leistungen angehalten. Ausreden nicht akzeptiert. Bin ich ihnen auch heute sehr dankbar für. Sonst wäre ich wohl nicht da, wo ich bin. Und wir waren 36 Mann in der Klasse. Allerdings homogen. Da brauchten wir nicht jeden Tag das Zusammenleben neu aushandeln.
auch kein Internet mit den asozialen Netzwerken. Dadurch waren unsere Chancen zu einigen Fehlentwicklung wesentlich geringer. Schade, dass dann so eine konsumorientierte Generation dabei herauskam. Bei den heutigen Erkenntnissen und den Informationsmöglichkeiten könnte es besser laufen - ein paar clevere Jugendlichen machen Hoffnung, auch gegen den Widerstand von Lindner, Suding und anderen Verlustangstgebeutelten. Übrigens ist gerade Herr Lindner ein Musterbeispiel für die Mentalität eines großen Teils der jungen Generation von "damals".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
77kremer 16.07.2019, 17:46
26. Was will man eigentlich?

Zu sunnys1deup: Ich kann Ihren Frust verstehen, aber als Lehrer, der natürlich auch viel Vertretungsunterricht geben muss, erzähle ich Ihnen einmal, wie dieser Vertretungsunterricht im Alltag aussieht: Man erhält als Lehrer oft wenige Minuten vor seiner "Freistunde" (in der man meist nicht einfach herumsitzt, sondern arbeitet, also korrigiert, Unterricht präpariert etc.) mitgeteilt, dass man jetzt in der 8b die Kollegin X sofort vertreten müsse. Man kennt unter Umständen die Klasse nicht, also keinen Namen dort. Oft ist der Unterricht fachfremd, also als Deutschlehrer geht man dann in eine Klasse, die jetzt eigentlich Mathe hätte. Die Schüler und Schülerinnen springen nun natürlich nicht jubelnd auf und rufen: Au, ja, schön, dass der Unterricht nicht ausfällt, weil unsere Mütter und Väter das gar nicht gut finden!, sondern sie sind: genervt. Sie wollen also Quatsch machen, spielen, nichts tun, tausend Vorschläge jenseits von diesem einen: Unterricht. Ich unterrichte drei Fächer, recht korrekturintensiv, aber ich bin eben kein Mathelehrer, ich weiß auch nicht, was sie in der letzten Stunde drangenommen haben. Eine Frage in der Klasse ergibt, wie üblich, zehn verschiedene Meinungen. Bestenfalls hat der Kollege dem Sekretariat eine Email geschrieben mit genauen Angaben, vielleicht steht sogar etwas Genaueres im Klassenbuch, meistens aber weiß man: nichts. Deutsch-Sachen hat die Klasse an diesem Tag nicht dabei, ein Blick auf den Stundenplan erhellt, ob die Schüler flunkern oder Recht haben. Das alles ist anstrengend, denn man muss sich Autorität verschaffen. Unter Umständen meinen einige Schüler mal so richtig die Sau rauslassen zu müssen beim Vertretungslehrer. Der kämpft dagegen an und verschafft sich Respekt. Im Schnitt 72 Entscheidungen sind auch in dieser Stunde zu treffen (ermahne ich den Jungen mit dem blauen T-Shirt? Gestatte ich, dass drei Fenster aufgerissen werden und der Lärm von draußen jedes Gespräch unmöglich macht oder nicht, wenn ja: für wie lange? Frage ich die traurige Schülerin in der zweiten Reihe, was los ist? Jetzt oder nach der Stunde usw. usw.) Schon sind die 45 Minuten herum. Theoretisch muss ein verbeamteter Lehrer drei Stunden im Monat unentgeltlich vertreten, und nein, ich jammere nicht darüber, das ist okay. Praktisch vertritt er nahezu aber unbegrenzt. Alles mehr als drei Stunden wird eben flugs als "Aufsicht" deklariert, was ja nach Meinung der Administrationsbetonköpfe keine Arbeit ist, nur ein lockeres Drüberschauen nach dem Motto: "Ruft mich mal leise, wenn ihr was braucht, ich korrigiere inzwischen ein paar Geschichtsklausuren". Was für ein Unsinn! Wer nur einmal HEUTZUTAGE in einer Klasse mindestens von der Unter- bis zur Mittelstufe an einer Schule egal welcher Schulform Unterricht vertreten hat, der weiß, dass dies nicht funktioniert.
DAS ist der Alltag, der bei den knappen Ressourcen oft auch gar nicht anders zu regeln ist. Das ist das Gleiche wie der Mangel an Schulpsychologen. Was will man eigentlich? Eine gute Bildung kostet Geld und braucht genügend Ressourcen. Wenn man alles mit der heißen Nadel strickt, dann kann man eben kein bestes Abendkleid erwarten, sondern Freizeitklamotten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dodgerone 16.07.2019, 19:10
27.

