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Ganz harte Schule: Warum Lernentwicklungsgespräche Mumpitz sind
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Kinder, die Selbstverpflichtungen unterschreiben müssen - und Lehrerinnen, die kritisches Feedback einfach abbügeln: Der Elternsprechtag heißt jetzt Lernentwicklungsgespräch, ist aber genauso sinnlos wie zuvor.

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dondon 07.02.2019, 13:53
30. Anderes Problem

Das Problem scheint hier aber wo anders zu liegen. Die Lehrerin aus dem oben genannten Beispiel macht halt einfach sehr schlechte Arbeit. Es überrascht mich, dass sie überhaupt den Namen des Kindes wusste, wenn schon nicht bekannt war, was das Kind im Unterricht macht. Wo liegt da die Basis für ein Gespräch? Als Lehrerin wäre mir ein solches Auftreten totpeinlich. Les (Lehrer- Eltern- Kind) - Gespräche, wie sie bei uns heißen, sind relativ klar strukturiert und protokolliert, nach Fächern, Sozial-, und Arbeitsverhalten.

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dabri 07.02.2019, 13:53
31. Lernzeit vs. Hausaufgabenzeit

Zitat von jal1988
Genau, am besten beziehen wir alle Eltern in die Gestaltung des Unterrichts mit ein, die wissen doch viel besser wie das geht. Und wieso sollten die Eltern dafür verantwortlich sein, dass das Kind Verantwortung lernt und seine Hausaufgaben macht? Nicht falsch verstehen, ich finde, dass Kinder in der Schule sehr klare Vorgaben bekommen sollten, anstatt sie einfach „eigenverantwortlich“ lernen zu lassen, aber dieser Artikel zeigt für mich so ungefähr alles, was beim heutigen Verständnis der Eltern von Schule und Lehrern im Argen liegt.
Vielleicht haben Sie es noch nicht mitbekommen, aber in den so modern gewordenen Halb- und Ganztagsschulen ersetzt die Stillarbeits- bzw. Lernzeit (oder wie sie auch immer genannt wird) die Hausaufgabenzeit. Ist ja angeblich einer der großen Vorteile dieser Schulformen, dass zu Hause mehr oder weniger keine Hausaufgaben mehr erledigt werden müssen, da das ja im Prinzip in der Schule unter fachlicher Anleitung viel besser funktioniert als mit Mutter oder Vater. Im Prinzip. Nur leider klappt das mit der fachlichen Anleitung nicht so ganz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Aufgaben gelöst und sogar von einer Lehrkraft gegen gezeichnet wurden. Allerdings wurde nicht darauf geachtet, ob die Aufgaben auch RICHTIG gelöst wurden. Das wurde erst in der nächsten Mathearbeit bemerkt, als ein bestimmter Aufgabentyp systematisch falsch gelöst wurde.

Leider klappt das mit dem eigenverantwortlichen Lernen nicht bei allen Kindern, da es tatsächlich Kinder gibt, die einfach keinen Bock auf Schule haben und einer kontinuierlichen Begleitung bedürfen. Gerne würden wir als Eltern das bei unseren Kindern übernehmen. Nur wie, wenn das Arbeitsmaterial z.T. in der Schule verbleibt, einige Lehrbücher nur stundenweise ausgegeben werden, wir gar nicht die Wahl haben unsere Kinder im näheren Umfeld auf eine "normale" Schule mit HAUS-Aufgabenzu schicken?

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max-mustermann 07.02.2019, 13:56
32.

Zitat von thaecker
Wenn das Kind keine Leistung bringt, ist die Lehrkraft schuld??? Wie wäre es dann mal mit Erziehungsentwicklungsgespräche?
Sehe ich auch so, es ist wirklich unglaublich wie immer völlig selbstverständlich angenommen wird das bei Problemen die Ursache ausschließlich an der Lehrkraft liegen kann und natürlich niemals am eigenen Kind geschweige denn an der Unfähigkeit der Eltern ihr Kind zu erziehen und/oder ihm nahe zu bringen das Bildung (Schule) nicht nur erstrebenswert sondern heute absolut Lebensnotwendig ist.

