Forum: Leben und Lernen
Guttenbergs Zweitgutachter: "Ich habe zu sehr vertraut"

Wie konnte die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg mit der Bestnote bewertet werden? Die Gutachter der Dissertation sind in Erklärungsnot. Der Zweitprüfer Rudolf Streinz verteidigt sich nun*im Interview: Er sei zu gutgläubig gewesen,*Mauschelei*streitet er aber ab.

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Predo 02.03.2011, 18:03
70. ist das widerlich...

Zitat von jurgenhowaldt
Sehr geehrter Herr Strenz, ... Treten Sie sofort Ihren Professoren Titel ab und geben Sie bitte auch genau wie KTG Ihre Lehrtätigkeit auf. In meinen Augen haben Sie sich charakterlich als Lehrender disqualifiziert, vor Feigheit gestrotzt und waren an unterdurchschnittlicher Beliebigkeit nicht zu überbieten. Meine Kinder werden definitiv nicht bei Ihnen lernen.
schon ganz toll wie ursache und wirkung getauscht werden. wieso ist ein unfähiger zweitkorrektor schuld, wenn ktg betrügt? spinnen wir ihren seltsamen gedanken weiter: hätte er die arbeit rechtzeitig aus dem verkehr gezogen, sofort nachdem die vorwürfe bekannt geworden sind...hätte das was geändert? an den vorwürfen?

guten morgen. aber schon drollig wenn sie von ihm ein aufgeben der lehrtätigkeit fordern...wie bei ktg.

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avollmer 02.03.2011, 18:04
71. Jurist? Jurist!

Zitat von MDen
augerechnet ein Jurist, für den also die Einhaltung und das Verständnis von Vorschriften Teil des professionellen Selbstverständnisses sein sollten.
Ein Jurist!

Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, dessen Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen Wissens. (1)

Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen. (2)

Es ist deshalb fraglich ob es sich bei der Jurisprudenz um Rechtswissenschaft handelt oder doch nur um Rechtskunde. Die Aspekte der Gesetzgebung und des Rechtswesens, die einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung Raum bieten werden schon von anderen Fachbereichen bedient.

Quellen:
1,2: wikipedia.org

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emma04 02.03.2011, 18:05
72. Guttenbergs Zweitgutachter

Zitat von MDen
Besorgnis erregend finde ich, wie hier im Forum ein völlig falscher Aspekt in den Mittelpunkt rückt (Gefälligkeiten für den Parteifreund/Adeligen/Prominenten). ... Herr von Guttenberg ist ein Betrüger und Lügner. Er wusste, was er tat. Er verdient nur unsere Verrachtung, bis er Reue zeigt und sich entschuldigt.
Zu dieser Zeit war Herr zu Guttenberg einfacher Abgeordenter und kein Verteidigungsminister. Also die Geschichte mit dem Vertrauensbonus greift nicht. Der Professor hat sich auf den Doktorvater verlassen.

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Bundesbürgerin 02.03.2011, 18:07
73. Säbeln....

Zitat von nils1966
Warum kann ein Abschluß in der Promotion plötzlich so schlecht dastehen? Eine Frage die an sich gegenrell gültigkeit hat. Im speziellen fall könnte ich mitr vorstellen, daß das Säbeln von Guttenberg auch von einer bisher nicht erwähnten seite gekommen sein könnte: Offiziere der Bundeswehr habe in der Regel auch eine Universitätsausbildung (zumindest an BW-Unis). Kennen also auch die akademischen Wege und Kontrollinstanzen; wenn man dann zu denen gehört, die gerade von Guttenberg unverhäaltnismäßig gemaßregelt worden sind, so wird über diesen Weg vermutlich auch der Gegenschlag ("deseasive Counterstrike") gekommen sein können.
Ja,komisch,dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen,na,wenn es so war:irgendwann,irgendwie wird mal einer sabbeln...

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Mathesar 02.03.2011, 18:08
74. ...

Zitat von Hubert Rudnick
In mir kommt der Verdacht auf, dass es sicherlich nicht nur eine Ausnahme war, sondern, dass bei gewissen Personen es wohl so üblich ist, aber bei armen Studenten wo keine reiche und einflußreiche Familie dahinter steht wird man nie so großzügig sein, also ist diese Art des Erlangen eines akad. Titels nichts wert.
Ohne linker Tendenzen verdächtig zu sein, bin ich allerdings fest davon überzeugt, das ca. 50% aller im Bundestag sitzenden "Doktoren", gerade schweißgebadet an ihre Doktorarbeit denken....

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polyglotter Kosmopolit 02.03.2011, 18:09
75.

Normalerweise kennen die Gutachter die Materie sehr gut, haben die einschlägigen Fachartikel und Monographien gelesen. Aber waren es nicht gerade die nicht-wissenschaftlichen Quellen, die zu Guttenberg plagiiert hat? Waren es nicht zum Teil mehrere Jahre alte Artikel aus der FAZ, NZZ, SZ usw.?

