Forum: Leben und Lernen
Glückliche Uni-Abbrecher: Mein Studium kann mich mal!

Wer Abitur hat, der muss studieren - oder doch nicht? Vier Ex-Studenten erzählen, warum sie ihr Studium geschmissen haben, um zu lernen, was sie glücklicher machte.

Seite 3 von 31
großwolke 23.08.2013, 10:49
20. optional

Das alte Dilemma: selbst wenn man zu schlecht/zu unentschlossen für das Durchziehen eines Studiums ist, ist eine Ausbildung DANACH einfach grausig unterfordernd. Ich habs andersrum gemacht, bereue den Studienabbruch nach wie vor ein bisschen, aber immerhin musste ich nicht mit all dem tollen Zeug, das ich aus der Uni mitgenommen habe, den Langeweiletod in der Berufsschulbank sterben - andererseits, hätte ich die Lehre nicht fertig gehabt, hätte ich wohl eher mal ein bisschen die Backen zusammengekniffen, anstatt immer nur zu jammern und irgendwann dann den einfachen Weg zu gehen - vertrackte Kiste! Man kann zu so einem Thema viele mehr oder weniger sinnvolle Kommentare ablassen, aber am Ende kommt es darauf an, dass so ein junger Mensch sich selber mit den Entscheidungen arrangiert, die er getroffen hat, und nicht ständig das hätte/wäre/wenn aufs Neue durchkaut. Dieser Teil kann schwieriger sein als sich mit der eigentlichen Lebensrealität (weniger Geld, kaum Mitsprache) als Unstudierter abzufinden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cemturion 23.08.2013, 10:52
21. Den Leuten geht es zu gut

Wäre es denn so schwer gewesen, das Staatsexamen noch zu machen, nachdem der Steuerzahler ihr bisheriges Studium finanziert hat? Denn so hat sie sehr viel Zeit verloren (jetzt fragt bestimmt jemand "was ist Zeit und wie wichtig ist sie?) und enorm viel gekostet! Ich verstehe auch nicht, warum immer über solche, wie wir sie bei uns als MINT-ler "Lappen" nennen, berichtet wird. Gerade die, die, wie sie so schön sagen "aus dem Hamsterrrad aussteigen" und uns hart büffelnden und arbeitenden Narzissmus und Karrieregeilheit vorwerfen, sind immer diejenigen gewesen, die in der hintersten Reihe aufm Smartphone daddeln, Party machen um sich zwei Wochen vor den Klausuren darüber zu echauffieren, dass der Stoff ja viel zu viel sei. Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe ist, dass diese Leute auch noch frenetisch gefeiert werden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neoy 23.08.2013, 10:52
22. Das Problem...

...liegt doch nicht darin, etwas zu studieren und dann festzustellen, dass es nicht das Richtige ist, sondern vielmehr in der "nach-schulischen" Orientierungslosigkeit der jungen Leute - und das hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert. Als ich 1993 das Abitur machte, rieten mir sowohl Lehrer als auch das Arbeitsamt zu einem Studium in meinen stärksten Schulfächern - so studierte ich blindlings 3 Semester Physik auf Diplom, bis ich feststellen musste, dass das Berufsbild nicht meiner Vorstellung der Zukunft entsprach. Ergo: Reorientierung auf Erfahrungen aus den Zivildienst, Studium der Medizin und plötzlich lief es... Das deutsche Schulsystem hat es schlicht und ergreifend aufgrund der angestrebten Nivellierung aller Schüler bislang nicht geschafft, die Stärken der Individuen frühzeitig zu fördern und individuelle Perspektiven aufzuzeigen...
By the way: die Schulden bei der Allgemeinheit durch "Finanzierung" meiner 2 Studiengänge zahle ich monatlich dank meines Spitzensteuersatzes zurück - so funktionieren Solidarität und Subsidarität in unserer Gesellschaft!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
statussymbol 23.08.2013, 10:54
23.

Zitat von zagreus6
Es lag nicht an den Noten oder dem Lernpensium,... sondern daran, dass es keinen Spaß machte (ihre Begründung)! - Denn studieren bedeutet ja Spaß haben und hat - wie gerade im faalle von Franziska nun wirklich nichts mit Berufsausbildung zu tun (sie wollte ja Grundschullehrerin werden).
Oh ja, denn eine Ausbildung MUSS natürlich möglichst furchtbar und unangenehm sein, man darf keinen Spaß haben.

Und wer merkt dass der Job nichts für einen ist, muss natürlich weitermachen - damit derjenige dann genau so ein frustrierter Miesepeter wird wie Sie, oder was?

Was wäre denn die Alternative wenn sie merkte dass die Studienrichtung nichts für sie ist?

Das Studium wechseln? Teuer, und dann kommen wieder Leute wie sie an die darauf rumhacken würden. Also ist sie eingebrochen und hat das Studium abgebrochen.

Und ganz ehrlich wenn ihr der neue Job besser gefällt trotz niedrigerem Gehalt warum nicht. Dann haben wir eine begeisterte, engagierte Floristin mehr und dafür eine frustrierte, genervte Grundschullehrerin weniger.

Ich habe jedenfalls kein Interesse daran dass mein Kind von einem Grundschullehrer unterrichtet wird der bereits im Studium gemerkt hat dass der Job nichts für ihn ist und dementsprechend unengagiert, lustlos usw. ist.