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welt_frieden 07.02.2019, 13:56
33. eine nette Sache

Hier in München wird das Gespräch übrigens zwischen Kind und Lehrer/in geführt und ein Elternteil ist nur Zuhörer, Zuschauer - soll sich nicht wirklich einmischen. Finde ich sehr geschickt, weil gerade übereifrige Eltern gerne zu viel quatschen und gar nicht richtig mitbekommen, was das Kind der Lehrkraft zu sagen hätte.

Unsere Lehrerin geht sehr strukturiert anhand des Bogens vor, lobt das Kind, wo sinnvoll, erklärt, welche Punkte verbessert werden können (warum und wie), vergleicht die eigene Einschätzung mit der des Kindes.
Alles in allem kann ich nicht wirklich nichts Negatives daran entdecken.

Die im Artikel geschilderten Situationen scheinen sehr personenabhängig zu sein und haben nichts mit der Systematik solcher Gespräche selbst zu tun, finde ich.

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Fruusch 07.02.2019, 13:57
34. Tja...

...was soll man dazu sagen. SPON gibt hier einer (nicht belegten) Einzelmeinung eine ganz große Bühne und provoziert damit, dass sie für allgemeingültig gehalten wird. Selbst wenn man jedem einzelnen Wort in diesem Artikel Glauben schenkt (was ich nicht mache), wird doch nur gesagt, dass an einer einzelnen Schule eine einzelne Lehrerin (kritik-)unfähig ist.
Macht das Lernentwicklungsgespräche sinnlos? Nein. Sinn voll eingesetzt können sie uns Eltern sehr wohl einen guten Überblick über die schulische Situation unserer Kinder geben. Gerade in Zeiten der Ganztagsschule bekommen wir ja doch recht wenig mit, was da so täglich läuft. Und wenn es verpflichtend ist - umso besser, schließlich gibt es immer mehr Eltern, die sich überhaupt nicht um die schulische Entwicklung ihrer Kinder kümmern, die erden dann wenigstens einmal im Jahr dazu gezwungen.
Sagt das etwas über Schule aus? Nein. In jedem Beruf gibt es Alleskönner und Versager, also auch im Lehrerberuf. Diese Lehrerin wird auch ohne LEGs keinen besseren Unterricht machen können.

Ich bin als Lehrer und Vater in der Lage, die Situation von beiden Seiten zu kennen. Ein Elterngespräch, das nicht ungefähr auf Augenhöhe stattfindet, macht keinen Sinn. Die Eltern sind Experten für ihr Kind, sie kennen es seit seiner Geburt. Die Lehrer sind Experten für Bildung und Lernprozesse, sie können am besten einchätzen, wie ein Kind lernt und warum es evtl. Probleme hat. Solange nicht eine Seite meint, alles besser als die andere zu wissen, kann man als Team gut zusammen arbeiten - zum Wohl des Kindes. Leider gibt es immer wieder sowohl Eltern als auch Lehrer, die dazu nicht in der Lage sind.

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Nania 07.02.2019, 14:04
35.

