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Helikopter-Eltern im Krankenhaus: "Das ist Ketchup, mein Schatz, kein Blut"
Getty Images/Cultura RF

Sie fahren wegen Lappalien in die Notaufnahme, sie finden es okay, wenn ihr Kind Zahnarzthelferinnen beißt, und sie verbieten Spritzen, weil ihr Schatzi die nicht mag: Geschichten von irren Eltern beim Arzt.

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hörwurm 18.12.2017, 13:16
10. Unverstand

Was ich regelmäßig nicht begreifen will, ist der Unverstand meiner Mitbürger. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, so dass die Lebensart von Helikoptereltern gesamtgesellschaftliche Auswirkungen hat; denn der Flügelschlag eines Schmetterlings kann im Südpazifik einen Sturm auslösen. Stöpsel im Ohr mit Blick auf das Smartphone, krankhaft runder Rücken, flache Brust und Sixpack, kein Sinn für das Umfeld, keine Menschenkenntnis, dafür Partnersuche per Internet usw. Social Medias anstelle von Lebenserfahrung. Herzlichen Dank, ihr lieben Eltern.

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grabenkaempfer 18.12.2017, 13:16
11.

Ich bin fasziniert. Wo um alles in der Welt gibt es diesen Typ Eltern?
Weder im Familienumfeld noch bei Freunden gibt es solche Irren.

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cremuel 18.12.2017, 13:20
12.

An der Helikopter-Nummer haben Sie Gefallen gefunden - meinetwegen, wenn die Klicks stimmen.
Was aber sollen solche schwachsinnigen Sätze:

"Physio, Ergo, Sprache: Rund ein Viertel der Kinder im Einschulungsalter sind in Therapie, das zeigt der AOK-Heilmittelbericht aus dem Jahr 2016. Das bedeutet: Fast jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen sind nicht normal entwickelt. Im Vergleich zu 2003 ist das eine Zunahme von mehr als 40 Prozent. "

Auf "Bento" einen auf Diversität machen und hier plötzlich "nicht normal entwickelt"? Die Zahlen sagen nix dazu, ob Kinder mit ein bisschen professioneller Hilfe eine oder mehrere Schwierigkeiten überwinden oder ständig therapiert werden. Viele Kinder kommen mit ein paar Wochen Ergo oder Logo weiter als mit Mama, Papa oder Lehrerin und das ist gerade kein Helikoptern, sondern sinnvolle und oft abschließende Behandlung von Themen, die ohne Hilfe jahrelang nerven können.

Wenn schon Boulevardisierung solcher Themen, dann muss man es aber auch können.

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Frittenbude 18.12.2017, 13:30
13.

Zitat von vernunft.vor.ideologie
Im Artikel steht: "Im Vergleich zu 2003 ist das eine Zunahme von mehr als 40 Prozent...". Interessant wäre es, Vergleichszahlen aus den 60er oder 70er Jahren zu haben. Wahrscheinlich kämen wir da auf eine Zunahme in der Größenordnung von 500%. Meine Eltern waren sicher auch liebende und sorgende Eltern, aber wenn wir abends mal wieder mit aufgeschlagenen Knien nach Hause kamen, hieß es entweder "Mach Dir ein Pflaster drauf" oder aber "Pass beim nächsten Mal halt besser auf". Punkt, Ende der Diskussion. Wahrscheinlich waren die Eltern damals eher willens zu unterscheiden, was ernst oder was eine Lappalie war. Nehme an, das hat auch was mit gesundem Menschenverstand zu tun.
Ach wissen Sie, früher war sowieso alles besser, man hat alles ein bisschen lockerer gesehen. OK, ich hatte dafür dann in den 70ern auch schon in den Milchzähnen ettliche Plomben....
Als ich übrigens letzten Sommer mit meiner 2-Jährigen Tochter nicht(!) in die Notaufnahme gefahren war, nachdem sie sich an einem Freitagnachmittag bei einem Sturz einige Schottersteinchen in die Stirn geschlagen hatte, habe ich mir beim Kinderarzt dafür einige Wochen später - was wohl - anhören müssen: Das hätten Sie aber kleben lassen sollen.....
Also wie man es als Eltern macht, macht man es verkehrt, und hinterher sind alle immer ganz schlau, vor allem in Foren über (vermeintliche) Helikoptereltern ....