Die größten Opfer sind dann nämlich die Kinder - die gerade in der Grundschule für ihr weiteres Schul-, Berufs- und Arbeitsleben geprägt werden.

Aber mal mit so einem Horizont zu denken und das ganze von der Seite zu betrachten, das scheint vielen Foristen hier ja äußerst schwer zu fallen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wildes Herz 23.08.2013, 10:56
24.

Zitat von StonyBrook
Die Annahme, die Studiengebühren würden die Kosten eines Studiums decken, zeugt von einiger Naivität.
Eher umgekehrt. Wie auch schon Mitforist dowhepole geschrieben hat, ist es unsinnig anzunehmen, dass ein Nicht-Studieren einer Einzelperson in einem Studiengang wie Grundschullehramt der Gesellschaft irgendwelche immensen "Kosten" ersparen würde. Hätte die Floristin Franziska nicht studiert, hätte deshalb ja kein einziger Prof oder Dozent weniger bezahlt werden müssen; es gab ja keinen Prof, der nur deshalb einen Ruf der Uni Nürnberg erhalten hat, weil sich Franziska für das Grundschullehramt eingeschrieben hatte, und die Uni Nürnberg gesagt hat: die braucht jetzt aber mal einen Privatdozenten für die nächsten acht Semester.

Übrig bleibt unterm Strich vielleicht ein bisschen Papier hier und da. Das dürfte es auch schon gewesen sein. Man darf daher getrost davon ausgehen, dass die ganz konkreten, individualisierbaren Kosten, die Franziska durch ihr Studium verursacht hat, die Höhe der von ihr entrichteten Studiengebühren nicht überschritten hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
minilux 23.08.2013, 11:00
25.

Zitat von schmuggi29@gmx.de
Wenn man nicht von Hause aus die richtigen Beziehungen hat, läuft man Gefahr trotz guter Bildung und eines exellenten Wissens, Taxifahrer oder mglw. Fußbodenverleger zu werden.
die Gefahr ist aber doch mehr als gering. Erst vor 2 Wochen wurde eine Studie veröffentlicht, die dem taxifahrenden Akademiker ins Reich der Mythen verweist.
Die Arbeitslosenquote ist unter Akademikern nicht mal halb so hoch wie unter Nicht-Akademikern:
Studie zu Jung-Akademikern: Studium ist die beste Jobgarantie - SPIEGEL ONLINE
Studie: Studium hilft gegen Arbeitslosigkeit - Bildung - Süddeutsche.de

Beitrag melden Antworten / Zitieren
d_walker 23.08.2013, 11:01
26.

Zitat von OlLö
Ich denke Franziska wird es in 10-15 Jahren bereuen. Dann gehören Ihre ehemaligen Studienkolleginnen vermutlich zu den Gutverdienern, wohnen in einem schönen Haus und haben auch sonst keine Geldsorgen.
Es soll durchaus Menschen geben, die ihr persönliches Glück nicht an materiellen Maßstäben messen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mezzinho 23.08.2013, 11:02
27.

Eine hohe Studienabbrecherquote ist die logische Konsequenz der ständig zunehmenden Anzahl der Abiturienten. Ersteres blenden linke Bildungspolitiker aus, auf Letzteres sind sie ganz stolz. Es geht nur noch um die formale Qualifikation, was die Leute wirklich können, interessiert die Löhrmanns dieses Landes nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
d_walker 23.08.2013, 11:03
28.

Zitat von nilux
So weit so gut. Besorgnis erregend ist allerdings die Tatsache, dass Abiturienten, Studenten und auch Auszubildende zunehmend völlig orientierungslos sind. Sie beginnen ein Studium ohne überhaupt nur annähernd Vorstellungen über ihre eigenen Ziele zu haben. Sie brechen eine Ausbildung ab ohne jemals darüber nachgedacht zu haben, wie es danach weitergehen soll. Viele haben einfach keinen Plan. Und das ist genau der Unterschied zu den o.g. Gründen. Und am Ende oft fatal.
Wie soll jemand mit 18 Jahren wissen, was ihn beruflich in den nächsten 50 Jahren zufrieden macht?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
demoslogos 23.08.2013, 11:04
29. weitere Alternativen: Fachhochschule und Berufsakademie

Zitat von sysop
Wer Abitur hat, der muss studieren - oder doch nicht? Vier Ex-Studenten erzählen, warum sie ihr Studium geschmissen haben, um zu lernen, was sie glücklicher machte.
Es kommen die stereotypischen Argumente die gegen ein Studium sprechen, wie es ist zu theoretisch, zu abstrakt und hat keinen Praxisbezug.
In allen vier Fällen dürfte das aber kaum der Hauptgrund gewesen sein, alle vier haben nicht nur die Ausbildungsart gewechselt, sondern auch das Ausbildungsziel.
Statt Grundschullehramt Floristin,
statt Chemiker Buchhändler,
statt European Studies Zahntechniker,
statt BWL Landschaftsgärtner.

Bei Chemie wäre eine Studiuem zum Lebensmittelchemiker an einer Fachhochschule eine Alternative gewesen, der BWL hätte auch an eine Berufsakademie gehen können. Bei den beiden anderen Studienfächern gibt es vermutlich keine Alternative zur Uni.

Und als hätten wir nicht schon genug Optionen gibt es seit kurzem die Duale Hochschule (DH), man hat Praxisphasen und darf mit dem Abschluss auch den Doktor machen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 31