Forum: Leben und Lernen
Fünf Jahre nach dem Abi: Was ist bloß aus mir geworden!
Peter Ilg

Sie träumten von der Großstadt, von Partys und einem Job als Diplomat: Vor fünf Jahren erzählten vier Schüler auf SPIEGEL ONLINE, was sie nach dem Abi machen wollen. Jetzt ziehen sie Bilanz, was aus ihren Träumen geworden ist.

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keksen 06.07.2012, 14:09
1.

Das nicht immer alles so kommt wie man sich es erträumt hat ist ja leider nichts Neues. Aber "Was ist bloß aus mir geworden?" triffts bei den hier vorgestellten Personen nicht so ganz. Im Grunde sind sie ja zufrieden und haben auch im weitesten Sinne das gemacht, was sie wollten. Viel Erfolg auch weiterhin.

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01099 06.07.2012, 15:13
2. Ich frage mich,

wie die Menschen hier ihr Studium finanziert bekommen haben. Ich selbst habe Philosophie und Germanistik auf BA studiert und kann sagen, dass ich eigentlich keine Zeit hatte, nebenbei zu arbeiten. Das lag zum einen am straffen Stundenplan, der eine geregelte Nebentätigkeit eigentlich nie zugelassen hat und am Lern- und Arbeitspensum. Einen Auslandsaufenthalt hätte ich mir gleich gar nicht leisten können, da mein so etwas mit dem BaföG nicht vereinbar ist und einen Studienkredit wollte ich nicht aufnehmen, da die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen der Geisteswissenschaften zu unsicher geworden ist. Mit einem reichen Elternhaus, dass mir mein Studium weiter finanziert hätte, bin ich leider auch nicht gesegnet.
Ein Studium scheint sich immer mehr zu dem entwickeln, als das es in der Gesellschaft angesehen wird - ein Bildungsweg der (Geld-)Eliten.

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gurkenhändler 06.07.2012, 15:17
3. *

Zitat von 01099
Ein Studium scheint sich immer mehr zu dem entwickeln, als das es in der Gesellschaft angesehen wird - ein Bildungsweg der (Geld-)Eliten.
Na, so soll es ja auch sein ;-))

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Flusher 06.07.2012, 15:36
4.

Zitat von sysop
Sie träumten von der Großstadt, von Partys und einem Job als Diplomat: Vor fünf Jahren erzählten vier Schüler auf SPIEGEL ONLINE, was sie nach dem Abi machen wollen. Jetzt ziehen sie Bilanz, was aus ihren Träumen geworden ist.
Abermals wird dem Leser mit einem solchen Artikel vorgegaukelt das UNI-Leben wäre easy, angenehm, etwas für Tagträumer die gerne Feiern und einfach "kein Bock" auf arbeiten haben. Zwar mag das für manche Phil.-His. Studiengänge zustimmen, doch hat man bei Naturwissenschaftlichen Studiengängen selten Zeit das "Studentenleben" zu geniessen.

Leistung wird gefordert - Tag für Tag, Stunde um Stunde. Nach täglich 5-8 Vorlesungsstunden folgen Hausaufgaben, Vorbereitung auf die nächste Prüfung oder Recherchen und Arbeiten für Seminararbeiten. Wer nicht die Disziplin mitbringt wird abgestraft und "darf" im nächsten Semester den Schein wiederholen. Klappts beim zweiten mal auch nicht, sind im Zweifelsfall mehrere Semester für die Katz gewesen - dem Bachelor-&-Master-System sei dank.

Ich wurde von Bekannten und Freunden die längst im Berufsleben standen belächelt und als fauler Student bezeichnet, während sie selber über ihre Arbeit stöhnten. Heute bin ich mitten im Berufsalltag in einem erfolgreichen Pharmaunternehmen angekommen und muss sagen: das Stundenteleben war anstrengender, weil auch in der Freizeit die nächste Prüfung oder Seminararbeit im Hinterkopf blieb.

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mm71 06.07.2012, 17:13
5.

Zitat von 01099
wie die Menschen hier ihr Studium finanziert bekommen haben. Ich selbst habe Philosophie und Germanistik auf BA studiert und kann sagen, dass ich eigentlich keine Zeit hatte, nebenbei zu arbeiten. Das lag zum einen am straffen Stundenplan, der eine geregelte Nebentätigkeit eigentlich nie zugelassen hat und am Lern- und Arbeitspensum. Einen Auslandsaufenthalt hätte ich mir gleich gar nicht leisten können, da mein so etwas mit dem BaföG nicht vereinbar ist und einen Studienkredit wollte ich nicht aufnehmen, da die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen der Geisteswissenschaften zu unsicher geworden ist. Mit einem reichen Elternhaus, dass mir mein Studium weiter finanziert hätte, bin ich leider auch nicht gesegnet. Ein Studium scheint sich immer mehr zu dem entwickeln, als das es in der Gesellschaft angesehen wird - ein Bildungsweg der (Geld-)Eliten.
So könnte man es sehen. Man kann es aber auch so sehen: Sie können das Fach Ihrer Wahl studieren, ohne nebenher zu arbeiten und ohne "reiches Elternhaus".

Das Leute mit mehr Geld mehr Möglichkeiten haben ist klar. Aber grundsätzlich stehen Ihnen auch alle Wege offen. Sie bekommen - soweit man aus Ihrem Posting schliessen kann - ohne nennenswerten finanziellen Background einen Bildungsweg bis zur Erreichung eines qualifizierten akademischen Abschlusses. Davon können die meisten Menschen auf dieser Welt nur träumen.

