Forum: Leben und Lernen
Google, Lego, Apple im Klassenraum: Die wollen doch nur helfen - oder?
Google

Virtuelle Klassenausflüge und selbstgebaute Roboter - Firmen wie Lego, Google und Apple bieten Lehrern an, was der Staat ihnen verwehrt. Ist das ehrenwertes Engagement? Oder dreiste Werbung?

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fürstberg 28.10.2017, 21:14
20. Die Wirtschaft braucht Teamplayer und Problemlöser

Früher haben die Kinder das draußen gelernt, während die Schule Faktenwissen vermittelt hat.

Heute liefert die Schule (oftmals unnötiges) Faktenwissen, der Rest geht unter. Egal, wo man arbeitet: Ein PC steht in der Nähe. Jede Firma erwartet, daß man mit dem PC umgehen kann. Wenn der Staat sich in Sachen Bildung auf die Planung der Sommerferien konzentriert, damit der Tourismus boomt (ist ja das Einzige, mit dem die Kultusminister-Konferenz auffällt), wen wundert's, daß die Wirtschaft Lösungen sucht. MS, Apple und Google wollen ihre Produkte den Firmen verkaufen, klemmen sich dahinter.

Würden Lehrer ausgebildet, mit LibreOffice, Scribus, InkScape und Linux umzugehen, würde das genauso helfen. Allerdings müsste jemand mit einem großen Gong in den 16 Kultusministerien herumlaufen, um die Leute dort aufzuwecken. Wie wichtig die Digitalisierung der Politik ist: Der zuständige Bundesminister hat sich die letzten 4 Jahre mit einer Österreicher-Maut beschäftigt.

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principezinho 28.10.2017, 23:16
21. Was?

„Kinder sollen nicht mehr zu mündigen Bürgern, sondern zu fähigen Arbeitern erzogen werden. Statt ihnen allgemeines Wissen zu vermitteln, gehe es verstärkt darum, ihre Fähigkeiten zu Teamarbeit oder Problemlösungen zu schulen.“

Hä? Mündige Bürger? Waren Sie mal in einer Schule in den letzten 20 Jahren?
Also die Schüler werden dort ja zu allem Möglichen erzogen, aber zu mündigen Bürger zu allerletzte. Sie sollten mal das Buch „Anna, die Schule und der Liebe Gott.“ von Richard David Precht lesen. Dort erkennen Sie den Irrsinn in unseren Schulen.

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fvaderno 29.10.2017, 00:36
22. Klar wollen die helfen!

Aber welcher Konzern hat heute noch ein Interesse, das nicht unmittelbar mit seinen Interessen zusammenhängt? Man will Geld auf die lange Bank verdienen - eben einige Jahre später. Oder dann, wenn die Kids daheim das gleiche Spielzeug verlangen. Auch Politiker, die 'Türen für die Konzerne öffnen, handeln ebenfalls in ihrem eigenen Interesse: Entweder geht es um Wählerstimmen oder im schlimmsten Fall um eine Unterstützung durch den Konzern.

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ekm00 29.10.2017, 01:36
23. Denken lernen ist analog

1. Es sind eben diese Konzerne die Steuerzahlungen vermeiden wo sie nur können und es so dem Staat erschweren einen vernünftigen Bildungsetat zur Verfügung zu stellen.

2. Die Fähigkeit Probleme zu anlysieren, zu strukturieren und kreative Lösungen zu entwickeln ist vollständig analog. Der Ganze Digitalkram ist nur ein Werkzeug - wie Hammer und Meißel. Ohne meine Kreativität und mein Fachwissen wird aus dem Stein kein David. ...und auch keine App.

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ekm00 29.10.2017, 01:39
24. Denken lernen ist analog

1. Es sind eben diese Konzerne die Steuerzahlungen vermeiden wo sie nur können und es so dem Staat erschweren einen vernünftigen Bildungsetat zur Verfügung zu stellen.

2. Die Fähigkeit Probleme zu anlysieren, zu strukturieren und kreative Lösungen zu entwickeln ist vollständig analog. Der Ganze Digitalkram ist nur ein Werkzeug - wie Hammer und Meißel. Ohne meine Kreativität und mein Fachwissen wird aus dem Stein kein David. ...und auch keine App.

