Forum: Leben und Lernen
Gefühlte Fünf: Lehrer dürfen Noten falsch runden

Ein Schüler steht in Französisch rechnerisch bei 4,41, bekommt trotzdem eine Fünf und bleibt sitzen: Ist das gerecht? Es ist zumindest rechtens, entschied jetzt das Verwaltungsgericht Braunschweig. Lehrer dürfen bei der Notenvergabe von der errechneten Leistung abweichen.

Seite 3 von 53
marit 06.09.2010, 21:46
20. ausreichend oder mangelhaft

Zitat von MünchnerBub
Ich habe mal vor 50 Jahren gelernt, dass man Zahlen <5 abrundet und Zahlen >5 aufrundet. Ob Lehrer berechtigt sind, ihr Verständnis von Mathematik so zum Nachteil des Schülers zu verbiegen? Das käme einer Revolution der mathematischen Grundregeln gleich.
Das hat nichts mit mathematischen Grundregeln zu tun. Weil die Endnote sich nicht rein Mathematisch Gerundet ergibt. Es gibt den Ermessungsspielraum. Und dieser wurde vor Gericht wieder bestätigt.
Das heißt wenn ein Schüler folgende Noten erreicht: befriedigend, mangelhaft, mangelhaft, mangelhaft.
Sind sie dann wirklich der Ansicht das die Leistungen dieses Schülers „ausreichend“ sind?

Beitrag melden
marit 06.09.2010, 21:49
21. .

Zitat von Sylvator
Aber da das Urteil ja richtungsweisend für die Zukunft sein soll, macht es mich doch betroffen.
Das Urteil besagt weder das die Lehrer machen können was sie wollen, noch das ein Lehrer keine gerechtfertigte Note geben darf.
Das Urteil bestätigt nur das die Endnote eben nicht eine rein rechnerische Note ist sondern sich aus den Gesamtleistungen ergibt und auch die Tendenzen berücksichtigt.
Welche Note würden sie jeweils geben:
Fall 1:
Schriftlich: 1,5; 5,0*
Mündlich: 1,0; 1,0
Referat: 1,7
* totaler Blackout bei der Arbeit
Die angemessene Note im Zeugnis ist hier eine 3,0 ?

Fall 2:
1. Halbjahr:
Schriftlich: gut
Mündlich: gut
Heft: ungenügend (nicht abgegeben)
2. Halbjahr:
Schriftlich: gut
Mündlich: sehr gut
Die Note die die Leistung am besten beschreibt ist auch hier eine 3 (befriedigend)?

Und ist auch dies für sie eine 3 (befriedigend):
Noten im Laufe des Schuljahrs: 2 (gut), 3,8 (ausreichend), 4 (ausreichend), 4 (ausreichend)


Würden sie behaupten alle drei Schüler sollten eine 3 erhalten da sie genau die gleiche leistung erbracht haben?

Zitat von Sylvator
Und wo die Eltern weder französisch noch englisch sprechen, um ihren Zöglingen unter die Arme greifen zu können.
Wenn man Heutzutage in den meisten Schulen zu den Elternabenden und Sprechstunden erscheint dann erfahren diese Eltern wie sie mit den Kindern trotzdem lernen können, welche kostenlosen Angebote es an der Schule gibt und mit welchen Kindern ihr Kind kostenlos lernen könnte.

Zitat von Sylvator
Und die ihren Kindern auch nicht erklären können, wie man eigentlich strukturiert lernt, um nachhaltig Erfolg zu haben, da sie selbst nur Hauptschulabschluss haben und - wie in meiner Familie - Arbeiter sind.
Wer als Schüler heute in der Schule aufpasst erfährt dies an der Schule (BaWü). Je nach Organisation in:
Projekttagen, Methodenwochen, Schulungen oder Integriert.

Zitat von Sylvator
Ich kann mich noch gut erinnern an meine Schulzeit am Gymnasium (in den 70ern und 80ern) - In meinem Fall (2 mal 4,5 - dafür aber fünf 2er zumeist in Hauptfächern, und meine Eltern hätten nie gewagt, einen "Herrn Lehrer" in ihre bescheidene Behausung einzuladen) war es ein Fall für die Lehrerkonferenz, und man befand es für besser, mich nicht zu versetzen).
Ich weiß jetzt das Bundesland nicht und welche Gesetzesänderungen es dazwischen gab.
In BaWü bleibt man nicht sitzen wenn man zwei 5er hat und man in den restlichen Hauptfächern nur zweier hat.
Kann es sein die zwei 5er im Hauptfach waren und es im Hauptfach nur eine „2“ gab?
Dann würde es nämlich nicht reichen.