Wie soll ein alter, fast pensionierter Professor, der seine eigene Dissertation noch auf einer Schreibmaschine getippt hatte, die Kopie eines viele Jahre alten Zeitungsartikels erkennen? Und das noch ohne passende Software? Und wie soll er die Benutzung nicht publizierter Berichte aus dem Dienst des Bundestages identifizieren? Ich denke, die Hauptschuld trägt nach wie vor der Herr zu Guttenberg.

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bökelmann 02.03.2011, 18:09
76. .

Zitat von muctr
Nun lasst doch mal die Gutachter aus dem Spiel! Die haben ihren Job gemacht, und zwar in der Weise, wie es im akademischen Alltag immer funktioniert: Mit einem Teil Vertrauen (immerhin hat auch KTzG eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben, sauber gearbeitet zu haben), und einem Teil Kontrolle (Lektüre der Arbeit auf inhaltliche Qualität). Die Plagiate waren bei sorgfältiger Kontrolle nach wissenschaftlichen (!) Maßstäben nicht zu finden, weil sie offenbar gerade nicht aus wissenschaftlichen Texten stammten, sondern aus irgendwelchen FAZ-Feuilletons, Ausarbeitungen des wiss. Dienstes des Bundestages und anderer grauer Literatur. Wollt Ihr von einem Wissenschaftler tatsächlich verlangen, dass er sowas liest, wahrnimmt und wiedererkennt? Was tatsächlich auffallen sollte (und in der Regel auch auffällt, jedenfalls bei den jur. Dissertationen, die ich bisher begutachtet habe), sind Plagiate von *wissenschaftlichen* Texten, d.h. aus seriösen Publikationen. Wenn man in dem Thema drin ist (und das sollten die Gutachter tatsächlich sein, insoweit hat Herr Streinz wohl etwas übertrieben), dann kennt man die wissenschaftliche Literatur dazu einigermaßen und dürfte Plagiate finden. Aber graue Literatur aus (wissenschaftlich) dubiosen Quellen (die FAZ ist ja keine rechtswissenschaftliche Fachzeitschrift) hat man nicht drauf und muss man m.E. auch nicht draufhaben. Was man den Gutachtern allenfalls vorwerfen kann, ist, den feuilletonistischen Stil nicht durchschaut und moniert zu haben. Aber die Arbeit lag ja gerade auf dem Schnittfeld zwischen Jura und Rechtspolitik, da geht's schonmal feuilletonistischer zu. Insofern finde ich es tatsächlich nicht so gravierend, dass die Gutachter das nicht moniert haben bzw. nicht zum Anlass genommen haben, die Arbeit abzuwerten. Bisher glaubten wir tatsächlich, uns routinemäßige Kontrollen mit Anti-Plagiats-Software sparen zu können, weil es in Jura sehr schwierig ist, zu plagiieren - schließlich gehen unsere Dissertationen über Meinungsfragen, die man schwer von anderen abkupfern kann (anders ist das bei Lehr- und Gebrauchsliteratur, wo es natürlich auch im juristischen Bereich viele Plagiate gibt, wie nicht zuletzt Herr Rieble nachgewiesen hat). Offenbar muss man jetzt bei manchen Arbeiten genauer hinschauen - im Regelfall wird man es bei einem einigermaßen engmaschig betreuten Doktoranden aber nach wie vor selbst beurteilen können, ob er eigene oder fremde Meinungen wiedergibt. Ich denke also nicht, dass sich - in Jura - viel ändern müssen wird. In anderen Disziplinen, wo die Dissertationen deskriptiver sind, wird das sicherlich anders sein. muctr.
Danke. Sehr guter Beitrag. Ist aber in diesem Forum eher Perlen vor die ...

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dsch10 02.03.2011, 18:11
77. Kollektives Feudalismus-Stockholmsyndrom

Das wirklich Gute an dem Fall Guttenberg ist, dass der Umfang des kollektiven Feudalismuss-Stockholmsyndroms überdeutlich wird.

Es ist ganz klar: Wäre Herr zu Guttenberg nicht Spross eines 700 Jahre alten Adelsgeschlechts gewesen, sondern Bürger xy hätte er bei seiner Examensnote weder die Ausnahmegenehmigung für seine Diss. erhalten, noch hätte man ihm so viel 'VERTRAUEN' bei der Beurteilung entgegen gebracht und ihn mit dem seltenen summa cum laude bedacht. Bürger xy hätte auch schon am 18. Februar zurücktreten müssen. Dafür hätten seine Parteifreunde und BILD bestimmt gesorgt. Da hätte man gewusst, dass Solidarität nicht mit Komplizenschaft verwechselt werden darf.

