Forum: Leben und Lernen
Gomringer-Gedicht "Avenidas": Es ist wieder da
Wohnungsgenossenschaft "Grüne Mitte" Hellersdorf

Eine Berliner Hochschule ließ das Gedicht "Avenidas" übermalen ließ, weil Studenten es sexistisch fanden. Nun hat es eine neue Heimat gefunden - ganz in der Nähe.

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briefzentrum 22.02.2019, 13:26
10. Peinlicher Offenbarungseid der Alice Salomon Fachhochschule

Der Wohnungsgenossenschaft gebührt Dank für diese trotzige Initiative gegen das ideologische Kunstbanausentum der Alice Salomon Fachhochschule. Die dortigen Wissenschaftler*innen sind eine Schande für die deutsche Hochschullandschaft. Weder die Wissenschaftsautonomie noch die Kunstfreiheit wurde durch diesen dämlichen Akt der Kunstzensur verteidigt oder gestärkt. Dabei hätte man gerade an dieser Hochschule mehr Sensibilität gegenüber der Verfolgung unliebsamer Künstler und Kulturschaffender erwartet. Die Namensgeberin der Hochschule (Alice Salomon) war in den 30er Jahren als jüdische Intellektuelle und Kosmopolitin von den Nazis, aber auch von antisemitischen Kreisen der Frauenbewegung ins Exil gezwungen worden. Die Hochschule steht heute eher in der Tradition von fragwürdigen Ideologen, denen Toleranz und Liberalität gegenüber der Vielfalt von Kunst und Kultur fremd ist. Man kann das Ideologem von ASTA und Professorinnen zu dem unschuldigen Gedicht von Eugen Gomringer auch gegen die Hochschule selbst wenden: Ist es heute noch sinnvoll, dass ausgerechnet eine Frau als Leitfigur für eine sozialpädagogische Hochschule firmiert und damit vor allem das antifeministische Ideologem von der "Mütterlichkeit als Beruf" proklamiert wird? Diese Namengebung der Alice Salomon Fachhochschule steht ganz in der Tradition patriarchaler Wissenschaft, nach der Frauen vor allem die pflegenden und dienenden sozialen Berufe vorbehalten sein sollen.

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adal_ 22.02.2019, 13:27
11.

Zitat von loufo13
... das gewese um die paar läppischen zeilen ist schon erstaunlich.
So erstaunlich ist es auch wieder nicht. Schließlich handelt es sich bei den vom Gremlinger-Gedicht tief verstörten Student*innen um solche der Sozialpädagogik. :-)

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Suppenelse 22.02.2019, 13:29
12.

Glückwunsch an den Mut der Genossenschaft. Das grundsätzliche Problem, dass gerade öffentliche Einrichtungen wie z. B. eine Universität bei diesem Thema immer wieder in vorauseilender Political Correctness kein Halten kennen, ist damit aber natürlich nicht gelöst. Wenn die Verwaltung der Stadt Hannover ihren Mitarbeitern die Verwendung gängiger Begriffe wie „Wählerverzeichnis“ oder „Rednerpult“ verbietet und durch neue Wortschöpfungen (mit oder Sternchen) ersetzt, atmet das exakt denselben (Zeit-)Geist wie dieser Fall. Lautstärke Gegenbewegungen sind bisher nur sehr selten zu verzeichnen, vermutlich weil sich viele einfach nicht trauen und trotz Kopfschütteln stumm bleiben.

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dasfred 22.02.2019, 13:34
13. Wo bitte ist hier Sexismus

Sobald Mann und Frau im gleichen Text erwähnt werden, muss es für einige schon zwangsläufig Sexismus sein. Im Gedicht geht es auch noch um Bäume und Blumen. Müssen jetzt Männer die sich an deren Anblick erfreuen, mit der Fetischismus Keule traktiert werden? Hier hat sich an der Schule eine Gruppe durchgesetzt, die schon höfliche Umfangsformen zwischen Mann und Frau zum Problem erklärt.

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heissSPOrN 22.02.2019, 13:39
14.

Zitat von ulfsoltau
Sexismus bleibt Sexismus, auch unter dem Deckmäntelchen der Schönen Künste.
Würde man alles aus dem Bereich der "Schönen Künste" entfernen, was nach heutigen Masstäben irgendwie sexistisch, rassistisch, fundamental-religös oder sonstwie nicht political correct sein könnte - dann bliebe nicht viel übrig. Und es fände sich bestimmt auch noch jemand, der den Höhlenmalereien aus der Steinzeit, in denen Frühmenschen mit archaischen Waffen Tiere bejagen, Darstellung von Tierquälerei vorwerfen und sie darum am liebsten von den Wänden meisseln lassen würde.

