Forum: Leben und Lernen
Hamburger Schulreform: Abgeordnete einstimmig für sechs Jahre Primarschule

Bei der Schulreform zeigt sich Hamburgs Stadtparlament demonstrativ einig: Ohne eine einzige Gegenstimme votierten die Abgeordneten für die sechsjährige Primarschule und hoffen auf einen "Schulfrieden". Doch per Volksbegehren können die Bürger das Mammutprojekt immer noch stoppen.

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syllogiker 04.03.2010, 06:11
10. abwarten ....

Zitat von c++
180.000 Stimmen für einen Volksentscheid, das Parlament ist einstimmt(!) dagegen. Selten wurde so krass vorgeführt, wie "repräsentativ" unsere Demokratie ist. Ich finde leider keine repräsentative Umfrage, wie die Hamburger Bürger dazu stehen. Aber der Teil der Hamburger Bürgerschaft, der sich nicht durch die Einheitsfront repräsentiert fühlt, braucht jetzt wohl ganz dringend eine neue Partei. Zwischen den Vertretern des Volkes und dem Volk wird der Graben immer breiter und tiefer. Nicht nur in Hamburg.
Schon wieder eine neue Ein-Punkt-Partei? Da hätte Schill ja bleiben können. Warten wir doch erstmal die kommenden Wochen ab, ob sich Wir-Wollen-Lernen langfristig die Verunsicherung der Eltern zunutze machen kann. Der Panorama-Beitrag in der ARD war deutlich und erhellend und zeigte den unappetitlichen Dünkel der selbsternannten Elternelite auf. Es handelt sich beim sog. "Elternwillen" um Klassenkampf von oben, um ein Aufleben des längst untergegangenen Ständestaates. Es wurde deutlich, dass diese Typen gemeinsames längeres Lernen ihrer Kinder mit den Kindern aus unterprivilegierten Schichten einfach nicht wollen. Punkt. Da kann es keinen Kompromiß geben. Eltern, laßt euch nicht von ein paar standesbewußten Geldsäcken instrumentalisieren. Insofern war die Abstimmung ein notwendiges Signal. Ich hoffe, Hamburg kommt zur Vernunft, und die Volksabstimmung macht den Weg frei für internationale Lernstandards ohne die Zementierung von Klassenschranken.
http://www.ardmediathek.de/ard/servl...mentId=3853020

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Demokrator2007 04.03.2010, 06:20
11. Auch hier "westerwellt" es bereits

Zitat von c++
180.000 Stimmen für einen Volksentscheid, das Parlament ist einstimmt(!) dagegen. Selten wurde so krass vorgeführt, wie "repräsentativ" unsere Demokratie ist. Ich finde leider keine repräsentative Umfrage, wie die Hamburger Bürger dazu stehen. Aber der Teil der Hamburger Bürgerschaft, der sich nicht durch die Einheitsfront repräsentiert fühlt, braucht jetzt wohl ganz dringend eine neue Partei. Zwischen den Vertretern des Volkes und dem Volk wird der Graben immer breiter und tiefer. Nicht nur in Hamburg.
Bevor hier weiter so ein Unsinn verbreitet wird, bei den vehementesten Gegnern der Reform handelt es sich größtenteils um elitäres Großbürgertum mit teilw. deutlicher Ausländerfeindlichkeit und einer gewissen "Bessermenschenideologie" Damit vertritt diese Klientel aber keinesfalls ganz Hamburg.

Vielleicht einfach mal die folgenden Links anklicken:

http://panorama.blog.ndr.de/2010/02/...den-tellerand/

http://www.youtube.com/watch?v=2jAI0hzDZuc

http://www.wdr.de/tv/monitor//sendun...8/bildung.php5

Damit läßt sich das "westerwellen+sarrazinen" leicht wieder eindämmen.

