Forum: Leben und Lernen
Hamburger Schulreform - wer setzt sich durch?

Die grundlegende Roform des Hamburger Schulwesens droht zu scheitern. Die Gegner sammelten genügend Unterschriften, um einen Volksentscheid durchzusetzen. Nun will Versandhaus-Unternehmer Michael Otto vermitteln. Was denken Sie - ist eine Reform überfällig? Und wenn, wie sollte sie aussehen?

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arinari 17.02.2010, 17:54
300. Gespür für Echtheit

Zitat von hans_hamburg
... wäre der bessere Name für die Gruppe. oder: "Alles weiter so wie vorher und wenn es nicht klappt mit der Versetzung dann aufs Internat" oder: "Placebo-Bildung für alle mit einem Jahres-Einkommen über 60.000,-. Nicht die Inhalte zählen, sondern das Gefühl auf der etablierteren Schule gewesen zu sein" Es ist Zeit das sich etwas bewegt, wenn sich etwas bewegt ist das manchmal unangenehm aberGoetsch und Ole packen das an. Die Macher und Beweger gilt es zu unterstützen, nicht die querulanten "Sitzenbleiber" der Reformgegner. Das Experiment der Reformverweigerung dauert schon viel zu lange.

Es ist schon estaunlich, wie die Reformbefürworter immer mit denselben Vorurteilen sich beruhigen. Wie kommen Sie zu der Aussage, dass 184 000 Gegner alle 60.000 Euro verdienen?
Arm und Reich alle werden gegeneinander ausgespielt. Dabei geht es nicht um Reichtum, sondern, wie stattet man die Schulen aus, damit alle Kinder besser lernen. Aber nicht dadurch, dass man sie länger zusammensperrt. Das ist naiv zu glauben,
es würde dann alles besser. Viele Menschen spüren, dass diese sog. Reform unausgegoren ist und machtpolitsch eingesetzt wird, das hat mit der dicken Brieftasche nichts zu tun, sondern mit Gespür für Echtheit.

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Flauschoid 19.02.2010, 13:47
301.

Ich frage mich, weshalb der Staat überhaupt meint mir vorschreiben zu müssen, welche Schulform die vorherrschende zu sein hat. Es gibt bereits genügend Vorschriften, die in das Leben des Einzelnen eingreifen, warum soll man sich vorschreiben lassen, ob die Schule (warum kein Homeschooling?) des eigenen Kindes gegliedert, gesamt oder grüngepunktet ist? Warum dieser Fetisch einer staatlichen Einheitsschule?

Ich denke, das Kernproblem in HH u anderen Großstädten sind die 9% Hauptschüler (passende Zahl einsetzen). Auf dem Land, wo auch Hauptschüler noch mit einiger Wahrscheinlichkeit über ein Mindestmaß an Sekundärtugenden u Kultiviertheit verfügen, funktioniert auch die Hauptschule noch. In der (Groß)Stadt, wo die Hauptschule hauptsächlich mit verwahrlosten Kindern bestückt ist, kann diese Schule keine Ergebnisse zeitigen. Wenn man sich die untersten 9% einer Großstadt genauer betrachtet, dann schlägt einem ein Maß an Rohheit und Verwahrlosung entgegen, daß einem die Spucke wegbleibt. Bourdieu hat recht treffend den Begriff des "kulturellen Kapitals" erschaffen. Darunter fallen auch Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Beherrschtheit, Fleiß u all das, was man "Zivilisation" nennt. Dieses kulturelle Kapital ist im Großstadtlumpenproletariat kaum vorhanden - wozu auch der Wohlfahrtsstaat beigetregen hat, der die Leute vor dem Fernseher degenerieren läßt.

Jetzt die Preisfrage: Wer möchte, daß sein eigenes Kind mit diesen 9% Halbzivilisierten in eine Klasse genötigt wird? Wenn man davon ausgeht, daß alle vernunftbegabten Eltern für *ihr* Kind das beste wollen, dann ist die Antwort: Niemand. Deshalb schicken ja auch weder Grüne noch SPDler ihr eigenes Kind bevorzugt auf die IGS. (Von lokalen Ausnahmen abgesehen).

Diese 9% Banausen sind überall Banausen. Egal ob auf der IGS oder auf der HS oder dem Gymi. Und niemand sollte staatlich dazu gezwungen werden, sein Kind diesen Rohlingen aussetzen zu müssen. Wenn Befürworter des Einheitssystems das gutheißen, dann sollen sie ihre eigenen Kinder auf dem Altar der gesellschaftlichen Gestaltung opfern u dem Rest die Wahl lassen.