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dauernörgla 29.10.2017, 08:49
25. Smart ist das neue Klug

Klugheit ist pragmatisches Wissen,das die relevanten Faktoren assoziativ aufruft und die Entscheidung zugleich an moralische Kriterien bindet.Vor diesem Hintergrund ist zunehmende Ersetzung der Klugheit durch Smartness symptomatisch fuer eine Welt ,in der man sich auch intellektuell zunehmend fremdversorgen und Programme fuer dich denken lässt.Damit gibt man zugleich die Kontrolle über seine Entscheidungen an Geräte ab und verzichtet so noch auf die Freiheit des Denkens.Aufklärung und Selbstaufklärung können nicht smart sein .Nur klug.

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ford_mustang 29.10.2017, 09:48
26. 3000 Euto für 8 Lego-Kästen...

ist ganz schön happig. Wieviel Lernwert kauft man denn da? Ebenso frage ich mich das bei der Google-Pappbrille. Nette Gimmicks, die Spaß machen, aber eher für die Nachmittagsbetreuung nützlich. Sinnvoller wäre da zum Beispiel der eigenständige Aufbau des WLan, das der freundliche Google-Mitarbeiter schon selbst vorbereitet. Die Grundlagen müssen vermittelt werden. Angehende KFZ-Mechaniker setze ich ja auch nicht einfach in Autos und vermittle ihnen nur wie toll Autofahren ist.

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ford_mustang 29.10.2017, 10:08
27. Digitale Kompetenz?

Ja man kann Alles im Internet finden, aber es galt früher schon: Wer ein Regal voller Lexikas hat und immer nur zu Comics greift, bleibt weiter unwissend. Alle digitale Hard- und Software sind Werkzeuge, aber nicht das Allheilmittel. Die Sache mit der Google-Pappbrille ist reine Werbung. Hier wird aber auch garnichts an Grundlagenwissen vermittelt, sondern nur der nächste Weihnachtswunsch generiert. So wie selber zeichnen sinnvoller ist, anstatt Ausmalbilder auszumalen. So wäre es auch sinnvoller, vom User zum Operater zu werden. Ruhig mal mit den Kids kleine Programme programmieren. Das ist kreativ und auch eine Team-Arbeit. Traut unseren Kindern ruhig mehr zu.

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AnalogMagDigital 29.10.2017, 20:15
28. Bitte besser recherchieren

Schlechte Recherche. Mir stoßen hier viele Unrichtigkeiten auf:

Erstens:
Die Gleichstellung der Einführung von ganzen Sätzen von Chromebooks etc. an Schulen mit Projekten wie OpenRoberta und Calliope mini ist nicht statthaft und schadet den innovativen Projekten: bei der Bestückung von Schulen mit Apple, Google und Microsoft gibt es tatsächlich vor allem in den USA einen Kampf um die Schulen, weil es darum geht, die Schüler frühzeitig an ein kommerzielles Produkt (Laptop/Betriebssystem/Tablet) heranzuführen. Da geht es ums Kerngeschäft, langfristig um Milliarden.
Die Sieben Millionen, die Google für OpenRoberta und Calliope zahlt, sind dagegen Peanuts. Zudem: Hinter Laborprojekten wie OpenRoberta und Calliope stecken für google auch keine finanziell nutzbaren Produkte, denn die Soft- und die Hardware sind OpenSource(Calliope), oder gehören dritten(LEGO) und die Geräte nutzen kaum bis gar kein Internet. Die Schüler kann man damit also kaum an die Google-Seite binden. Eine Firma, deren Wettbewerbsvorteil es ist, Websiten bauen zu können, die möglichst niemanden überfordern, bräuchte an breiter technisch-/informatischer Bildung zudem gar kein Interesse zu haben. Und auch der reine Werbeeffekt für Google scheint hier m.E. eher auf die Fachwelt denn auf die Kinder zu zielen: Wer das Zeugs mal in der Hand hatte, weiß, einem Google-Logo begegnet man als Nutzer da nirgends. Ich sehe hier das Engagement von Google eher als Ritterschlag für die Projekte: als reicher Sponsor wäre der Konzern sicher für viele interessant, aber sie spenden Geld nur dorthin, wo aus Sicht der hauseigenen Techniker und Softwareentwickler (die oft auch Kinder haben) Herausragendes passiert. Wenn Ihre Autorin da andere Geschäftsmodelle oder Beeinflussungsmöglichkeiten sieht, möge sie das bitte mal erläutern.

