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Gehaltsunterschiede der Geschlechter: Sind die Frauen selbst schuld?
Corbis

Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer - in wenigen europäischen Ländern ist das Einkommensgefälle größer als in Deutschland. Einige Ursachen sind schnell erklärt. Sind die Frauen am Ende selbst am Rückstand schuld?

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Greyjoy 25.03.2015, 14:36
60. Was soll das? Rechnen und dann doch wieder raten?

"Doch auch wenn man all diese Faktoren berücksichtigt: Es bleibt eine Lücke, die die Statistiker mit ihren Daten nicht sinnvoll auflösen können. Auf sieben Prozent taxiert das Statistische Bundesamt sie. "Diese sieben Prozent legen den Verdacht nahe, dass es Lohndiskriminierung gibt", sagt Reinhard Bispinck vom WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Da werden Frauen schlicht schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind."

Wenn man den genauen Grund für den Lohnunterschied von ca. 7% nicht kennt, rät man doch nicht einfach um eine Erklärung zu liefern. Jeder Statistiker weiß, dass er damit auf die Nase fällt wenn er bei den Ursachen für statistische Auffälligkeiten einfach mal rät und nicht alle Faktoren errechnet hat. Für das hier angewendete Ausschlussverfahren reichen die Informationen wohl kaum.
Man sollte auch bedenken, dass es sich bei den 7% um einen Durchschnittswert handelt. Es ist durchaus bekannt, dass Frauen bei Lohnverhandlungen weniger fordern und auch nicht so oft nach Gehaltserhöhungen fragen.
Wieso wird dieser Faktor nicht mal in Erwägung gezogen? Jetzt erzähle mir bitte niemand, dass das bereits passiert sei. Das ist nicht so.
Die Daten der Statistiker beziehen sich auf Qualifikation, Branche, Stundenzeit und Arbeitserfahrung. Das sind alles Dinge die man mit Werten bzw. Zahlen versehen und berechnen kann. Eventuelles Sozialverhalten und sich daraus ergebenes Verhalten bei Gehaltsverhandlungen ist da nicht bei. Es wäre sehr interessant die durchschnittlichen Lohnforderungen genau zu erfassen.
Dann sieht man wie Männer und Frauen das verhandeln.
Wenn die Forderungen gleich sind aber Frauen trotzdem weniger kriegen, dann kann man durchaus von bewusster Diskriminierung ausgehen. Wenn Frauen im Durchschnitt weniger fordern, dann ist die Sache klar. Jeder Chef schlägt bei einer niedrigeren Forderung zu.
Ich wette, dann wird die Lohndifferenz aufgrund von sexistischer Diskriminierung wieder kleiner. Wobei man auch als Mann ganz klar erkennen sollte, dass es solche Fälle durchaus immer wieder mal gibt.
Wenigstens wird mittlerweile nicht mehr behauptet, Frauen würden für gleiche Arbeit satte 22% weniger verdienen. Ich hoffe die Zeitgenossen, welche diese Lüge über Jahre aufrecht erhalten haben, schämen sich mittlerweile.

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comtom 25.03.2015, 14:38
61.

Mit der Angst seinen Job zu verlieren - egal wie viel man da verdient, egal wie schlecht er ist - wird von Arbeitgeberseite immer wieder spekuliert und so Gehalt/ Lohn gedrückt oder Arbeitszeiten geschönt.
Dies wird einem schon mit der Muttermilch eingeflößt das jeder Job besser ist als keiner. Vollkommener Blödsinn. Denn genau dies gibt dem Arbeitgeber alle Mittel in die Hand um den Arbeitnehmer in jeglicher Form ins negative anzupassen.

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brux 25.03.2015, 14:40
62. ++++++

Wenigstens mal ein Artikel, der die notwendige Differenzierung vornimmt.

Wer weniger verdient, weil er/sie sich einen schlechter bezahlten Beruf ausgesucht hat, muss sich nicht wundern. Ich bin Ingenieur und da wird auch nicht in allen Branchen dasselbe gezahlt. Das wusste ich aber bei der Wahl der Studienrichtung.

