Forum: Leben und Lernen
Gymnasiumsstress - Diebstahl der Kindheit?

40-Stunden-Woche? Viele Gymnasiasten wären schon über 50 Stunden froh. Überstürzt und miserabel vorbereitet haben die meisten Bundesländer die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre verkürzt. Stiehlt die Schule den Schülern die Kindheit?

Seite 145 von 296
phoenics-ffm 20.02.2008, 18:45
1440.

Zitat von grafkoks2002
Das klassische Gymnasium erfüllt schon lange nicht mehr seinen Zweck. Es bedarf einer Reform, die das Lernen in den Mittelpunkt stellt. Das Pauken, das Einpauken, das erfüllt in einer immer komplexer werdenden Welt seinen Zweck schon lange nicht mehr.
Zustimmung -

leider geht die Tendenz aber genau in diese Richtung.
Auch die Bachelor-Studiengängen haben die Tendenz, eher das reine Pauken nahe zu bringen als die notwendige Auseinandersetzung mit den Inhalten zu fördern - was nicht bedeutet, dass eine fundierte Wissensgrundlage nicht notwenig wäre - aber Wissen allein reicht nun mal noch lange nicht.

.

Beitrag melden
mimi 20.02.2008, 18:47
1441. danke

daniela mund...wir vergleichen hier doch wohl kaum 11 Jährige mit Volljährigen oder doch? Es geht nur um Kinder.
ich habe allmählich das gefühl, dass hier viele entweder ihr eigenes Abitur aufwerten..das nervt...oder am Thema vorbeischreiben...
LG Mimi

Beitrag melden
richard76 20.02.2008, 18:49
1442. Paperlapap

Humbuck diese Diskussion: Genau wie auch bei Polylog.tv führt das Gerede doch voll am Thema vorbei. Die Schüler wollen erwachsen sein und hier zerbricht man sich den Kopf, dass den Kids die Kindheit geraubt wird. Bei der oben angesprochenen Seite Polylog.tv spricht man vom Turbo-Abitur, dabei haben das in der DDR tausende Schüler gemacht und keiner ist daran zu Grunde gegangen. Also mal schön den Ball flach halten.

Beitrag melden
poppi 20.02.2008, 18:50
1443.

Zitat von grafkoks2002
So habe ich - nicht ganz freiwillig - verschiedene Schulformen durchlaufen. Dazu möchte ich anmerken, dass das Lernen lernen auf dem Gymnasium vernachlässigt wurde. Wir haben dort gepaukt, haben Stoff eingetrichtert bekommen, aber wirkliches Lernen - habe ich dort nicht gelernt. Ich werde nie meine erste Stunde Englisch auf Realschulniveau vergessen. Statt einen Text zu pauken, wurden wir in der Klasse an den Text herangeführt. Interesse wurde geweckt, nicht mehr die Perfektion stand im Mittelpunkt, sondern das Verstehen von Zusammenhängen - über den reinen Lehrstoff hinaus. Stand ich auf dem Gymnasium zuvor knapp auf einer vier, verbesserten sich meine Leistungen binnen eines Jahres auf eine 1 (bevor nun jemand läster - Realschule ist Gymnasium - ich habe Englisch im Abi mit einer 1- abgeschlossen). Ich habe nach meinem Rausschmiss das Lernen gelernt, dazu bedurfte es keiner stundenlangen Hausaufgaben, denn ich habe in der Freizeit freiwillig gelernt (und das ohne Internet ;-)).
Danke für dieses indirekte Lob der Realschule. ;o)

Die Forderung im jüngsten Artikel, "Exemplarisches Lernen statt Faktenwissen", ist an den "unteren" Schulformen ja seit Jahren/Jahrzehnten gang und gäbe. Nicht nur, weil die Schülerschaft sich radikal gewandelt hat (immer mehr HS-Empfohlene auf der Realschule), sondern auch, weil unsere Schüler hinterher in durchaus verschiedenen Bereichen klarkommen müssen - Berufsausbildung und/oder Schule. Daher ist es sinnvoller, ihnen Lernstrategien beizubringen, statt sie mit Fakten vollzuprügeln. Diese Einsicht setzt sich m.E. aber auch an Gymnasien vermehrt durch.

Ich denke, es tut vielen Schülern schlicht und einfach nicht gut, mit aller Macht auf die Gymnasien gepresst zu werden - der von Ihnen beschriebene Weg ist oft der bessere. Viele unserer Schüler machen nachher Abi. Die Oberstufe ist für sie zwar stressiger, sie können diese aber unbelastet von pubertärem Druck angehen, anstatt sich durch das Gymnasium zu quälen. Wenn ich desöfteren mal mit ehemaligen Schülern spreche (ja, die kommen gern mal zu Besuch), die gerade das Gymnasium durchlaufen, heben sie stets ihre eigene Selbstständigkeit im Vergleich zu den "Regelgymnasiasten" hervor, die dann ihrerseits natürlich ein höheres Faktenwissen aufweisen. Das kann man sich aber mit nötigem Willen notfalls auch noch selbst erarbeiten. Welchen man für den besseren Weg hält, muss man selbst entscheiden. Ich persönlich erlebe, wie frustrierte "Rückläufer" vom Gymnasium plötzlich aufblühen und letztlich doch problemlos ihr eigentliches Ziel erreichen, für das sie sich vorher jahrelang vergeblich gequält haben - so sie denn nicht schon dermaßen frustriert sind, dass sie völlig abgeschaltet haben. Gibt's leider auch.

