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Grundschul-Debatte: Bildungsforscher gegen Verlängerung der Grundschulzeit

Jürgen Baumert, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, hält nichts von der Idee, die Grundschulzeit zu verlängern. Die "völlig unnötige" Debatte setze die falschen Prioritäten: Viel wichtiger sei es, die Lehrerausbildung zu verbessern.

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arinari 13.06.2010, 22:52
50. ?

Zitat von absinthe
Ich selbst habe mich auf Gymnasium bei einigen Fächern auch gelangweilt. Leistungsunterschiede gibt es immer, Schüler in verschiedene Schulen zu schieben packt das Problem gar nicht ....
Alles schön gedacht, aber nicht praxistauglich. Sie gehen von einem falschen Menschenbild aus. Sie glauben, dass die Schüler im Endeffekt gleiche Leitungen bringen nur auf verschiedenen Ebenen. Das ist ein Irrtum. Es gibt Schüler , die auf ganzer Bandbreite schwach sind und insgesamt langsamer verstehen und umgekehrt. Ihre sog pädagogischen Mittel können auf Dauer diese Unterschiede nicht auffangen. Ihr Ideen in allen Ehren, aber in der Praxis nicht umsetzbar. Wenn Sie täglich mit Schülern zu tun haben, würden Sie sehen, dass es auch Verhaltensunterschiede in Punkto Aufmerksamkeit, sozialem Verhalten, Arbeitseifer, Temperament etc. gibt. Das können Sie nicht
Egalisieren, so wie Sie sich das vorstellen.
Wieso ist Benotung völlig ungeeignet? Jeder Schüler möchte irgendwann wissen, was er kann und wie gut er es kann. Ob Sie nun Noten geben oder Berichte schreiben., Leistungen werden immer unterschiedlich sein und sich auch ausdrücken.
Ihre Vorstellung von Schule ist etwas utopisch und konstruiert.

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arinari 13.06.2010, 22:57
51. ?

Zitat von sarpiro
Es geht darum, dass die Kinder selbständig denken lernen und nicht, wie die jetzigen Erwachsenen, einfach nur referieren was sie irgendwann auswendlig lernen mussten. Aber sebständig denken lernt man nur von den Erwachsenen und wenn die das nicht können, woher sollen die Kinder es dann lernen.
Was hat Ihr Beitrag mit 2 Jahren längeres Lernen zu tun? Selbstständig Denken sollte jeder lernen, klar. Aber was wollen Sie eigentlich zu Diesem Thema beitragen?

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arinari 13.06.2010, 23:01
52. ?

Zitat von SIBO
Ich muss da etwas berichtigen, geht ja hier wohl eher um die Grundschule. Nun die Grundschule war bei meiner Tochter nicht das Problem, das Problem lag eher in der weiterführenden Schule, hier ein traditionelles Gymnasium. Die Grundschule war hier ganz und gar nicht das Problem, die hat sie als eine.....
Ihre Schilderung ist etwas nebulös und ist demnach schwer
nachzuvollziehen. Ich weiss jetzt immer noch nicht, was Ihre Erfahrungen mit der Primarschule (also 6 Jahre länger)
zu tun haben.

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Trudi 14.06.2010, 15:35
53. Ganz so einfach ist es nicht -

Die Frage ist nun: Was muss sich ändern, um ALLEN Kindern die gleiche Chance auf Bildung zu geben?
Wir haben früher 10 Jahre gemeinsam gelernt und danach gingen die guten Schüler (und politisch Korrekten) zum Gymnasium (EOS). Persönlich finde ich auch im nachhinein diese Schulform für gut (Abgesehen von der politischen Gängelung).

1. Die DDR hat ihre begabtesten Schüler nach der 2. KLasse "aussortiert" und auf "Russischschulen" oder "Schulen mit naturwisschenschaftlichen Profil" geschickt.
2. 1989 (also im Wendejahr) haben weniger Arbeiterkinder Abi gamacht, als in der BRD. Und das, obwohl jedes Kind gefördert wurde und Arbeiterkinder per Staatsansatz bevorteilt wurden.
3. Die DDR hat kaum Einwanderer.
Man sollte also mal genau schaun, ob eine Gemeinschaftsschule wirklich das gewollte Ziel erreicht.
Eventuell verscheudert man Geld, dass man an anderer Stelle besser einsetzen könnte.

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c++ 14.06.2010, 15:51
54. Drehen an der falschen Schraube

Zitat von Trudi
1. Die DDR hat ihre begabtesten Schüler nach der 2. KLasse "aussortiert" 2. 1989 (also im Wendejahr) haben weniger Arbeiterkinder Abi gamacht, als in der BRD. 3. Die DDR hat kaum Einwanderer. Man sollte also mal genau schaun, ob eine Gemeinschaftsschule wirklich das gewollte Ziel erreicht. Eventuell verscheudert man Geld, dass man an anderer Stelle besser einsetzen könnte.
Es gibt überhaupt keinen Nachweis, dass längeres gemeinsames Lernen insgesamt positive oder negative Folgen hätte. Für einzelne Kinder mag es zutreffen, nicht aber für das gesamte System.

