Forum: Leben und Lernen
Grundschul-Debatte: Bildungsforscher gegen Verlängerung der Grundschulzeit

Jürgen Baumert, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, hält nichts von der Idee, die Grundschulzeit zu verlängern. Die "völlig unnötige" Debatte setze die falschen Prioritäten: Viel wichtiger sei es, die Lehrerausbildung zu verbessern.

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arinari 13.06.2010, 18:44
40. ?

Zitat von absinthe
Ich war wohl etwas müde und habe alles etwas knapp formuliert. Also es stimmt zwar schon, dass schwache Schüler nicht automatisch besser werden, wenn sie mit starken Schüler zusammen in die Schule gehen. Aber es ist heuchlerisch, wenn man meint, dass ihnen besser geholfen wird, wenn man sie von den starken Schülern trennt und in die Hauptschule steckt. Statistiken zeigen überdeutlich, dass sie sehr schlecht ausgebildet werden (Realschulen sind auch nicht besser) - sofern es überhaupt Statistiken dazu gibt. Die Politiker wollen nur die 'Eliten-Statistik' (Es gab einen Artikel auf spiegelonline, da ging's um eine Studie über Schüler (ich glaube in Bayern), und sie haben ausdrücklich die Hauptschüler (oder Realschüler) nicht in die Studie mit eingezogen, weil sie 'schlicht zu schlecht' sind. Ich finde den Artikel leider nicht mehr.).
Haben Sie auch dabei an die besseren Schüler gedacht? Haben Sie daran gedacht, dass die Schüler die tagtäglich, damit konfrontiert werden, dass andere schneller sind und z.B i.Mathematik die Bruchrechnung in 5 Minuten verstehen, sie selbst aber in 2 Std. noch damit kämpfen? Bitte bleiben Sie in der Praxis, nur die gibt die wirklichen Antworten, kein Wunschdenken und keine Theorien. Ich erlebe tagtäglich diese Frustrationen, obwohl ich mich bemühe, den langsameren
beizustehen und ihnen zu helfen. Die Kinder spüren die Unterschiede sehr genau.

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Blaue Fee 13.06.2010, 18:47
41. ...

Es war die Deutsche Schule Mexiko Alexander von Humboldt, meine Schwester war auf der Goetheschule Buenos Aires.

Ihre Frage zum Sozialkundeunterricht hinsichtlich familiärer Vorkenntnisse verstehe ich nicht ganz.
Das Fach ist in Mexiko ab der 2. Klasse Pflicht genauso wie Geschichte und Naturkunde.

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Gabri 13.06.2010, 19:00
42.

Zitat von Blaue Fee
Es war die Deutsche Schule Mexiko Alexander von Humboldt, meine Schwester war auf der Goetheschule Buenos Aires. Ihre Frage zum Sozialkundeunterricht hinsichtlich familiärer Vorkenntnisse verstehe ich nicht ganz. Das Fach ist in Mexiko ab der 2. Klasse Pflicht genauso wie Geschichte und Naturkunde.
Alles klar, ich dachte Sie seien auch in Bayern auf eine spezielle Grundschule gegangen. Es bezog sich auf die Sprache.

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Gabri 13.06.2010, 19:23
43.

Zitat von c++
Ansonsten kommt es immer darauf an, was jemand werden will. Das System ist sehr durchlässig. Mit 16 Realschulabschluss, nach 3 Jahren Berufsabschluss, mit 20 staatlich geprüfter Betriebswirt, mit 22 Bachelor. Was hat der Abiturient mit 22?
Wenn ich mir das Umfeld der mir bekannten Abiturienten ansehe, mit 21 Folgendes:

- Ein Jahr Kiwis Pflücken in Neuseeland hinter sich-> Sprachzugewinn begrenzt, da es vor deutschen Abiturienten nur so wimmelt.

- Ein Jahr Aupair in Irland inclusive dreimaligem Familienwechsel und der festen Überzeugung, sich nach der Heimkehr erstmal so richtig erholen zu müssen, vielleicht bei einer kleinen Europareise zusammen mit der Freundin?

- Erst Bundeswehr, jetzt Verlängerung beantragt, bequemer Job als Fahrer, es gibt Geld und ohnehin keine Ahnung, welches Studium in Frage käme.

- Warten auf einen Medizinstudienplatz, erstmal Ausbildung zum Rettungsanitäter (3000 Euro Privatschule), keine Chance auf einen Arbeitsplatz wegen Überangebotes, aber interessante Tätigkeit.