Zitat von dabri
Vielleicht haben Sie es noch nicht mitbekommen, aber in den so modern gewordenen Halb- und Ganztagsschulen ersetzt die Stillarbeits- bzw. Lernzeit (oder wie sie auch immer genannt wird) die Hausaufgabenzeit. Ist ja angeblich einer der großen Vorteile dieser Schulformen, dass zu Hause mehr oder weniger keine Hausaufgaben mehr erledigt werden müssen, da das ja im Prinzip in der Schule unter fachlicher Anleitung viel besser funktioniert als mit Mutter oder Vater. Im Prinzip. Nur leider klappt das mit der fachlichen Anleitung nicht so ganz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Aufgaben gelöst und sogar von einer Lehrkraft gegen gezeichnet wurden. Allerdings wurde nicht darauf geachtet, ob die Aufgaben auch RICHTIG gelöst wurden. Das wurde erst in der nächsten Mathearbeit bemerkt, als ein bestimmter Aufgabentyp systematisch falsch gelöst wurde. Leider klappt das mit dem eigenverantwortlichen Lernen nicht bei allen Kindern, da es tatsächlich Kinder gibt, die einfach keinen Bock auf Schule haben und einer kontinuierlichen Begleitung bedürfen. Gerne würden wir als Eltern das bei unseren Kindern übernehmen. Nur wie, wenn das Arbeitsmaterial z.T. in der Schule verbleibt, einige Lehrbücher nur stundenweise ausgegeben werden, wir gar nicht die Wahl haben unsere Kinder im näheren Umfeld auf eine "normale" Schule mit HAUS-Aufgabenzu schicken?
Andersherum wird ein Schuh draus:
Sie setzen sich für gemachte Hausaufgaben ein - andere Eltern hingegen nicht. Sie können vielleicht Ihrem Kind sogar helfen - andere Eltern können das nicht. Mit einem solchen System benachteiligen Sie also die Kinder, die aus Haushalten kommen, in denen sich um Schulbildung nicht bemüht wird.
Zudem: Es ist immer angenehmer, nach Hause zu kommen und von der Schule oder der Arbeit wirklich "Feierabend" zu haben. Für Kinder halte ich das sogar für noch wichtiger. Ich erinnere mich noch an Hausaufgabenmarathons, die dazu geführt haben, dass ich um 14 Uhr aus der Schule kam, bis 14.30 Uhr gegessen habe und dann bis 18.30 an den Hausaufgaben saß - denn es gab und gibt Lehrer, die Hausaufgaben aufgeben, die Stunden (!) in Anspruch nahmen. Danach gab es Abendessen, vielleicht noch was im Fernsehen oder ein Buch - dann: schlafen Hobbies blieben da auf der Strecke, Freizeit leider auch.

Zum Thema LEG: Ich finde das eine sinnvolle Sache. Denn so lernen Kinder schon früher, über sich selbst zu reflektieren, können sich selbst besser einschätzen und bekommen vielleicht sogar ein bisschen mehr Selbstvertrauen, weil in jeder Reflexion auch ein Feedback für den Lehrer stecken kann.

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unit 07.02.2019, 14:27
36. LEGs sind sinnvoll und bei uns komplett anders!

Auch ich kann nur sagen, dass es zu mindestens bei uns in München ganz anders abläuft. Elternsprechtage sind eine separate Veranstaltung, bei den LEGs reden nur Lehrer und Kinde miteinander. Ein Elternteil sitzt als stiller Beobachter dabei. Im Vorfeld müssen sich die Kinder mittels einer Skala (könnte besser sein bis tiptop) auf einem ausführlichen Fragebogen selbstbeurteilten – das wird im Unterricht mit der Lehrerin gemacht. Im LEG werden dann die verbesserungswürdigen, aber auch besonders guten Punkte mit dem Kind besprochen. Für die ersten Klassen ist das eine wirklich sinnvolle Alternative zu den abstrakten Schulnoten. Und auch die Eltern erfahren so mehr darüber, wie das Kind sich wirklich in der Schule macht und was ihm Schwierigkeiten bereitet. Eine schlechte Note kann ja alles bedeuten, von "kann ich nicht" bis "mir ist total langweilig".

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markus_schm 07.02.2019, 14:29
37. Tocher 2 hat sich geweigert zu unterschreiben...

Wir haben 7 LEGs mit zwei Töchtern über die Jahre hinter uns und ich pflichte Frau Müller bei, dass der gut gemeinte Zweck nicht erfüllt wird.

Alleine das Setting verursacht Stress bei den Kindern. Ich erkenne meine Kinder nicht wieder, derart eingeschüchtert rutschen sie in dieser Situation auf dem Stuhl herum. So sind sie weder zu Hause noch im Regelbetrieb in der Schule.
Unsere Kleine ist super in der Schule, schreibt fast immer Einsen. Trotzdem blieb davon ein Satz übrig "Ich beteilige mich noch mehr im Unterricht." Diesen Satz, sicher richtig und gut gemeint, mussten dann alle unterschreiben. Somit wurde ein ganzes Schulhalbjahr eines Kindes in 7 Fächern auf diesen einen Satz (scheinbar) reduziert (ein Zeugnis oder Kompetenzbericht gibt es zum Halbjahr nicht).

