Forum: Leben und Lernen
Geständnisse aus dem Hörsaal: "Lehramtsstudenten werden für doof gehalten"
Konstantin Zander

Lehramtsstudenten besuchen zwar dieselben Seminare, doch Dozenten geben ihnen leichtere Aufgaben - und Kommilitonen blicken auf sie herab. Larissa Sarand, 28, erzählt, wie man sich als angehende Pädagogin an der Uni fühlt.

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hughw 20.05.2016, 14:57
20. Sieht so aus, als hätten die Dozenten Recht

Wenn Sie glauben, dass VWLer in Klausuren "Rechenaufgaben" lösen, dann haben sie das Fach tatsächlich nicht verstanden. Und es gehört, um als Volkswirt zu arbeiten, eben doch eine tiefere Durchdringung der VWL dazu, als für jemanden, der das Thema später im Unterricht höchstens mal streift. Dafür haben Sie sicher erheblich mehr Ahnung von Pädagogik und von der Wissensvermittlung als ein Volkswirt (hoffe ich zumindest).
Aber wenn Sie mit dem "wenigen Wissen", das sie dort bekommen nicht einverstanden sind, warum machen Sie dann ein Minimax Studium? Sie bestätigen doch geradezu die Vorurteile. Ich bin Diplom-Volkswirt. Wir hatten oft mehr als 40 Wochenstunden Vorlesung. Plus vor- und nacharbeiten. Minimax war nicht.

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christophe007 20.05.2016, 14:58
21. Tatsächlich

Ich würde lieber etwas Anderes schreiben können, aber:
Nach einem Mathestudium in Frankreich studiere ich Mathe/Physik auf Lehramt. Und es ist ziemlich so wie im Artikel beschrieben: Maximum/Minimum-Prinzip. Und ich kenne einige LA-Studenten in Mathe/Physik, die beim französischen Abitur durchfallen würden. Jedenfalls habe ich die gleiche Demotivation aus den gleichen Gründen erlebt, wie im Artikel beschrieben. Es sind Gott weiß nicht die Besten, die am Ende Lehrer werden.

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romaro12 20.05.2016, 14:59
22. Wie wahr.....

Ich danke für diesen Artikel. Ich habe die Uni vor nun 15 Jahren hinter mir gelassen. Da habe ich nach 12 Semestern Medizin abgeschlossen. Frau Sarand bestätigt aber meinen Eindruck von damals in epischer Breite. Das Studium mit der geringsten Wochenarbeitszeit ist für diejenigen, die trotzdem nicht ansatzweise in der Lage sind, den Abschluss in Mindestzeit zu schaffen.
Sie brauchte im Übrigen auch offensichtlich 6 Jahre für ihr Studium.....

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moorkind 20.05.2016, 15:00
23. 1978 in Berlin

haben wir TWLAK´s (technisch-wissenschaftliche Lehramtskandidaten) die Profs unter Druck gesetzt, damit sie uns Extraklausuren gaben. Wozu brauchten wir z.B. auch Mechanik II, AVWL, BWL und den restlichen Rechtskram. Wir haben uns gewehrt und in knapp 2 Wochen das durchgesetzt, wozu unsere Vorgänger jahrelang nicht in der Lage waren. Ach ja, in ein paar Jahren gehe ich in Rente, pardon Pension.

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jigglediggle32 20.05.2016, 15:01
24. Nein,

Zitat von joey2312
Ich habe das hier jetzt schon ein paar mal gelesen und frage mich, ob das wirklich an allen Unis außer an meiner ehemaligen so gehandhabt wird. Bei mir waren es exakt die gleichen Seminare (nur halt insgesamt weniger, Statistik .....
habe an der HU-Berlin studiert und wir (BA mit Lehramtsoption und dann Master) hatten durchweg identische Klausuren respektive mündliche Prüfungen wie alle anderen Studenten der Fachbereiche.

Ich persönlich finde diesen "Erfahrungsbericht" desolat und völlig albern.

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Prof.Eich 20.05.2016, 15:04
25. Andere Uni andere Sitten...

Bei uns an der Uni verhält sich es für die Lehramtsstudenten genau andersrum. Wir bekommen im Gegensatz zu den 'normalen' Studenten nur die Hälfte der CP für ein Seminar/Vorlesung, müssen jedoch dasselbe Leisten.
Dennoch werden wir ebenfalls häufig zunächst belächelt, bis die Kommilitonen hören, dass wir im Grunde doppelt so viel leisten. Da sind die meisten sehr erstaunt...
Ob man am Ende zu einem 'faulen Student wird, bleibt denke ich jedem selber über lassen. Dass die Inhalte allerdings häufig fernab jeglichem Schulalltag sind, damit muss man sich meist bereits ab dem 1. Semester abfinden...

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Jan Schönherr 20.05.2016, 15:05
26. Umgang auf Augenhöhe - beides hat seine Berechtigung!

