Forum: Leben und Lernen
"Game of Thrones" statt Uni: "Wer eine Klausur schiebt, schiebt auch die nächste"
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Ein wichtiges Wort während des Studiums von Tabea Mußgnug war: Prokrastination. Hier erzählt sie, warum ihr Freund der Godfather des Aufschiebens ist - und wer wirklich Schuld daran hat, dass Studenten ihre Hausarbeiten nicht schreiben.

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OHCRIKEY 10.08.2015, 10:52
1.

Als ehemals selbst Betroffener kann ich nur folgendes zu dem Thema sagen:

am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich und ultimativ wird sich - mal abgesehen von den nähesten Verwandten - niemand für das eigene Scheitern interessieren, geschweige denn einen erwachsenen Menschen an der Hand nehmen.
Ich selbst brauchte Jahre, um das zu begreifen, mich nicht mehr als Opfer der Umstände zu sehen und zu lernen, das zu ändern. Ultimativ war dafür meine Angst verantwortlich, dass man als Prokrastinator dem beruflichen Alltag, der ja auf das Studium folgt, nicht gewappnet ist.

Natürlich ist es erstmal einfacher, was anderes zu tun als zu arbeiten. Aber so funktioniert die Welt halt nicht. Wer das erstmal begriffen hat, der prokrastiniert automatisch deutlich weniger.
Abgesehen davon fühlt es sich am Ende viel besser an, wenn man etwas erledigt hat und sich _dann_ wirklich entspannen kann. Denn eines ist sicher: dass man eigentlich etwas tun sollte, hat man immer irgendwie im Hinterkopf und kann dementsprechend nie richtig entspannen.

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pr@ 10.08.2015, 10:56
2.

Tja.
Da hilft Zweckdisziplin.
Man trifft sich am besten nur zu 2. mit einem anderen Studenten. Schon ab einer größeren "Lerngruppe", fällt das Lernen meiner Erfahrung nach fast weg.
Am Besten trifft man sich dann noch in der Bibliothek oder so, wo man höchstens auf a****enlahmen Rechnern höchst unbequem aber gerade noch so wegen Wissen recherchieren kann - oder nutzt gleich die Bücher.
Und wenn man sich mal woanders trifft, braucht es dann eben noch mehr Zweckdisziplin, oder aber besser: Selbstschutz.
Meistens ist das mit dem Selbstschutz aber auch gar nicht mehr nötig, je weiter man im Studium (erfolgreich) fortschreitet: man lernt nicht besser, aber viel effektiver & schneller. Und: Infos zu den Inhalten gibt es eh so gut wie nicht mehr im Internet, geschweige denn Wikipedia, sondern nur noch in Fachbüchern.

So ist das Leben, ähm Studium.

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Blendy 10.08.2015, 10:57
3. Und ..

... wer ist nun wirklich Schuld am Aufschieben?

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Redigel 10.08.2015, 11:06
4. Dr.

Habe leider selber eine Freundin die sehr viel schiebt... man hat das Gefühl dadurch vernachlässigt zu werden. Und wenn man es anspricht, ist sie gleich auf 180. Daher lass ich es und das Verhältnis zueinander stirbt langsam aber sicher, da die freie Zeit ehrr mit nonsense gefüllt wird... schade eigentlich

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eggshen 10.08.2015, 11:17
5. Hat sie doch...

Zitat von Blendy
... wer ist nun wirklich Schuld am Aufschieben?
geschrieben - nicht 'wer', sondern 'was': das Internet im Allgemeinen und das WLAN im Besonderen.

Oder um es mit Professor Strasser zu sagen: "Ja, wußten Sie das nicht...?" ;->

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GeMe 10.08.2015, 11:33
6. Klausuren schieben

Ich habe an der Bundeswehr Uni studiert. Dort studiert man nicht in Semestern, sondern in Trimestern. Jedes Quartal ist ein Trimester. Im Sommerquartal waren keine Vorlesungen, da musste man seinen Jahresurlaub nehmen und schrieb in den verbleibenden 6 oder 7 Wochen Hausarbeiten. Sobald man vom Prof. das Thema übernommen hatte, lief die Zeit. 4 Wochen später musste die Arbeit beim Prüfungsamt vorliegen.

Die übrigen 3 Quartale waren vom ersten bis zum letzten Tag mit Vorlesungen, Seminaren und Übungen gefüllt. Jeweils in den letzten ein oder zwei Wochen des Quartals wurden alle Klausuren geschrieben, so dass man quasi jeden Tag eine zu schreiben hatte.
Wenn der Lernstoff zu viel wurde, blieb einem nichts anderes übrig als eine Klausur auf den Nachschreibetermin zu schieben. Wer diese Möglichkeit nutzte, war automatisch im 1. Versuch durchgefallen. Man überlegte sich also genau ob man schiebt oder besser nicht.

