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Forschungsgelder: Uni-Professoren werben im Schnitt 266.000 Euro ein
Oliver Berg / DPA

Die Summe der Drittmittel, die von deutschen Professoren eingeworben wurden, ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Besonders erfolgreich beim Sammeln von Forschungsgeldern waren drei technische Universitäten.

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Newspeak 10.09.2019, 16:53
1. ...

Die Auflistung dieser Zahlen erscheint mir relativ sinnlos, weil man zum einen Aepfel mit Birnen vergleicht (z.B. die Drittmittel der Unis, ohne Angabe, wie gross diese Unis eigentlich sind) oder eben nur triviale Informationen entnehmbar sind (grosse Unis bekommen mehr Drittmittel, teure Faecher bekommen mehr Drittmittel). Selbst die Durchschnittsangabe pro Professor ist nicht sehr informativ. Es gibt Professoren, die haben eine Gruppe von 50 Leuten und solche, die haben vielleicht 5 Mitarbeiter. Wer wird wohl die meisten Drittmittel bekommen?

Im Grunde handelt es sich um ein dummes System. Das Geld ist sowieso da und muss verteilt werden. Man bindet nur Kraefte durch sinnlose gegenseitige Konkurrenz, weil man damit angeblich Exzellenz sicherstellen will, nur komischerweise gewinnt sein Jahrzehnten kein Deutscher mehr den Nobelpreis (zumindest nicht, wenn es darum geht, dass der Forscher in Deutschland ausgebildet wurde, und hier seine Forschung betreibt, und auch nicht, wie Hell, zwischendurch vergrault wurde, und seine Forschung nur retten konnte, weil man in einem anderen Land an ihn geglaubt hat).

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TS_Alien 10.09.2019, 17:24
2.

Der Nobelpreis wird überschätzt. Wie viele andere Preise auch. Spitzenforschung macht sich nicht an Preisen fest. Wer sich in einem bestimmten Gebiet auskennt, der weiß, dass es viele bahnbrechende Ergebnisse gibt, von denen kaum eine bzw. kaum einer der beteiligten Forscher mit einem Preis ausgezeichnet wird. Es reichen die Anerkennung und der Respekt der Fachkollegen.

Ich kenne keinen Professor mit 50 Mitarbeitern. An einer Uni sind viele Stellen durch Drittmittel finanziert. Bei 50 Mitarbeitern müsste ein Professor einige Millionen im Jahr an Drittmittel einwerben. Das ist ungewöhnlich viel bzw. kaum zu schaffen. Denn viele Projekte laufen nur wenige Jahre, so dass ständig Anschlussfinanzierungen durch neue Projekte notwendig wären.

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gesichter 10.09.2019, 17:35
3.

In Köln würde man sagen: Wem sing Brot ich ess, dem sing Leed ich's sing. Deshalb pfeifen auch die so wichtigen Gesellschaftswissenschaften finanziell auf dem letzten Loch, weil sie nicht so viel Geld Einbetteln können.

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kunibertus 10.09.2019, 19:47
4. Darin sehe ich ein großes Problem.

Eigentlich sollte ein Prof forschen und lehren. Aber er benötigt mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit damit, Förderanträge bei allen möglichen Zuwendungsgebern zu schreiben, damit er einen Assistenten - befristet - beschäftigen kann, der ihn dann wenigstens bei den Vorlesungen unterstützt. Der ständige Vergleich zu den eingeworbenen Mitteln pro Professor führt dann letztlich dazu, dass in den Dekanatsbesprechungen "Noten" verteilt werden. Der Kollege X ist ein hervorragender Kollege , er hat gegenüber Kollegen Y mehr als dreimal soviel Drittmittel eingeworben. Dabei kommt überhaupt nur ein Teil der eingeworbenen Drittmittel im Fachbereich an. Es gibt Hochschulen, an denen bis zu 50% im Haushalt verschwinden. Das jeweilige Land geht bei der unzureichenden Hochschulfinanzierung leider mit Recht davon aus, dass sich die Einrichtungen schon helfen und die Finanzierungslücken schließen werden. Letztlich leiden - wie schon gesagt - an der Drittmittelfinanzierung Forschung und Lehre.

