Forum: Leben und Lernen
Helikopter-Eltern in der Notaufnahme: "Hilfe, unsere Tochter hat einen Eiswürfel vers
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Das Premiumkind hat in eine Brennnessel gefasst? Es hat sich den kleinen Zeh gestoßen? Oder einfach nur komisch geguckt? Dann ab zum Arzt! Die besten Anekdoten von überbesorgten Eltern in der Notaufnahme.

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robien 19.10.2018, 12:48
70. Totale Zustimmung und ein kleines ABER

Man kann sich fast wegwerfen vor Lachen ob dieser seltsamen Helikopereltern mit ihren noch seltsameren Geschichten. Wenn dadurch dann allerdings Kosten ausgelöst werden, die in den Tausender-Bereich gehen, wie in einem Fall geschildert, wird es abenteuerlich, zumal dadurch ja auch lebensnotwendige Rettungsdienste blockiert werden.

ABER: Es gibt auch (sogar erwachsene) völlig gesunde Menschen, die versehentlich gestolpert sind und dann ohne Schmerzen und äußerliche Wunden aufgestanden sind und weitergemacht haben als sei nichts passiert. Am nächsten Tag waren sie tot, gestorben an inneren Verletzungen. Wie schlimm Verletzungen tatsächlich sind, lässt sich also nicht immer abschätzen und deshalb sollte auch ein Grundverständnis für besorgte Eltern vorhanden sein. Wenn jedoch bewusst übertrieben wird oder den Notfalldiensten sogar Märchengeschichten aufgetischt werden, sollte das zu drakonischen Strafen führen.

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Nania 19.10.2018, 12:51
71.

Zitat von coyote38
... dass die Kinder und Jugendlichen alle so lebensunfähig, nervig und anstrengend sind ... wenn doch die Eltern auch schon lebensunfähig, nervig und anstrengend sind. Wir erleben die ersten Auswirkungen der Post-1968-Generation ... heidi-deidi, feel me touch me, Regeln sind doof, Erziehung ist anachronistisch, Grenzen sind unmenschlich und schaden dem Kindeswohl. Spätestens, wenn uns die heute im Berufsleben stehende und bis zur Selbstverleugnung arbeitende Baby-Boomer-Generation in Rente geht, fällt uns der ganze Laden "unterm Ar***" zusammen. Amen.
Hat nicht lang gedauert, bis jemand die 68er erwähnt hat. Klar, die sind an allem Schuld.

Dass es vernünftig ist, seine Kinder zu lieben und fürsorglich zu behandeln, ist kein Geheimnis mehr. Säuglinge schreien zu lassen bis sie keine Stimme mehr haben und in dunklen Zimmer alleine zum Einschlafen zu zwingen sind Methoden, die in den 30er und 40er Jahren "in" waren und auf die heute viele Psychologen grundlegende Probleme von Menschen zurückführen. Mangelnde Bindungserfahren, mangelnde Fürsorge, usw.

Mit Helikoptereltern hat das nicht wirklich was zu tun.
Die sind im übrigen wohl auch eher 1980 geboren worden und damit 12 Jahre nach den 1968ern.

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dr.klugscheisser 19.10.2018, 12:55
72. Ja, alles sehr witzig.

Und ich hab in aller Ruhe meinem Sohn einen Druckverband angelegt, als im eine zerberstende Fensterscheibe aus 2m ins Gesicht gekracht ist. Und die Wohnung aussah wie ein Schlachthof. Und ich fand die Mischung aus Wundkleber und Klammerpflaster für die 20 Schnitte in der Notaufnahme war professionell. Also nix mit Helikoptereltern.
Wenn ich aber der sehr jungen und unerfahrenen Notaufnahmeärztin nicht bedroht hätte, hätte sie meine Tochter mit einem Wadenwickel nach Hause geschickt. Nach 3 Tagen Fieber mit Dauerdurchfall und völliger Dehydrierung mit Verdacht auf eine schwere Entzündung hätte das lebensgefährlich werden können. Sie wurde dann stationär aufgenommen und das erwies sich als unausweichlich.
Also, man kann auchvsehr gelassen sein, manchmal machen eben auch Ärzte Fehler und dann heisst es standhaft bleiben.