Ciao
DerDemokrator

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macfan 04.03.2010, 08:06
12. Doch repräsentativ

Zitat von c++
180.000 Stimmen für einen Volksentscheid, das Parlament ist einstimmt(!) dagegen. Selten wurde so krass vorgeführt, wie "repräsentativ" unsere Demokratie ist.
Der Volksentscheid wird zeigen, wie repräsentativ unsere Demokratie ist, indem die lautstarke Minderheit dennoch Minderheit bleiben wird.

Mit Polemiken lassen sich bei uns leider leicht Stimmen gegen bestimmte Gesetze gewinnen. Ich bin selbst vor vielen Jahren auf die Propaganda für ein ähnliches Volksbegehren in NRW hereingefallen und habe da auch noch mitgemacht.

Sollten unsere Parteien wirklich immer die Meinung solcher Volksabstimmungen wiedergeben? Umfragen zeigen, dass sich bei Volksabstimmungen z. B. Mehrheiten für die Todesstrafe finden könnten. Wäre es ein schlechtes Zeichen für unsere Demokratie wenn ein Parlament dennoch einstimmig dagegen wäre?

Genau aus solchen Gründen haben die Väter des Grundgesetzes eine repräsentative und keine direkte Demokratie gewählt.

(Bevor das jemand missversteht: Das Schulsystem hat absolut nichts mit der Todesstrafe zu tun; es geht mir nur darum, ob es grundsätzlich schlecht ist, wenn sich das Parlament bestimmten Stimmungen der Masse nicht beugt.)

Gruß, Horst

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tankred10 04.03.2010, 08:09
13. Urnenepöbel

Der oben sogenannte Urnenpöbel ist in diesem Fall wohl eher die begüterte Mittel- und Oberschicht Hamburgs, die nur das "Beste" für ihre Kinder will. Leider neigen diese Eltern für ihre Kinder zu egositischem Verhalten und haben nicht den Blick auf das Gesamtwohl. Mittelschichtseltern überschätzen oftmals die Möglichkeiten ihrer Sprößlinge, wie viele Gymnasiallehrer leidvoll feststellen mussten.

Ich bin der Meinung, und fühle mich durch viele Studien bestätigt, dass diese Schulreform das Richtige ist, um die Bildung in Deutschland voranzubringen, um die Startchancen vieler gesellschaftlicher Gruppen im Bildungsbereich zu stärken und um die Vorzüge längeren gemeinsamen Lernens zu ermöglichen.

Ob 180000 Stimmen repräsentativ ist, lässt sich nicht entscheiden, zumindest spricht diese Zahl für eine hohe Mobilisierung der Hamburger Mittel- und Oberschichten und eine massive Werbekampagne(das wäre meine Vermutung).

Abschließend sei den Politkern dort gedankt, mutig gegen die Besitzstandwahrer vorgegangen zu sein und endlich mal was in der Schulpolitk bewegt zu haben.

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kahell 04.03.2010, 09:02
14. Gute Info über die Reformgegner vom ndr

Gute Info über die Reformgegner vom ndr

http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama408.html

Schon interessant zu sehen, was der Initiator meint, und was die Helfer...
Die 180000 Unterschriften sind m.E. nicht repräsentativ.

kahell

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Olaf 04.03.2010, 09:11
15. 100% Titelfrei

Zitat von sysop
Bei der Schulreform zeigt sich Hamburgs Stadtparlament demonstrativ einig: Ohne eine einzige Gegenstimme votierten die Abgeordneten für die sechsjährige Primarschule und hoffen auf einen "Schulfrieden". Doch per Volksbegehren können die Bürger das Mammutprojekt immer noch stoppen.
Einstimmige Entscheidung! Donnerwetter, erinnert aber mehr an alte Volkskammer Zeiten, als an eine demokratische Abstimmung.

