Forum: Leben und Lernen
Ganz harte Schule: Mein Nebenjob als "Schulkindmutti"
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Ihr Kind wird eingeschult? Herzlichen Glückwunsch, dann bekommen Sie einen abwechslungsreichen Nebenjob - ohne Bewerbung, ohne Lohn.

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lachina 29.08.2017, 19:19
80. Als ich noch pausiert habe,

habe ich gerne in der Grundschule mitgeholfen, aber irgendwann habe ich mitgekriegt, dass die kinder, deren Eltern keine Zeit hatten, traurig waren - und meine Töchter genervt, weil ich immer dabei war. Das war fast wie das eigene Kind in der eigenen Klasse, kein Zustand. Was ich als Lehrerin gerne angenommen habe, war Begleitung bei Klassenausflügen. Ansonsten wurden die Eltern von der Klasse eingeladen: Nicht zum Arbeiten - zur Weihnachtsfeier etc.

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spicer011 29.08.2017, 19:24
81. Also wenn ich mir vorstelle...

...dass meine Mutter (oder mein Vater, ohgottohgott) während der Schulzeit ständig um mich herumgehampelt wäre (am besten noch mit so einem debilen Grinsen wie in dem Aufmacherfoto), fange ich gleich an zu schreien. Glücklicherweise wurden wir zur Selbständigkeit erzogen (Schulweg allein bzw. mit Mitschülern, Hausaufgaben allein, AGs und Klassenfahrten nur mit Lehrkraftbegleitung, nirgends Eltern - was ein Glück!!!). So war man denn gerüstet, um nach dem Abitur (ja, allein geschafft, völlig ohne Elternanteil) eine Lehre in 400km Entfernung allein durchzustehen, samt eigenem Haushalt und reparaturbedürftigem Auto. Und später das Studium, alles selbst organisiert, ohne Beteiligung der Eltern (außer etwas Geld).
Wenn man heute eine 19-jährige Praktikantin in der Firma hat, kann die - außer auf dem Smartphone rum daddeln - genau, nichts. Man kann schon froh sein, wenn die den Weg zum Bus alleine findet und sich nicht von Mami abholen lassen muss...

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nordschaf 29.08.2017, 19:30
82.

Zitat von Krokodilstreichler
Doch. Sie verdienen so viel. Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/streit-um-besoldung-an-berliner-grundschulen-5200-euro-fuer-lehrer-ohne-abitur/20019668.html
Das Einstiegsgehalt für verbeamtete Lehrer ab Sekundarstufe beträgt A13h, jeweilige Landesbesoldungstabelle. Rest können Sie ausrechnen. Es ist aber so, dass in den meisten Bundesländern Lehrer zunächst nur eine halbe Stelle bekommen. Da sie insbesondere anfänglich aber den Unterricht aufwändig vorbereiten müssen, arbeiten die meisten weitaus mehr als eine halbe Stelle. Das wird von den jeweiligen Ministerien knallhart einkalkuliert. Unterrichtsvorbereitung ist also zu einem hohen Prozentsatz "freiwillige" Freizeitgestaltung. Jetzt kommen Sie bestimmt wieder mit den vielen Ferienwochen, aber selbst bei einer Vollzeitstelle kommen Lehrer in der Schulzeit regelmässig über 40 Wochenstunden. Das ist nur AZV-konform, weil der Ausgleich der Überzeitarbeit absehbar in den Ferien erfolgt.

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helisara 29.08.2017, 20:13
83.

Zitat von rocky77
Mein Grundschulzeit war in der DDR, der Rest dann nach der Wende. Grade in der Grundschule gab es bei uns allen möglichen Krimskrams, der teilweise auch poltisch verursacht wurde. Aber nie waren die Eltern so eingebunden. Klar gab es dann mal einen Kuchenbasar, wo die Eltern dann gebacken haben oder eine Klassenfahrt / Wandertag wo dann 1 - 2 Eltern als Begleitung mitgefahren sind. Aber das ware freiwillig. Elternabenden mussten besucht werden ja, weil es nicht bgerne gesehen wurde, wenn da kein Elternteil da war. Zu Schwimmen sind wir alleine gegangen, 15 min Fußweg. Putzen mussten wir ab einem bestimmten Alter selber, dafür wurde ein Klassendienst eingeteilt. Zu den Mittwochs-AG sind wir selber gegangen oder mit der Straßenbahn zu den Treffpunkten gefahren, sofern es nicht in der Schule war. Oh und manchmal war Samstags der allseits unbeliebte Subotnik, wo wir in die Schule kommen mussten, um da für Ordnung an den Außenanlagen zu sorgen.
Kenne ich (ebenfalls DDR-Schulkind), auch nicht anders. Es gab zwar den Kuchenbasar, aber keine Verpflichtung, dafür Backwaren zu liefern, glücklicherweise, denn meine Mutter kann nicht backen. Natürlich war kein Kind begeistert, wenn die eigenen Eltern als Begleitperson zum Wandertag mitkamen, und ich glaube, heute wird es nicht anders sein. Ich hatte auch nie ein Problem damit, hin und wieder eine Woche lang das Klassenzimmer fegen zu müssen, weil ja jeder einmal reihum damit dran war. Subbotniks hatten wir nicht, das Schulgelände wurde von uns gelegentlich mittwochnachmittags aufgeräumt. Zur Schwimmhalle wurden wir mit dem Bus gefahren, aber ansonsten gingen wir zu Fuß zur Schule. Das scheint heutzutage auch nicht mehr die Regel zu sein. Ich kann ja verstehen, daß Eltern ihrem Kind eine längere Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmittel in der Großstadt ersparen wollen, aber selbst ein recht kurzer Schulweg, der nicht über gefährliche Straßen führt, scheint Kindern nicht mehr zuzumuten zu sein.

