Forum: Leben und Lernen
Geständnisse aus dem Hörsaal: "Lehramtsstudenten werden für doof gehalten"
Konstantin Zander

Lehramtsstudenten besuchen zwar dieselben Seminare, doch Dozenten geben ihnen leichtere Aufgaben - und Kommilitonen blicken auf sie herab. Larissa Sarand, 28, erzählt, wie man sich als angehende Pädagogin an der Uni fühlt.

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jasuly 20.05.2016, 16:42
70.

Einem Zehnkämpfer würde vermutlich kaum jemand vorwerfen, nicht genau so schnell rennen zu können, wie ein spezialisierter Sprinter. Warum sollte ein Lehramtsstudent, der seine Zeit auf die Beschäftigung mit zwei Fächern verteilen muss, in jedem der Fächer genau so gut sein, wie ein Ein-Fach-Spezialist?

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pauleschnueter 20.05.2016, 16:45
71. Sie können es einfach nicht

Ich habe während meiner Diplomarbeit das physikalische Grundpraktikum an der TU Berlin betreut.
Doch. Lehramtsstudenten sind i.A. VIEL Leistungsschwächer als reguläre Physikstudenten. Das kann an der Doppelbelastung zweier paralleler Grundstudieninhalte liegen. Auch darauf wird natürlich in den Anforderungen Rücksicht genommen.
Meist sind sie aber wirklich einfach schlechter, weniger schlau und viel zu sozial um erfolgreich zu sein. Jedenfalls so meine Erfahrung.

Ich habe eine überragende Prüfung, der ich beisitzen "durfte", einer Lehramtskanidatin in leuchtender Erinnerung. Schwerpunkt: Optik.
Besagte Kandidatin konnte nicht mal auf Schulniveau die Besetzungsinvasion in den Worten des einfachsten noch sinnvollen Lasermodels erklären konnte! In einer OPTIK Prüfung!!

Sie hat dafür noch eine 4 bekommen, einfach damit wir sie nicht wiedersehen mussten. Grauenhaft! Und das geht da wie ein roter Faden durch die Masse durch.

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mr.andersson 20.05.2016, 16:46
72.

Zitat von radler2
Aber Bing weiß es, gleich der erste Treffer ist bei Wikipedia: "Minimax-Regel Die Minimax-Regel (oder Maximin-Regel, vereinzelt auch Pessimismus-Regel oder Wald-Regel,[1] nach Abraham Wald) ist eine Entscheidungsregel. Mit ihr wird das sicher zu erzielende Resultat optimiert, das heißt, die Entscheidung orientiert sich am ungünstigsten aller .......
Ihnen fällt sicher selbst auf, dass dies in dem beschrieben Kontext keinen Sinn macht.
Das "Sicher zu erziehlende Resultat" in diesem Falle wäre nämlich das nicht bestehen des Studiums. Durchfallen schafft man immer.
Mit dem um was es in dem Artikel geht und was die Verfasserin sagen wollte, hat das nicht das geringste zu tun. In dem Kontext existiert kein Minimax-Prinzip.

Sie nehmen sich eine Note vor und minimieren den Aufwand oder nehmen den gegeben Aufwand und wollen dafür die bestmögliche Note erreichen. Sie können nicht mit dem geringstmöglichen Aufwand die bestmögliche Note anstreben.
Sie können auch nicht mit sowenig Benzin wie möglich soweit wie möglich fahren. Das eine solche Gelichung nicht lösbar ist sollte einem schon vor dem anwerfen der Suchmachine einfallen.
Zum Topic:
Natürlich werden Lehramtsstudenten an der Uni weniger Ernst genommen, als Diplom/Master-Studenten. Oder denkt jemand mit VWL-Lehramtstudium der Azubi mit VWL in der Berufsschule sei ihm inhaltlich ebenbürtig?

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lindenbast 20.05.2016, 16:47
73.

Zitat von epigone
Sinnvoll ist das nicht! Natürlich genügen die Inhalte der Lehramtstudiengänge nicht wissenschaftlichen Ansprüchen, was der Hochschulbetrieb dadurch dokumentiert, dass man als Absolvent "Lehramt" nicht promotionsberechtigt ist. Dafür muss man eben einen wiss. Studiengang besuchen.
So stimmt das auf keinen Fall.

In meinem Fach hat so gut wie jeder das Staatsexamen abgelegt, und keiner musste vor der Promotion noch schnell einen Magister zwischenschalten.

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mr.andersson 20.05.2016, 16:55
74.

Zitat von jasuly
Einem Zehnkämpfer würde vermutlich kaum jemand vorwerfen, nicht genau so schnell rennen zu können, wie ein spezialisierter Sprinter. Warum sollte ein Lehramtsstudent, der seine Zeit auf die Beschäftigung mit zwei Fächern verteilen muss, in jedem der Fächer genau so gut sein, wie ein Ein-Fach-Spezialist?
Was haben Sie denn Studiert, dass sie kein zweites Fach (Nebenfach) hatten?

Der Unterschied ist einfach, dass ein Mathestudent mit Nebenfach VWL sich nicht wundern, dass die mit Hauptfach VWL davon ausgehen, die VWL tiefgreifender zu verstehen. Mann muss wohl schon Lehrer sein um es verwunderlich zu finden, dass jemand der sein Studium dem Verständnis eines Faches widmet bezüglich dieses Faches ernster genommen wird, als jemand der einen Teil davon später Schülern erlären will.

Wenn der Lehrer die angeblich auf gleichem Niveau versteht, kann er das Diplom/Master ja gleich mitmachen. Wenn er das nicht kann, ist die Annahme dass die anderen auf Ihrem Spezialgebiet ein umfangreicheres Wissen haben wohl berechtigt.