Beitrag melden
mimi 20.02.2008, 19:04
1444. meine 12 jährige

Zitat von richard76
Humbuck diese Diskussion: Genau wie auch bei Polylog.tv führt das Gerede doch voll am Thema vorbei. Die Schüler wollen erwachsen sein und hier zerbricht man sich den Kopf, dass den Kids die Kindheit geraubt wird. Bei der oben angesprochenen Seite Polylog.tv spricht man vom Turbo-Abitur, dabei haben das in der DDR tausende Schüler gemacht und keiner ist daran zu Grunde gegangen. Also mal schön den Ball flach halten.
will definitv nicht erwachsen sein und ihre mitschüler auch nicht...und sie sind es auch nicht..
lg Mimi

Beitrag melden
hohlspiegel 20.02.2008, 19:19
1445.

Kann es sein, dass es sich bei dieser Diskussion um eine Scheindebatte handelt. Wo genau liegt das Problem?

Diebstahl der Kindheit? Ohje...

Beitrag melden
Snowfox 20.02.2008, 19:26
1446. Panikmache

Also ich bin zur Zeit Referendar... und alles was in der Spiegel beschrieben wird, von wegen Diebstahl der Jugend 50 Stunden Woche ist masslos übertrieben. Klar mache ich mir Sorgen, dass mein Neffe mehrmals in die Nachmittagschule muss, aber dies ist nicht der Schuld der Länder!

Sofern man die Bildungpläne vergleicht, also vor der Reform und nach der Reform, dann muss einem klar sein, dass 30% des alten Stoffes abfällt. Weshalb die Schüler und meine Neffen so oft in die Schule müssen, ist die Schuld mancher inflexiblen Lehrer.

Manche haben ihre Unterrichtsentwürfe nicht geändert... und führen das selbe durch wie die letzten Jahre. Unfassbar. Ich würde sagen in 10 Jahren, werden wir dieses Problem nicht mehr haben.

Beitrag melden
mimi 20.02.2008, 19:36
1447. wunderbare perspektive

snowfox für die kinder die jetzt in der unterstufe sind oder? immerhin werden ihre kinder dann das ganze organisiert haben...tut mir leid, aber was soll das denn heißen?
lg mimi

Beitrag melden
l4berl1ne 20.02.2008, 20:13
1448. Warum die Eile?

"Die Schüler haben aber nichts davon, dass sie ein Jahr länger im System bleiben", meint Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Wie heisst es doch so schön? Wir lernen ein Leben lang.
Davon scheint die deutsche Wirtschaft aber nichts zu haben.
Für sie bleibt der Schüler ein Jahr zu lang im falschen System, im Schulsystem. Demnach ein Jahr zu kurz im Wirtschaftssystem.

Einem jungen hochmotivierten Menschen kann man einiges abverlangen. Gedanklich frei von ausserberuflichen Verpflichtungen ist der Berufseinsteiger gewillt alles für sein Unternehmen zu tun. Um so besser, wenn er während der Schulzeit erst gar keine private Interessen entwickelt hat. Nach 7 Jahren wird ihm jedoch eine gewisse Sinnleere seines Handelns auffallen und mit 30 wird er sein erstes Burnout erleben.
Die anschliessend verminderte Leistungsfähigkeit wird dann auf sein Alter geschoben, denn ab jetzt gehört er die restlichen 37 Jahre zum alten Eisen.

Meiner Meinung nach stehen hinter dem G8 Abitur rein wirtschaftliche Interessen. Nur Ökonomen schaffen es eine Verschlechterung der Lebensqualität als persönliche Gewinnoptimierung zu verkaufen.

Beitrag melden
PaulNeu 20.02.2008, 20:41
1449.

Zitat von l4berl1ne
Meiner Meinung nach stehen hinter dem G8 Abitur rein wirtschaftliche Interessen. Nur Ökonomen schaffen es eine Verschlechterung der Lebensqualität als persönliche Gewinnoptimierung zu verkaufen.
Klar ist es ökonomisch wichtig. Wenn die Menschen immer älter werden, muss die Zeit der Berufstätigkeit in einem vernünftigen Verhältnis zur Lebenszeit stehen. Wenn jemand glaubt, mit 30 die Berufstätigkeit aufzunehmen, mit 55 in Rente gehen zu können, mit 95 zu sterben und die ganze Zeit ein gutes Einkommen zu haben, dann lebt er auf einem anderen Stern. Man kann mit 25 Jahren Berufstätigkeit nicht 70 Jahre ohne berufliche Arbeit finanzieren.

Abitur mit 18 muss der Regelfall werden, und auch länger arbeiten müssen wir wohl, sonst funktioniert es nicht.

Wenn in anderen Ländern mit 18 Abitur gemacht werden kann, warum nicht in Deutschland? Wenn in anderen Ländern 4 oder 5 Jahre für ein Studium ausreichen, warum in Deutschland nicht?

Und Verlust der Kindheit? Keine Zeit zum Spielen? Wie viele Stunden hängen die Jugendlichen vor dem Fernseher bzw. vor Computerspielen? Das Problem ist nicht die Schule, sondern die zahlreichen Ablenkungen durch die Freizeitindustrie.

Oder wurde früher weniger gelernt?

Beitrag melden
Seite 145 von 296
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!