Die Seiten von OpenRoberta und das Blog der Calliope-Macher hätte die Autorin mal besuchen können. Da gibt es z.B. unabhängige Bewertungen der bisherigen Bilanz des OpenRoberta-Projekts im Vergleich zu anderen (https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/4206), und von Calliope gibts schon vom Dezember Hintergründe zu der Diskussion um kommerzielle Unabhängigkeit (https://calliopemini.wordpress.com/2016/12/20/gegenwind/).

Zweitens und drittens im nächsten Post

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AnalogMagDigital 29.10.2017, 20:20
29. Bitte besser recherchieren II

Fortsetzung vom vorigen Post

Zweitens:
Die digitale Bildung an den Schulen krankt nicht nur an fehlender IT-Ausstattung, sondern auch an fehlenden Lehrplänen, und - gerade im Grundschulbereich - an der digitalen Bildung der Lehrkräfte. Neun von zehn gegenwärtig Studierenden der Grundschuldidaktik können weder den Unterschied zwischen Strom und Spannung benennen, noch den zwischen analog und digital (eigene Erhebung). In der Ausbildung an der Universität ist aber auch keine Zeit dafür eingeplant. Wir brauchen aber alle drei zur gleichen Zeit: die Technik, digital ausgebildete Lehrer und den Lehrplan. Möglichst alles erprobt und aufeinander abgestimmt und nicht zum Zeitpunkt der Einführung schon wieder um Jahre veraltet.
Wenn jetzt eine Regierung oder ein Parlament beschließt, da mehr Geld in die Hand zu nehmen, dann sind, bis die Studierenden die neu zu gestaltenden Studiengänge abgeschlossen haben und die Lehrpläne genehmigt sind, schon mal acht Jahre vergangen. Ein Calliope mini, der schon heute verfügbar für heutige Lehrer und Schüler recht intuitiv bedienbar ist, und erstmals preislich in Dimensionen vorstösst, die für heutige Grundschulen zumindest zusammen mit der versprochenen Digitaloffensive bezahlbar wird, ist daher hoch innovativ und quasi schon die halbe Miete.
Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen die gegenwärtigen Mittel nutzen und schrittweise weiterentwickeln, und an Schüler, Lehrer und zukünftige technische Entwicklungen anpassen. Bis das dann deutschlandweit alle erreichen kann, ist es noch ein weiter Weg.
Wenn einzelne Lehrer das nicht wünschen, kann es auch daran liegen, dass man sich inhaltlich überfordert fühlt oder dass man fürchtet, das eigene, seit 20 Jahren unverändert routiniert beackerte Unterrichtsfach könnte dadurch an Bedeutung verlieren. Wenn einzelne Politiker dagegen wettern, kann es auch an der Partei liegen. Sollte man alles auch im Hinterkopf haben und recherchieren, wenn man den Artikel ohnehin mit vermuteten Interessenkonflikten spickt.

Und zuletzt:
Wie andere hier schon im Forum erwähnt haben: der Widerspuch zwischen der Fähigkeit zu Teamarbeit und Problemlösen und dem mündigen Bürger existiert eben gerade nicht (mal abgesehen, dass das so nicht direkt im zitierten NYT-Artikel steht): wer im Team Probleme lösen kann, hat Wissen, kann Kommunizieren und hat die Selbstwirksamkeitserfahrung, zusammen mit anderen in sachlicher Zusammenarbeit etwas verändern zu können, was auch jenseits der Technik bei unseren gesammtgesellschaftlichen und globalen Probemen durchaus hilfreich wäre und in meinen Augen halt eine ganz andere Nummer ist, als sich hinzustellen und die Schuld für alle Probleme dieser Welt einfach auf irgendwelche Fremden zu schieben (seien das nun Flüchtlinge, Medien, Chinesen, Kapitalisten, Verschwörer oder Politiker).

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