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kayakclc 10.09.2019, 21:34
5. Seltsam

Zitat von kunibertus
Dabei kommt überhaupt nur ein Teil der eingeworbenen Drittmittel im Fachbereich an. Es gibt Hochschulen, an denen bis zu 50% im Haushalt verschwinden.
Ich in meiner Naivität dachte, die Drittmittel würde die Drittmittelgeber für die beantragten Projekte bereitstellen: Dazu muss Personal angestellt werden und Geräte nach Antrag gekauft. Wie so da 50% im Haushalt verschwinden? Kann es sein, das hier Drittmittel mit Overhead verwechselt wurden, die zu 100% von der Uni für Verwaltungskosten verwendet werden müssten, und daher in der Uni-Verwaltung bleiben?

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Bonzenwagenfahrer 10.09.2019, 23:08
6. @#2

Eine Professorin mit 50 Doktoranden, zb. https://www.mpip-mainz.mpg.de/5523688/People

Gern geschehen

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sabine_fauer 11.09.2019, 07:17
7.

Das Ganze ist extrem kritisch zu sehen. Es darf nicht Aufgabe von Universitäten sein, Industrieforschung zu machen. Das soll die Industrie selbst tun. Dieses Geheische nach Kohle ist einer Uni abträglich. Die Uni muss sich auf die Lehre konzentrieren. Den Tiefpunkt dieser Entwicklung markiert ist wohl die Technische LIDL-Unisversität München.

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kunibertus 11.09.2019, 08:32
8. Auf die vorkalkulierten

Zitat von kayakclc
Ich in meiner Naivität dachte, die Drittmittel würde die Drittmittelgeber für die beantragten Projekte bereitstellen: Dazu muss Personal angestellt werden und Geräte nach Antrag gekauft. Wie so da 50% im Haushalt verschwinden? Kann es sein, das hier Drittmittel mit Overhead verwechselt wurden, die zu 100% von der Uni für Verwaltungskosten verwendet werden müssten, und daher in der Uni-Verwaltung bleiben?
Personalkosten gibt es je nach ZG einen Gemeinkostenzuschlag von 100 - 120%. Da diese Kosten nicht im Detail nachgewiesen werden müssen - wie z. B. die Personalkosten durch die Gehaltsnachweise oder Materialkosten durch Rechnungen und Zahlungsbelege - wird dieser Overhead von der Verwaltung für eigene Bedürfnisse verwendet. Von diesem GK-Zuschlag könnten natürlich auch in den Fachbereichen weitere Geräte oder Materialen für Forschung und Lehre angeschafft werden, aber die Hochschule muss Prioritäten setzen. Dass gerade die TH den größten Anteil an den Mitteln abgreifen ist kein Zufall, sondern systembedingt. BMBF und BMWi fördern technologieorientierte Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und Hochschulen. Da hat nun mal ein Prof dieser Fachrichtungen bessere Beziehungen zu Unternehmen als ein Geisteswissenschaftler - dem dürfte es auch schwer fallen in einem Projekt die Innovation und das erhebliche technische Risiko nachzuweisen. Der Nachteil für den Technikprof ist allerdings, dass er zwei Anträge schreiben - und später auch abrechnen - muss, den für seinen Fachbereich und den für das Unternehmen, denn dort ist nur sehr selten die entsprechende Kompetenz vorhanden. Aber, was tut man nicht alles für seinen Fachbereich.

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kunibertus 11.09.2019, 08:34
9. Auf die vorkalkulierten

Personalkosten gibt es je nach ZG einen Gemeinkostenzuschlag von 100 - 120%. Da diese Kosten nicht im Detail nachgewiesen werden müssen - wie z. B. die Personalkosten durch die Gehaltsnachweise oder Materialkosten durch Rechnungen und Zahlungsbelege - wird dieser Overhead von der Verwaltung für eigene Bedürfnisse verwendet. Von diesem GK-Zuschlag könnten natürlich auch in den Fachbereichen weitere Geräte oder Materialen für Forschung und Lehre angeschafft werden, aber die Hochschule muss Prioritäten setzen. Dass gerade die TH den größten Anteil an den Mitteln abgreifen ist kein Zufall, sondern systembedingt. BMBF und BMWi fördern technologieorientierte Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und Hochschulen. Da hat nun mal ein Prof dieser Fachrichtungen bessere Beziehungen zu Unternehmen als ein Geisteswissenschaftler - dem dürfte es auch schwer fallen in einem Projekt die Innovation und das erhebliche technische Risiko nachzuweisen. Der Nachteil für den Technikprof ist allerdings, dass er zwei Anträge schreiben - und später auch abrechnen - muss, den für seinen Fachbereich und den für das Unternehmen, denn dort ist nur sehr selten die entsprechende Kompetenz vorhanden. Aber, was tut man nicht alles für seinen Fachbereich.

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