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der IV. Weg 18.12.2017, 13:32
14. Denn sie wissen

Zitat von vernunft.vor.ideologie
Nehme an, das hat auch was mit gesundem Menschenverstand zu tun.
nicht was sie tun.
Könnten sie die Folgen ihres Handelns in 10 (20, 30,..) Jahren sehen,
würden sie es unterlassen.

Gesunder Menschenverstand kommt u.a. durch den Kontakt zur Natur.
Und den haben allzuviele Menschen heute verloren.
Traurig, aber wahr.

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Champagnerschorle 18.12.2017, 13:38
15. Hoffnung

Zitat von cataton
Ich sehe in solchen Artikeln keinen Mehrwert für unsere Gesellschaft. Einzig alleine das alle Eltern heutzutage diffamiert werden mit solchen Artikeln.
Diffamiert werden lediglich die Helikoptereltern und dies zum Wohl ihrer Kinder zurecht.
Mehrwert:
Vielleicht erkennen ein paar Helikoptereltern ihr falsches Handeln und ändern es. Den Kindern wäre geholfen. Glaube ich wirklich daran? Weniger! Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt.

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jawahnsinn 18.12.2017, 13:44
16. Korrekt

Ich gehöre nicht zum ärztlichen Personal, kann dennoch verstehen, warum das nervt.
Klar gibt es auch die anderen Extreme: die, die sich gar nicht kümmern. Aber über die wird auch berichtet. Jeden Tag! Und es ist frustrierend. Warum nicht auch mal über die, die die "Special Snowflake"-Generation von morgen großzieht? Ist doch unterhaltsam und, wie ich im Titel bereits angekündigt habe, aus meiner Sicht "korrekt".

Diese enervierenden Exemplare von Eltern hat ja auch jeder im Freundeskreis. Beispiele:
- Permanent von der Unverträglichkeit und Allergie sprechen
- permanent gegen Erziehungspersonal anrennen
- zuhause tendenziell anti-autoritärer Ansatz
- Gespräche mit anderen Eltern und Freunden hört sich nach Mission an
- tendenzielle Mitgliedschaft in diversen Elternräten

Genannte Beispiele sind, in meinem Bekanntenkreis, immer mit einem positiven Gegenpol versehen. Ich habe also den Vergleich und kann sagen: Es geht auch anders.
Gerade wenn es beim Elternabend heißt "Wer möchte im kommenden Schuljahr im Elternrat sitzen?" bleibt meine Hand stets unten. Zwischen den profilneurotischen Eltern, die sich am liebsten den ganzen Tag gegenseitig die Tasche vollhauen und jeden Ratgeber schon zig Mal gelesen haben, möchte ich keinen Ausflug planen. Been there, done that!

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j2011 18.12.2017, 13:44
17. Krankenhausinkompetenz vs. Helikopter-Eltern

Es geht auch andersherum: Meine dreijährige Enkelin hatte nach ihrer Geburtstagsfeier Bauchweh und schrie wie am Spieß -übrigens an einem normalen Wochentag und nicht am Wochenende. Die Kinderarztpraxis war schon geschlossen und meine Tochter vermutete , daß es vielleicht der Blinddarm sein könnte. Also fuhr sie mit dem Kind in die Ambulanz des örtlichen Kinderkrankenhauses. Dort wartete sie ca. 3 Stunden, bevor sie einen Arzt zu sehen bekam. Der schickte sie zum Röntgen, wo sie weitere 2 Stunden zubrachte. danach war sich der junge Arzt nicht sicher, ob es wirklich der Blinddarm war und er wollte die Meinung einer älteren Kollegin abwarten. Allerdings versuchte er, dem Kind eine Beruhigungsspritze zu geben, weil es weiterhin wie am Spieß schrie oder wimmerte. Beim Versuch, die Spritze zu setzen, schrie das Kind noch viel mehr und es stellte sich heraus, daß die Spitze der Spritze abgebrochen war und der Arzt meine Enkelin noch zusätzlich malträtierte. Endlich packte man das vollkommen fertige Kind in ein Krankenbett und gab der Mutter einen Stuhl, worauf sie die Nacht verbringen konnte. Am nächsten Tag weinte das Kind nicht mehr und ein weiterer Arzt riet meiner Tochter noch zu bleiben, um auf die Kollegin zu warten, die anscheinend als einzige einen entzündeten Wurmfortsatz erkennen konnte. Um die Mittagszeit endlich konnte meine Tochter bei der Ärztin vorsprechen. Woher die Bauchschmerzen gekommen waren, war nicht mehr festzustellen, aber der Blinddarm war es nicht. Dieses Krankenhaus haben wir nie mehr betreten. Wenn etwas Akutes mit den Kindern war, sind wir dann lieber in das Krankenhaus in der benachbarten Stadt gefahren und nicht in diese spezielle Kinderklinik der Inkompetenz.

