Forum: Leben und Lernen
Geständnisse aus dem Hörsaal: "Lehramtsstudenten werden für doof gehalten"
Konstantin Zander

Lehramtsstudenten besuchen zwar dieselben Seminare, doch Dozenten geben ihnen leichtere Aufgaben - und Kommilitonen blicken auf sie herab. Larissa Sarand, 28, erzählt, wie man sich als angehende Pädagogin an der Uni fühlt.

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brotmann 20.05.2016, 18:23
110. @1

Doch das gibt es. Es nennt sich generelles Extremumprinzip (wird wahrscheinlich auch unterschiedlich bezeichnet oder je nach Literatur gar nicht genannt). Wobei die Bezeichnung MinMax wirklich unglücklich gewählt ist, denn die kenne ich als Entscheidungsprinzip für risikoaverse Entscheider. Da die Erklärung im Text jedoch mitgeliefert wird, würde ich hier kein Fass aufmachen.

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Senfei1848 20.05.2016, 18:32
111. Das war bei mir anders.

Immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich deutsche Unis verfahren. Ich hatte in beiden Fächern die selben Kurse und dieselben Leistungen zu erbringen wie alle anderen. Daneben durften wir Lehrämtler noch ein weiteres, halbes Fach, nämlich Erziehungswissenschaften, studieren. Ich bin seit 2014 fertig und habe als letzter Durchgang das Staatsexamen gemacht. Ist das jetzt eine Neuerung des BA/MA-Studiums? Würde mir da etwas mehr Infos wünschen in solchen Uni-Artikeln. Ich kann das gerade nicht einordnen.

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schmel 20.05.2016, 18:33
112.

Ich studiere Deutsche Literatur an der HU in Berlin (nicht auf Lehramt) und kann bestätigen, dass auf Lehramtsstudierende schon etwas herabgeblickt wird, obwohl das, meiner Meinung nach, nichts mit ?Doofheit? derselben zu tun hat. Soweit ich weiß, gibt für alle die gleichen Leistungsanforderungen. Vielmehr wird wohl bemängelt, dass die Lehramtsstudierenden weniger ambitioniert, bzw. einfach mehr auf berufliche Sicherheit bedacht sind als die Germanistik-Studis ohne Lehramt.
Fragt sich nur, was sich der vermeintliche Freigeist später von dieser Einstellung kaufen kann...? Ein bisschen weniger Überheblichkeit von meinem Kommiliton_innen fände ich auch besser.

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Senfei1848 20.05.2016, 18:38
113. Nachtrag

Es geht mir übrigens auf den Sack, 'Tschuldigung, dass hier einerseits immer solche Jammerlehrämtler zu Wort kommen und andererseits die wenigsten Kommentatoren auch nur die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass die Mehrheit der LA-Studenten ganz normale Studenten sind. Ich kann nur sagen, dass ich wenige LA-Studenten kennengelernt habe, deren Attitüde ich als fragwürdig einstufen würde; wohlgemerkt auch in einem gern belächelten Fach wie Philosophie.

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Wasserratte 20.05.2016, 18:44
114. Widerspruch

Zitat von knok
[...] und sagen, dass alle Studiengänge wie Germanistik, Politik usw. praxisfern und unterfordernd sind. Ist zumindest meine Erfahrung aus dem Bekanntenkreis. Nicht ansatzweise zu vergleichen mit Fächern wie Medizin, Chemie, Biologie, Physik, Ingenieurwissenschaften oder auch einigen künstlerischen Fächern. Da muss sich was ändern. Wer Bachelor of Science studiert, hat eine 50-Stunden-Woche, wer Bachelor of Arts studiert 2-3 Vorlesungen pro Woche und vllt. noch 1-2 Hausarbeiten im Semester. 10-15 Seiten Versuchsprotokolle p.w. hat ein Chemiker o.ä. auch schnell zusammen. Das steht in keinem Verhältnis. Sage ich bestimmt nicht aus Neid, sondern aus Sorge um die Zukunft der Geisteswissenschaften in Deutschland. Ansonsten stimmt das mit den Lehramtsstudenten leider schon ein wenig...
Das stimmt so in keiner Weise.
Ich habe Erfahrung in beiden Richtungen (Biologie/Diplom und BA in einer Sozialwissenschaft) und kann das, denke ich, ganz gut beurteilen.
Natürlich kommen in Bio/Chemie/Physik schnell 15 Seiten Versuchsprotokoll zusammen, sie bestehen aber auch aus 'ner Menge "Platzfressern" wie Graphiken, Tabellen, Formeln, Berechnungen etc.. Kurz gesagt: da ist sehr viel Fleißarbeit dabei, die man sehr routiniert und zackig abarbeiten kann. Es gibt keine besonderen Anforderungen an die Sprache, keine lange Auseinandersetzung mit dem theoretischen Hintergrund usw.
Mein Biostudium bestand vor allem aus Blockpraktika, da hat man dann jeweils 4-6 Wochen ernsthaft reinklotzen müssen, die Zeit zwischen diesen Praktika war dann eher easy going. Ich weiß nicht genau, wie viele Wochenstunden ich pro Semester aufgewendet habe, weil ich einfach sehr interessiert und begeistert war, ich habe das damals nicht als "Arbeit" aufgefasst.
Ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach "funktioniert" einfach anders. Wenn man es gründlich betreibt, sitzt man halt ständig am Schreibtisch und liest, da kommt man insgesamt mit 50 Wochenstunden auch nicht aus. Und die Arbeit, die in einer guten Hausarbeit steckt, ist meiner Meinung nach sehr viel anspruchsvoller als die Summe der Versuchsprotokolle eines naturwissenschaftlichen Kurses.
Es ist natürlich leichter, sich durch ein BA-Studium zu mogeln und nix Gescheites davon mitzunehmen, das liegt dann aber am einzelnen Studenten und an dessen Anspruch an sich selbst.