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Nania 19.10.2018, 12:57
73.

Zitat von Sonia
die brauchen vor allem Ratgeberbücher, sagt meine über 90-jährige Oma. Die bekommen nichts mehr selbst hin. Denen fehle völlig das Gespür für ihre Kinder. Kein Wunder. Sie schaffen die sich nach Plan an, dann werden sie nach dem Lesen diverser Ratgeber erzogen, mit 1 Jahr in Kindereinrichtungen abgeliefert mit Gebrauchsanweisung für die Betreuer, später für die Lehrer. Der Kinderpsychologe gehört zur Familie. Logisch, dass es keine abgeschürften Knie, kein Fieber etc. mehr geben darf. Wenn versehentlich doch: Rettungswagen bestellen. Wie wurden die Eltern so? Weil es schon die Generation ist, die als Kinder abliefert wurden, diese Kinder hatten niemanden, der sie in den Arm nahm, Vertrauen aufbaute, sie hatten sich im Kleinkindalter schon unterzuordnen, auf Anordnung zu essen u. aufs Klo zu gehen, sie wurden als Babies abgelegt. Die Folgen erleben wir: Helikopteteltern.
Sorry, das ist einfach falsch.
Die Generation, von der Sie sprechen, die, die kein Vertrauen aufbauen konnte und die sich im Kleinkindalter schon unterordnen musste, war die Generation, die während des Naziregimes und darüber hinaus bis ungefähr in die 80er Jahre erzogen wurde. Da war es nämlich "in", Säuglinge schreien zu lassen und den Kindern auch sonst nicht viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Kinder "früher" waren eher schneller auf sich allein gestellt.

Interessanter Artikel dazu im Übrigen, sehr lesenswert: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-07/ns-geschichte-mutter-kind-beziehung-kindererziehung-nazizeit-adolf-hitler

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schwampf 19.10.2018, 12:57
74. Thema geht halt gut

Das Thema wird nur deswegen immer wieder gebracht, weil sich die Leute immer wieder so schön aufregen können. Siehe einige Kommentare im Forum. Auch meine Erfahrung als Vater zeigt: Nichts als Einzelfälle, wie schon von einigen richtigerweise dargestellt wurde. Unsere Tochter geht nun seit gut 5 Wochen in die erste Klasse. Ich habe vor der Schule trotz 'akademisch geprägtem' Umfeld noch keinen SUV erblickt. Und mittlerweile gehen auch tatsächlich die allermeisten Kinder alleine in die Schule. Klar, gibt es Ausnahmen. Aber 'Freaks' gibt es in allen Bereichen, nicht nur bei Eltern.

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robien 19.10.2018, 13:01
75. Wenn Sie sich diesen Schuh anziehen ...

Zitat von option13
Ich bin Vater einer kleinen wunderbaren Tochter und ich habe die Nase gestrichen voll von Leuten, die mir sagen, wie ich als Vater zu sein habe. Seit dem die Kleine auf der Welt ist, kommen aus allen Löchern irgendwelche Klugscheisser gekrochen, die mir sagen, was richtig und was falsch ist. Zum großen Teil sind das Leute, die selber gar keine Kinder haben! Ich weiß nicht was Helikopter-Eltern sind. Ich kann mir darunter nichts vorstellen und diese extremen Beispiele die dann immer genannt werden, sind doch irgendwelche Ausnahmefälle, die überhaupt nichts über "die Eltern von heute" aussagen. Zu allen Zeiten hat man immer Leute sagen hören "die Kinder heutzutage sind unmöglich, kein Wunder, das aus denen nichts wird", das wird auch immer so sein, weil die Leute, die sowas sagen wird es immer geben: Klugscheisser! Ich will davon nichts mehr hören, ich brauche niemanden, der mir sagt, was für ein Vater ich sein muß und wie ich mich zu verhalten habe. Wissen Sie warum ich das nicht brauche? Weil ich der beste Vater der Welt bin! Und SELBSTVERSTÄNDLICH behandle ich meine Tochter wie ein Premiumkind! Sie hat das nämlich verdient!
... wird er wohl auch passen.