Dieses Thema kenne ich als praktizierender Lehrer und Absolvent eines Managementdiploms mit anschließender Erfahrung in der Wirtschaft nur zu gut. So kenne beide Studiengänge und kann sie vergleichen.
In der Tat geht die Lehramtsausbildung an den Universitäten auf ganzer Linie an der unterrichtsinhaltlichen Realität vorbei - sowohl didaktisch, methodisch als auch praktisch. Hier müsste nachgebessert werden. An dieser Stelle herrscht eine Fehlallokation an Ressourcen. Die Anforderungen des Diplomstudiengangs sind bezogen auf Klausurvorbereitungen und Prüfungsinhalte deutlich höher. Allerdings ist die Lehramtsausbildung mit zwei Fächern und Pädagogik wesentlich breiter. Bezogen auf den Beruf als Lehrer und den Beruf in der Wirtschaft - und ich habe beides kennengelernt - ist das allerdings irrelevant, da beide Studiengänge auf die Anforderungen in der Praxis kaum vorbereiten.
Letztlich geht es beim Absolvieren eines Studiums um die Fähigkeit, sich in hohem Maße selbst zu organisieren, zielstrebig zu sein und engagiert.
Die Arbeit macht in beiden Bereichen Freude. Aber wer ist für die Gesellschaft wichtiger ein guter Pädagoge oder ein guter Controller? Gleich wichtig, wir brauchen sie beide!

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c2541201 20.05.2016, 15:10
27. Wenn man fachlich respektiert

werden will, sollte man kein Lehramt studieren. Das ist nun mal eine pädagogische Ausbildung (und sollte es auch sein).

Ich habe Mathe auf Diplom studiert und bei uns gab es auch hin und wieder Vorlesungen mit Lehrämtlern. Bei uns war es allerdings anders als wie von OP beschrieben. Die Dozenten haben die Studenten beschwichtigt, dass Lehrer sein eine unglaublich wichtige Aufgabe ist und man dafür gute Kenntnisse braucht. Von den Lehrämtlern kam der Tenor, dass das die Inhalte zu schwierig seien und was davon überhaupt klausurrelevant wäre. Ich habe keine Ahnung wie solche Leute später ihren Schülern in die Augen schauen können. Einer Lehramtskomilitonin von mir war das zu blöd. Sie hat auf Diplom gewechselt. (Inzwischen macht sie übrigens einen Doktor.)

Das kann ich auch nur jedem Lehrerämtler empfehlen, der fachlich respektiert werden möchte. An die Schule kann man nachher immer noch gehen.
Es gibt übrigens kein Min-Max-Prinzip. Dafür braucht man auch kein Hochschulstudium. Gibt es hier denn keine Lektoren? Das ist doch peinlich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ökonomisches_Prinzip

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Hardin 20.05.2016, 15:11
28. trifft aber leider oft zu

Als Informatikstudent der öfter mal Lehramtsstudenten in Mathe- /Infovorlesungen sitzen hatte (Im Bachelor als auch im Master) muss ich leider sagen, dass deren Leistung oft deutlich hinter denen von Studenten der "puren" Fachrichtung liegt. Das ging in einer Vorlesung ohne Trennung so weit, dass diese Gruppe sich vehement beschwert hat bis der Professor extra mündliche Prüfungen für Lehramtsstudenten veranstaltet hat.

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christophe007 20.05.2016, 15:13
29.

Zitat von a85
Ich betreue an der Uni Praktika, Seminare und Übungsgruppen in Physik und leider muss das "ich studier auf Lehramt" immer wieder als Ausrede für völlige Unfähigkeit herhalten. Neben den teils wirklich hervorragenden Lehrämtlern gibt es leider viel zu viele, die den Studiengang nur gewählt haben, weil sie ein reguläres Physikstudium nicht gepackt hätten, aber Physik als Mangelfach ne gute Jobgarantie bringt. Leider verpassen es die Professoren, unfähige Studenten, die teilweise keine zwei Sätze ohne Fehler oder ohne zu hyperventilieren rausbringen können, frühzeitig rauszusieben. Man stelle sich die vor ner pubertierenden Klasse vor...
Das Problem ist vielleicht unter anderem, dass LA-Studenten zwei Fächer haben müssen. Das ist nicht in jedem Land so, ganz im Gegenteil, es ist eine spezifisch Deutsche Sache. Ich bekommen Folgendes mit an der Uni:
StudentInnen, die sich für Sprachen interessieren und auch gut sind, wählen ein Mangelfach, z.B. Physik oder sogar Mathe, um sich einen Job zu sichern, es sind aber Fächer, die gar nicht zu ihnen passen, aber es sind Notentscheidungen. Mir geht es sogar ein klein bißchen auch wenn weniger dramatisch: als Mathe-Fan habe ich mich für Physik als Zweitfach entschieden, bin ja auch in theoretischer Physik Feuer und Flamme, in Experimentalphysik - was ja in der Schule wichtiger ist - bin ich mittelmäßig. Ich kenne keine/n StudentIn, der in beiden Fächern gleich gut ist.
Dieses Zweifächer-System hat aber wirtschaftliche Gründe, und damit wären mit bei Kern des Problems: der Staat tut mit seinen vielen Reformen so, als hätte er die höchsten Exzelenzansprüche, aber Bildung muss vor allem eins sein: billig.

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