Zitat von Newspeak
Auch wenn frueher nicht alles besser war, muesste sich man doch mal fragen, wieso 50 Jahre lang Schueler in Deutschland erfolgreich unterrichtet werden konnten, ohne dass es eines Schulpsychologen bedurfte? Wieso kann man nicht aus der Vergangenheit lernen? Wieso kann man sich funktionierende Systeme nicht von Nachbarlaendern abschauen? In Deutschland ist man staendig am Herumpfuschen, entweder man verschlimmbessert funktionierende Systeme oder ist selbstgerecht beratungsresistent. Die ganze Kultusbuerokratie gehoert auf den Muell. Das Einzige, was dort regelmaessig produziert wird, ist Chaos, unter dem Schueler, Lehrer und Eltern leiden.
Ganz so einfach ist es nicht (wobei ihr Hinweiss auf das Ausland Gold wert ist, denn gerade in Skandinavien geht es). Aber: die Welt hat sich geändert.
Der Respekt vor Staat und Authoritäten ist generell weniger geworden, woran auch der Staat eine grosse Schuld hat. Natürlich bedarf es Psychologen für Probleme in den Schulen. Was es aber v.a. braucht sind Konsequenzen in unserer Gesellschaft... und nicht nur immer da wo es keinem weh tut.
Eltern sollen Hilfe bekommen, andererseits aber auch Konsequenzen spüren, wenn sie ihre Kinder vernachlässigen bzw. ihrem Erziehungsauftrag nicht nachkommen. Das kann die Schule dann aber nicht auch noch reparieren sollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
thoms1957 16.07.2019, 19:34
28. Von wegen "Bildungsrepublik Deutschland "

An solchen Zahlen erkennt ma immer wieder mal, was unseren Politikern aber auch der Gesellschaft die Erziehung und Bildung ihrer Kinder wert ist: Möglichst wenig. Es gibt viel zu wenige Lehrer und Sozialarbeiter, Schulgebäude vergammeln, die Ausstattung ist oft nicht zeitgemäß. Konstante ca. 10% eines jeden Jahrgangs gelten als " nicht ausbildungsfähig". Fehlende Schulpsychologen sind da nur ein Teil des Bildungselends.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hagbard 16.07.2019, 22:37
29.

Zitat von Newspeak
Auch wenn frueher nicht alles besser war, muesste sich man doch mal fragen, wieso 50 Jahre lang Schueler in Deutschland erfolgreich unterrichtet werden konnten, ohne dass es eines Schulpsychologen bedurfte?
War das denn so?

Dass es früher keine Schulpsychologen gab, heißt nicht, dass keine gebraucht worden wären.

Und wer sagt, dass Schüler früher erfolgreich unterrichtet worden sind?

Weder war früher alles besser noch ist heute alles gut. Aber die Einrichtung der Schulpsychologen gehört sicher zu den eher sinnvollen Einrichtungen. Früher hat den Job der Vertrauenslehrer mehr schlecht als recht (mit-)gemacht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 5