Forum: Leben und Lernen
Ganz harte Schule: Wo bekomme ich einen Schwer-nervig-Ausweis für mein Kind?
Birte Müller

Als Mutter eines behinderten Kindes hört sie ständig neue Wortkreationen, mit denen um den Begriff Behinderung herumgeredet wird. Dabei liegt das Problem ganz woanders.

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Hans.Meier 25.05.2019, 19:49
1. Beeindruckend offen!

Danke für den Einblick, es legt ohne Drumherum reden offen, welchen Weg wir zu einer wirklich inklusiven Gesellschaft noch vor uns haben.

Teilhabe ist nebenbei bemerkt ein Begriff aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Sozialgesetzbuch, welches jedem Menschen ein Recht auf chancengleiche Teilhabe an verschiedensten Dingen garantieren soll (nicht ausschließlich auf Menschen mit Behinderung bezogen). Daher ist es nicht unbedingt fair, Lindner diesen Begriff vorzuwerfen. Er ist eher Symptom der durch unser Recht bestimmten Gesellschaft. Somit betrifft diese Kritik uns alle.

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kelcht 25.05.2019, 19:59
2.

Als Träger des grünen Ausweises hat mich das Wort Behindert als Schimpfwort das in Familie und Freundeskreis oft verwendet wurde weil das Rick und Morty auch machen, ist das dann sogar hipp und cool das unkorrekte B Wort zu verwenden. Was gewirkt hat? Die Antilopengang und zwar Danger Dan. Ich habe aus einem Sing dieses Künstler die Worte entnommen Behindert ist ein Schimpfwort Du Hurensohn und es dem Beileidiger umgehend an den Kopf geworfen. Seit dem nisch mehr ein Behinderter als Schimpfwort.

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kelcht 25.05.2019, 20:22
3. @#1

Echt ging das früher ohne Risiko? Man kenne Downies und bin mit ein paar von denen flüchtig befreundet. Einer schaut jetzt im Moment den FCB aber 3. Liga und Risikospiele schließt für mich auf eine gewisse Retadiertheit beim Verein bzw. den Fans.

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Cäcilius 25.05.2019, 20:25
4. Und was kommt als nächster Vorschlag zur Abhilfe des "Problems"?

Und was schlägt hansa_vor als nächste Möglichkeit zur Abhilfe des "Problems" Willi vor? Damit "Andere" nicht "leiden" müssen? Damit ein Mensch wie Willi nicht dem "gesunden Volkskörper" zur Last fällt? Vielleicht etwas zum Einatmen oder eine Spritze? Das hatten wir doch vor rund 80 Jahren schonmal im Lande. Das nannte sich damals "Aktion T4", auch als "Euthanasie" bezeichnet. Der Schritt vom Vorwurf gegenüber Eltern "so ein behindertes Kind hätten Sie doch verhindern können/müssen" zu "das ist lebensunwertes Leben" ist nur ganz klein. Wie sagte Brecht ganz richtig: "Dass keiner uns zu früh da triumphiert – Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

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milla6 25.05.2019, 20:31
5.

Ich hab zwei gesunde Jungs und könnte auch mindestens zweimal jeden Tag den „ich-bin-heute-nervig“ Ausweis vorzeigen.....
Das Problem sind nicht unsere Kinder (egal ob behindert oder nicht behindert).... das Problem ist das Umfeld welches immer weniger Freude an echter Lebensfreude, Individualität und immer weniger Toleranz gegenüber intensiven Gefühlslagen und Verhaltensweisen hat..... wehe man fällt auf.....

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derwerfedenersten 25.05.2019, 20:35
6. Lieber Hansa vor

Vielen Dank für Deinen tollen und geistreichen Beitrag. Nach all den Jahren, die ich die Kommentare hier lese, hat es erst Dein Kommentar geschafft mich davon zu überzeugen, mich auch anzumelden - einfach um Dir zu sagen, was ich von Dir halte: NICHTS!
Vielen Dank an die Autorin dieses sehr schön geschriebenen Artikels für den Einblick in Ihr Leben.
Von einem Vater zweier gesunder Kinder (und das ist kein Verdienst sondern einfach nur ein Geschenk)

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Nordstadtbewohner 25.05.2019, 20:41
7. Denotation vs. Konnotation vs. politische Korrektheit

"Das Wort wird ständig als Schimpfwort missbraucht. Es gibt wohl keinen Schulhof, auf dem es nicht täglich jemandem entgegengebrüllt wird. Ich habe es sogar im Unterricht gehört und in meiner eigenen Familie ernsthaft darüber diskutieren müssen, ob es denn wirklich eine Diskriminierung sei. "Die Kinder sagen das halt so, es ist gar nicht böse gemeint.""

Ich denke, dass die Autorin der Kolumne einige Begriffe/ Dinge in Bezug auf das Wort "behindert" nicht wirklich kennt. Das Wort "behindert" steht in seiner Hauptbedeutung (= Denotation) für eine körperliche oder geistige Behinderung. In seiner Nebenbedeutung (= Konnotation) steht es zum Beispiel auf dem zitierten Schulhof für ein kritisiertes soziales Fehlverhalten, das nichts (!) mit einer körperlichen/ geistigen Behinderung zu tun hat. Wenn sich also Kinder/ Jugendliche dieses Wort an den Kopf werfen, hat das eben nichts mit Behinderten zu tun, noch sollen sie damit beleidigt oder verunglimpft werden. Dass sich, wie die Autorin richtig feststellt, viele Menschen im Alltag um das Wort "behindert" herumwinden, hat nichts mit der Schulhofsprache von Kindern und Jugendlichen zu tun, sondern mit der zunehmenden politischen Korrektheit, die immer mehr zu den zunehmenden informellen Zwängen gehört. Und was den Teilhabebegriff angeht: Ich habe selbst 3 Kinder, für die ich in erster Linie verantwortlich bin. Das erwarte ich ebenso von der Autorin, die zwischen den Zeilen Sonderrechte einfordert und eben nicht versteht, dass das Leben sich nicht nur um sie selbst dreht.

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anhansavor 25.05.2019, 20:57
8. Lieber Hansa vor ll

Lieber Hansa vor, dann hoffe ich für Dich, dass Deine Gesundheit noch intakt ist. Denn solltest Du - durch welchen Umstand auch immer - irgendwann keinen Nutzen mehr für diese Gesellschaft bringen, warum sollte diese Gesellschaft sich dann noch mit Dir rumärgern?

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christiandex 25.05.2019, 21:04
9. also? Behinderte Menschen an erster Stelle?

Mir scheint, die Autorin möchte nicht teilhaben, nicht inkludiert werden, keine Teilhabe oder Inklusion für ihren Sohn. Sondern an erster Stelle, da sollen sie stehen.

Teilhabe bedeutet für mich Gleichberechtigung. Und ich verstehe nicht, wieso das Orchester und alle anderen auf das Konzert verzichten sollen (ganz oder teilweise) für eine Einzelperson. So funktioniert es nicht. Auch nicht für nicht-behinderte Menschen. Also muss ich mich anfassen und stören lassen? Wegen Artikel 3 GG? Wohl kaum

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