Der Feudalismus sitzt noch tief in der Zellstruktur des ‚Volkes’. Es ist noch nicht einmal 100 Jahre her, dass wir über 1000 Jahre König und Kaiser hatten. Das Volk hatte in dieser langen Zeit nie etwas zu lachen, sondern war immer sehr schnell mit dem Tode bedroht, ob als "Kanonenfutter", oder weil der 'dritte Stand' als Finanzierer des herrschaftlichen Prunks verhungert ist. Schiller, einer unserer kulturellen Leuchttürme, hat das alles sehr genau dargestellt und die Sehnsucht des 'Volkes' nach Freiheit und Selbstbestimmung formuliert
Wenn man sich ohnmächtig fühlt und glaubt von dem Unterdrücker abhängig zu sein, identifiziert man sich mit dem Aggressor und schützt ihn sogar vor Angriffen . Es gibt noch viele Bereiche, in denen sich Bürger etwas gefallen lassen, was sie sich aufgrund der Rechtslage nicht gefallen lassen müssten.

De facto haben wir noch nicht ausreichend viele Bürger, die durch und durch republikanisches Selbstbewusstsein haben. Stuttgart 21 und die Unterstützung für Wikileaks sind ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass diese kollektiv unbewusste Struktur langsam aufgedröselt wird.

Dagmar Schön

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MDen 02.03.2011, 18:13
78. Bei den meisten von uns mangelt an Moral

Zitat von Brand-Redner
Ich bin fassungslos, Herr Professor: Ihre Ausreden sind doch nicht tragfähiger als die Ihres fragwürdigen Schützlinges! Wenn eine Plagiatsprüfung , also mit Computer bzw. Internet möglich ist, wie Sie suggerieren, dann sollten Sie bitte mal erklären, wie in früheren Zeiten, ohne Computer und Netz, Dissertationen begutachtet und geprüft wurden?! In Bayreuth offenbar gar nicht, doch im Rest der Welt gab es schon Professoren, die ihren Titel eben noch wert waren! Die selbst belesen genug waren, aber auch klug genug, kein Thema betreuten, in welchem sie selbst ohne Überblick waren. Die beim bloßen Überfliegen einer längeren themenbezogenen Textpassage bereits aus dem Gedächtnis prüfen konnten, ob das Ganze schon mal irgendwo stand. Offenbar sind solche Kapazitäten seltener geworden. Und doch gab es auch im Falle Guttenberg einen, dem das Plagiat beim bloßen Lesen in der Bahn auffiel - also ganz ohne PC, Notebook oder "Software"! Vielleicht könnte man von dem noch was lernen - wie wär's, Herr Streinz?
Bei aller berechtigten Kritik, darf man nicht vergessen, dass es an den Universitäten lange einen Ehrenkodex gegeben hat, an den sich die Masse hielt.

Heute sind Plagiate dank Internet und "copy and paste" ein Fingerspiel. Und ehrenhaftes Verhalten, das zu Nachteilen für einen selbst führt, wird als Dummheit angesehen.

Das fängt an bei der Steuerklärung, oder die gute Beratung im Fachgeschäft, aber dann der Kauf im Großmarkt oder dem Internet; da wird die Brille mutwillig demoliert, damit es eine Neue von der Krankenkasse gibt ("Ich hab da so viel einzuzahlen, da muss ich sehe'n, dass ich da auch wieder was rausbekomme!") usw.

Wenn wir unmoralisches Verhalten nicht ächten, wenn man als Lügner und/oder Betrüger nicht von der Gesellschaft verachtet wird, dann wird sich auch nichts ändern. Schon gar nicht in der Politikerkaste, die mit irren Wählerwillen leben muss.

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richie 02.03.2011, 18:13
79. ...

Zitat von myspace
An unserer Uni gab es schon 1991 Browser und Internet, da wird Bayreuth das ja wohl 2006 auch gehabt haben.
Machen Sie sich nicht lächerlich. Der Begutachtungszeitpunkt liegt i.d.R. bei gerade mal 1-2 Monaten. Die Arbeit müsste zunächst mal seite für Seite eingescannt werden. Plagiat-Such Software gab es damals praktisch noch nicht, und wie hoch wäre damals im Normalfall die Wahrschweinlichkeit gewesen, mit google ein Plagiat aufzudecken? Mal angenommen der Doktorand ist nicht so dummdreist und fälscht mehr als die Hälfte seiner Arbeit..
Ich habe selbst meine Dissertation durch ein Suchprogramm gejagt und kam auf nur etwa 2% Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Plagiats (obwohl meine Doktorarbeit elektronisch eingereicht wurde, für jeden abrufbar ist und somit 100% Übereinstimmung hätten erreicht werden müssen). Die Übereinstimmung ergab sich nur im Abstract und in den Quellenangaben (da die Titel der meisten Quellen logischerweise über Pubmed aufrufbar sind) und das, obwohl das Suchprogramm das Onlineverzeichnis mitdurchsucht hat, auf dem meine Dissertation gespeichert ist.
Zitat von
Mehr als Google ist doch gar nicht nötig um die Plagiate aufzudecken, dazu muß man noch nicht mal Jurist sein.
Machen Sie sich nicht lächerlich! Wir reden hier von Ende 2006:
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...508217,00.html

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