Mein Fazit: Das staatliche Quasimonopol über die Bildung brechen. Schulen mit mehr Autonomie ausstatten (inkl.Elternmitsprache) u die Geldmittelzuweisung an die Schülerzahl koppeln, mit Boni für "Sonderfälle" wie soziale Brennpunkte oder integrative Schule etc.

Die Schule (d.h.: Lehrer, Eltern bzw. volljährige Schüler) bestimmen die Schulform. Nicht das Kultusministerium in der fernen Landeshauptstadt. Auch hier bieten sich "Bildungsgutscheine" an, die an jeder Schule eingelöst werden können. Damit wird Bildung endlich zur Ware, für die auch ein Markt entsteht.

U gerade der Ausdruck "Chancengleichheit" ist direkt aus der Klamottenkiste der staatlichen Zwangsherrschaft entnommen. Da rollen sich mir die Zehennägel auf. Wie soll Chancengleichheit herrschen, wenn die Menschen unterschiedlich sind? Wie wäre es mit Chancengerechtigkeit stattdessen?

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hjm 19.02.2010, 21:03
302.

Zitat von Flauschoid
Auch hier bieten sich "Bildungsgutscheine" an, die an jeder Schule eingelöst werden können. Damit wird Bildung endlich zur Ware, für die auch ein Markt entsteht.
Warum dann nicht gleich die radikale Lösung: Die staatlichen Schulen werden komplett abgeschafft, statt dessen das eingesparte Steuergeld als Bildungsgeld (zusätzlich zum Kindergeld) an die Eltern bzw. den volljärigen Schülker ausgezahlt. Dann könnte sich jeder die passende Bildung für die eigenen Kinder am freien Markt kaufen. Wenn das System so erstmal funktioniert, kann zusätzlich über eine Vereinfachung nachgedacht werden: Wozu den Steuerzahlern erst das Geld aus der Tasche ziehen, um es ihnen gleich wieder als Bildungsgeld reinzustecken? Lieber gleich die Steuern senken und die Verwaltung einsparen.

Zitat von
U gerade der Ausdruck "Chancengleichheit" ist direkt aus der Klamottenkiste der staatlichen Zwangsherrschaft entnommen. Da rollen sich mir die Zehennägel auf. Wie soll Chancengleichheit herrschen, wenn die Menschen unterschiedlich sind? Wie wäre es mit Chancengerechtigkeit stattdessen?
Sehr schön ausgeprägter neoliberaler Reflex: Alles, was auf "...gleichheit" endet, ist irgendwie böse. Ist "Gleichheit vor dem Gesetz" eigentich auch böse?

Und zugleich ein sehr schöner Strohmann: Dass "Chancengleichheit" und "Chancengerechtigkeit" in Wirklichkeit beide aus der Mottenkirste der neoliberalen Zwangvermarktung entsprungen sind, übergehen Sie natürlich geflissentlich. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatte eine staatliche Zwangsherrschaft "Chancengleichheit" propagiert. Die gab es weder bei Erich (dort herrschte nicht "Chancen-" sondern "Ergebnisgleichheit") noch bei Adolf (dort herrschte nun wirklich alles andere als "Chancengleicheit"). Also packen Sie Ihren Strohmann mal wieder in die Mottenkiste.

Und überhaupt: Wenn "Chancengerechtigkeit" etwas anderes als "Chancengleichheit" bedeutet, dann kann "Chancengerechtigkeit" nur bedeuten, dass es Kriterien gibt, die es rechtfertingen, Person A mehr "Chancen" zu geben, als Person B. Welches sind Ihrer Meinung nach diese Kriterien und wer vergibt die Chancen nach diesen Kriterien?

Und was passiert eigentlich mit denen, die eine gerechte Chance bekommen haben, diese aber aufgrund ungünstiger Umstände nicht nutzen konnten? Ist der (Chancen-)Gerechtigkeit dann bereits genüge getan, oder gibt es in einer chancengerechten Gesellschaft auch noch so etwas wie (ausgleichende) Gerechtigkeit?

Wird in einer "chancengerechten" Gesellschaft eigentlich die Behandlung von krebskranken Kindern von der Gemeinschaft bezahlt? Ich denke nicht, denn jedes Kind hat von Natur aus die gleiche (oder gerechte?) Chance, mit einem intakten Genom und einem gesunden Immunsystem, odre wenigstens mit reichen Eltern geboren zu werden.