Dass jemand aber für genau dieselbe Arbeit weniger bekommt, geht nicht und ist abzustellen. Man kann Firmen sicherlich recht einfach zwingen, die Gehälter nach klaren Kriterien offen zu legen.

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GoaSkin 25.03.2015, 14:40
63. Persönlichkeit zählt leider mehr als Qualifikation

Nicht alleine gute Bildung und ein anspruchsvoller Job führen zum hohen Gehalt. Vor allem, wenn jemand den lupenreinen Business-Typ verkörpert, wird dies auf dem Gehaltszettel belohnt. Dieser hat im Idealfall das gelbe Parteibild, hat Geschmack beim Kauf eines teuren Autos, spielt Golf, versteht etwas von gutem Wein etc.

In dieser Subkultur der besser verdienenden leben mehr Männer als Frauen. Und nichts wird so sehr auf dem Gehaltszettel belohnt, wie Teil dieser Subkultur zu sein.

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picard95 25.03.2015, 14:43
64.

Zitat von campdavid
Das Problem ließe sich recht einfach lösen, indem Firmen bei Stellenausschreibungen einfach bereits die Gehälter angeben, Punkt. Dieses lästige "Bitte teilen Sie uns ihre Gehaltsvorstellungen mit" führt genau zu einer solchen Ungleichheit. Nicht nur zwischen Mann und Frau übrigens, sondern generell zwischen mehr und weniger selbstbewussten Bewerbern / Arbeitnehmern. Der Vorschlag von Frau Schwesig bzgl. transparenter Gehälter geht in die richtige Richtung, Quoten gehen eindeutig in die falsche.
Erstens das. Und zweitens gibt es Arbeitnehmer wie mich, die sich extrem schlecht verkaufen können und somit in Firmen mit mehr oder weniger frei verhandelbarem Gehalt (IT) auf Dauer weniger bekommen als offensivere Kollegen und auch Kolleginnen.

Für mich persönlich kein wirkliches Problem, aber es verzerrt natürlich in größerem Rahmen die Gehaltsunterschiede bei vergleichbaren Tätigkeiten.

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frank9417 25.03.2015, 14:50
65.

Ich finde, in dieser Diskussion werden viele Dinge durcheinandergeworfen und als "Diskriminierung von Frauen" zusammengefasst, die teilweise gar nicht so zu bezeichnen sind:
- Jungen Männern wird schon bei der Berufswahl eingetrichtert "wie willst du denn mal eine Familie ernähren?", Frauen eher nicht (was natürlich auf alten Rollenbildern aufbaut, aber werden damit nur Frauen diskriminiert?)
- Statistisch entscheiden sich viele Frauen für einen Partner, der mehr verdient als sie selbst (und oft selbstbewusster, entscheidungsfreudiger, durchsetzungsstärker ist usw.) ... damit ist die Frage "wer macht Karriere, wer versorgt die Kinder" schon lange vor dem 1. Kind beantwortet, und zwar von ihnen selbst
- Männer verdienen nicht allesamt *automatisch* mehr als Frauen und machen nicht allesamt *automatisch* Karriere ... hier geht es eher um gewisse Persönlichkeitseigenschaften, die bevorzugt werden, als um das Geschlecht an sich (ganz sicher eine Diskussion wert, aber eben keine reine Gender-Diskussion)
- Alle Menschen verfügen in erster Linie über eine Ressource, nämlich Zeit. Dass es ungerecht ist, dass die Lebenszeit von Erziehern oder Arzthelfern geringer eingeschätzt wird als die von Ingenieuren oder Anwälten, wäre mal eine interessante und längst überfällige Diskussion, hat aber auch wenig mit dem Geschlecht zu tun.
Das ist nur das, was mir spontan dazu einfällt. Dass im Grunde gelten müsste, gleiches Geld für gleiche Arbeit, sollte unter dem Gerechtigkeitsaspekt natürlich klar sein - andererseits, wie groß sind denn die Gehaltsunterschiede nur unter Männern oder nur unter Frauen in derselben Position? Diese Information fehlt hier irgendwie, wäre aber enorm wichtig zur Einschätzung der Lage.