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bandelier 18.12.2017, 13:45
18. Bei der Beobachtung junger Eltern fällt mir auf,

dass sie oft überhaupt kein Vertrauen in ihre Kinder haben, was mich darauf schliessen lässt, dass sie über wenig Selbstvertrauen verfügen. Mit einem Kind, das Durchfall hat, muss niemand in die Notaufnahme. Kind ins Bett, nur viel Tee zu trinken geben und dann Gottvertrauen. Hilft enorm. Sollte es allerdings 3 Tage dauern, muss natürlich der Kinderarzt konsultiert werden. Doch wo dauert es schon 3 Tage? Wer richtig Deutsch versteht, weiss, dass die Notaufnahme für Notfälle zuständig ist, und weder ein Durchfall noch ein Husten sind Notfälle, sondern sehr natürliche Befindlichkeitsstörungen. Dieses Unvermögen und das mangelnde Vertrauen setzen sich fort bis zur Schule. Da werden Drittklässler, die den Weg zu ihrer Schule über Fusswege und ohne eine Strasse überqueren zu müssen, allmorgendlich von den Müttern, die auch noch den Ranzen tragen, begleitet. Und reden diese Mütter mit ihren Kindern? Nein, sie daddeln auf dem Smartphone. Ich möchte heute weder in einem Kindergarten noch in einer Schule verantwortlich sein für Kinder, denen keinerlei Grundlagen vorgelebt und vermittelt werden. Bin selbst in der glücklichen Situation, dass meine kleinen Enkelkinder so selbständig und selbstbewusst sein, 25 Min. zur Schule zu laufen. Und das ist toll, weil sie unterwegs ihre Freunde treffen und dann schon mit Frischluft gut versorgt, derzeit im tiefen Schnee, und intensivem verbalen Austausch mit den Freunden völlig entspannt in der Schule ankommen, sehr zur Freude der Lehrerinnen. Diese Kinder mussten bisher die Notaufnahme auch nur bei Knochenbrüchen und grossen zu nähenden Platzwunden in Anspruch nehmen - mit grossem Stolz: "ohne zu weinen". Für Durchfall und Husten ist die Mutter zuständig, die das mit Bravour und Gelassenheit schafft.

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jawahnsinn 18.12.2017, 13:49
19.

Zitat von cataton
Ich sehe in solchen Artikeln keinen Mehrwert für unsere Gesellschaft. Einzig alleine das alle Eltern heutzutage diffamiert werden mit solchen Artikeln. Um Kinder zu erziehen bedarf man ein ganzes Dorf und genau das ist doch heute nicht mehr gegeben und deswegen läuft bei vielen alles schief.
Ich sehe in Ihrem Beitrag gerade auch keinen Mehrwert. Das Sprichwort, dass man für die Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf braucht, sagt im Kern doch aus, dass man das Medizinische dem Medizin-Mann, das zu Lehrende dem Lehrer und für einen Rahmen einen gesellschaftlichen Durchschnitt / Mittelweg benötigt.
Helikopter-Eltern übernehmen jedoch die Rolle des ganzen Dorfes. Und der SPON-Artikel gibt eben gerade mal den "medizinischen-Notfall"-Aspekt zum Besten. Warum nicht?

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