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Foodsharing: "Wie und wo ich das Essen verteile, steht mir frei"
Lars Berg / imago images

Wer Lebensmittel aus Müllcontainern nimmt, soll nicht mehr bestraft werden können - diese Pläne verfolgt der Hamburger Justizsenat. Hier erzählt eine Studentin, wie sie sich jetzt schon als Essensretterin engagiert.

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hegoat 01.06.2019, 13:04
1.

Wenn die 22-jährige"Jurastudentin" behauptet, dass Containern "nach derzeitiger Rechtslage Diebstahl" sei, sollte sie vielleicht nochmal das 3. Semester wiederholen und sich mit dem Begriff Dereliktion beschäftigen. Ob Containern nämlich strafbar ist, ist genau deswegen durchaus umstritten. Da gibt's keine "Rechtlage".

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shardan 01.06.2019, 13:23
2. Zweischneidig

Auf der einen Seite: Es ist sicher gut und richtig, dass solche Lebensmittel nicht in den Müll wandern. Zuviel Ressourcen stecken in solchen Lebensmitteln, von Wasser über Dünger, Erdboden, Energie usw. Verwenden statt wegwerfen ist schon gut zu heißen. Auf der anderen Seite: Es ist ein Armutszeugnis und ein Zeugnis der Ungleichverteilung für ein so reiches Land wie Deutschland, dass Menschen darauf angewiesen sind, Lebensmittel aus Abfallcontainern zu sammeln. Der Hamburger Justizsenat gesteht mit dem Vorgehen das völlige Versagen des Sozialstaats ein. Daneben sollte die junge Dame vielleicht nochmal etwas genauer in die Gesetze schauen: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass das rechtlich ein Diebstahltatbestand ist. Es gibt den Begriff der Dereliktion, letztlich besagt das hier nichts anderes, als dass Wegwerfen mit dem Verzicht auf das Eigentumsrecht einhergeht. Ohne Eigentumsrecht gibt es aber keinen Diebstahl.

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olivergarch 01.06.2019, 13:36
3. Doppelte Schande für dieses Land

Warum nicht Lebensmittel gleich neben dem Müll bereitstellen, statt sie erst entwürdigend in Mülltonnen zu schmeißen, wo Idealisten sie zwischen wirklichem Müll erst wieder herauskramen müssen. Ein krankes Land im Überfluss, das den Wohlstand von gestern verfrühstückt, und den Blick für das untere Drittel und die Wasserträger der Gesellschaft verloren hat. Gefährliche Entwicklung!

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three-horses 01.06.2019, 13:44
4. Der Grund ist der Folge egal.

Zitat von hegoat
Wenn die 22-jährige"Jurastudentin" behauptet, dass Containern "nach derzeitiger Rechtslage Diebstahl" sei, sollte sie vielleicht nochmal das 3. Semester wiederholen und sich mit dem Begriff Dereliktion beschäftigen. Ob Containern nämlich strafbar ist, ist genau deswegen durchaus umstritten. Da gibt's keine "Rechtlage".
Na, dann probieren Sie das mal. Und dann vielleicht bis nach Karlsruhe. Von Anfang bis Ende Beamte...nicht Menschen. Hier kommen die gleich mit zwei Autos und Blaulicht. Und wenn Sie das schon angesprochen haben..."de.wikipedia.org/wiki/Dereliktion"...
da kann man nachlesen warum Sie ins Knast wandern.

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inge-p.1 01.06.2019, 13:52
5.

Sosieht der Kampf für die Abgehängten der Gesellschaft nach grünem Rezept aus: Der Hamburger Justizminister möchte aktuell seine Kollegen der anderen Bundesländern davon überzeugen, das Einsammeln von Lebensmitteln aus Müllcontainern zu legalisieren.
Kann man eigentlich das eigene Versagen noch plastischer machen, wenn es darum geht, die Würde der abgehängten Deutschen auf diese Weise mit Füßen zu treten, wenn eine Antwort auf die dringende Fragen der Armutsbekämpfung darin bestehen soll, den Menschen den Mittagstisch aus Mülltonnen zu legalisieren?

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mescal1 01.06.2019, 13:56
6. So, jetzt setz ich mich schon wieder in die Nesseln

da ich schon wieder nicht mit der "Gutheitsmeinung" konform gehe.
Auch wenn es kein Diebstahl wäre/ist, Nahrung aus dem Container zu nehmen, sehe ich trotzdem Probleme für die Unternehmen.
Denn wenn alle nur noch Essenreste essen würden, woher soll dann der Umsatz, der Gewinn kommen? Wer zahlt dann für die Ware?
Ja, erstmal ist das Geld für die weggeschmissene Ware sowieo weg.
Aber jede der dieses Zeugs isst, der kauft nicht mehr ein. Deshalb geht Umsatz verloren.
Weniger bestellen seitens der Unternehmen und dann halbleere Regale haben, Milch alle, Joghurt alle? Ja, dann ist das Geschrei auch wieder groß.
Nein, Ware in den Conainer und dann sofort zusammen pressen. Wäre meine Lösung.
Pech fürs Containern.
Sollen sie sich eine Kuh halten und selber Ausbuttern, Feld und selber anbauen, Ofen und selber backen.

