Forum: Leben und Lernen
Ganz harte Schule: Jungs haben es schwer? Mädchen erst recht!
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Unfaire Arbeitsteilung: Mädchen schuften in der Schule häufig für ihre verplanten Klassenkameraden mit - das Gefühl bekommt man jedenfalls als Mutter eines Sohnes. Oder wenn man selbst eine fleißige Tochter hat.

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Duzend 31.05.2017, 10:38
100. Wann ist ein Junge ein richtiger Junge?

Der Artikel gefällt mir sehr gut, ganz einfach weil er in kurzen Anekdoten ein paar der wesentlichen Probleme in unserer Kindererziehung und Bildungslandschaft bestens illustriert und damit auf den Punkt bringt.

Vielleicht könnte man so ansetzen: Jungs erleben ihr eigenes Gross-gezogen-Werden als eines, in dem unterschwellig häufig von ihrer späteren Führungsposition und Führungsaufgabe die Rede ist - so sehr die Gesellschaft dem offiziell abgeschworen haben mag. Und Mädchen sollen sich im Zweifelsfall noch immer unterordnen. Für die Jungs wird die spätere Führungsrolle mit jedem zusätzlichen tüchtigen Mädchen, mit jeder öffentlich zelebrierten Frauenkarriere, mehr zur Hypothek als zur Verheissung. "Was, cool und verdient bin ich erst, wenn ich all diese Tüchtigkeiten hinter mir gelassen habe? Ich glaube, ich geb's auf" - oder verlege mich auf etwas anderes. Wie wär's mit dem guten alten Anspruch auf Führung unabhängig von Leistung? Manche Eltern reden ihren Jungs genau darin gut zu. Ein unbestreitbares Zuviel an Erwartunmgen, was die Herren der Schöpfer später mal alles zu bieten haben müssen, um eine Familie haben zu dürfen, schrauben sie unsinnigerweise auf ein Fast-Nichts zurück - den kleinen Unterschied eben.

Bei den Bildungsgegenständen ist es oft so, dass man sie geistig durchdringen, das heisst, richtig verstehen lernen oder einfach nur absolvieren kann. Das Durchdringen-Wollen ist oft anstrengend, frustrierend und schmerzhaft. Mancher gibt auf. Es geht die Mär um, von den einen, die genial sind, und eben den anderen. Da kann man nichts machen - so einfach ist das Ausklinken. Und wenn der Lehrer meine Genialität nicht anerkennen kann, ist der Fehler bei ihm zu suchen.
Aber dann sind da noch die unzähligen Fleissarbeiten. Erfolg und gute Noten durch sorgsames Abarbeiten. Dazu benötigt man ebenfalls Beharrungsvermögen und - jetzt wird es wieder einseitig - die Bereitschaft, sich unterzuordnen, vielleicht müsste man sogar sagen: sich erniedrigen zu lassen. Wenn Themen nicht der letzte intellektuelle Schrei sind, wenn ihr Ergebnis von weitem absehbar ist oder allzu sehr bereits Durchlaufenem ähnelt, regt sich in manchem der Widerstand: "Wie, wollen die mich hier ans Gängelband nehmen? Stupiden Mist? Ohne mich!" Dabei wird vergessen: Übung macht den Meister. Nicht jeder ist von Hause aus in allen Disziplinen mindestens hochbegabt. Die kulturelle Fixierung auf den Genius verbaut den Weg zur Ersatz-Gescheitheit über Fleiss und Widerholung.

Gute Noten, Leistung, Erfolg, Geld, Karriere - wär' schon geil. Sich dafür um echtes Verstehen kümmern oder schmerzhafter Fleissarbeit unterziehen? Mega-out! "Das können Sie unserem Sohn doch jetzt nicht antun! Der muss ja auch noch Freizeit haben!" Zu viele haben es nicht verstanden: Schule ist heute ein so dicht gedrängtes Programm, da muss man ehrlich mit seinen Talenten sein und abreissen lassen - oder konsequent Hobbys opfern - zuallererst das Gamen, den Inbegriff des schnellen Erfolges, des frustrationslosen Weiterkommens.

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fridericus1 31.05.2017, 10:44
101. Jetzt kommt die steile These, Achtung.

Ich finde, die hier so gescholtenen Jungs, die sich in der "Lerngruppe" verstecken und an den Leistungen der Fleißbienen schmarotzen bzw. das "Kunstprojekt" geringschätzen, haben sich als besonders clever und geeignet für die Realitäten des Lebens gezeigt.
1. Gruppenarbeit, die dann auch noch zur "Gruppennote" führt, fördert nun mal per se, dass sich clevere Leute zurückhalten und darauf hoffen, dass die mit den schlechteren Nerven durch Arbeit alle rausreissen. Haben die Jungs anscheinend früh erkannt. Will man das ändern, muss man die Gruppenarbeit in dieser Form abschaffen.
2. Will man nicht in Arbeit ersticken, muss man Prioritäten setzen. "Kunstprojekt"? Für einen Jungen in dem Alter der blanke Schwachsinn. Kann man mal auf Lücke setzen.

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Sibylle1969 31.05.2017, 11:22
102.

Mir ging es auch mal so, dass ich von einem Lehrer in der 7. Klasse neben den schlimmsten Störer in der Klasse gesetzt wurde, damit ich einen positiven Einfluss ausübe. Hat nur leider nicht funktioniert, der hat mich permanent gepiesackt. Was war ich froh, als der nach der 7. Klasse die Schule gewechselt hat, als er Latein nicht gepackt hat.
Letztendlich waren die Störer (in meiner Klasse ausschließlich männlich) allesamt auch schwache Schüler und haben irgendwann die Schule verlassen und sind zur Realschule gewechselt.