Und jetzt komm' ich Klugscheisser auch noch mit einem wertvollen Tipp für Sie: Lesen Sie diese Artikel doch einfach nicht, niemand zwingt Sie dazu. Sie brauchen sich dann auch nicht aufregen und nicht zuletzt Ihrer Tochter wird das gut tun.

Allein Spiegel-Online bietet soviel Lesestoff, dass Sie es sicher nicht schaffen werden alles zu lesen, von den unerforschten Weiten des Internets ganz zu schweigen. Nein, Sie sind wirklich nicht genötigt, alle (Helikopter-) Eltern-Artikel zu lesen.

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claro_maa 19.10.2018, 13:02
76. und da wundert man sich...

...warum die Notaufnahmen so überfüllt und Krankenhauspersonal so überlastet ist. Schlimm sind aber nicht nur die Helikoptereltern, sondern auch diese Eltern oder Patienten, die irgendwas doch belangloses haben, tagelang warten, weil sie nicht zum Hausarzt wollen (wegen Wartezeit, weil die Sprechzeiten nicht passen etc.) und dann an Feiertagen, Wochenenden oder nachts die Notaufnahmen blockieren.

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trojanspirit 19.10.2018, 13:05
77. Heute wenig Praxisbezug

Zum Ersten... Hier jaulen offensichtlich einige der getretenen Hunde auf. Ja, tut weh sich hier wiederzuerkennen.

Aus meiner Erfahrung sowohl in der Rettungsmedizin als auch innerklinisch kann ich trotzdem sagen das eine (wenn auch knappe) Mehrheit der Eltern zwar berechtigt besorgt und meist auch aufgeregt sind wenn das Kind erkrankt/verletzt ist, aber eine Indikation auch gegeben ist. Ich kann dabei keinen, von einigen hier vorgetragenen, Unterschied zwischen Premiumkindern und Präkariatskindern feststellen.
Es lässt sich aber eine allgemeine Unfähigkeit erkennen mit Alltagssituationen souverän unzugehen. Die Kinder werden behütet und von allem fern gehalten. Eigene Erfahrungen sammeln, auch negative, daraus Schlüsse ziehen und lernen ist nicht sehr ausgeprägt. Wissen beruht oftmals nicht aus selbständig erlebten oder erlernten Erlebnissen sondern wird, bei Bedarf, ohne Kontext online erworben. Playdates, Musikschule, Sportverein, alles möglichst früh und immer Begleitet. Mich wundert das inzwischen nicht ausschließlich Klettverschlussschuhe erhältlich sind.

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Teilzeitalleinerzieherin 19.10.2018, 13:07
78. mir sind in 9 Jahren Elternsein

genau ein Helikopterpapa aber einige ihrem Nachwuchs gegenüber komplett gleichgültige desinteressierte gar ignorante Eltern über den Weg gelaufen - da ist mir der Helikopterpapa tausendmal lieber. Auch wenn ich einige seiner überzogenen Handlungsweisen kaum nachvollziehen kann. Ich war übrigens bis dato genau einmal mit einem meiner Kinder in der Notaufnahme - und das war, denke ich, bei einem knapp drei Wochen alten Säugling mit Meningitis auch durchaus legitim.

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MatthiasPetersbach 19.10.2018, 13:10
79.

Zitat von hamish1966
...Also: Her mit einem umfassenden Buch. das ohne missionarischem Schnickschnack wie esoterischem Pendeln bei Bauchschmerzen daherkommt.
Gibts im Antiquariat.
Heute gibts nur noch völlig durchgedrehte Zeitschriften und Ratgeber - und das Internet. Und andere Eltern. Mit noch mehr Drehzahl. Das alles an sich ABGLEITEN zu lassen, ist eine Herkulesaufgabe, die wohl viele nicht hinkriegen.

Ich bin nichtmal überzeugt, daß das MEINE Eltern hingekriegt hätten.
Mir tun die heutigen Leute teilweise leid.

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