100% Zustimmung bei 100% Wahlbeteiligung gab es zuletzt bei der Wahl von Sadam Hussein im Irak, wenn ich mich richtg erinnere. ;-)

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Dumme Fragen 04.03.2010, 10:14
16. Ich bin froh...

dass die noch die Kurve bekommen haben, und ich bin auch froh, dass die SPD ihr lächerliches Possenspiel aufgegeben hat und jetzt doch zur besten Schulreform seit Jahrzehnten zugestimmt hat.

Wenn 180.000 Menschen, teilweise sehr schlecht oder auch absichtlich falsch informiert fürs Begehren gestimmt haben, bleiben in Hamburg noch immer gut 1,5 Millionen Menschen übrig, die NICHT zugestimmt haben.

Jetzt bin ich ja mal gespannt, wie der Entscheid ausgehen wird.

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opar 04.03.2010, 12:31
17. Was Eltern gegen gemeinsame Klassen

mit schlechteren Schülern haben?

Man lese einmal SPON vom gestern "Hauptschüler haben keine Chance", dort steht u.a.

"Aber ein Lehrer kann nicht für 20 Problemschüler ein Elternersatz sein. Es ist wichtig, dass in Schulen mehr Sozialpädagogen arbeiten, die mit Problemen der Schüler besser zurechtkommen, ..."

Eltern sind schlichtweg der Meinung, dass, wenn schon ausgebildete Pädagogen (Lehrer) nicht mit Problemkindern fertig werden, es die eigenen Kinder erst Recht nicht schaffen.

Deshalb finde ich dieses "gemeinsam Lernen" so lächerlich.
Lehrer kommen mit den Problemschülern nicht zurecht, aber Kinder anderer Leute kann man dazu missbrauchen?

Schon ein Problemschüler bringt eine ganze Klasse durcheinander, so dass man nur noch die halbe Zeit zum Lernen kommt.

Und abgerechnet wird am Schluss:
zuerst von der Schule, die meinem Kind bei schlechter Leistung schlechte Noten gibt - da fragt plötzlich niemand mehr von der Lehrerschaft, wie denn der Unterricht die letzten Jahre ausgesehen hat.

Und spätestens vom Arbeitgeber, den es schon gar nicht interessiert, ob das Kind in eine "problematische" Klasse gegangen ist oder nicht.
Zum Schluss zählt nur, was man kann und nicht, warum man etwas nicht kann.

Man sollte Schule nicht mit einem Pfadfinderlager verwechseln. Da geht es um das ganze zukünftige Erwerbsleben. Konkreter geht es nicht.

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camemberta 04.03.2010, 12:36
18. ...

Oder man machts halt wie in Bayern. Führt per Ordre de Mufti über Nacht eine "Schulreform" ein, schickt die eigenen Kinder auf die Waldorfschule und kann daher nix Schlimmes am G8 finden, lässt sich bei der Wahl abstrafen, nennt aber das Rauchverbot als Grund - und stöpselt dann an jeder Kante und jeder Ecke einzeln rum, auf Kosten der Kinder und Eltern.

Das wird hier in der einen oder anderen Form auch so laufen, nur halt via "Einstimmigkeit" und "Volksentscheid" irgendwie "demokratischer".

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arinari 04.03.2010, 15:43
19. Propaganda

Zitat von kahell
Es gibt zu den Gegnern der Hamburger Schulreform einen schönen Beitrag des NDR: Und zum Volksentscheid kann ich nur sagen, andere Entscheide wurden auch einfach ignoriert... kahell
Ich habe den Panorama Beitrag gesehen und traute meinen Augen und Ohren nicht. Ein solch oberflächlicher dümmlicher Beitrag war dieser Sendung nicht würdig. 184.000 Menschen als Besitzstandswahrer zu bezeichnen, Golfplätze zu zeigen etc,. es war widerlich oberflächich und hat viele Menschen, die unterschrieben haben beleidigt.
So sieht keine seriöse journalistische Recherche aus. Es war schlicht und einfach Propaganda.Es wurde nicht einziges vernünftiges Gegenargument zugelassen.

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