Forum: Leben und Lernen
Hamburger Schulreform - wer setzt sich durch?

Die grundlegende Roform des Hamburger Schulwesens droht zu scheitern. Die Gegner sammelten genügend Unterschriften, um einen Volksentscheid durchzusetzen. Nun will Versandhaus-Unternehmer Michael Otto vermitteln. Was denken Sie - ist eine Reform überfällig? Und wenn, wie sollte sie aussehen?

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hjm 22.02.2010, 21:01
310.

Zitat von dickebank
Ween sie denn Deutsch könnten nach der GS. Durch den GS-Englichunterricht können viele heute weder Deutsch noch Englisch.
Der Fremsprachunterricht an der Grundschule ist doch auch so ein typischer Bildungsexperten-Missgriff. Es gibt zwei Wege, eine Sprache zu erlernen. Als kleines Kind eine oder mehrere Muttersprachen "intuitiv" lernen oder in fortgeschrittenem Alter eine oder mehrere Fremdsprachen "rational" lernen. Das sind zwei derart verschiedene Lernwege, dass allein schon die Idee abstrus ist, man könne durch eine willkürliche Kombination der beiden (hier: Sprachunterricht im Kindesalter) den Prozess "optimieren" (neudeutsch: "Effizienzsteigerung").

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namlob 23.02.2010, 09:03
311.

Zitat von arinari
Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus wollen, haben Sie meinen ganzen Beitrag gelesen? Ich bin gegen 6 Jahre gemeinsamen Lernens, habe dies in meinem beitrag begründet.
Seit Jahrzehnten kämpfen die Lehrer an Grund-,Haupt- und Realschulen (SI), die als gehobener Dienst eingestuft sind, auf Gleichbehandlung mit den Gymnasiallehrern (Höherer Dienst) und das mit Unterstützung ihrer "Ausbilder" - Professoren und "Experten" - weil deren Wert sich ihrer Auffassung nach am "Wert" (der Bezahlung)ihrer Ausgebildeten bemisst. Kampfrichtung ist daher: gegen das Gymnasium - Verkürzung der dortigen Ausbildung - für die Gesamtschule - dort vornehmlich SI-Lehrer. Diese Kampfrichtung versperrt den Blick über den innereuropäischen Tellerrand - dort wird weitgehend früher eingeschult als bei uns (Niederlande, Frankreich). Wäre natürlich für das Ziel einer Gleichbehandlung mit den Gymansiallehrer weniger geeignet.
Der "klassenkämpferische Touch" hier "arm" dort "reich" erscheint reichlich absurd. "Reiche Kinder" werden ihre Ferien in ausländischen Sommerschulen oder bei ausländischen Familien verbringen oder ein Highschooljahr absolvieren, denn Sprachenkenntnis ist nun wirklich erforderlich "für das Leben"; das werden sich "arme Kinder" so kaum leisten können.
Außerdem sucht man sich seine Freunde, seinen Verein, normalerweise in "seinen Kreisen".
Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass die Schelte Ole von Beusts an der Kernwählerschaft der CDU in Hamburg sich auf seinen Zuspruch nicht positiv ausgewirkt hat.

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DanielaMund 23.02.2010, 10:40
312.

Zitat von Blaue Fee
Tja, wenn sie in D keine Muttersprachler einsetzen und nicht konsequent bilingual unterrichten, mag das so sein. Ich hatte meine erste Fremdsprache mit 7 und die folgenden dann mit 10, 12, 14 und 20. Die Sprachen, die ich als Kind gelernt habe, spreche ich am besten.
Im Videotext habe ich gestern gelesen, dass laut einer israelischen Studie Erwachsene Sprachen besser von Lehrern mit dem gleichen Akzent (also russischem Iwrit, schwäbischem Englisch..) lernen.

http://de.news.yahoo.com/12/20100216...m-d343981.html

und hier etwas ausführlicher

http://newmedia-eng.haifa.ac.il/?p=2493

Ob das auch für Kinder gilt, und wie valide das ganze mit 60 Teilnehmern ist....