Zitat von Sylvator
Wundert ja auch nicht - schon bei der Anmeldung meinte die Sekretärin: "Der Vater ist Arbeiter - und da ist der Junge so gut?" Das war übrigens an einem "humanistischen" Gymnasium in einer süddeutschen Kleinstadt.
Als meine Mutter mit der Grundschule fertig war durfte sie nicht aufs Gymnasium gehen weil Mädchen sowas nicht machen.
Und deswegen werden jetzt heute im Jahr 2010 die Mädchen immer noch an der Schule benachteiligt und auf dem Gymnasium diskriminiert.
Kann es sein das ihnen da ein paar Veränderungen in den letzten Jahren entgangen sind?

Beitrag melden
latinistin 06.09.2010, 21:49
22. ich habe...

...einen nachhilfeschüler betreut, der in seinem zeugnis zunächst eine 6 in englisch am gymnasium hatte, die aber hauptsächlich durch leistungsverweigerung und schwänzen zustande gekommen ist. im schuljahr darauf konnte er sich durch regelmäßige teilnahme am unterricht sowie nachhilfeunterricht auf eine 4 steigern. klingt gut, ist aber dennoch keine besondere leistungssteigerung, denn dieser schüler ist, trotzdem er muttersprachler und weitestgehend dialektfrei ist, nicht in der lage ein korrektes präteritum eines deutschen verbs zu bilden. aus "ich schwamm" wird da mal ganz flott ich schwimmte. folglich ist es ihm auch nicht möglich, einen deutschen satz mit korrekter zeitform ins englische zu übertragen. (gerade beim simple past ist das deutsche präteritum enorm wichtig). nun regt er sich auf, dass er zum zweiten halbjahr trotz einer 2 in einer gruppenarbeit und einer 3 beim basteln einer mappe zu london ( die texte waren alle komplett aus wikipedia kopiert wobei er es leider versäumt hat, die ihm unbekannten vokablen wenigstens nachzuschlagen) seinen schnitt zwar auf 3,44 steigern konnte, aber dennoch eine 4 im zeugnis hatte. hier liegt genau das problem: kenntnisse beinahe null, ne 4 im kurztest durch abschreiben erreicht, deutschkenntnisse für den englischunterricht unzureichend und bei spielerchen gute noten. soll ich da als lehrer wirklich eine 3 geben, die als worturteil "befriedigend" bedeutet? der gesmatleistung des schülers würde das wohl kaum entsprechen. da wäre selbst "ausreichend (4)" fast noch geschenkt.....ähnlich wird es wohl dem lehrer des französisch-schülers gegangen sein. wenn die leistungen nicht glatt "ausreichend" sind (alles was schlechter als 4,0 ist, zählt im späteren leben sowieso als durchgefallen), sind wohl akute mängel vorhanden. das orturteil "mangelhaft" wird es dann sicher besser treffen!

p.s. im abi war ne 4- 4 punkte wert und die galten als kursausfall und brachten einen ziemlich nah an das nichtbestehen des abiturs.

Beitrag melden
johannes.labisch 06.09.2010, 21:55
23. Titel liest doch eh niemand

Zitat von Sylvator
Trotzdem finde ich es arrogant, wenn man die Möglichkeit, Nachhilfeunterricht zu finanzieren oder mit den Kindern Fremdsprachen zu lernen als selbstverständlich voraussetzt.
Nicht selbstverständlich. Aber wenn die Eltern die Möglichkeit haben, einen Anwalt zu beauftragen gehe ich davon aus, dass sie auch einen Nachhilfelehrer beauftragen könnten.

Es ist mir aber im Artikel nicht aufgefallen, dass dies gemacht oder versäumt wurde. Vielleicht haben sie ja das alles versucht... egal wie, ich meine, mit einem leichtfertigem Gang vor Gericht wird eine Kind eine falsche Problemlösungsstrategie vorgelebt (nein, ich bin kein Lehrer, auch wenn ich grade wie einer klinge), aber ob dies in diesem Fall so war, weiß ich nicht.

Beitrag melden
Ulrich lr. 06.09.2010, 22:01
24. Gute Vorereitung auf das Leben

Zitat von Schiffchen
Schulnoten sollen eben nicht nur den rechnerischen Schnitt wiederspiegeln, sondern auch den tatsächlichen Leistungsstand. Das ist der traditionelle Bewertungsspielraum der Lehrer. Man tut niemanden mit Kuschelnoten einen Gefallen, sondern bestärkt eher noch schwächere Schüler.
Tolles Urteil.
Wozu gibt es noch Noten, wenn sie dann doch keine Rolle spielen?
Rechnerischer Durchschnitt nicht schlecht genug? Dann gibt es eben den Nasen-Malus hinterher.