Um Bildung zu verbessern, auch Kindern aus schwierigen Verhältnissen bessere Chancen zu bieten, muss man an anderer Stelle umsteuern, aber ohne Illusionen hinsichtlich des Ergebnisses. Das wären bedarfsdeckend Ganztagsschulen, mehr frühkindliche Förderung und mehr individuelle Förderung. Aber auch damit erreicht man keine Wunder.

Die unterdurchschnittlichen Bildungsleistungen eines Teils der Schüler haben ihre Ursachen nicht im Bildungssystem, sondern haben gesellschaftliche Ursachen.

Solange man diese unsägliche Systemdebatte im Bildungswesen führt, die rein gar nichts bringt, verlieren wir wertvolle Zeit, die richtigen Reformen durchzuführen.

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Trudi 14.06.2010, 22:20
55. Das meinte ich

Solange man diese unsägliche Systemdebatte im Bildungswesen führt, die rein gar nichts bringt, verlieren wir wertvolle Zeit, die richtigen Reformen durchzuführen.[/QUOTE]

Ich stimme Ihnen 100% zu. Das wollte ich damit sagen.

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ensarah 15.06.2010, 00:22
56. .

Also zunächst mal zu der Sache, in Bayern gäbe es in der Grundschule keinen Englischunterricht: das ist schlicht falsch. Schon seit dem Grundschul-Lehrplanwechsel im Jahr 2001 ist eine moderne Fremdsprache (in der Regel ist das Englisch) ab der 3. Klasse Pflicht. In jeder Grundschule.


Es ist bekannt, dass sich die Intelligenz eines Menschen um das 12. Lebensjahr herum stabilisiert. Das würde FÜR zwei Jahre mehr Grundschule sprechen. Aber vielleicht wäre es auch gar nicht schlecht, die bisherige Trennung beizubehalten und es den Schülern stattdessen in den ersten 2 Jahren zu ermöglichen, möglichst frei zwischen den Schulen zu wechseln. Ich kenne übrigens einige Fälle, wo das geklappt hat (von der 7. Realschule auf die 8. Gymnasium z.B.).
Außerdem finde ich es schrecklich, dass hier alle PISA glauben. In Finnland ist PISA z.B. curricular valide, d.h. es werden Dinge abgefragt, die im Unterricht durchgenommen werden. In Deutschland ist das weniger der Fall. In Finnland werden Neuntklässler getestet. In Deutschland werden 8.-9. und Zehntklässler getestet. Grund dafür ist die unterschiedliche Jahrgangsverteilung bei der Einschulung. In Großbritannien sehen die Kinder reicher Menschen niemals eine staatliche Schule von innen. All diese Dinge werden nicht berücksichtigt, aber wir müssen ja mal ändern, ändern, ändern, damit wir ja werden wie alle anderen.... Wenn mir jemand ein schlüssiges Gesamtschulkonzept gibt, in dem alle gefördert werden - immer nur her damit. Das ist alles nur ein Politikum, und kaum jemand denkt daran, was die Kinder brauchen.

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frau trallala 15.06.2010, 14:38
57. .

Die ganze Diskussion ist Blödsinn. Ob ich nun 4, 6 oder 100 Jahre auf eine Schule gehe, wo soll denn da bitte der Unterschied sein?
Bei aller Sozialromantik - Kinder sind einfach nicht alle gleich begabt und sie werden es auch sicher nicht plötzlich, wenn man sie 2 Jahre länger zusammen lernen lässt. Inwiefern sollte das denn bitte die angeblich mangelnde Chancengleichheit beeinflussen?
Ein schlüssiges Argument habe ich jedenfalls noch nicht gehört.

Diese Diskussion ist einfach lächerlich und schadet mehr als dass sie nutzt, wenn dadurch über wichtigere, sinnvollere Reformen überhaupt nicht mehr geredet wird.

Aber was soll´s, einigen scheint es ja zu reichen ein neues Aufreger-Thema zu haben. Die Inhalte sind da ja eher Nebensache.

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arinari 15.06.2010, 18:37
58. !