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dukeofwellington 20.05.2016, 16:56
75. So ein Unsinn, aber leider trotzdem doof

Als Dozent in einem MINT-Fach prüfe ich seit vielen Jahren Master (früher Diplom) und Lehramt-Studenten. In den Klausuren des gesamten Studiengangs werden beide Studienausrichtungen völlig gleich behandelt. Der Artikel hat mich daher sehr erstaunt. Das ist nicht die Realität, zumindest in den MINT-Fächern.

ABER : Durch die gleichen Prüfungsbedingungen konnte ich (und meine Kollegen) das Leistungsniveau der MSc (bzw. früher Diplom) und Lehramtsstudenten gut vergleichen : Lehramtsstudenten sind deutlich schwächer als die MSc/Diplom-Studenten. Das Zitat eines anderen Kommentars "Wer durch's Vordiplom fällt, wechselt auf Lehramt" kann ich daher leider bestätigen. Fazit nach fast 2 Jahrzehnten als MINT-Dozent an einer deutschen Universität : Die schlechten Studenten sammeln sich im Lehramts-Studiengang. Leider.

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justus0jonas 20.05.2016, 16:57
76.

Ach ja, an die ganzen Schlaumeier hier, die sich darüber auslassen, ob es ein Mini-Max-Prinzip gibt oder nicht.
Das hier ist kein VWL-Fachforum und umgangssprachlich damit das Pareto-Prinzip zu beschreiben, ist m.E. völlig in Ordnung.

Da kann ich nur drei Kreuze schlagen, dass Sie nicht Lehrer geworden sind - denn Interpretation von Antworten gehört zum Lehrerberuf dazu und die Fähigkeit, zu erschließen, was der andere wohl meint (zumindest im Unterricht), erschließt sich mir bei Ihnen nicht.

Zuletzt möchte ich anfügen, dass es mir davor graut, Kollegen wie die im Artikel vorgestellte zu bekommen. Wer möchte seine Kinder schon Leuten anvertrauen, die nie die Erfahrung gemacht haben, wie es sich anfühlt, alles zu geben und dabei zu wachsen? Die Vermittlung dieses Gefühls und der damit verbundene Appell an die intrinsische Motivation der Kinder ist schon so schwierig genug.
Außerdem bin ich auf die Unterstützung meiner Kollegen angewiesen, bei der Vielzahl an Dingen, die bei uns "nebenher" laufen. Auf eine Einstellung wie die im Artikel beschriebene kann ich verzichten - Leuten, die sich eine berufliche Hängematte schaffen wollen, rate ich DRINGEND davon ab, Lehrer zu werden. (Zugegeben - auch bei uns in der Schule sind ein paar Ausfälle dabei (in welcher Firma ist das nicht so), aber ich bin froh, dass das Niveau bei uns relativ hoch und der Umgang miteinander weitgehend vorurteilsfrei ist.)

Beste Grüße

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steffen.ganzmann 20.05.2016, 16:57
77. *lol*

Zitat von 01099
[...] Der Gipfel war dann, dass die Uni einen verpflichtenden Kurs zur Orthographie eingerichtet hat, weil die meisten Studenten schon an der "Hürde" Rechtschreibung scheiterten. Manchmal sind Vorurteile vielleicht doch ein wenig berechtigt.
Wenn man so manchen Arztbrief liest - fast wollte ich "lesen muss" schreiben -, wünschte man sich solch einen Kurs auch für Medizinstudenten ...

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TS_Alien 20.05.2016, 16:58
78.

Zwei Fächer plus die pädagogischen Veranstaltungen in der gleichen Zeit bedeutet zwangsläufig, dass in jedem einzelnen Fach weniger gelernt wird. Das ist aber nicht schlimm, denn die grundlegenden Themen werden auch bei den Lehramtsstudenten behandelt.

Ein Student mit nur einem Fach sollte nicht abschätzig auf Lehramtsstudenten schauen, denn die Lehramtsstudenten haben zumindest im anderen Fach mehr Ahnung. Auch sollten sich Professoren nicht über Lehramtsstudenten aufregen. Die meisten Professoren kennen sich in wenigen Spezialgebieten aus und sonst ist deren Wissen nicht der Rede wert.

Es wird z.B. etliche Mathematikprofessoren geben, die selbst einfache Aufgaben aus der Stochastik auf Schulniveau nicht lösen können. Wer als Professor wirklich gut ist, kennt seine Defizite und wird sicher keine Studentengruppe pauschal abwerten.

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Dino822 20.05.2016, 17:03
79.

Also ich verstehe die Aufregung nicht so ganz. Es ist doch völlig klar, dass verschiedene Studiengänge verschiedene Inhalte und Anforderungen haben.

Und gerade was die "fachlichen" Lehrveranstaltungen angeht, wüsste ich nicht warum man von einem angehenden Lehrer die gleiche Leistung wie von einem angehenden Forscher erwarten sollte. Das hat überhaupt nichts mit Geringschätzung zu tun, sondern einfach mit dem Fakt, dass verschiedene Berufe verschiedene Anforderungen haben.

So hatte ich in meinem Physikstudium nie ein Problem damit, dass es eine eigene "Analysis für Physiker"-Vorlesung gab, da man den Physikstudenten wohl die "echte" Analysisvorlesung nicht zumuten konnte/wollte. Doof habe ich mich dabei nie gefühlt, denn wenn ich Mathevorlesungen in vollster Tiefe hätte hören wollen, hätte ich das zum einen tun können, und zum anderen hätte ich dann Mathe studiert.

Wenn sich also die Dame beschwert, dass man Sie als Lehramtsstudentin für doof hält, hat Sie es doch in der Hand das zu ändern. Nur würde das wohl ihrer Maxime mit minimalem Aufwand durchs Studium zu kommen entgegenstehen.

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