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arinari 20.02.2010, 17:45
303. Wortspielereien

[QUOTE=hjm;5058205]Warum dann nicht gleich die radikale Lösung: Die staatlichen Schulen werden komplett abgeschafft, statt dessen das eingesparte Steuergeld als Bildungsgeld (zusätzlich zum Kindergeld) an die Eltern bzw. den volljärigen Schülker ausgezahlt. Dann könnte sich jeder die passende Bildung für die eigenen Kinder am freien Markt kaufen. Wenn das System so erstmal funktioniert, kann zusätzlich über eine Vereinfachung nachgedacht werden: Wozu den Steuerzahlern erst das Geld aus der Tasche ziehen, um es ihnen gleich wieder als Bildungsgeld reinzustecken? Lieber gleich die Steuern senken und die Verwaltung einsparen.



Sehr schön ausgeprägter neoliberaler Reflex: Alles, was auf "...gleichheit" endet, ist irgendwie böse. Ist "Gleichheit vor dem Gesetz" eigentich auch bös


"neoliberaler Reflex" eine schöne Worthülse, die nichts sagt, ebenso die Wortspielereien, mit Gleichheit ...
Sie sagen nichts darüber aus, welche Chancengleicheit sich ergibt, wenn Schüler 2 Jahre länger zusammen lernen. Schon mit 10 Jahren kann man erebliche Lernstandunterschiede wahrnehmen. Auch durch Binnendifferenzierung kommen Sie diesem Problem nicht bei, denn die Schere wird immer mehr auseinander klaffen. So haben Sie das 3-Gliedrige Schulsytemin einer Gruppe.. Es ist einfach ein Etikettenschwindel, der Bgriff Hauptschule vrschwindet und damit das Problem? Sie werden mit diesem wunderbaren gemeindamen Lernen nur erreichen, dass unser Bildungsniveau noch tiefer sinkt als es schon ist.

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namlob 22.02.2010, 09:38
304.

Zitat von arinari
Sie sagen nichts darüber aus, welche Chancengleicheit sich ergibt, wenn Schüler 2 Jahre länger zusammen lernen. Schon mit 10 Jahren kann man erebliche Lernstandunterschiede wahrnehmen. Auch durch .....
Sie haben es offenbar immer noch nicht begriffen: Das ist der Sinn der beabsichtigten Maßnahme.
Schon jetzt klagt man, dass mit dem G8 der Sprachunterricht leidet. Durch die G6 - Grundschule - wird dieses Projekt weiter vorangetrieben. "Binnendifferenzierung" ist ein schönes Wort. Setzt Lehrerstellen voraus, die jetzt eingespart werden.

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arinari 22.02.2010, 12:01
305. Sinn Ihres Beitrages?

Zitat von namlob
Sie haben es offenbar immer noch nicht begriffen: Das ist der Sinn der beabsichtigten Maßnahme. Schon jetzt klagt man, dass mit dem G8 der Sprachunterricht leidet. Durch die G6 - Grundschule - wird dieses Projekt weiter vorangetrieben. "Binnendifferenzierung" ist ein schönes Wort. Setzt Lehrerstellen voraus, die jetzt eingespart werden.
Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus wollen, haben Sie meinen ganzen Beitrag gelesen?
Ich bin gegen 6 Jahre gemeinsamen Lernens, habe dies in meinem beitrag begründet.

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vanderwern 22.02.2010, 19:49
306.

Zitat von namlob
Schon jetzt klagt man, dass mit dem G8 der Sprachunterricht leidet. Durch die G6 - Grundschule - wird dieses Projekt weiter vorangetrieben.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? (Echte Frage!)

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Blaue Fee 22.02.2010, 20:26
307. Sprachunterricht

Wahrscheinlich, weil in Deutschland der Sprachunterricht meistens erst nach der Grundschule einsetzt, was ich persönlich für einen grossen Fehler halte.

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dickebank 22.02.2010, 20:30
308. mehrsprachige Sprachlosigkeit

Zitat von Blaue Fee
Wahrscheinlich, weil in Deutschland der Sprachunterricht meistens erst nach der Grundschule einsetzt, was ich persönlich für einen grossen Fehler halte.
Ween sie denn Deutsch könnten nach der GS. Durch den GS-Englichunterricht können viele heute weder Deutsch noch Englisch.

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Blaue Fee 22.02.2010, 20:46
309.

Tja, wenn sie in D keine Muttersprachler einsetzen und nicht konsequent bilingual unterrichten, mag das so sein.

Ich hatte meine erste Fremdsprache mit 7 und die folgenden dann mit 10, 12, 14 und 20. Die Sprachen, die ich als Kind gelernt habe, spreche ich am besten.

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