Zitat von frau trallala
Die ganze Diskussion ist Blödsinn. Ob ich nun 4, 6 oder 100 Jahre auf eine Schule gehe, wo soll denn da bitte der Unterschied sein? Bei aller Sozialromantik - Kinder sind einfach nicht alle gleich begabt und sie werden es auch sicher nicht plötzlich, wenn man sie 2 Jahre länger zusammen lernen lässt. Inwiefern sollte das denn bitte die angeblich mangelnde Chancengleichheit beeinflussen? Ein schlüssiges Argument habe ich jedenfalls noch nicht gehört. Diese Diskussion ist einfach lächerlich und schadet mehr als dass sie nutzt, wenn dadurch über wichtigere, sinnvollere Reformen überhaupt nicht mehr geredet wird. Aber was soll´s, einigen scheint es ja zu reichen ein neues Aufreger-Thema zu haben. Die Inhalte sind da ja eher Nebensache.
Ich gebe Ihnen völlig Recht. Diese unsägliche Ideologie des 2 Jahre gemeinsamen Lernens, das plötzlich alle Probleme lösen soll, Chancengleichheit herbeizaubert und gerechter sein soll. Die Wunderwaffe wird schnell stumpf, wenn die Leute merken, dass diese sog. Reform unser Bildungssystem durch nochmaligen Niveauverlust gegen die Wand fährt.

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zandkorrel 15.06.2010, 21:14
59. grau ist alle Theorie...

Frau Tralala hat Recht: es geht hier nicht um Inhalte, nur um Positionen vorgefertigter Meinungen.
Und es geht vor allem um den Blickwinkel. Wenn ich zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen von der heutigen deutschen Bildungslandschaft aus betrachte, bringt das natürlich nix. Nix für den Blickwinkel und schon gar nichts für besseres Lernen.

Wenn ich aber das ganze System neu entwickle, wird daraus schnell ein Erfolgsrezept. Dazu gehört, dass alle Brüche aus der Kindesentwicklung entfernt werden. Nicht mehr Kita, Kiga, Grundschule, weiterführende Schule, Lehre/Studium/Ausbildung. Nein, das alles kann fließen und ineinander übergehen.

Hier in NL kommen die Kinder in eine Vorschule, die übergangslos in die 6-jährige Grundschule mündet, dort wird schon die erste Fremdsprache gelernt. Danach gehen die Kids auf die weiterführende Schule, eine Art Gesamtschule mit einer unglaublichen Vielfalt an Lernrichtungen, die möglichst allen Neigungen und Talenten gerecht werden soll. Zumindest den meisten.
Dazu absolvieren die Kids erst einmal einen landesweit gleichen Test, dessen Punktzahl eine Richtung angibt, aber nicht zwingend die "Schulart" vorgibt, es ist nur eine Tendenz.
In der Brückenklasse, dem ersten Schuljahr auf der weiterführenden Schule lernen die Kids möglichst viele Varianten der Schulmöglichkeiten kennen und entscheiden sich dann mit Eltern und Lehrern in der zweiten Klasse für "ihren" Schulzweig. Davon gibt es z.B. einen Hauptschulzweig, der direkt in eine bestimmte Branche münden kann und deshalb auch praktischen Unterricht z.B. in einer Bäckerei oder einem KFZ-Betrieb vorsieht (unter noch vielen weiteren Handwerksberufen in einer derartigen Schule vorhanden!!), ein anderer Hauptschulzweig ist mehr theoretisch aufgestellt.
Daneben gibt es einen Realschulzweig, der sich mit praktischen Fächern abgibt, Sport- und/oder Kunstklassen ebenso, dann ein Technasium, das als höhere Realschule technische Fächer mit anbietet (z.B. technisches Zeichnen, CAD, Landschaftsarchitektur etc.)
Ein Athenäum kommt mit neuen Sprachen , ein Gymnasium mit alten Sprachen daher. Alles unter einem Dach, ca 1200 bis 2000 Schüler, rund 120 Lehrer, dazu eine Direktion, eine ausgezeichnete Verwaltung mit allem, was einen so großen Betrieb am Laufen hält. Eine Schulkantine und eine Mediathek mit Lern-PCs ist selbstverständlich.
Dazu kommen noch mehrere Mitarbeiter aus der Sozialpädagogik, ein Schularzt und ein Schulpsychologe. Alles in engster Zusammenarbeit mit dem Jugendamt,das hier eine ganz andere Funktion inne hat - nämlich Unterstützung der Familien, kein Strafamt! Dadurch werden lernschwache, lernbehinderte, auffällige und kranke Kinder ständig betreut und gefördert, haben einen persönlichen Ansprechpartner unter den Lehrkräften/Begleitern und können so am ganz normalen Unterricht teilnehmen.

Alle Schüler können entsprechend ihres Lernvermögens und -tempos noch bis nach der 4. Klasse innerhalb der Schule das Niveau nach oben oder unten wechseln. Und das funzt schon deswegen, weil alle!!!! Kids in allen Niveaus von vorneherein mehrere Fremdsprachen lernen, Mathe und ihre eigene Sprache, sowie andere Kernfächer, die für alle Schularten verpflichtend sind, wie etwa Gemeinschaftskunde.

Und im Gegensatz zu allen grauen Theoretikern habe ich sowohl die öde Schullandschaft in D als auch dieses tolle Lernmodell in der Praxis kennen gelernt. Es geht also, man muss nur mal umdenken!

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