- Jobben in der Gastronomie für 7 Euro die Stunde, kein Bock aufs Studium, erstmal für die eigene Wohnung Geld ansparen.

- Angefangenes Lehramtstudium Mathe und Chemie. In Mathe dreimal durchgefallen, Ende, in Chemie auch die ersten Prüfungen vergeigt, vielleicht Biologie? oder Geschichte?

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absinthe 13.06.2010, 19:40
44. Differenzierte Förderungen

Zitat von arinari
Haben Sie auch dabei an die besseren Schüler gedacht? Haben Sie daran gedacht, dass die Schüler die tagtäglich, damit konfrontiert werden, dass andere schneller sind und z.B i.Mathematik die Bruchrechnung in 5 Minuten verstehen, sie selbst aber in 2 Std. noch damit kämpfen? Bitte bleiben Sie in der Praxis, nur die gibt die wirklichen Antworten, kein Wunschdenken und keine Theorien. Ich erlebe tagtäglich diese Frustrationen, obwohl ich mich bemühe, den langsameren beizustehen und ihnen zu helfen. Die Kinder spüren die Unterschiede sehr genau.
Ich selbst habe mich auf Gymnasium bei einigen Fächern auch gelangweilt. Leistungsunterschiede gibt es immer, Schüler in verschiedene Schulen zu schieben packt das Problem gar nicht am Wurzel an. Wie ich schon in anderen Beiträgen geschrieben haben, müssen sowohl leistungsstarke als auch -schwache Schüler gefördert werden, und dies kann man mit pädagogisch viel sinnvolleren Maßnahmen erreichen als mit der Schulselektion.

Das mit verschiedenen Fächern ist ein gutes Beispiel, und die Differenzierung besteht noch feiner als die Aufteilung in Fächer. Manche Kinder sind in Sprache begabt, andere in Naturwissenschaften. Oder wenn man's feiner und tiefer betrachtet, manche denken analytisch und sind gut darin, logische Zusammenhänge zu erkennen, andere arbeiten sauber, machen wenig Fehler und sind strukturiert, wiederum andere sind disziplinierter, und künstlerisch begabt usw. usf. Um Kindern sowohl mit ihren Stärken als auch mit ihren Schwächen gerecht zu werden, ist die Selektion nach Noten völlig ungeeignet.

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absinthe 13.06.2010, 20:03
45. Förderung, Mittelmaß, Politik

Zitat von Gabri
Die Frage ist, ob man das gehobene Mittelmaß zu Lasten von Spitzenwerten möchte. Meiner Meinung nach ist das das Ziel entweder von Eltern, die keine Chance sehen, dass ihre eigenen Kinder in den Spitzenbereich gelangen oder von Entscheidungsträgern, die selbst dem Mittelmaß ausweichen können, dieses aber für die Masse zur sozialen Ruhigstellung als wünschenswert ansehen.
Erstens bin ich der Meinung, dass man Schüler gerechter fördern kann ohne zu Lasten von Spitzenwerten. Nach meinen Erfahrungen werden gute Schüler auf Gymnasien auch nicht wirklich gefördert, da ist noch ganz großes Potenzial drin, das man mit guten pädagogischen Maßnahmen herausholen kann, und meiner Meinung nach auch ohne die Schulselektion (Klar kann man jetzt darüber streiten).

Das Problem sehe ich ganz woanders als du, weder in den Wünschen der Eltern angeblich nicht zum Spitzenbereich gehörenden Kinder noch in der sozialen Ruhigstellung. Ich habe nicht das Gefühl, dass die aktuelle Diskussion davon geprägt ist. Eltern, die ihre Kinder unbedingt in den "Spitzenbereich" des drei-Schulen-Systems stecken wollen, erreichen das Ziel auch meistens. Schüler, die eher benachteiligt sind, haben kein Lobby, und man hört auch wenig direktes davon.

Ich sehe das Problem darin, dass sich Politiker gern mit Spitzenleistungen der Schüler schmücken. Mit Gymnasien lässt sich wunderbar Politik bzw. Wahlkampf machen. Ein wenig Fördergelder, und schon nach weniger Zeit kann sich der Politiker mit Glück mit hübschen Zahlen und Preisen brüsten. Tiefergreifendere und flächendeckendere Bildungspolitik braucht aber mehrere Jahre, damit die Früchte geerntet werden, und sie sind auch viel differenzierter als irgendwelche Spitzenwerte. Damit kann man doch keinen Wahlkampf gewinnen.