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elizar 31.05.2017, 11:36
103.

Zitat von phthalo
Ich muss mich schon sehr wundern über Ihrem Kommentar. Natürlich sind diese ganzen Fälle möglich. Praktisch tauchen sie aber so gut wie nie auf. Zudem sehe ich doch auch anhand des Vortrags, ob die Vergabe realistisch ist. Falls es doch Unstimmigkeiten gibt, wird dieses natürlich mit dem Lehrer geklärt. Ist mir aber noch nie unter gekommen. Sind sie wirklich Lehrer?
Zwischenstand:
Hab heute bis jetzt nur 2 Lehrer getroffen und fragen können.

Beide haben davon noch nie gehört. Eine hat keine Meinung dazu, die andere Person würde es nur bei Referaten/Gruppenprojekten nutzen wollen, bei denen die Note nicht zu sehr ins Gewicht fällt.

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Sibylle1969 31.05.2017, 11:44
104.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wieviele Poster hier im Forum die Ansicht äußern, dass in unserem Land Männer und Jungen stark benachteiligt seien bzw. sogar diskriminiert würden. Frauen und Mädchen würden systembedingt bevorzugt, und wo sie benachteiligt seien, seien sie selber daran schuld (Gender Paygap, Karriereknick wegen Kindern). Woher kommt eigentlich diese Weinerlichkeit, warum gibt es so viele gefrustete Männer? Liebe Männer, fragt euch doch mal ernsthaft, wie es wäre, wenn ihr als Mädchen auf die Welt gekommen wärt (ist ja letztendlich nur Zufall, ob man bei der Zeugung von seinem Vater ein X- oder ein Y-Chromosom bekommen hat). Denkt ihr, euer Leben wäre dann a) schlechter, b) besser oder c) gleich gut?

Wenn die Antwort b) oder c) lautet, dann gibt es keinen Grund, ständig so weinerlich zu sein und von Diskriminierung und massiver Benachteiligung zu fabulieren.

In vielen Ländern der Welt lautet die Antwort auf diese Frage nämlich, dass das Leben als Mann viel besser ist als als Frau, nämlich in allen islamischen Ländern sowie nahezu allen Entwicklungs- und vielen Schwellenländern.

Ich bin selbstverständlich froh, dass ich nicht in Saudi-Arabien oder im Iran zur Welt gekommen bin, sondern im Deutschland des Jahres 1969. Wäre ich nur 10 oder 20 Jahre früher geboren worden, dann hätten mir mit einiger Wahrscheinlichkeit noch nicht so viele Möglichkeiten offen gestanden. Meine Cousinen nämlich (8 bzw. 14 Jahre älter als ich) durften nicht studieren, weil sie "ja sowieso bald heiraten würden". Lediglich mein Cousin durfte studieren.

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trucklesFriend 31.05.2017, 12:09
105. Doch

Zitat von rheinwestfale
Es ist schon eine Kunst (wenn auch heutzutage keine seltene mehr), alles, alles aber auch wirklich alles zu Ungunsten des männlichen Geschlechts zu deuten. Meine Schulzeit ist noch nicht lange her. Und, glauben Sie mir, so, wie Sie es schildern, ist es nicht.
Ich kann aus Erfahrung meiner beiden Kinder nur bestätigen, dass es genau so ist. Gruppenarbeiten laufen oft auf Kosten der Mädchen, einfach weil es viele Jungen gibt, die gerade in der 7. und 8. Klasse diese Schulthemen nicht besonders ernst nehmen und wenig Aufwand reinstecken. Es gibt da viele Jungen, denen eine 3 einfach eine vollkommen ausreichende Note ist, und wenn was schiefgeht auch mal die 4, und wenn man dann selbst auf die 1 bis 2 abzielt, muss man die Arbeit der anderen einfach mitmachen.
Vorträge werden dann gemeinsam bewertet. Gruppenarbeiten in der Schule laufen auch oft unfair.
Ich hoffe natürlich, dass sich das später besser ausgleicht. Aber in der konkreten Situation gibt es nur die beiden Möglichkeiten: schlechte Note oder für die anderen mitarbeiten.

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seamus.q.draide 31.05.2017, 12:23
106. an Sibylle 1969

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wieviele Posterinnen hier im Forum die Ansicht äußern, dass in unserem Land Frauen und Mädchen stark benachteiligt seien bzw. sogar diskriminiert würden. Männer und Jungen würden systembedingt bevorzugt, und wo sie benachteiligt seien, seien sie selber daran schuld (Schulnoten, Lebenserwartung). Woher kommt eigentlich diese Weinerlichkeit, warum gibt es so viele gefrustete Frauen?

Sie haben's gemerkt, oder?

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Sibylle1969 31.05.2017, 13:01
107.

Zitat von seamus.q.draide
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wieviele Posterinnen hier im Forum die Ansicht äußern, dass in unserem Land Frauen und Mädchen stark benachteiligt seien bzw. sogar diskriminiert würden. Männer und Jungen würden systembedingt bevorzugt, und wo sie benachteiligt seien, seien sie selber daran schuld (Schulnoten, Lebenserwartung). Woher kommt eigentlich diese Weinerlichkeit, warum gibt es so viele gefrustete Frauen? Sie haben's gemerkt, oder?
Hier im Forum (nicht nur zu diesem Artikel, sondern zu vielen Artikeln, wo es in irgendeiner Weise um das Thema Männlein - Weiblein geht) posten überwiegend Männer, daher sind "weinerliche" Äußerungen von Frauen wesentlich seltener als weinerliche Äußerungen von Männern. Aber beantworten Sie mir doch mal die Frage: Wären Sie lieber als Mädchen zur Welt gekommen? Denken Sie, dass Ihr Leben als Frau besser wäre?

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