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freiherrr 06.07.2012, 19:36
6. Zeppelin Universität

27k, um bei einer regionalen Sparkasse das Programm "Kunden werben Kunden" zu betreuen? Man verzeihe etwaige Arroganz, aber das finde ich dann doch sehr lustig.

Zumindest ist's am Bodensee schön.

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max_copernicus 06.07.2012, 19:39
7.

Zitat von Flusher
Abermals wird dem Leser mit einem solchen Artikel vorgegaukelt das UNI-Leben wäre easy, angenehm, etwas für Tagträumer die gerne Feiern und einfach "kein Bock" auf arbeiten haben. Zwar mag das für manche Phil.-His. Studiengänge zustimmen, doch hat man bei Naturwissenschaftlichen Studiengängen selten Zeit das "Studentenleben" zu geniessen. Leistung wird gefordert - Tag für Tag, Stunde um Stunde. Nach täglich 5-8 Vorlesungsstunden folgen Hausaufgaben, Vorbereitung auf die nächste Prüfung oder Recherchen und Arbeiten für Seminararbeiten. Wer nicht die Disziplin mitbringt wird abgestraft und "darf" im nächsten Semester den Schein wiederholen. Klappts beim zweiten mal auch nicht, sind im Zweifelsfall mehrere Semester für die Katz gewesen - dem Bachelor-&-Master-System sei dank. Ich wurde von Bekannten und Freunden die längst im Berufsleben standen belächelt und als fauler Student bezeichnet, während sie selber über ihre Arbeit stöhnten. Heute bin ich mitten im Berufsalltag in einem erfolgreichen Pharmaunternehmen angekommen und muss sagen: das Stundenteleben war anstrengender, weil auch in der Freizeit die nächste Prüfung oder Seminararbeit im Hinterkopf blieb.
Dann freu dich doch und jammer nicht noch über die Vergangenheit rum.
Es soll Leute geben, die haben die Regelstudienzeit deutlich überschritten, das Studentenleben sehr genossen und dann lediglich eine (!) Bewerbung geschrieben und einen weit überdurchschnittlich bezahlten Job bekomme *hust*.

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ASDFZUIOP 06.07.2012, 20:43
8. Desillusionierung

Die Berichte zeigen schon sehr stark die Diskrepanz zwischen Studenten- und Arbeitsleben und in gewisser Weise auch die Naivität vieler Studienanfänger.
Die Privatuni-Absolventin, die dann nach ein paar Jahren Selbstverwirklichung im Studium bei der Sparkasse arbeitet, ist da nur das extremste Beispiel. Da hatten sich sowohl Eltern als auch die Tochter sicher einen interessanteren Job erhofft.
Bei den anderen ist es ähnlich. Die Lehramtsstudentin, die von einem aufregenden Leben in der Großstadt träumt und jetzt Hauptschullehrerin in der Provinz ist. Die Kreative mit Künstlerambitionen, die erst einmal zwei Jahre Steine beklopft und am Ende mit der Projektarbeit ein Wanderleben führen muss. Einzig der männliche Befragte scheint etwas noch Spannenderes als seine ursprünglichen Pläne gefunden zu haben, musste aber auch Träume (Botschafter werden) aufgeben.

Was kann man daraus lernen als Studienanfänger? Realistisch bleiben, bloß nicht von irgendwelchen Studienbezeichnungen blenden lassen wie "Kulturwissenschaft" oder "Steinpolychromie" - am Ende zählt doch nur, ob die Kompetenzen auch am Arbeitsmarkt gefragt sind und das möglichst noch in einem Job, der auch langfristig zufrieden stellen kann. Man muss den jungen Leuten aber zu Gute halten, dass es oft schwer ist, diese Dynamiken und die Verhältnisse in bestimmten Berufszweigen im Vorhinein zu überblicken.

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saschad 06.07.2012, 22:29
9.

Zitat von 01099
Ich selbst habe Philosophie und Germanistik auf BA studiert und kann sagen, dass ich eigentlich keine Zeit hatte, nebenbei zu arbeiten. Das lag zum einen am straffen Stundenplan, der eine geregelte Nebentätigkeit eigentlich nie zugelassen hat und am Lern- und Arbeitspensum.
Nun, der Schluss geht aber auch andersrum - ich habe kein Bafög bekommen und deshalb länger studieren müssen, einfach weil ich mir meinen Lebensunterhalt während des Studiums komplett selbst verdienen musste und ein Vollzeitstudium nunmal nicht mit einem Nebenjob mit ca. 20h/Woche zu vereinbaren ist. Zumindest sind ja die meisten Arbeitgeber aus nachvollziehbaren Gründen nicht bereit, die Arbeitszeiten komplett dem wechselnden Stundenplan des Studenten anzupassen, also bleiben die einen oder anderen wichtigen Veranstaltungen ja leider auf der Strecke.
Wenn man dann aber ohnehin akzeptiert hat, dass das Studium länger dauern wird, lässt es sich die meiste Zeit auch wieder ganz angenehm leben als Student - so zumindest meine Erfahrung. Aber das mag von Studiengang zu Studiengang sehr unterschiedlich sein - ich kenne Juristen und Pharmazeuten, die bestimmt nahezu das doppelte an Eigenarbeit in ihr Studium investieren mussten wie ich in mein Ingenieursdiplom.

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