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hjm 13.06.2010, 20:46
46.

Zitat von Gabri
... formale Gerechtigkeit ...
Eine höchst interessante Formulierung, die, ob nun gewollt oder nicht, ziemlich genau ins Schwarze trifft.

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sarpiro 13.06.2010, 20:52
47. ...

Zitat von arinari
Endlich mal ein Beitrag, der diese unsägliche Theorie vom gemeinsamen Lernen hinterfragt. Es ist schon erstaunlich, dass 2 Jahre Verlängerung der Grundschulzeit alles besser machen soll. Es wird so verbissen ideolgisch aufgebauscht: Chancengleicheit - wieso? bei 2 Jahren länger zusammenbleiben? Alles wird in diesen Topf geworfen. Die Befürworter selbst kämpfen mit Verschleierung: kleinere Klassen (hat mit Primarschule nichts zu tun), kostenfreie Schulbücher (hat mit Primarschule nichts zu tun), denn das bleibt auch , wenn die 4 Jahre beibehalten werden. Ein echtes Agument, warum 2 Jahre längeres gemeinsames Lernen, mehr Chancengleicheit und Anhebung des Niveaus bringen soll, habe ich bisher nicht vernommen. Bitte nicht das Argument bringen, die guten " helfen " den schwächeren und die schwächeren werden von den guten gezogen. Jeder Lehrer weiss, dass das nicht funktioniert.
Es geht darum, dass die Kinder selbständig denken lernen und nicht, wie die jetzigen Erwachsenen, einfach nur referieren was sie irgendwann auswendlig lernen mussten.
Aber sebständig denken lernt man nur von den Erwachsenen und wenn die das nicht können, woher sollen die Kinder es dann lernen.

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Blaue Fee 13.06.2010, 21:07
48. @Gabri:

Schön wäre es. Auf dem Land gibt es in BY noch wenige Angebote - da muss man schon nach München.

Die 23jährigen Abiturienten, die ich kenne, stehen mitten im BWL- oder Maschinenbau- oder Wirtschaftsingenieurswissenschaftsstudium. Alles Mitabiturienten meiner Schwester.
Nebenbei jobben die natürlich, denn Wien ist nicht ganz billig, erst recht nicht für deutsche Studenten.

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SIBO 13.06.2010, 21:53
49. ...

Zitat von arinari
Ihre persönlichen Erfahrungen in allen Ehren, doch dürfen Sie nicht von sich auf andere schließen. Die Entwicklung Ihrer Tochter ist ein Einzelfall, auch 2 Jahre längeres Lernen hätte ihr nichts genützt, wenn die Lehrer sie nicht gefördert ( oder besser verstanden)hätten, wie Sie schreiben. Hätte Ihre Tochter schon von der 1. Klasse an eine gute Förderung erhalten, welche Meinung wäre dann bei Ihnen entstanden? Es ist gut, dass Sie sich für Ihre Tochter eingesetzt haben, da wird Ihnen niemand widersprechen. Doch seien Sie vorsichtig, Ihre Erfahrung auf das 2jährige länger Lernen zu übertragen, denn die hatte damit nicht viel zu tun.
Ich muss da etwas berichtigen, geht ja hier wohl eher um die Grundschule. Nun die Grundschule war bei meiner Tochter nicht das Problem, das Problem lag eher in der weiterführenden Schule, hier ein traditionelles Gymnasium.
Die Grundschule war hier ganz und gar nicht das Problem, die hat sie als eine der Klassenbesten durchlaufen.

Na ja, und Einzelfall, ich weiß nicht. Habe ähnlich desaströse Erfahrungen mit unserem Sohn gemacht.
Von daher bin ich ein absoluter Gegner unseres derzeitigen Schulsystems.
Da läuft vieles so schief, insbesondere für Kinder aus eher bildunsschwachen Familien, dass es dringend geboten wäre, da etwas zu ändern.
Dass das Ganze für unsere Tochter gut ausging, liegt nicht unerhebelich an unserem Bildungshintergrund.
Können Sie den nicht aufweisen, haben Sie es als Eltern schwer, ihr Kind entsprechend zu unterstützen.
Wie gesagt, die Kinder sind niemals Schuld an eventuellen Erziehungsmängeln im Elternhaus.

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