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Sibylle1969 20.05.2016, 18:50
115.

Ich habe Mathematik auf Diplom studiert, bei uns saßen die Lehramtsstudenten Sek II in denselben Veranstaltungen wie die Diplomstudenten und mussten die gleichen Klausuren schreiben wie wir. Lediglich die Sek I-Studenten hatten eigene Veranstaltungen. Da der Diplomstudiengang einigen der Lehramtsstudenten zu schwer war, sind viele auf Sek I gewechselt. Die, die dabeigeblieben sind, hatten es aber bei uns definitiv nicht leichter.

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Strangelove 20.05.2016, 19:22
116.

Zitat von dickebank
Wie hoch ist denn Ihrer Meinung nach der Prozentsatz an Lehrern, die fachfremden Unterricht auf Weisung der Schulleitung geben müssen? Was sagt Ihnen der Begriff "Klassenlehrerprinzip"; dieses hat an Grund-, Hauptschulen in allen Jahrgangsstufen und an Gesamtschulen im 5. und 6. Jahrgang Vorrang vor dem Fachlehrerprinzip.
Wie ist das mit Ihrer Lesekompetenz?
Ich beziehe mich speziell auf Gymnasien.
In Grundschulen würde ich sogar annehmen, dass das Abitur und eine pädagogische Zusatzausbildung theoretisch ausreichen um zu unterrichten. Trotzdem ist eine gute Bildung der Bildenden immer wünschenswert.

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nickleby 20.05.2016, 19:22
117. Lehramt ist ein wichtiges Amt....

das man mit Inhalt, Wissen und Anspruch füllen muss. Es ist schon richtig, dass viele geistig bescheidene Studenten häufig ins Lehramt wollen, weil sie die Komplexität des Berufes nicht begreifen und das Amt nach dem beurteilen, was ihnen in den Schulen als Lehrpersonal präsentiert wurde.
1.Viele sehen den Beruf als familienfreundlich und beklagen sich dann, wenn ihnen Leistungen abverlangt werden, die sie so nicht mit der Familie und einem gutbezahlten "Job" in Einklang bringen.
2. Die Allgemeinbildung, besonders bei Politikstudenten, die teilweise nicht mal wissen, wer Churchill oder Stalin war, fällt auf, dass sie keine Fremdsprachen beherrschen, auch im Deutschen sich nur unbeholfen bewegen und die Welt aus ihrem äußerst begrenzten Blickwinkel sehen.
3. Germanistik- und Anglistikstudenten haben keine Überblick über die deutsche bzw englische Literatur.
Johann Gottfried Herder, Friedrich Hölderlin oder John Milton ,Charles Dickens sind für sie unbekannte Grö0en.
4. Abgesehen davon verfügen sie über keine Lateinkenntnisse, um das Gymnasiallehramt in diesen Fächern mit Hintergrund anbieten zu können.
Das Absenken des Anforderungsniveaus an die Kandidaten fing schon in den späten Achtzigern an und setzt sich bis heute fort.

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carnall 20.05.2016, 19:31
118. Kein Lehrer aber....

Ich bin kein Lehrer aber etwas mehr Respekt sollte man Lehrer/innen schon entgegenbringen. Meine Tochter besucht die Grundschule und ich wünschte zu meiner Zeit gab es solche Lehrer/innen.
Letztlich bilden Sie unsere Zukunft aus. Und die die sich über diese Berufsgruppe lustig machen. Sie wurden doch während der Schulzeit eben von diesen ausgebildet....schaut in den Spiegel und Ihr seht unsere Gesellschaft. Die sich leider immer mehr von Respekt dem Gegenüber entfernen. Schade.

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BettyB. 20.05.2016, 19:43
119. Schon schlecht...

Nicht zu begreifen, warum Lehramtsstudenten es ruhig einfacher haben sollten, disqualifiziert eigentlich fürs Lehramt...

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