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Flie 23.02.2010, 16:15
313.

Zitat von namlob
Kampfrichtung ist daher: gegen das Gymnasium - Verkürzung der dortigen Ausbildung - für die Gesamtschule - dort vornehmlich SI-Lehrer.
Für 6 Jahre Grundschule und für Verkürzung der Gymnasiallehrerausbildung, weil man möchte, dass letztere weniger Geld und man selber mehr ?

Solche Kleingeisterei kenne ich eigentlich nicht von den Befürwortern der 6jährigen Grundschule bzw. der Gesamtschule- nur vom Philologenverband, der hier in NRW, wo die Ausbildungsdauer (Master)aneinander angeglichen werden soll, nach Möglichkeiten sucht, die Ausbildung seiner Klientel als "höherwertig" einzustufen.
Das Motiv der besseren Bezahlung als Grund, die 6jährige Grundschule zu fordern?
Das halte ich denn doch für ziemlich an den Haaren herbei gezogen.

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Blaue Fee 23.02.2010, 17:02
314. Sprachunterricht bei Kindern - Primarstufe

Kinder lernen Sprachen bis zu einem gewissen Alter (je nach Studie bis ca. 7 oder auch bis zu 10 Jahren) in einem Gehirnareal, welches für die Muttersprache reserviert ist.
Hier sind Muttersprachler als Lehrer einfach besser.
Ich bin der Ansicht, dass, wenn man schon die 6-jährige Primaria/primary school in D einführen will, sie auch so gliedert, dass Kinder von Anfang an in Muttersprachler, Bilinguale oder Fremdsprachler getrennt werden (wie es allgemein üblich ist und in meiner Kindheit in einer deutschen Auslandsschule ebenfalls angewendet wurde)und zudem Parallelklassen für MINT-Fächer nach Leistung erstellt werden - sonst geht da gar nichts.

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arinari 23.02.2010, 18:31
315. Unterschied

Zitat von namlob
Seit Jahrzehnten kämpfen die Lehrer an Grund-,Haupt- und Realschulen (SI), die als gehobener Dienst eingestuft sind, auf Gleichbehandlung mit den Gymnasiallehrern (Höherer Dienst) und das mit Unterstützung ihrer "Ausbilder" - Professoren und "Experten" - weil deren Wert sich ihrer Auffassung nach am "Wert" (der Bezahlung)ihrer Ausgebildeten bemisst. Kampfrichtung ist daher: gegen das Gymnasium - Verkürzung der dortigen Ausbildung - für die Gesamtschule - dort vornehmlich SI-Lehrer. Diese Kampfrichtung versperrt den Blick über den innereuropäischen Tellerrand - dort wird weitgehend früher eingeschult als bei uns (Niederlande, Frankreich). Wäre natürlich für das Ziel einer Gleichbehandlung mit den Gymansiallehrer weniger geeignet. Der "klassenkämpferische Touch" hier "arm" dort "reich" erscheint reichlich absurd. "Reiche Kinder" werden ihre Ferien in ausländischen Sommerschulen oder bei ausländischen Familien verbringen oder ein Highschooljahr absolvieren, denn Sprachenkenntnis ist nun wirklich erforderlich "für das Leben"; das werden sich "arme Kinder" so kaum leisten können. Außerdem sucht man sich seine Freunde, seinen Verein, normalerweise in "seinen Kreisen". Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass die Schelte Ole von Beusts an der Kernwählerschaft der CDU in Hamburg sich auf seinen Zuspruch nicht positiv ausgewirkt hat.
Die höhere Bezahlung der Gymnasiallehrer gegenüber den Grund-und Realschullehrer begründet sich durch die längere
und fachbezogenere Ausbildung.

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discipulus 23.02.2010, 19:27
316.