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daddeldumm 01.06.2019, 14:02
7. Oh liebe Einfalt...

Ich war zwei Jahre "Kunde" der Tafel, ein Jahr habe ich ehrenamtlich 6 - 12 Stunden die Woche mitgearbeitet. Weder würde ich das Essen aus der Tafel noch das der Foodsharer (zwei verschiedene Modelle, die von unterschiedlichen Kasten genützt werden) konsumieren. Im Fall der Tafel, da die gespendeten Nahrungsmittel vor Abholung von den Supermärkten durchweg im Müll und im vergammelten Gemüse gelagert werden ("Wenn ihr den Müll den nicht auch mitnehmt, spenden wir gar nichts mehr!"), im Fall der Foodsharer weil beim Abholen von Hotels und Restaurants die Kühlkette eh unterbrochen ist (vgl. die Studentin, die das Essen in 5-10 l-Eimern auf dem Fahrrad (!) abholt und erst dann ins Kühlhaus bringt. (Abgesehen davon daß man *nichts* konsumiert, was schon beim Gast bzw. auf dem Büffet stand, so jedenfalls die eiserne Regel in Küche, Service und Spüler.) Aber das Hauptroblem ist eher dieses: Deutsche haben ein größeres Probleme damit, Essen in den Müll zu werfen als Leute vor der Gosse zu bewahren. Tafelkunden haben ein Recht auf gesundes Essen, nicht die gesundheitsschädigendes Reste, für die sie dann auch noch dankbar sein sollen. Und Foodsharer nützen das Müllessen ja nicht, weil es gesund oder preiswert oder "noch verwertbar" ist -- sie tun es, um sich von anderen abzuheben. Besserfressis halt.

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Hamberliner 01.06.2019, 14:15
8. auch Riesenportionen ein Problem

Das Problem ist auch dem Missstand geschuldet, dass es dem Einzelhandel erlaubt ist, abgepackte Lebensmittel, die sich nur als Ganzes zubereiten und verzehren lassen, in Portionen für mehr als eine Person zu verkaufen. Vor allem Fleisch. Es ist eine beleidigende Diskriminierung von Singles, die arbeiten anstatt werktags zuhause herumzukochen. Wenn ich mir beispielsweise am Wochenende mal gerne Reis mit Gulasch und Erbsen gönnen möchte, oder ein kleines Steak, finde ich im Supermarkt, dessen Fleischtheke vor Jahren wegrationalisiert wurde, nicht die 150 bis maximal 180 g, die mir als appetitlosem Diabetiker reichen würden. Von einer Riesenportion für Paare und Familien bliebe gigantisch viel übrig, das am nächsten Wochenende schon verdorben wär und das ich auch bei der Tafel, die bei mir auf dem Nachbargrundstück ein Logistikzentrum betreibt, nicht loswerde, weil die angebrochene Packungen Fleisch nicht annehmen dürfen.

Auch Kantinen und ähnliche Alltagsverpflegungsbetriebe (ich esse werktags in einer Sodexo-Kantine) machen denselben Fehler. Anstatt ein Buffet zum selber portionieren anzubieten portioniert das Personal, und ein viel zu geringer Anteil der Speisen lässt sich auch als halbe Portion bestellen. Wenn man nach dem Essen hochkonzentriert weiterarbeiten muss anstatt einen Mittagsschlaf zu halten und dementsprechend nur wenig essen darf, bleibt einem nichts anderes übrig als die Hälfte unaufgegessen aufs Geschirrband zu stellen.

Das Foodsharing-Netzwerk dieser Studentin hat eine durchaus nützliche Öffentlichkeitswirksamkeit, ich finde es in der Form aber niedlich und unpraktikabel, vor allem die extremistische Regel, dass wegzuwerfendes nicht minimiert, sondern radikal vermieden werden soll, und der viel zu hohe Zeitaufwand.

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geotie1 01.06.2019, 14:30
9.

Lebensmittel soll nach Wunsch einiger nicht mehr verteilt werden dürfen, weil es als Diebstahl gilt, Menschen dürfen nicht aus Seenot gerettet werden, sonst werden die Seeleute bestraft und das Schiff beschlagnahmt, Subventionen bekommen reiche Firmen während die kleinen Firmen Unterstützung mit Papierkrieg totgeschlagen werden, bei Steuerprüfungen wird bei den Großen eher mal ein Auge zugedrückt, dem Penner wird die Hilfe verweigert von der Bevölkerung verweigert, weil der Arbeitsfaul ist, dem Asylanten wiederum nimmt unsere Arbeit und auch die Frauen weg etc. Vieles davon sind Beispiele aus Deutschland, anderes aus dem Ausland!
Die Welt kann schon ungerecht sein, was auch an der Natur des Menschen liegt. Da wir aber denken können, kann man dagegen vorgehen!

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