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Gegen Leistungsdruck: Britische Eltern rufen zum Schwänzen auf
Corbis

Eltern in Großbritannien wollen ihre Kinder einen Tag lang die Schule schwänzen lassen - aus Protest gegen Leistungsdruck. Sie ärgern sich vor allem über neue nationale Tests für Grundschüler.

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Frida_Gold 28.04.2016, 22:53
1.

Bruchrechnung und rechnen mit Platzhalter finde ich für die zweite Klasse wirklich etwas krass. Dann doch lieber sicher Plus und Minus und das kleine Einmaleins. Wortartenbestimmung hatten wir glaube ich in der dritten Klasse - in den ersten zwei Jahren ging es darum, Lesen und Schreiben zu lernen. Dazu viel Sachkunde, wenig Stress und viel Freizeit zum Spielen nachmittags. Aber das waren die seligen 80er Jahre, aus Kindersicht vermutlich eine der besten Dekaden überhaupt mit vielen Freiheiten.

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nolabel 28.04.2016, 23:03
2. Liebe Kinder,

Schule schwänzen ist immer gut und befreiend, geht aber auch ohne elterliche Anweisung. Ihr kennt doch bestimmt jemand, der schon (eine Entschuldigung) schreiben kann ,-)

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zulbor 28.04.2016, 23:04
3. Gefährlicher Trend der Statistik in der Bildung

Nach einem Praktikum an einer englischen Schule war ich richtiggehend geschockt über den Einfluss der statistischen Aufbereitung im Unterrichts.
Jeder Schüler darf am Ende des Jahres einen der beiden nationalen Vergleichstests schreiben, in dem dann das Wissen des Jahres abgefragt wird.
Der Lehrer der Klasse wird danach beurteilt und bezahlt, wie viele seiner Schüler "from A to C", also zwischen 1 und 3 liegen, und in den ersten Tagen gab es im Lehrerzimmer kein anderes Thema.
Wenn es um den Unterricht ging, den ich dort halten durfte, war der Grundsatz immer:
Egal was man mit den Schülern macht, am Ende müssen diese 5 Sätze im Heft stehen.
Die Fokussierung auf diese Vergleichstest, an denen auch die wirtschaftliche Existenz der Lehrer hängen kann, hat ein richtiggehendes Klima der Angst unter den Lehrern geschaffen, die sich nicht mehr trauen, den Unterricht nach ihren Wünschen zu gestalten sondern nur die statistischen Auswirkungen im Kopf haben.
Jeder Ansatz von sinnvoller Pädagogik wird somit in Kern zerstört.
Das Ganze ging so weit, dass sogar der Sportunterricht statistisch überwacht wurde: Am Anfang des Schuljahres mussten alle Schüler ab Klasse 8, die Sport belegten, in der Turnhalle überprüfen lassen: wie viele Liegestütz und Situps schaffen sie in 30 Sekunden und wie dehnbar ist ihre hintere Beinmuskulatur (es gab sogar eine spezielle Messvorrichtung dafür). Die Schüler hatte bis Weihnachten Zeit, sich statistisch zu verbessern.
Bis Weihnachten bestand der Sportunterricht dann hauptsächlich aus im Kreis laufen, Zirkeltraining und Kraftraum.
Die Leistungen der Schüler insgesamt?
Unterirdisch. Und das liegt nicht an der Schwierigkeit der Tests, sondern daran, das Bildung nach marktwirtschaftlichen Kriterien und statischer Relevanz gemacht wird.
Der Lehrer, bei dem ich in England übernachten konnte, hat übrigens gekündigt, weil der mehr als die Hälfte der Zeit mit statistischen Auswertungen beschäftigt war.
Jetzt ist er Hausmeister und hat die Lebensfreude wieder.

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rbn 29.04.2016, 00:01
4. hier zeigt sich der Vorteil des deutschen Föderalismus

in GB wird alles zentral von London aus administriert und es ist eine grosse Sache, etwas zu verändern oder zu verhindern.
Deutschland hat es besser. Hier wären 16 verschiedene Regelungen möglich und wenn man von Norden her über die Mainlinie blickt, so erkennt man, dass Bayern immer die beste Variante hat. Man braucht also nur abzukupfern.

Und wenn Bayern derartige Tests hätte, wären sie ex tunc schon gut. Gut, dass Bayern sich von Berlin nicht dreinreden lässt und zu allen Fragen eine eigene Lösung hat.
Grüsse aus München

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Blaue Fee 29.04.2016, 00:56
5. Schwer?

Meine Tochter ist eine Zweitklässlerin und konnte den Mustertest ohne Probleme lösen.

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Untertan 2.0 29.04.2016, 02:30
6. 3/4 von 60

Bruchrechung habe ich erst in der Mittelstufe gelernt. Mit 6 oder 7 Jahren (erste bis zweite Klasse) hätte ich denen auf die Frage ein Kanninchen gemalt...

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mimas101 29.04.2016, 05:15
7. Hmm Tja

das englische Schulsystem hat halt nicht den besten Ruf und Geschichte hört da sowieso chronisch mit 1945 auf.
Da kann man nachvollziehen das man da staatlicherseits modernisieren will.
Liest man die Forderungen der Eltern dann liest sich das teilweise wie ein häusliches Versagen den lieben Kleinen von sich aus z.B. Schuhe binden & Co oder mal das kleine Einmal-Eins beizubringen. Wie wäre es also wenn die Eltern selbst etwas mehr zum Erfolg ihrer Kinder beitragen würden als gleich zu streiken?

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sarkasmis 29.04.2016, 07:33
8. Schule ohne Druck

Man kann seinen Schülern schon eine Waldorfschulerziehung angehen lassen, ohne jeden Leistungsdruck, nach dem Lustprinzip. Eine Schule in der Kinder lieber Werken können statt sich mit Mathe zu quälen. Das böse Erwachen kommt aber danach, wenn mit 16/18 wenig gelernt hat und man weder einen Ausbildungs- noch Studienplatz bekommt. Das ostasiatische System mag krass sein, aber funktioniert.

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crazy_swayze 29.04.2016, 07:48
9.

Hat dieser Test irgendwelche Konsequenzen? Schlechte Noten, Nachteile in der schulischen Laufbahn? Falls nein, sehe ich das Testniveau unkritisch.

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