Die Ansprüche scheinen auch höher geworden zu sein. Einen Geburtskuchen gab es für die Geburtstagsgäste, aber nicht für die ganze Klasse und für das Pausenbrot waren allein die Eltern zuständig.

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bronstin 29.08.2017, 20:28
84. Irgendetwas falsch gemacht

oder sehe ich da jetzt verkehrt? Niemand wurde dazu gezwungen, lediglich Freiwillige gesucht - offenbar keine Aufgabe im Leben als Mutter! Und mal so ganz nebenbei - was verdient so der Kindserzeuger per Anno?

Bei Bedarf kann ich auch mal aus dem realen Leben säusseln...

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Newspeak 29.08.2017, 20:40
85. ...

Zitat von nordschaf
[...] und gebe jede Woche eine Fantasy-Rollenspiel-AG an unserer Schule. [...] Zweitens: In unserer Schule sind die Koch- und Back-AGs heiß begehrt bei den Kindern.[...] Ich finde es sehr sinnvoll, dass Kinder in der Schule lernen, Essen zuzubereiten, das nicht aus der Tiefkühltruhe kommt. Das schult genug Sekundärfähigkeiten. Und wenn sie sich dabei wohlfühlen, umso besser.
Na ja, Ihr ehrenamtliches Engagement in Ehren, aber Fantasy-Rollenspiel ist nun wirklich keine allgmeine Faehigkeit, die einem im Leben weiterhilft (Sie werden mir widersprechen, und haben alles Recht dazu, aber wenn ich an Schul AGs denke, dann an etwas wie Informatik usw., von mir aus auch eine extra Mathe AG. Bei uns an der Schule gab es sowas wie Astronautik! Etwas, das erkennbar zu einer Vermehrung von Faehigkeiten bei den Schuelern fuehrt, Faehigkeiten, die man objektiv pruefen kann).

Davon abgesehen, Hauswirtschaft hatten wir auch, aber eben als Unterricht, mit Faktenwissen, auch der Umsetzung in der Kueche, aber auch mit Klausuren. Keine reine Wohlfuehlveranstaltung. Das ist ein feiner Unterschied, ob ich mich wohlfuehle in dem Sinne, dass ich auf bequemen Stuehlen sitze, der Schulraum hell und warm ist, usw. oder ob ich mich wohlfuehle, weil man Zeit verdaddelt. Schueler lieben natuerlich das Letztere, ich war genauso, aber ich habe bei dem Englischlehrer mehr und besser Englisch gelernt, der Ansprueche hatte, bei dem es nicht jede zweite Stunde einen Film zu sehen gab und der selbst an Weihnachten Unterricht nach Plan gemacht hat, ohne Kekse. Das war ueberhaupt kein Wohlfuehlunterricht, aber gelernt hat man etwas. Darum sollte es gehen.

Und die Grundvoraussetzungen hat nun mal der Staat zu liefern. Das ist auch eine Frage des "Deals", immerhin gibt es eine Schulpflicht, also ist der Staat auch in der Verantwortung fuer das, was er anordnet.

Ehrenamtliches Engagement macht die Welt allgemein sicher netter, aber manchmal verewigt es auch einen unhaltbaren Zustand, naemlich genau dann, wenn man einspringt, wo andere sich aus der Verantwortung stehlen wollen. Da muss man seinen Helferkomplex mal im Zaun halten, weil man sonst mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt.

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twistie-at 29.08.2017, 20:51
86.