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numey 10.08.2015, 11:35
7.

"Schuld" ist: Es ist ein _erlerntes_ Verhalten. Eine Antriebsstörung wurde einem anerzogen, oder man hat sie sich selbst "aus Versehen" beigebracht. Bei extrem prokrastinierenden Studenten ist ersteres wahrscheinlicher, aber nicht zwingend richtig.

Ja, es ist so leicht auszuweichen. Aber nicht die verfügbaren Dinge sind Schuld, dass man ausweicht, sondern dass man nicht in der Lage ist, auf sie zu verzichten, bis man erledigt hat, was zu erledigen wäre. Und das liegt an der Antriebsstörung.

Antriebsstörungen haben viele Gesichter, sie heißen bloß überall anders und werden anders erklärt. Sie können Rentner treffen ("Daseinszweck verloren"), Arbeitslose ("zu faul"), Hausfrauen und -männer ("unfähig"), natürlich Studenten ("Prokrastination"), und ganz viele Menschen, die teilweise im Alltag bestens funktionieren, aber privat nichts mehr auf die Reihe bekommen, und sogar deshalb vermüllen ("Messies").
Sie alle charakterisiert (in dem dysfunktionalen Teilbereich ihres Lebens, oder insgesamt) fehlende (oder abgelehnte) Fremdbestimmung, und zugleich die Unfähigkeit, dies durch selbstbestimmtes Handeln auszugleichen. Selbstbestimmtes Handeln heißt: Mit sich selbst eine erfüllbare Vereinbarung treffen zu können, und sich an diese zu halten.

OHCRIKEY weiß, wovon er/sie spricht. Das Schwierige ist, zu dieser Einsicht zu gelangen. Nach Selbsthilfemöglichkeiten bei Antriebsstörungen zu googeln kann ein erster Schritt sein. Auch für Leute, die jemanden in ihrem Umfeld haben, der "dauer-prokrastiniert", oder den man als "einfach nur zu faul" abgehakt hat, gibt es Lösungen.

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peterbuske 10.08.2015, 11:39
8. Zeitverschwendung

"Ansonsten wiederhole ich in einem regelmäßigen Turnus "Friends", "Sex and the City", "Gilmore Girls", "How I Met Your Mother" und "Big Bang Theory" und offenbare mich darin als absoluter Mainstream. " Dazu "Game of thrones", Facebook und 9gag. Fällt eigentlich niemandem auf, wie viel Zeit der allerbesten Gesundheit und größten Leistungsfähigkeit hier verschwendet wird? Wenn ein pflegebedürftiger 90jähriger sich den Tag mit Musikantenstadl, Rosamunde Pilcher und Co ausfüllt, dann mag man dafür Verständnis haben. Aber die unglaubliche Zeitverschwendung der jungen Leute vor dem Bildschirm ist schier unfassbar. Und zum 30. Geburtstag kann man dann Bilanz ziehen: die letzten 15 Jahre habe ich 75% meiner Freizeit dafür verwendet Fernsehserien zu schauen, die heute keinen mehr interessieren und im Internet Witzbilder zu sehen, die ich alle wieder vergessen habe. Toll!

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ambergris 10.08.2015, 11:48
9.

Ich habe mein erstes Studium, ein altes Magisterstudium, in den Sand gesetzt zum großen Teil eben aufgrund der Prokrastination. Das Schreiben der Hausarbeiten war nicht wirklich etwas für mich, vor allem weil ich mich nur selten hinsetzen konnte und einfach etwas Anspruchsloses, aus drei, vier Artikeln zusammen gesetztes Wiederkäuen bestimmer Artikel schreiben konnte. Ich wollte mit jeder Arbeit der Menschheit etwas geben, was natürlich grandios an dem geforderten Format scheiterte.
Ein zweites Studium, diesmal Bachelor/Master fast ohne Hausarbeiten, aber dafür mit Prüfungen zu festgesetzten Zeitpunkten und dem Punktesystem hat dann gepasst. Prokrastination ist da eigentlich unmöglich, da man Schritt für Schritt weitergedrückt wird. Leute, die Schwierigkeiten mit Prokrastination haben, sollten wohl von Hausarbeiten Abstand nehmen. Da ist zu viel Freiheit dabei, und die Arbeitslast, wenn man es gut machen will, ist zu hoch, um schnell noch irgendwie zu bestehen, wie man es vielleicht bei einer Prüfung machen kann. Hauptsache Ausreichend, sozusagen.

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