Mein Sohn stand mal in einem Fach (Geographie) so bei 2,7. Auf dem Zeugnis erschien eine "4". Aus pädagogischen Gründen. Wegen der "Tendenz" und weil er nach Meinung seiner Lehrerin "unter seinen Möglichkeiten" geblieben war. Immerhin befände man sich am Gymnasium, wo die Anforderungen eben höher seien usw. usf.

In Französisch gab's dann ein Jahr später bei 3,0 ebenfalls eine "4".

So sind'se eben - unsere Lehrer.

Ich finde, dass ist eine hervorragende Vorbereitung auf's spätere Leben: Da geht's auch nicht besonders gerecht zu.

Beitrag melden
Fruusch 06.09.2010, 22:16
25. .

Zitat von Sylvator
Können Sie sich vorstellen, dass es Familien gibt, in denen nicht so viel Geld vorhanden ist, dass man Nachhilfelehrer bezahlen kann?
Der Einwand ist sicher berechtigt. Es gibt allerdings auch deutlich kostengünstigere Möglichkeiten, sich in der Schule zu verbessern als teure Nachhilfelehrer zu bezahlen. Stichwort Nachbarschaftshilfe, Bibliotheksbesuch, sinnvoller Einsatz des Internet, sinnvoller Einsatz von günstiger Lernsoftware, sich mit den Hausaufgaben wirklich beschäftigen und sie nicht nur als lästige Pflicht ansehen... Die Eltern können ihre Kinder dabei gewaltig unterstützen - einfach indem sie ihnen den Rücken stärken und sie positiv ermuntern, weiterzumachen - auch wenn sie selber ansonsten nichts machen können, weil das eigene Wissen oder das Geld fehlt.

Zitat von Sylvator
Wo es aber dafür nicht reicht, ist man der Willkür sogenannter Pädagogen ausgesetzt, [...]
Also da driften Sie jetzt aber ganz stark in den Bereich der Polemik ab...

Ja, eine Notenentscheidung ist immer subjektiv - das muss sie aber auch sein, immerhin geht es hier um einen Menschen, der von einem anderen Menschen beurteilt wird! Auch in den Schulgesetzen der meisten Bundesländer steht sogar explizit drin, dass Noten nicht durch Mittelwertbildung errechnet werden dürfen, sondern nach pädagogischen Gesichtspunkten festgesetzt werden. Darum gibt es ja auch am Ende des Schuljahres die Klassenkonferenz, die die Noten gemeinsam festlegt. Und da kann aus einer "4,41" eben auch mal eine "5" werden - umgekehrt aber auch aus einer "4,6" eine "4". Beides ist möglich und beides ist auch Realität. Also bitte nicht immer nur die eine Seite betrachten, weil sich damit so herrlich über die ach so bösen Lehrer schimpfen lässt!

Über den mathematischen Unsinn der Mittelwertbildung bei Noten wurde ja schon genug geschrieben.

Weshalb jetzt diese Eltern am völlig unsinnigen Runden festhalten ist aber ebenso klar - man glaubt, mit einer pseudo-objektiven Methode der "Willkür" der bösen Lehrer entgegentreten zu können. Wenn man aber den Lehrern schon Willkür unterstellt, sollte man bedenken, dass die Einzelnoten ebenso willkürlich entstehen können...

Zitat von Sylvator
Ich kann mich noch gut erinnern ... [Rest gelöscht]
Tut mir leid, aber die Situation von heute mit der vor 30 Jahren zu vergleichen ist doch albern. Nicht nur die Schlgesetze haben sich inzwischen stark verändert, auch die Art des Unterrichts und vor allem die Lehrer sind anders. Auch ich hatte früher nur Frontalunterricht, und die Gattung "Herr Lehrer" gab es damals auch noch. Heutzutage wäre das eine negative Randerscheinung, die sofort auffallen würde.

Beitrag melden
Narn 06.09.2010, 22:55
26. Die lieben Eltern...

nützen ihrem Kind mit einem solchen Vorgehen überhaupt nicht, sondern Schaden ihm nur. Wären sie mit der Klage durchgekommen, wäre der Junge halt in der 8. Klasse sitzengeblieben, und hätte den Französischunterricht von ZWEI Jahren nacharbeiten müssen! Und dazu noch die Defizite in Mathe.