Zitat von nordschaf
Da stimme ich nicht mit Ihnen überein. Erstens ist nichts gegen ehrenamtliches Engagement einzuwenden. Ich bin neben meiner Vollzeittätigkeit selbst ehrenamtlich in der kirchlichen Jugendarbeit zugange und gebe jede Woche eine Fantasy-Rollenspiel-AG an unserer Schule. ... Zweitens: In unserer Schule sind die Koch- und Back-AGs heiß begehrt bei den Kindern. Die Schule hat dazu eine eigene Küche. Bei uns als Familie hat das dazu geführt, dass die Kinder einen Tag am Wochenende für die Familie kochen und pottstolz darauf sind. Was sie benötigen, tragen sie selbst auf dem Einkaufszettel ein. Ich finde es sehr sinnvoll, dass Kinder in der Schule lernen, Essen zuzubereiten, das nicht aus der Tiefkühltruhe kommt. Das schult genug Sekundärfähigkeiten. Und wenn sie sich dabei wohlfühlen, umso besser.
Lernen die Kinder, etwas zuzubereiten oder auch grundlegende Kenntnisse über Nährstoffe, Zubereitungsarten usw?

davon abgesehen: es ist ja nichts gegen Ehrenämter zu sagen, aber wenn es du nicht mehr nur die Fantasyrollenspiele for Fun als Ehrenamt ausübst, sondern für die Wändestreichungsaktion, für Kuchenbacken hier und da, für das Charityevent xy usw. eingespannt wirst, sieht es anders aus.

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unglaublich_ungläubig 29.08.2017, 21:13
87. Scheint mir ein wenig extrem

So extrem war's bei unseren nicht. Was mich aber immer wieder fasziniert hat, ist, dass viele Grundschullehrer (oder besser: -innen, denn Männer gibt es in dem Bereich so gut wie keine) ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass andere auch nachmittags freie Herren (oder Herrinnen) ihrer Zeit sind, beispielsweise bei Schulfesten etc., und ganz pikiert sind, wenn man sich dafür keinen Urlaub nehmen kann. Wie denn auch? Der reicht ja nicht mal, um die Schulferien abzudecken, um die Kinderbetreuung sicher zu stellen.

Alles denen überlassen, die Zeit haben? Das ist auch keine Lösung, es sind nämlich (teilweise) die Falschen. Tschuldigung, ist so. Hysterische Übermuttis kann man ebenso wenig gebrauchen wie lethargische Couchplattsitzer.

Als Selbstständiger konnte ich meine Zeit einigermaßen einrichten und vom Förderverein über Lesepapi und Schulbuchausschuss bis zum Schulelternsprecher so ziemlich alles mit abdecken. Ich bin dankbar, dass ich diesen Teil des Lebens mitmachen konnte, denn es hat auch Spaß gemacht, aber ich denke über niemanden schlecht, der das nicht kann. Auch nicht über die Lehrer, die auf die Eltern zurückgreifen müssen, weil sie nicht hexen können, ihr Arbeitgeber das aber offenbar denkt.

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lebensgefährlich 29.08.2017, 21:35
88. Einen hab' ich noch.

Zitat von nordschaf
... Ich bin neben meiner Vollzeittätigkeit selbst ehrenamtlich in der kirchlichen Jugendarbeit zugange und gebe jede Woche eine Fantasy-Rollenspiel-AG an unserer Schule. ...
Verstehe ich Sie aufgrund der beiden Begriffe "kirchlich" und Fantasy" korrekt, daß Sie Religionrollensspiele in der Schule anbieten? Was genau "spielen" Sie denn da so - Passionsspiele? Wie auch immer, danke für die ehrliche Beschreibung kichlicher Aktivitäten!

BItte nicht falsch verstehen, aber ich wußte bis heute nicht was genau Fantay-Rollenspiele sind, obwohl es auch schon zu meiner Schulzeit vor mehr als 25 Jahren wohl einige gab, die so etwas spielten. Und ich selber habe immer eine ganze Menge phantastischer Phantasien (oft umgesetzt), wobei mich allerdings "Über"natürliches, Außerirdisches und Spirituelles so ab dem 10. Lebensjahr immer nur gelangweilt hat.
Aber als ich Ihren Post las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Dem Tenor Ihres Posts und anderer hier im Forum zur Verfügung eigener Zeit, Sekundärfähigkeiten, Stolz der Kinder etc. stimme ich zu.

Alles Gute,

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quark2@mailinator.com 29.08.2017, 22:00
89.

Die Bewerbung war der Kinderwunsch, der Lohn ist das erfolgreiche Heranwachsen des eigenen Nachwuchses. Was für ein größeres Glück gibt es ? Millionen Menschen würden das gern übernehmen, kommen nur aus verschiedenen Gründen nicht in die Situation. Ich werde nie nachvollziehen können, warum Kinder auf einmal als geldwerte Leistung betrachtet werden, nachdem für Jahrtausende klar war, daß Kinder zum Lebens- und Familienglück einfach grundsetzlich dazugehören. Die Verengung auf Frauen ist natürlich auch wieder typisch, weil es natürlich keine Männer gibt, die sich um Schulkinder kümmern. Immer der gleiche sexistische Käse bei SPON :-(.

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