Zweiter Fall: unsere große Tochter hat Lernschwierigkeiten: Konzentration, Tempo, zurückhaltend, daher keine schlechten, aber mittelmäßige Noten. Daher sind wir sowieso regelmäßig in Kontakt mit der durchaus verständnisvollen Lehrerin. Alle wissen was los ist. Und trotzdem muss das Kind durch die LEGs und bekommt einen Satz reingeschrieben, den es gar nicht umsetzen kann, obwohl es besser sein möchte.

Bei einem LEG hat sie sich geweigert, einen Satz im LEG, den die Lehrerin mit uns in einem Telefonat zwei Tage vorher abgestimmt hatte, zu unterschrieben. Unsere Tochter wusste, dass das, was da stand, sie ermutign sollte, von ihr nicht umgesetzt werden konnte, auch wenn sie gewollt hätte. Fanden wir mutig von ihr, aber nicht hilfreich. (Ja, jetzt kommt sicher der Zwischenruf "Ziele müssen erreichbar sein, böse Lehrerin/Eltern", aber glauben Sie mir, die Welt ist "in echt" komplizierter und es laufen weniger Idioten (auch außerhalb von Bayern) rum, als es im spiegel-Forum gerne dargestellt wird. Und dazu zähle ich auch Frau Müller, die hier mit dem leeren Heft sicher pointiert.)

Mein Fazit nach 4 Jahren LEGs: ein Komptenzbericht und zusätzlich 2-3 Proaszeilen zum Wesentlichen und ggf. ein anlassbezogenes Telefonat mit der Lehrerin ohne Kind und dann Gespräche beider Seiten mit dem Kind, helfen 100mal mehr, als ein solches schematisiertes LEG, das bei Kind 1 kaum nötig ist und bei Kind 2 alle im Gespräch das Wesentliche ausklammern, weil es zum Schutze des Kindes erforderlich ist...

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r_dawkins 07.02.2019, 14:32
38. Warum der Artikel über Lernentwicklungsgespräche Mumpitz ist

Das Lernentwicklungsgespräch ist keineswegs der Ersatz für eine Elternsprechstunde, sondern ermöglicht dem Kind seine Selbsteinschätzung mit der Einschätzung der Lehrkraft abzugleichen.
Und dies in Hinblick auf das Zwischenzeugnis.
Da hat die Autorin evetuell was falsch verstanden.

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mexiko2016 07.02.2019, 14:36
39. Niveaulos

Einzelerfahrungen generalisieren und dann noch ein bisschen Lehrer-Bashing - wow - das nenne ich Niveau. Ich arbeite nicht an einer Grundschule - zugegebenermaßen - sondern an einem Gymnasium (besonders böse nehme ich an, weil irgendwie elitär) und erlebe den Elternsprechtag - so heißt er bei uns immer noch - in der Regel als durchaus gewinnbringend für beide Seiten. Als Englisch- und Deutschlehrerin bin ich im übrigen jedes Jahr aufs Neue fast ausgebucht - und das liegt nicht daran, dass ich Menschen unnötigerweise in die Schule zitiere, um sie in 15 Minuten mit einigen Banalitäten abzuspeisen, weil ich natürlich als pädagogisch blinde Oberstudienräten keinen Blick für meine Schüler habe, sondern vor allem an den Eltern, die um Termine bitten, weil sie sehen möchten, wer hinter dem Namen "Frau X.", den ihre Kinder zu Hause mal am Essens- mal am Abendtisch erwähnen, eigentlich steckt. Kann man beim Spiegel nicht für ein bisschen mehr Niveau und Seriosität sorgen? Eine Unverschämtheit.

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