Meine Eltern hätten auf den Tisch gehauen und mich zum Pauken verdonnert. Dafür hätte ich nichtmal ne Fünf gebraucht, ne Vier war schon schlecht genug. Die Eltern sollten vielleicht mal zu den Elternsprechtagen gehen um sich die Argumentation der Lehrer anhören zu können. Und endlich davon runterkommen, dass ihr Kind ja sowas von toll ist, und die Lehrer nur sein Genie nicht erkennen.

Notenvergabe ist seltenst gerecht. Wir hatten Lehrer, die offenbar die Noten ausgewürfelt haben. Dann gabs da die Schleimer und die Labertaschen denen die Punkte hinterhergeschmissen worden. Und oft sagten die Lehrer, hier komm, du hast ne Vier verdient, aber ich geb dir mal ne Drei und erwarte auch ne Leistungssteigerung im nächsten Halbjahr. Und idR hat dieser Ansporn auch geklappt.

Lächerlich, wegen sowas vor Gericht zu ziehen.

Beitrag melden
marit 06.09.2010, 23:41
27. .

Zitat von Ulrich lr.
Mein Sohn stand mal in einem Fach (Geographie) so bei 2,7. Auf dem Zeugnis erschien eine "4". A In Französisch gab's dann ein Jahr später bei 3,0 ebenfalls eine "4".
Und was haben sie dagegen gemacht?
Beides bewegt sich nicht mehr im Ermessungsspielraum (außer manche Arbeiten würden nicht gezählt, was ich aber nur bei Härtefellen kenne).
An allen Schulen die ich kenne wäre so eine Note nicht durch die Konferenz gekommen. Da hätte der Lehrer schon vorher beim Rektor antanzen dürfen und die Note wäre schon vorher geändert worden.

Beitrag melden
marit 06.09.2010, 23:48
28. Möglichkeiten

Zitat von Sphosos
oder wie kommen sonst die sogenannten mündlichen Noten zustande??? Sogenannte 'Leer'kräfte brauchen halt zweimal einen Ermmessensspielraum um die "leere" etwas zu rechtfertigen. Armselige Wichte, die sowas wie dieses Urteil noch zur weiteren Legitimation Ihrer Vorlieben, Willkür und Günstlingswirtschaft brauchen!
Wo waren sie auf der Schule das sie nicht einmal die minimalsten Grundlagen kennen wie heutzutage mündliche Note erstellt werden können:
- Bewertung von Beiträgen im Unterricht
- Referate
- Vorträge
- Präsentationen von Gruppenarbeiten, Hausaufgaben ...
- Selbstbeurteilung
- ...

Beitrag melden
mörk 06.09.2010, 23:54
29.

Es ist doch völlig egal, wie gerundet wird, da die Noten ohnehin subjektiv vergeben werden. Meine Gymnasialzeit liegt inzwischen 7 Jahre zurück, aber folgendes habe ich da erlebt:

Das erste war eine Deutschklausur. Geschrieben. Note 2.
Später blieb ich sitzen (wegen Chemie), hatte in Deutsch eine andere Lehrerin, dasselbe Thema, also schrieb ich in der Klausur dasselbe wie beim ersten Mal. Note 4.

Zweites Beispiel Mathe. ich war in Mathe nie sonderlich gut, also nahm ich Nachhilfe. Mein Nachhilfelehrer (selbst Lehrer an einem Gymnasium) stellte mir eine Aufgabe, die sich konkret auf meinen Unterricht bezog. Da ich den Rechenweg noch immer nicht begriffen hatte versuchte ich zu improvisieren - und kam zum korrekten Ergebnis. Lob vom Nachhilfelehrer: Dein Rechenweg ist sogar kürzer! Logischerweise wendete ich exakt diesen Rechenweg in der Klausur an. Note 5. Argumentation des Lehrers: Es sei ja schön, dass das Ergebnis stimmt, aber es sei viel wichtiger, dass ich den Rechenweg (also seinen) verstehe.

Ich könnte das mit noch zahlreichen Beispielen weiterführen, aber die Aussage bliebe gleich.

Ich verdiene inzwischen gut als Freelancer im Bereich Medien/Kultur. Dass die Schule mir dabei geholfen hätte kann ich nicht behaupten. Man merkt erst im Nachhinein, wie viel des vermittelten Wissens auch schlicht faktisch falsch war oder was für Nieten einige Lehrer in ihren eigenen Fachgebieten sind.

Beitrag melden
Seite 3 von 53
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!