Zitat von arinari
... sich durch die längere und fachbezogenere Ausbildung.
Die PISA-konform zugunsten des fachignoranten Lernmoderators, Lernbegleiters, Lernkasperls in den Lernwerkstätten und Lernbüros der Treibhäuser der Zukunft ihr Ende findet.

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namlob 23.02.2010, 21:28
317.

Zitat von Flie
Für 6 Jahre Grundschule und für Verkürzung der Gymnasiallehrerausbildung, weil man möchte, dass letztere weniger Geld und man selber mehr ? Solche Kleingeisterei kenne ich eigentlich nicht von den Befürwortern der 6jährigen Grundschule bzw. der Gesamtschule- nur vom Philologenverband, der hier in NRW, wo die Ausbildungsdauer (Master)aneinander angeglichen werden soll, nach Möglichkeiten sucht, die Ausbildung seiner Klientel als "höherwertig" einzustufen. Das Motiv der besseren Bezahlung als Grund, die 6jährige Grundschule zu fordern? Das halte ich denn doch für ziemlich an den Haaren herbei gezogen.
Gerade im Bildungsbereich wird gerne mit Worthülsen argumentiert. Ich hatte einmal des Vergnügen Interventionen der von den Lehrern eingespannten Elternräte zu genießen, in denen diese sich dafür in der Weise äußerten, dass bei nicht deutlich verbesserter Lehrerbesoldung die Qualität des Unterrichts nachhaltig verschlechtert werde. In der Öffentlichkeit allgemein wird natürlich anders argumentiert. Dafür gibt es dann "wissenschaftliche Expertisen".

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Flie 23.02.2010, 21:48
318.

Zitat von namlob
Ich hatte einmal des Vergnügen Interventionen der von den Lehrern eingespannten Elternräte zu genießen, in denen diese sich dafür in der Weise äußerten, dass bei nicht deutlich verbesserter Lehrerbesoldung die Qualität des Unterrichts nachhaltig verschlechtert werde.
Das kann ich unter bestimmten Bedingungen sogar nachvollziehen, nämlich dann, wenn Lehrer an einer Schule die gleichen Schüler und die gleichen Fächer unterrichten und einige Lehrer deutlich schlechter bezahlt werden. (z.B. Angestellte versus Beamte,) Dann stellt sich sicher so etwas wie Groll/Lustlosigkeit ein, die sich auf die Unterrichtsqualität auswirkt.

@ainari "Die höhere Bezahlung der Gymnasiallehrer gegenüber den Grund-und Realschullehrer begründet sich durch die längere und fachbezogenere Ausbildung."

Das stimmt nur teilweise: Länger mag sie sein, aber fachbezogener ist sie zwischen Realschulehrer (in NRW)und Gymnasiallehrer ganz sicher nicht. Beide studieren zwei wissenschaftliche Fächer.

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bono1 23.02.2010, 21:51
319.

Zitat von Flauschoid
Jetzt die Preisfrage: Wer möchte, daß sein eigenes Kind mit diesen 9% Halbzivilisierten in eine Klasse genötigt wird? Wenn man davon ausgeht, daß alle vernunftbegabten Eltern für *ihr* Kind das beste wollen, dann ist die Antwort: Niemand. Deshalb schicken ja auch weder Grüne noch SPDler ihr eigenes Kind bevorzugt auf die IGS. (Von lokalen Ausnahmen abgesehen). Diese 9% Banausen sind überall Banausen. Egal ob auf der IGS oder auf der HS oder dem Gymi. Und niemand sollte staatlich dazu gezwungen werden, sein Kind diesen Rohlingen aussetzen zu müssen. Wenn Befürworter des Einheitssystems das gutheißen, dann sollen sie ihre eigenen Kinder auf dem Altar der gesellschaftlichen Gestaltung opfern u dem Rest die Wahl lassen.
So ist es. Die Heuchelei der einschlägigen Politiker ist unerträglich.

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