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Hans_Suppengrün 22.02.2019, 13:45
15.

Zitat von loufo13
ich mag das gedicht nicht, es ist so schrecklich fad. aber das gewese um die paar läppischen zeilen ist schon erstaunlich.
Noch schlimmer ist, dass dieses Verslein ohne wirkliche Bedeutung durch diese Diskussion zu einem "nicht weichgespülten Gedicht im Sinne einer falsch verstandenen Political Correctness" gemacht wird.

Eine solche starke Bedeutung steht diesem Gedicht bei nüchterner Betrachtungsweise sicherlich nicht zu. Und dennoch wird dem Stück eine solche große, gesellschaftliche Bedeutung anorakelt...

Eigentlich Unfassbar!

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Koana 22.02.2019, 13:45
16. Jene die .....

... in diesem Gedicht Sexismus und Entwürdigung der Frau erkennen, sollten sich schlicht einmal hinterfragen.
Die Frau ist das bestimmende Element, die Frau trägt die Träume und die Phantasie in sich, sie ist es, die dominiert und das Geschehen bestimmt.
Nur der vom Rollenbild verstümmelte Verstand kann hier negative Interpretation betreiben, er kann schlicht nicht mehr begreifen, dass das Patriachat per se ein Unterdrückungssystem und die Poesi eine Nische der Freiheit in Opposition zueinander stehen und sich eben nur bei jenen im Hirn verschränken, die schlicht niemandem mehr Vertrauen.
Solche Menschen sind arm, sie sind seit jeher die Exekutierenden, diejenigen die ihrem verkrüppelten Gedanken mit Gewalt Bahn brechen, sobald sie die nötigen Mittel und die Macht dazu besitzen - die schlimmste Variante in einem Sortiment des geistigen Elends.

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troy_mcclure 22.02.2019, 13:52
17.

Zitat von ulfsoltau
Diese Frage darf den Cis-Herren, die hier unreflektiert drauf hauen, vielleicht einmal gestellt werden. Sexismus bleibt Sexismus, auch unter dem Deckmäntelchen der Schönen Künste. Genau so, wie es rassistisch ist, wenn bei Schokoküssen, oder bei Pipi Langstrumpfs Vater auf das N-Wort beharrt wird. Aber das alles betrifft die weißen, männlichen Diskutanten hier ja nicht.
Ich finde Ihren Beitrag sexistisch, er betrifft nämlich auch die weißen, weiblichen Diskutanten hier nicht, weilnur die wenigsten hier Sexismus sehen.

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Little_Nemo 22.02.2019, 13:55
18. Unangebrachte Anbringung

Für mich ist dieses Gedicht für sich zunächst mal nicht das Maximum an Sexismus, das mir je untergekommen ist. Mich wundert eher die Belanglosigkeit der Zeilen und warum irgendwer sie für so bedeutend hält sie zuerst an einer Hochschule und dann, nachdem sie zum Stein des Anstoßes und entfernt wurden, warum sie an zwei anderen Gebäuden angebracht wurden. Wo ist der Zusammenhang dieser Zeilen zu einer Hochschule? Und wenn ich über diese Frage nachdenke, fällt mir in der Tat auch kaum etwas anderes als Motivation ein, als Sexismus.

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kobalt666 22.02.2019, 13:57
19. @ulfsoltau ....Recht haben Sie....

...die Kunst ist ein Deckmäntelchen! Weg mit den den ganzen Nackten der Renaissance, den Badenden, den schaumgeborenen Venussen (?? Venüsse ?? Venii??) , den leichtbekleideten Skulpturen von antiken Göttinnen...generell alles erotische, die Lust am spannenden Umgang der Geschlechter miteinander verherrlichende gehört VERBOTEN...Flirten, Liebesgedichte schreiben oder gar Sex nur nach vorheriger einholung einer schriftichen genehmigung....[und jetzt für die, die´s nicht kapieren wollen: IRONIE AUS]
Natürlich ist Sexismus immer schlecht.....aber man sollte auch mal etwas übwer die Natur des Menschen nachdenken - und ja, hier ist die Natur der Frau sowohl als auch die Natur des Mannes gemeint!!!!!!

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