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geando 25.03.2015, 14:51
66. Diskriminierung allenthalben!

Noch etwas zum Thema: Es ist übrigens durch Studien bewiesen, das kleinere Menschen im Schnitt deutlich weniger verdienen als Grössere. Ohne Arbeitsergebnisse zu kennen, wird den grösseren Personen pauschal eine höhere berufliche Kompetenz zugetraut. Warum kommt denn nicht mal der "Size-pay-gap" auf die politische Tagesordnung?

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Widerstandsgewächs 25.03.2015, 15:01
67. guter Artikel

und der Meinung von H. von Platen vom Frauennetzwerk BPW : "Nur weil man die Lohnunterschiede erklären kann, sind sie noch lange nicht gerecht." kann ich vollumfänglich zustimmen!
Allerdings der Verlogenheit der Politik nicht, denn viele Frauenberufe sind outgesourcte Familienarbeit, dazu kommt das erwähnte Dienstalterstufen ein Problem des öffentlichen Dienstes und der Beamten sind, etwas durch den Staat, die Parteien ziemlich schnell Änderbares.
Weiterhin vermisse ich etwas die Diskussion die sich nicht nur auf die Löhne bezieht, sondern auf das Einkommen. Wenn es nur um Gerechtigkeit geht, sollte die Geselllschaft das Einkommen betrachten und nicht die Lohnunterschiede. Wieviel Frauen beziehen eigentlich Unterhalt in der Zeit in der sie nicht am Berufleben teilnehmen können? Die Lohnunterschiede sind bedauerlicherweise nur mit der einseitigen Betrachtung die wenig Rücksicht auf gesellschaftliche Änderung in der Familie nimmt, schwer zu beheben sein!

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Hesekiel 25.03.2015, 15:07
68.

Zitat von Petersbächel
Gleicher Lohn für alle - so einfach. Es ist nicht einzusehen, warum ein Altenpfleger weniger verdient als ein Maurer - lässt man mal den "Dixi-Klo" Faktor weg. Und ja, das mag hinterm Komma irgendwo ungerecht sein. Aber nicht so ungerecht wie die jetzige "Lösung": Die einen rackern sich in Berufen ab, die wir alle brauchen, und bleiben arm, die anderen kriegen das Vielfache. Wegen ? Weiß niemand.
Eigentlich weiss das fast jeder, und haetten Sie einmal ueber die Bedeutung des Wortes "Arbeitsmarkt" laenger nachgedacht, wuesstens auch Sie. Angebot, Nachfrage und zu erreichender Mehrwert entscheiden ueber das Gehalt, so einfach ist es. Kann man falsch finden, "gleicher Lohn fuer alle" ist aber auch nicht durchdacht..

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imperatom 25.03.2015, 15:09
69. Sachfehler

Es hat sich ein Sachfehler eingeschlichen, der Autor schreibt:

"Der deutsche Staat begünstigt diese traditionellen Rollen auch noch: zum Beispiel durch das Ehegattensplitting im Steuerrecht"

In Wahrheit werden unterschiedliche hohe Einkommen aber gar nicht begünstigt. Richtig ist: Unterschiedliche Einkommen zweier Ehepartner (z.B. 20.000 und 40.000 Euro) werden durch das Splitting mit zwei gleichhohen Einkommen (im Beispiel 2x 30.000 Euro) gleichgestellt, da sie die unterschiedlich hohen Einkommen ohne das Splitting höher besteuert würden als die gleichhohen.

Diese Gleichstellung unterschiedlicher Gehälter mit gleichen Gehältern kann man durchaus hinterfragen. Eine Begünstigung gegenüber gleichhohen Gehältern (wie im Artikel geschrieben) findet jedoch nicht statt.

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